Der Große Preis von Frankreich 1968 (offiziell LIV Grand Prix de France) fand am 7. Juli auf dem Rouen-les-Essarts in Rouen statt und war das sechste Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1968.
Berichte Hintergrund Nachdem der Große Preis von Frankreich in den Jahren zuvor nacheinander auf dem Circuit de Charade, dem Circuit de Reims-Gueux und dem Circuit Bugatti stattgefunden hatte, wurde er 1968 erstmals seit 1964 wieder in der Nähe von Rouen veranstaltet.
Nach dem Großen Preis der Niederlande führte Graham Hill in der Fahrerwertung mit zwölf Punkten vor Jackie Stewart und mit 14 Punkten vor Pedro Rodríguez. In der Konstrukteurswertung führte Lotus mit zwölf Punkten vor McLaren und mit 13 Punkten vor B.R.M.
Honda plante erstmals den Einsatz des neu entwickelten Typ 302 mit luftgekühltem Motor, den Werksfahrer John Surtees in den Wochen zuvor getestet hatte. Da Surtees den Wagen für noch nicht ausgereift hielt, weigerte er sich, das Rennen damit zu bestreiten, und wurde mit dem bereits bewährten Typ 301 für den Grand Prix gemeldet. Da allerdings Konzernchef Sōichirō Honda das Rennen besuchte, sollte der neue Rennwagen unbedingt an den Start gebracht werden. Man entschloss sich, ihn unter dem Teamnamen „Honda France“ zu melden und von dem populären französischen Rennfahrer Jo Schlesser als Gaststarter fahren zu lassen.
Da Brian Redman weiterhin verletzungsbedingt fehlte, engagierte das Cooper-Werksteam den Formel-1-Neuling Vic Elford und lieh zudem Johnny Servoz-Gavin als Besetzung für den zweiten Wagen von Matra aus.
Dan Gurney pausierte an diesem Wochenende, weil er weiterhin keine Weslake-Motoren für sein Eagle-Team zur Verfügung hatte und im Gegensatz zum Großen Preis der Niederlande zwei Wochen vorher auch nicht die Gelegenheit erhielt, als zusätzlicher Fahrer in einem Werksteam an den Start zu gehen.
Training Während des Trainings verunglückte Jackie Oliver bei hoher Geschwindigkeit, ohne sich ernsthaft zu verletzen. Sein Lotus 49 wurde dabei allerdings so stark beschädigt, dass eine Reparatur bis zum Rennen nicht mehr möglich war und Oliver auf den Start verzichten musste. Jochen Rindt erzielte im Werks-Brabham die erste Pole-Position seiner Grand-Prix-Karriere und teilte sich die erste Startreihe mit dem Matra MS10 von Stewart und dem Ferrari 312 von Jacky Ickx. Denis Hulme und Chris Amon qualifizierten sich für die zweite Reihe. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 14. August 2011)
Rennen Das Rennen wurde bei leichtem Regen gestartet. Nahezu alle Fahrer wählten Intermediates als Bereifung. Einzig Ickx fuhr auf vollwertigen Regenreifen los, was sich bereits nach der ersten Runde als richtige Entscheidung erwies, da er in Führung gehen und sich leicht absetzen konnte. Dahinter kämpften Rindt und Stewart um den zweiten Platz, gefolgt von Surtees.
Zu Beginn der dritten Runde verlor Schlesser die Kontrolle über den neuen Honda. Der Wagen überschlug sich und fing Feuer. Das Benzin aus den noch vollen Tanks und das aus Magnesium gefertigte Chassis brannten derart intensiv, dass für Schlesser jede Hilfe zu spät kam. Nach Jim Clark, Mike Spence und Ludovico Scarfiotti war er bereits der vierte Formel-1-Fahrer, der in diesem Jahr starb. Unter den vieren war er allerdings der einzige, der während eines Grand Prix tödlich verunglückte.
Obwohl das lichterloh brennende Wrack zum Teil auf der Strecke lag, wurde das Rennen nicht abgebrochen. Rindt erlitt beim Passieren der Unfallstelle durch die Hitze und umherliegende Trümmerteile einen Reifenschaden, der ihn zu einem Boxenstopp zwang. Unterdessen überholte Surtees den Zweitplatzierten Stewart und hielt diese Position, bis er in der siebten Runde seinerseits von Rodríguez überholt wurde. Der in der Weltmeisterschaft führende und vom neunten Platz gestartete Hill überholte schließlich Stewart und nahm bis zu seinem Ausfall wegen eines Bruchs der Antriebswelle den vierten Rang ein.
