mini|Schrannenplatz in Erding mini|Im Erdinger Holzland bei Bockhorn mini|Landratsamt Erding

Der Landkreis Erding liegt im nordöstlichen Teil des Regierungsbezirkes Oberbayern.

Geographie Lage Der Landkreis Erding liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt München. Dazwischen liegt ein Streifen des Landkreises München.

Landschaftsformen Das Gebiet des Landkreises Erding ist landschaftlich-geografisch nicht klar begrenzbar. Man unterscheidet drei Landschaftsformen: Das tertiäre Isar-Inn-Hügelland im Norden und Osten im Erdinger Holzland, das eiszeitliche Moränengebiet des Gattergebirges im Süden und Südosten sowie das Erdinger Moos als Fortsetzung der Münchner Schotterebene. Hier befindet sich noch das Naturschutzgebiet Viehlaßmoos.

Der Landkreis Erding liegt etwa zwischen 430 und 650 Metern über dem Meeresspiegel. Die mit 649 Metern höchste Erhebung befindet sich östlich von Lichtenweg in der Gemeinde Isen am südlichen Rand des Landkreises.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Freising, Landshut, Mühldorf am Inn, Ebersberg und München.

Geschichte Bis 1800 Aus der Zeit um 7000 v. Chr. sind erste menschliche Spuren nachgewiesen; ca. 2000 v. Chr. entwickelte sich eine rege Siedlungstätigkeit. Die Viehzucht überwog gegenüber dem Ackerbau.

Um 500 v. Chr. siedelten die Kelten im jetzigen Landkreis. Um etwa 15 v. Chr. verleibten sich die Römer das Gebiet ein.

Die Römer hinterließen mehrere Straßenzüge, wie etwa den von Riegerau nach Langenpreising, der einen Teil der Fernverbindung Augsburg–Regensburg darstellt und den vom Chiemgau über Anzing, Altenerding, Langengeisling bis Berglern.

Im 5. Jahrhundert mussten die Römer den Germanen weichen und hinterließen Teile des römischen Straßennetzes. So gingen die Fernverbindungen Augsburg–Regensburg und die vom Chiemgau über Anzing, Altenerding, Langengeisling bis Berglern durch den heutigen Landkreis. Bevorzugte Siedlungsgebiete waren in der Zeit ab dem 6. Jahrhundert die Flusstäler von Sempt und Strogen.

Zur Sicherung der Verbindung zwischen den Hauptorten München und Landshut gegen das Hochstift Freising wurde 1228 die Stadt Erding als herzoglicher Stützpunkt gegründet. In der Teilung Bayerns von 1255 kamen die Gerichte Erding und Dorfen zu Niederbayern.

In den Jahren 1503 und 1504 verwüstete der Landshuter Erbfolgekrieg das Land. Eine schwere konfessionelle Krise erwuchs dem Land Mitte des 16. Jahrhunderts, als sich der reichsunmittelbare Graf von Haag aus dem Geschlecht der Fraunberger, die in der Erdinger Gegend ihren Stammsitz hatten, der Reformation anschloss. In den Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg gelangte die Erdinger Bevölkerung zu bedeutendem Wohlstand. Die Herrschaft Burgrain mit dem Markt Isen gehörte bis 1803 zum Hochstift Freising.

Landgerichte 1803 wurde das Landgericht Erding errichtet, das während der Reformen von Montgelas ab 1808 zum Isarkreis und ab 1838 zum Kreis Oberbayern gehörte. Das Leben richtete sich vorrangig nach München hin aus. 1858 wurden für 19 Gemeinden des Landgerichtsbezirks Erding das eigenständige Landgericht Dorfen errichtet.

Bezirksamt Das Bezirksamt Erding wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss des Landgerichts älterer Ordnung Erding mit dem 1858 aus 19 Gemeinden des Landgerichtsbezirks Erding neu gebildeten Landgerichtsbezirks Dorfen gebildet.

Zum 1. Januar 1880 traten die Gemeinden Finsing, Niederneuching und Oberneuching vom Bezirksamt Ebersberg zum Bezirksamt Erding über.Wilhelm Volkert: Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980, S. 454.

Am 1. Februar 1927 trat das Bezirksamt Erding die Gemeinde Pfrombach ans Bezirksamt Freising ab.

Am 1. Juli 1928 wurde das Bezirksamt Erding um die Gemeinde Ottenhofen des Bezirksamtes Ebersberg vergrößert.

Landkreis Am 1. Januar 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurde aus dem Bezirksamt der Landkreis Erding.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war geprägt von Wiederaufbau und Eingliederung von rund zehntausend Heimatvertriebenen.

1971 wurde Eugen Preuss vom Landkreis für seine Verdienste als Heimatforscher der Ehrenring verliehen. Jahrzehnte später wurde publiziert, dass Preuss ein „überzeugter Nationalsozialist“ gewesen sei. Preuss initiierte den Kreisverein und die Schriftenreihe zur Erdinger Geschichte.

