mini|Édouard Joseph Dantan, Un Coin du Salon en 1880 mini|Honoré Daumier, Salon de Paris am Tag des kostenlosen Eintritts, 1852

Der Salon de Paris ( für Pariser Salon) war eine regelmäßige Kunstausstellung, die von König Ludwig dem XIV. im Jahre 1667 initiiert wurde, um den offiziellen höfischen Kunstgeschmack zu propagieren. Im 19. Jahrhundert war der Salon Mittelpunkt und Bühne des französischen Kunstbetriebes. So wurden während des Pariser Salons des Jahres 1855 beispielsweise 891.682 Besucher gezählt und 1880 stellten 5184 Künstler 7289 Exponate aus. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 13 Das Jahr 1880 ist gleichzeitig das letzte Jahr, in dem es eine seitens des französischen Staates geregelte Ausstellung gab. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 13 Die Ausstellung war nicht nur ein international bekannter Treffpunkt von Sammlern und Händlern, bei dem alljährlich Millionenbeträge umgesetzt wurden, sondern auch ein wesentliches gesellschaftliches Ereignis. Insbesondere im 19. Jahrhundert war er auch das kulturelle Aushängeschild des jeweiligen Regimes. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 27 Höhepunkt dieser Entwicklung war, dass auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1855 dem Industriepalast mit seiner Palette an industriellen Errungenschaften gleichwertig ein Palast der Schönen Künste an die Seite gestellt wurde. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 30.

Der Salon erfuhr im Verlauf seiner Existenz zahlreiche Änderungen bezogen auf die Auswahl der Exponate, die zugelassenen Künstler und Zuschauer, Ausstellungsdatum und -rhythmus. Zuerst nur den Mitgliedern der königlichen Kunstakademie vorbehalten, stand nach der Revolution der Salon auch anderen Künstlern offen. 1804 wurden erstmals einzelne Ausstellungsteilnehmer ausgezeichnet und eine Jury entschied von da an regelmäßig über die Zulassung, Ablehnung und Prämierung der zum Salon eingereichten Werke. Lange Zeit war für einen Künstler die Zulassung zu der Ausstellung die Grundvoraussetzung, um allgemein anerkannt zu werden. Französische Salonmaler waren diesseits und jenseits des Atlantik in der Lage, für ihre Gemälde Spitzenpreise zu erzielen. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 28. Während der sogenannten Salon-Ära im 19. Jahrhundert entwickelte sich durch den Einfluss des Salon de Paris der Beruf des Kunstmalers in Frankreich zu einer attraktiven Profession mit einem staatlich geregelten Ausbildungsweg und überdurchschnittlichen Einkommenschancen. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 14.

Die Jury des Salons steht bis heute im Ruf, den avantgardistischen Malströmungen des 19. Jahrhunderts, nämlich der Romantik, dem Naturalismus, dem Realismus und dem Impressionismus, ablehnend gegenüber gestanden zu haben. Kunsthistoriker weisen heute allerdings darauf hin, dass Werke dieser Kunstrichtungen sehr wohl Bestandteil der Salonmalerei waren und im Salon auch durchaus erfolgreich ausgestellt wurden. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 14. Bei der Auswahl der für den Salon ausgewählten Bilder kam es wegen der großen kommerziellen Bedeutung einer Annahme im 19. Jahrhundert regelmäßig zu Intrigen und Unregelmäßigkeiten. In der Folge gab es ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Gegenausstellungen, bei denen beispielsweise Galeristen wie Louis Martinet abgelehnten Künstlern Ausstellungsmöglichkeiten in ihren Verkaufsräumen gewährten. Die kunsthistorisch bedeutsamste Gegenausstellung ist der Salon des Refusés des Jahres 1863, der von vielen Kunsthistorikern als Geburtsstunde der Moderne eingestuft wird. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 19.

Ausstellungsrhythmus und -zeit Vor der Französischen Revolution 1665 gab es am Königshof eine erste Ausstellung von Kunstwerken, die aber noch Privatissima waren. Der erste Salon, zu dem auch die Hofgesellschaft Zutritt hatte, fand 1667 im Rahmen der Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Akademiegründung statt, er wurde am 9. April eröffnet und dauerte bis zum 23. April. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 31. Nach dem Besuch des Königs und Colberts erging die Entscheidung, dass der Salon alle zwei Jahre während der Karwoche abgehalten werden soll. Allerdings fand der Salon erst im Laufe des 18. Jahrhunderts regelmäßig statt. Der nächste Salon wurde noch turnusgemäß 1669 eröffnet und zum ersten Mal in der Grande Galerie des Louvre untergebracht – der vorangehende wurde in den Sitzungsräumen der Akademie abgehalten. Die folgenden Salons fanden unregelmäßig bis 1699 statt und der erste Salon im 18. Jahrhundert – 1704 abgehalten – war der vorläufig letzte, da Kriege und der finanzielle Ruin der französischen Krone keine Mittel dafür erübrigte. Erst rund zwanzig Jahre später, nämlich 1725 wurde wieder ein Salon organisiert, doch regelmäßig fand er erst seit 1737 statt: Ausgenommen 1744 wurde er bis 1748 jährlich, danach bis 1794 alle zwei Jahre abgehalten.