In der 19. Runde kam Ickx kurz von der Strecke ab und wurde infolgedessen von Rodríguez und Surtees überholt. Innerhalb von nur einer Runde kämpfte er sich jedoch zurück an die Spitze, verteidigte diese Position bis ins Ziel und stellte somit seinen ersten Sieg in seinem erst achten Grand Prix sicher. Rodríguez verlor wegen eines umfangreichen Boxenstopps den zweiten Platz an Surtees, den dieser hielt, obwohl er ebenfalls einen kurzen Stopp einlegen musste.
Elford beendete sein Grand-Prix-Debüt auf dem vierten Platz. Rodríguez ließ sich zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere die schnellste Rennrunde gutschreiben.
Meldeliste
Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 2 Brabham BT26 Repco 860 3.0 V8 4 6 Matra MS11 Matra MS9 3.0 V12 8 McLaren M7A Ford Cosworth DFV 3.0 V8 10 12 Lotus 49B 14 16 Honda RA301 Honda RA301E 3.0 V12 18 Honda RA302 Honda RA302E 3.0 V8 20 BRM P133 BRM P142 3.0 V12 22 BRM P126 24 Ferrari 312 (1968) Ferrari 242C 3.0 V12 26 28 Matra MS10 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 30 Cooper T86B BRM P142 3.0 V12 32 34 Lotus 49 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 36 BRM P126 BRM P142 3.0 V12
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:56,1 202,853 km/h 1 2 1:57,3 200,777 km/h 2 3 1:57,7 200,095 km/h 3 4 1:57,7 200,095 km/h 4 5 1:57,8 199,925 km/h 5 6 1:58,0 199,586 km/h 6 7 1:58,2 199,249 km/h 7 8 1:58,9 198,076 km/h 8 9 1:59,1 197,743 km/h 9 10 1:59,3 197,412 km/h 10 11 2:00,2 195,933 km/h DNS 12 2:00,3 195,771 km/h 11 13 2:00,8 194,960 km/h 12 14 2:00,8 194,960 km/h 13 15 2:01,1 194,477 km/h 14 16 2:01,2 194,317 km/h 15 17 Wegen eines Fehlers der Rennleitung wurden die Startplätze von Elford und Schlesser vertauscht. 2:04,5 189,166 km/h 17 18 2:05,5 187,659 km/h 16 Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 60 0 2:25:40,9 3 2 60 1 + 1:58,6 7 3 59 1 + 1 Runde 2 4 58 0 + 2 Runden 16 5 58 1 + 2 Runden 4 6 57 0 + 3 Runden 14 7 57 1 + 3 Runden 12 8 56 1 + 4 Runden 6 9 56 0 + 4 Runden 8 10 55 1 + 5 Runden 5 11 54 0 + 6 Runden 11 – 53 1 + 7 Runden 10 2:11,5 (19.) – 45 1 DNF 1 – 15 0 DNF 13 – 14 0 DNF 9 – 14 0 DNF 15 – 2 0 DNF 17 DNS Oliver konnte nach einem Unfall im Training aufgrund der Beschädigungen an seinem Wagen nicht am Rennen teilnehmen. ––––– Anmerkungen
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e). Die besten fünf Ergebnisse der ersten sechs und der zweiten sechs Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Lotus-Ford 242 Matra-Ford163 Ferrari164 McLaren-Ford125 B.R.M.10 6 McLaren-Ford 97 † Lotus-Ford98 Matra99 Honda610 † Cooper-B.R.M.611 B.R.M.612 Cooper-B.R.M. 513 Ferrari414 Brabham-Repco415 Cooper-B.R.M.416 Cooper-B.R.M.3 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte17 Brabham-Repco 218 Lotus-Ford219 B.R.M.120 Lotus-Ford / Cooper-Maserati 021 McLaren-B.R.M. / Cooper-Maserati 022 Brabham-Repco0– Brabham-Climax 0– Eagle-Weslake / Brabham-Repco0– LDS-Repco0– Cooper-Climax0– Brabham-Repco0– Ferrari0– † B.R.M.0– Brabham-Repco0– Matra-Ford0– † Honda0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 292 193 194 195 17 6 127 6 Pos. Konstrukteur Punkte8 69 610 211 0– 0– 0– LDS-Repco0
Einzelnachweise
Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
#1968 Frankreich Kategorie:Sportveranstaltung im Département Seine-Maritime