Bei der Gebietsreform in Bayern kamen die Gemeinde Schwindkirchen aus dem Landkreis Mühldorf am Inn sowie die Gemeinden Isen, Mittbach, Sankt Wolfgang und Schiltern aus dem aufgelösten Landkreis Wasserburg am Inn am 1. Juli 1972 zum Landkreis Erding hinzu. Am 1. Mai 1978 wurde der Gemeindeteil Goldach der Gemeinde Notzing des Landkreises Erding nach Hallbergmoos im Landkreis Freising umgemeindet. Damit erreichte der Landkreis Erding seine heutige Ausdehnung.

Am 17. Mai 1992 wurde der neue Flughafen München im Erdinger Moos eröffnet. In der Folge kam es zu einem spürbaren Anwachsen der Bevölkerung, einer konstant niedrigen Arbeitslosenquote und der Ansiedlung neuer Betriebe.

Der Landkreis Erding hat eine Partnerschaft mit dem französischen Bezirk Bastia auf Korsika.

Am 23. September 2008 erhielt der Kreis den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Einwohnerstatistik Der Landkreis Erding gewann von 1988 bis 2008 rund 35.000 Einwohner hinzu bzw. wuchs um ca. 38 Prozent – die stärkste Bevölkerungszunahme eines Landkreises in Bayern im genannten Zeitraum. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 90.944 auf 137.660 um 46.716 Einwohner bzw. um 51,4 %, dem bayerischen Spitzenwert; vor allem im westlichen Landkreis verdoppelten mehrere ehemals ländliche Gemeinden zwischen München und Erding in Nähe zum Flughafen ihre Einwohner im genannten Zeitraum nahezu.

rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Erding (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Erding, Alter und Geschlecht)

Die nachfolgenden Einwohnerzahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987: Stand Einwohner 1840 33.656 1871 41.186 1900 46.900 1925 51.158 1939 54.360 1950 73.189 1961 72.699 1970 78.975 1987 89.190 Stand Einwohner 1991 97.048 1995 104.509 2000 115.939 2005 123.094 2010 127.011 2015 133.747 2020 138.891 2025 140.456

Religion 2011 waren von den damals 127.419 Landkreisbürgern 63,0 % (80.300) Katholiken. 2021 lebten im Kreis 139.622 Menschen, wovon 53,5 % (74.733), ein Sechstel weniger als noch zehn Jahre zuvor. Dieser Trend der Kirchenferne nimmt immer mehr Fahrt auf. 2327 Einwohner (fast 2 % der Gesamtbevölkerung) sind im Jahr 2022 im Landkreis Erding ausgetreten – so viele wie noch nie.„Dramatische Zeiten“ für die Kirche in Erding, in: merkur.de abgerufen am 6. Februar 2023

Politik Kreistag Der Kreistag besteht aus 60 Mitgliedern. Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 39,7 24 40,2 24 47,1 28 47,1 29 51,8 32 47,0 29 FW Freie Wähler Bayern 18,1 11 18,9 11 19,4 12 16,1 9 15,3 9 17,0 10 AfD AfD Bayern 13,7 8 7,8 5 – – – – – − – − Grüne Grüne Bayern 10,8 6 17,1 10 10,3 6 8,9 5 5,8 3 6,5 4 SPD SPD Bayern 8,3 5 8,1 5 12,5 8 13,5 9 15,4 10 16,1 10 ÖDP Ökologisch–Demokratische Partei 4,3 3 4,3 3 4,8 3 5,1 3 4,8 3 6,0 3 Linke Die Linke Bayern 3,3 2 1,3 1 – – – – – − – − FDP FDP Bayern 1,8 1 2,4 1 2,3 1 4,1 2 2,3 1 1,8 1 REP Die Republikaner – – – − 3,7 2 5,2 3 4,6 2 5,7 3 gesamt 100,0 60 100,1 60 100,1 60 100,0 60 100,0 60 100,1 60 Wahlbeteiligung 70,2 % 64,2 % 58,4 % 63,7 % 66,0 % 71,6 %

Bezirksamtmänner/-oberamtmänner bis 1938, ab 1939 Landräte

1909–1931: Joseph Keidel 1931–1937: Heinrich Schricker 1937–1938: Emil Schick 1938–1939: Josef Palmano 1939–1943: Konrad Häfner (NSDAP) zunächst vom 7. Juni 1939 an kommissarisch 1943–1945: Franz Seyfferth 1945 (kommissarisch): Max Lehmer (CSU) 1946 (kommissarisch): Alfred Riedl 1946–1948: Max Lehmer 1948–1964: Herbert Weinberger 1964–1978: Simon Weinhuber (BP) 1978–1986: Johann „Hans“ Zehetmair (CSU) 1986–2002: Xaver Bauer (CSU) seit 2002 Martin Bayerstorfer (CSU)

Martin Bayerstorfer gewann die Landrats-Stichwahl am 29. März 2020 mit 53,19 %. Im ersten Wahlgang konnte er sich zunächst nicht gegen Hans Schreiner durchsetzen, der als Gemeinschaftskandidat für Freie Wähler, Grüne und SPD 45,53 % erzielte und bis zur Kommunalwahl 2020 Bürgermeister von Bockhorn war.

