Kurt Wilhelm Lentrodt (* 24. März 1898 in München; † 25. September 1979 ebenda) war ein deutscher Arzt und Zahnarzt. Für sein medizinisches und gesellschaftliches Engagement erhielt er namhafte Auszeichnungen, darunter das Große Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden.
Familie Kurt Wilhelm Lentrodts Großvater Wilhelm Lentrodt (1838–1921) war Landwirt in Pyrmont und Waldeckscher Landtagsabgeordneter; sein Vater, Hans Lentrodt (1869–1946), Hofzahnarzt und Sanitätsrat, führte seit 1895 eine zahnheilkundliche Praxis in München. Zu seinen Patienten zählten neben dem europäischen Hochadel und bekannten Politikern auch der Dichter Rainer Maria Rilke.
1931 heiratete Kurt Wilhelm Lentrodt Margret Schmölder. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.
Ausbildung und Approbation Kurt Wilhelm Lentrodt besuchte das Ludwigsgymnasium und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach dem Studium der Medizin und der Zahnheilkunde approbierte er als Arzt und Zahnarzt. Die Promotion zum Facharzt für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde erfolgte 1922, die Promotion zum Doktor der Medizin im Jahre 1929. Danach folgte eine Zeit der Assistenz an der Westdeutschen Kieferklinik in Düsseldorf.
Ärztliche Tätigkeit 1926 trat Kurt Wilhelm Lentrodt in die Münchener Praxis seines Vaters Hans Lentrodt ein. Neben seiner praktischen Tätigkeit widmete sich Kurt Wilhelm Lentrodt weiterhin intensiv der zahnheilkundlichen Forschung und Wissenschaft. Aufgrund seiner fachlichen Reputation wurde er in den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde berufen, deren 2. Präsident er von 1954 bis 1957 war. 1955 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ab dem Wintersemester 1955 hielt Kurt Wilhelm Lentrodt dort Vorlesungen über Grenzgebiete der Zahnheilkunde und Medizin, die er auch nach Überschreitung der Altersgrenze als aktives Mitglied des Lehrkörpers beibehielt. Neben wissenschaftlichen Vorträgen in Malmö, Bologna, Bozen, Salzburg, Linz, Turin, Warschau, Bari und Rom hielt Lentrodt auch Hauptreferate in Frankfurt, Hamburg, Nauheim, Dresden, Berlin, Regensburg, München, Nürnberg und Jena. 1960 wurde Kurt Wilhelm Lentrodt zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Medizinischen Arbeitsgemeinschaft für Herdforschung und -bekämpfung gewählt, 1964 folgte die Ernennung zum Ehrenmitglied der Vereinigung für Wissenschaftliche Zahnheilkunde in Stuttgart.
Gesellschaftliches Engagement Kurt Wilhelm Lentrodt war von 1933 an ununterbrochen Kirchenvorstand in den Münchener Gemeinden Dreifaltigkeit, Stephanus und Emmaus. Er war aktives Mitglied der Bekennenden Kirche und ein persönlicher Freund des Schweizer Theologen Karl Barth, der als „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ gilt. Seit 1949 war Kurt Wilhelm Lentrodt ununterbrochen gewähltes Mitglied der Bayerischen Landessynode, seit 1965 ihr Alterspräsident. Lentrodt gilt als Initiator und Wegbereiter für die Gründung der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Universität München. Sein besonderes Interesse an der ökumenischen Bewegung führte zu Begegnungen von führenden katholischen und evangelischen Christen in seinem Haus. Darüber hinaus engagiert sich Kurt Wilhelm Lentrodt auch gesellschaftlich im Rahmen des Münchener Rotary Clubs, dessen Präsident er 1959 wurde.
Mitgliedschaften und Ämter 1951: Mitglied der Internationalen Akademie für Zahnärzte (USA) 1954 bis 1957: 2. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde 1954: Wahl zum Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift 1955: Korrespondierendes Mitglied der Italienischen Stomatologischen Gesellschaft 1955: Honorarprofessor an der Universität München 1956: Wahl in den Beirat der Gesellschaft für Allergie und Asthmaforschung 1956: Wahl ins Preisrichterkollegium und in den Beirat der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift 1957: Ehrenvizepräsident des XII. Internationalen Zahnärztekongresses in Rom 1959: Vorsitzender des Sanitäts-Ausschusses für den Evangelischen Kirchentag in München 1959: Präsident des Rotary-Clubs München-Mitte 1960: Ehrenpräsident der Deutschen Medizinischen Arbeitsgemeinschaft für Herdforschung und -bekämpfung Seit 1960: Mitglied des Distriktbeirats von Rotary International 1964: Ernennung zum Ehrenmitglied der Vereinigung für Wissenschaftliche Zahnheilkunde in Stuttgart Seit 1965: Alterspräsident der Evangelisch-Lutherischen Landessynode in Bayern 1969: Beauftragter für die Gründung der Rotary-Clubs Weilheim, Starnberg und München-Friedensengel
Auszeichnungen miniatur|hochkant|Verleihungsurkunde für das Große Verdienstkreuz 1954: Preis für die „beste wissenschaftliche Arbeit“ der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde 1958: Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1962: Verleihung der Hermann-Euler-Medaille auf dem Welt-Kongress der FDI in Köln 1965: Verleihung des Bayerischen Verdienstordens 1970: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1973: Verleihung der Medaille „München leuchtet“ für besondere Verdienste um die Landeshauptstadt München
Veröffentlichungen Der Schmerz und seine Bekämpfung in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. 1952 Therapie der Herderkrankungen. 1954 Das Leiden als Kernproblem von Theologie und Medizin. In: Evangelische Theologie, 31. Jahrgang, 1971, S. 283–304
Weblinks Historie auf der Praxisseite von Sohn Michael J. und Enkel Markus F. O. Lentrodt Rückblick auf 40 Jahre evangelische Theologie an der LMU München E. Reichenbach: Laudatio zum 70. Geburtstag Kurt Wilhelm Lentrodts, PMID 4889165
Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Zahnarzt Kategorie:Person (Rotary International) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1979 Kategorie:Mann