mini|Pfarrkirche Pabneukirchen Die Pfarrkirche Pabneukirchen steht in der Marktgemeinde Pabneukirchen im Bezirk Perg. Die Kirche aus der Zeit um 1500 gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen in OberösterreichGünter Rombold: Festansprache, Pregarten 2008, in: Kirchenzeitung der Diözese Linz vom 30. April 2008. und steht unter Denkmalschutz (). Die den Heiligen Märtyrern Simon und Judas geweihte Pfarrkirche gehört zum Dekanat Grein in der Diözese Linz.
Lage Die Pfarrkirche befindet sich am südlichen Ende der Marktstraße auf einer Anhöhe zwischen dem Wäschbach im Westen und einem weiteren Bach im Osten, die beide etwas weiter südlich in den Forstbach münden, wodurch das Kirchengebäude nach Süden hin weit sichtbar ist.
Geschichte Pfarrgeschichte Otto von Machland stellte im Jahr 1147 die Kirche in (Pab)Neukirchen Vgl. Rudolf Zinnhobler: Von den Anfängen der Pfarre Pabneukirchen. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 133, Linz 1988, S. 71 (). gemeinsam mit Dimbach, Grein, Königswiesen, Kreuzen, Mitterkirchen, Münzbach, Saxen und St. Georgen am WaldeKlaus Birngruber: Studien zu den frühen Urkunden des Klosters Waldhausen (1147–1332). Magisterarbeit Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät. Wien 2008, S. 31 (Digitalisat auf univie.ac.at). unter das Patronat des von ihm gestifteten Augustiner-Chorherrenstiftes Säbnich, das einige Jahre später nach Waldhausen übersiedelte.
Spätestens im Jahr 1220 verfügte die Kirche über vollständige Pfarrrechte.Rudolf Zinnhobler: Die Anfänge der Pfarre Pabneukirchen. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 82. Unbekannt ist, wie und wann das Stift Waldhausen die Pfarre Pabneukirchen wieder verloren hat. Bereits im Jahr 1295 übte Ulrich II. von Kapellen das Patronatsrecht über die Kirche und Pfarre Pabneukirchen aus, das bis zum Tod von Eberhard II. von Kapellen im Jahr 1406Josef Hörmandinger und Monika Würthinger: Männerorden. In: Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschaften in der Diözese. Eine historisch-topographische Dokumentation. In: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz. 2005, Abschnitt „Heiliggeistorden. Pulgarn (1315–1567)“ S. 86 (). bei den Kapellern blieb und kurz danach an die Liechtensteiner ging. Jörg von Liechtenstein schenkte die Kirche St. Simon und Judas im Jahr 1429 dem Kloster Pulgarn, das von den Hussiten verwüstet worden war und dem die Pfarre Pabneukirchen unter Papst Eugen IV. im Jahr 1431 endgültig inkorporiert wurde. Nach Auflösung des Klosters während der Reformation 1567 blieb das Patronat mit der Herrschaft Pulgarn verbunden und ging von dieser 1609 bzw. 1612 an die Jesuiten und 1836/37 nach einer öffentlichen VersteigerungOtto Ransmayr: Geschichte der Pfarre. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 96. an das Stift Sankt Florian,Rudolf Zinnhobler: Von den Anfängen der Pfarre Pabneukirchen. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 133, Linz 1988, S. 72–73 (). welches das Patronatsrecht bis 1972 ausübte.
Im Jahr 1939 übernahm der Pfarrkirchenrat die bisherigen Aufgaben der Zechpröpste, die für die Vermögensverwaltung und die Sammlungen in kirchlichen Belangen zuständig gewesen waren. Eine alte Geldtruhe mit drei verschiedenen Schlüsseln ist noch vorhanden. Der Verschluss der Truhe mit mehreren Schlössern verhinderte, dass eine einzelne Person Geld bzw. Wertgegenstände aus der Truhe nehmen (und entwenden) konnte. Die älteste überlieferte Kirchenrechnung aus dem Jahr 1776 vermerkt Jakob Haderer vom Hochberg und Leopold Wimmer an der Steinbruckmühle als Zechpröpste.Otto Ransmayr: Geschichte der Pfarre. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 105.
Mit 1. Jänner 2027 werden die bisherigen, römisch-katholischen Pfarren Bad Kreuzen, Dimbach, Grein, Klam, Pabneukirchen, Saxen, St. Georgen am Walde, St. Nikola an der Donau, St. Thomas am Blasenstein und Waldhausen des Dekanates Grein zur Großpfarre Strudengau zusammengeschlossen.
Baugeschichte Anstelle einer Holzkirche dürfte schon zur Zeit des Passauer Bischofs Altmann († 1091) eine romanische Kirche aus Stein erbaut worden sein. Die unteren Turmgeschoße wurden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet.Peter Thuswaldner: Spätgotische Westemporen in Österreich 1400–1530. S. 701. Während der Zeit der Hussiteneinfälle ins Mühlviertel (1422–1432) wurde das romanische Kirchengebäude zerstört, von dem noch Reste an der Stirnwand der Kirche und im Sockel des Turms erkennbar sind.Folder Pfarrkirche Pabneukirchen auf Grundlage der Ausführungen im Heimatbuch Pabneukirchen aus dem Jahr 1988.
Um das Jahr 1488 wurde der spätgotische Chor errichtet und Ende des 15. Jahrhunderts der Turm vollendet. Von etwa 1510 bis 1520 erfolgte der Neubau des Langhauses.