Wappen und Flagge Das Wappen des Landkreises Erding wurde am 9. Oktober 1953 festgelegt und am 31. Oktober 1972 bestätigt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft mini|Logo des Erdinger Weißbräu

Der Landkreis Erding zeigt ein vorwiegend ländliches Bild, in dem sich Landwirtschaft, Handwerk und gewerblicher Mittelstand ergänzen. Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Erding Platz 34 von 402 in Deutschland, 2019 lag er auf Platz 60 von 401.

Durch die Eröffnung des neuen Flughafens im Erdinger Moos im Jahre 1992 kam es zu einem spürbaren Anwachsen der Bevölkerung und der Ansiedlung neuer Betriebe.

Die Brauerei Erdinger Weißbräu hat ihren Sitz in dem Landkreis.

Straßenverkehr Im Nordwesten durchquert die A 92 von München über Landshut nach Deggendorf einen Teil des Landkreises und mit der Verkehrsfreigabe des Teilstücks Forstinning – Pastetten am 31. August 2011 erreichte auch die lange Jahre umstrittene und bis in letzte Instanzen beklagte A 94 von München über Mühldorf nach Passau die südwestliche Region des Landkreises. Nach deren Verkehrsfreigabe am 1. Oktober 2019 führt diese in östlicher Richtung durch das Isental weiter über Lengdorf, Dorfen und Schwindkirchen in den Nachbarlandkreis Mühldorf am Inn.

Des Weiteren durchziehen zwei Bundesstraßen den Landkreis, die B 15 Regensburg – Haag – Rosenheim in Nord-Süd-Richtung und die B 388 Ismaning – Eggenfelden – Passau – Wegscheid in west-östlicher Richtung. Die seit langem auch im östlichen Landkreis Erding diskutierte bzw. geplante Bundesstraße 15n, die letztlich Regensburg über Landshut mit Rosenheim verbinden soll, ist Gegenstand heftiger Diskussionen und derzeit südlich von Landshut nicht in Sicht. Dem Durchgangsverkehr im Landkreis dienen außerdem 10 Staatsstraßen und 29 Kreisstraßen.

Schienenverkehr Die Verkehrsbelastung der Stadt Erding hat seit der Eröffnung des Flughafens massiv zugenommen. Der frühestens 2027 vollendete, seit Jahrzehnten geplante Erdinger Ringschluss in Kombination mit der Regionalbahn-Anbindung, durch die die Schienenanbindung des Flughafens München aus Ost- und Südbayern verbessert werden soll, soll hier Entlastung bringen.

Nahverkehr Im Landkreis Erding sind alle Bahnstrecken von der Bayerischen Staatsbahn erbaut worden.

Seit 1871 durchquert ihn die Hauptbahn München–Simbach. An ihr liegen auf Landkreisgebiet die Stationen Hörlkofen, Walpertskirchen, Thann-Matzbach und Dorfen. Die hier verkehrenden Züge erlauben eine schnelle Verbindung Richtung München, allerdings nur im Stundentakt, mit einzelnen zusätzlichen Zügen in der Hauptverkehrszeit.

Von dieser Hauptstrecke zweigt in Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg die Stichbahn nach Erding ab. Sie wurde 1872 eröffnet und wird heute von der S-Bahnlinie S2 befahren. Im Landkreis liegen die Stationen Ottenhofen, St. Koloman, Aufhausen, Altenerding und Erding. Die S2 gilt nicht zuletzt wegen ihres immer noch eingleisigen Abschnitts auf der eben genannten Stichbahn als Ärgernis für Berufspendler.

Weitere Lokalbahnstrecken waren an die Hauptbahn angeschlossen: 1898: Dorfen – Moosen – Velden 1900: Thann-Matzbach – Haag Auf beiden, insgesamt 31 Kilometer langen, Bahnen wurde der Personenverkehr 1968 eingestellt.

Gemeinden

Aktueller Stand (Einwohner am ) Städte: Dorfen () Erding, Große Kreisstadt ()

Weitere Gemeinden: Berglern () Bockhorn () Buch a.Buchrain () Eitting () Finsing () Forstern () Fraunberg () Hohenpolding () Inning a.Holz () Kirchberg () Langenpreising ()