Zu den Ausstellungen waren zunächst nur Akademiemitglieder zugelassen. An den 38 Salons, die zwischen 1665 und dem Revolutionsjahr 1789 stattfanden, nahmen nur jeweils 40 bis 70 Aussteller teil. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 32. Wer kein Akademiemitglied war, musste nach alternativen Ausstellungsmöglichkeiten suchen. 1751 eröffnete die erste Ausstellung der Sant-Lukas-Akademie, eine von den Zünften gegründete Bilderschau. Die Teilnahme war nicht auf Zunftmitglieder begrenzt; gegen Entrichtung einer beträchtlichen Teilnahmegebühr konnte jeder interessierte Künstler teilnehmen. 1776 erging ein Verbot solcher Zunftausstellungen, von dem vor allem die Maler der Akademie und des vom König protegierten Salon profitierten. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 33. 1777 erging auch ein Verbot anderer, von Privatpersonen organisierten Ausstellungen.

Nach der Französischen Revolution mini|François-Joseph Heim, Le Salon de 1824, Louvre Am 21. August 1791 erließ die Assemblée Nationale ein Dekret, das einen öffentlichen Salon begründete, zu dem Franzosen und Ausländer Werke einreichen konnten. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 34. Am ersten Salon, der am 12. September 1791 eröffnete, nahmen 255 Künstler teil und stellten 794 Werke aus. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 38. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der ausstellenden Künstler deutlich, wenn auch nicht kontinuierlich zu. Dies war unter anderem dadurch beeinflusst, dass die staatliche Zulassungspolitik sich mehrfach änderte. Während des 2. Kaiserreichs waren die Zulassungsbestimmungen sehr restriktiv, entsprechend stagnierten die Ausstellerzahlen. Die Anzahl der Künstler stieg bis 1880 auf 5184 an. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 47.

Eröffnungszeitpunkt und Ausstellungsdauer Die Ausstellung begann zunächst im April, dann im August, seit 1673 jedoch stets am 25. des Monats, weil auf den 25. August der Tag des Heiligen Ludwigs, Patrons der französischen Krone fällt. Der Salon dauerte meist bis zum Ende des Folgemonats.

Der Ausstellungsrhythmus verschob sich nach der Französischen Revolution. So begannen die Ausstellungen der Jahre 1800, 1801, 1802 und 1804 jeweils am 2. September und endeten im November. Von 1833 bis 1848 begannen die Ausstellungen im März und endeten zu Beginn oder Mitte Mai. Ab den 1860er Jahren bis zum Ende des staatlichen Salons war der erste Ausstellungstag gewöhnlich der 1. Mai; die Ausstellung endete in der zweiten Junihälfte. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 29.

Organisation und Finanzierung Im Ancien Régime war die Académie Royale für die Organisation des Salons zuständig. Zunächst wählte die Generalversammlung der Akademie im Mai oder Juni den Eröffnungstermin pro forma und unterbreitete diesen dem Directeur des Bâtiment, der ihn im Namen des Königs genehmigte. Darauf begann man mit der Organisation. Gelegentlich musste ein erneutes Bittschreiben aufgesetzt werden, denn die Kosten der Ausstellung wurden zum Großteil vom König getragen: Er bezahlte die Einrichtung der Ausstellungsräume, die zwei oder vier Wächter für die gesamte Ausstellungsdauer und die Ausgaben des so genannten Tapissiers, der für Aufbau und Anordnung der Ausstellungsstücke auf dem Salon zuständig war.

Mit der Verstaatlichung des Salons durch das Dekret vom 6. August 1791 wurde der Salon zu einer staatlichen Veranstaltung. Welche staatliche Behörde zuständig war, wechselte während der 90-jährigen staatlichen Salongeschichte von Regime zu Regime. Bis 1814 war das Innenministerium zuständig. Während der Restauration war der Ministère de la Maison du Roi und während der Julimonarchie der ihm unterstellte Intendant de la Liste Zivile zuständig. Danach wechselte die Verantwortung wieder zum Innenministerium, während des 2. Kaiserreichs zum ' Ministère de la Maisen de l'Empereur. 1870 wurde schließlich das Ministère des Beaux-Arts und die Ausstellung wurde einem eigenständigen Kunstressort zugeordnet. In der 3. Republik wurde daraus das Ministère de l'instruction Publique, des Cultes et des Beaux-Arts. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 64.

Im 18. Jahrhundert finanzierte sich der Salon überwiegend über den Verkauf des Ausstellungskatalogs. Bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts war der Eintritt zu der Ausstellung kostenlos. Sowohl das Ancien Régime als auch Napoleon I., Ludwig XVIII., Karl X. und Louis-Philippe I. sahen sich als Gastgeber der Künstler und des Publikums. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 67. Ab dem Jahre 1848 kostete der Zutritt Geld, lediglich die Sonntage blieben kostenfrei. Wesentliche Einnahmen wurden jedoch auch durch die Garderobe und dem Buffet erzielt. 1855, als die Kunstausstellung Teil der Weltausstellung war, wurde 4,04 Mio. Franc eingenommen. Dies war jedoch die Ausnahme: 1859 betrugen die Einnahmen 409.604 Franc. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 71.

Den Einnahmen standen Kosten für das staatliche Museumspersonal, die Einrichtung der Räume, die Bezahlung der Salonjuroren (ab 1833) und für die an die Künstler zu verleihenden Preise. In den letzten drei Jahrzehnten des Bestehens des staatlichen Salons war die Ausstellung für den französischen Staat zu einem Zuschussgeschäft geworden. Andrée Sfeir-Semler: Die Maler am Pariser Salon 1791 - 1880. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1992, S. 64.

Ausstellungsräume und Aufbau