Im Jahr 1872 wurde der Turm erhöht.Florian Eibensteiner: Heimatkunde von Pabneukirchen, Ober-Oesterreich. 1911, S. 36 (). 1891 fand eine größere Renovierung statt.
Im Jahr 1974 erfolgte eine Neugestaltung des Altarraums durch den Künstler Peter Dimmel, der Mensa, Ambo, Leuchter, Taufdeckel und Osterkreuz vorwiegend aus Bronze und Eichenholz fertigte.Fabio Gianesi: Peter Dimmel · Sculptor. Bildband. Eigenverlag, Linz 2013, ISBN 978-3-902684-31-8, S. 158–159. Dabei wurden die neugotische Einrichtung entfernt und der Kirchenraum in seiner Schönheit wieder zur Geltung gebracht.
Kirchengebäude Architektur Das spätgotische Bauwerk verfügt über ein dreischiffiges Langhaus mit bemerkenswerter zentralisierender Raumwirkung, die durch die Netzrippengewölbe und achteckigen Pfeiler verstärkt wird. Drei ungleiche Joche spannen sich über ein schmales Mittelschiff und zwei breitere Seitenschiffe. Die vier Stützpfeiler – die zwei freistehenden Pfeiler im Kirchenraum und die beiden Pfeiler, welche die Westempore tragen – sind als kräftige Pfeiler mit oktogonalem Grundriss und eingekehlten Seitenflächen ausgebildet.
Der Chor besitzt im Gegensatz zum Langhaus der gleich breite Joche. Der Chorschluss ist außen mit der Jahreszahl 1488 und den geheimnisvollen Buchstaben „idmargt“, vielleicht im Sinne von „(am) Margaretentag“, bezeichnet.
Westempore Die Orgelempore wird nicht wie üblich von Arkaden, sondern von drei waagerechten, aus Keilsteinen gebildeten, Trägern getragen. Die Westempore folgt dem Grundrissschema, das im Mühlviertel häufiger als anderswo zu finden ist und das neben der eigentlichen Westempore noch zwei Seitenemporen mit Kassettenbrüstung vorsieht. Diese sehr schmalen Seitenemporen, auch als Kerzengang bezeichnet, sind in Pabneukirchen ebenfalls vorhanden, aber nicht wie üblich unterwölbt, sondern massiv untermauert.Peter Thuswaldner: Spätgotische Westemporen in Österreich 1400–1530. S. 702.
Die zwölf Felder der Emporenbrüstung sind von spätgotischen bzw. renaissancehaften Rosetten geschmückt, die symmetrisch angeordnet sind. Die Abfolge der Feldmotive im südlichen Teil dreht sich auf der Nordhälfte um. Die zwei inneren, quadratischen Brüstungsfelder in den Seitenschiffen sind in Form eines vierfachen Wirbelschneußes gebildet.Peter Thuswaldner, Gretl Thuswaldner (Fotos): Spätgotische Westemporen in Österreich 1400–1530. Berger, Horn/Wien 2015, ISBN 978-3-85028-679-4, Kapitel „11.2.7 Pabeneukirchen (1510)“ S. 225 (An österreichischen Westemporen tritt der Wirbelschneuß erstmals in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im oberösterreichisch-niederösterreichischen Donauraum auf, am häufigsten in Form des Dreischneußes. Herausragende Beispiele dafür sind die Westemporen in der Pfarrkirche Arbing und in der Pfarrkirche Neuhofen an der Ybbs). Nach außen folgen jeweils eine fünfteilige Sternfigur (Fünfzackenstern), eine plastisch geformte Rosette und ein Vierpass.
Der mittige Balkon ist besonders zart durchgebildet. Die beiden rechteckigen Felder der Erkerfront tragen einen vegetabilen Ornamentschmuck, der nicht mehr dem Formenkanon spätgotischer Maßwerkskunst entspricht. Trotz deutlich erkennbarem Willen zur Symmetrie verweigert die Figuration die Rückführung auf geometrische Grundformen. Am nördlichen Seitenfeld des Erkers ist ein traditionelles Patriarchenkreuz zu sehen, das südliche Motivfeld könnte ein weltliches Symbol darstellen.Peter Thuswaldner: Spätgotische Westemporen in Österreich 1400–1530. Abschnitt „Der Erker“ S. 704–705.
Ausstattung Einrichtung Der Hochaltar vom Ende des 17. Jahrhunderts mit einem Kreuzbild stammt aus dem aufgelassenen Kloster Waldhausen. An den Seiten sind die beiden Kirchenpatrone Simon (links) und Judas Thaddäus (rechts) dargestellt. Der Tabernakel stammt aus dem Jahr 1793.Benno Ulm: Beschreibung der Pfarrkirche. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 83.
Neben einigen Bildern (Herabkunft des Heiligen Geistes, Der Auferstandene) von Josef Czerwenka (1809) sind das gotische Granit-Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert und der Kreuzweg von Ludwig Linzinger erwähnenswert.
Eine Rückwand des ehemaligen, gotischen Flügelaltars von Pabneukirchen befindet sich im Museum der Diösese Linz.Otto Ransmayr: Geschichte der Pfarre. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 91.
„Waffen-Christi“-Bild Im Jahr 1968 wurde ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstandenes Fresko mit der Darstellung der Arma Christi an der Wand oberhalb der Sakristei wiederentdeckt, das als wichtiges Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit gilt. Die Andacht zu den Passionswerkzeugen Jesu war im späten Mittelalter vor allem im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Papst Innozenz VI. führte 1353 das Fest „De armis Christi“ für Deutschland und Böhmen ein, das am Freitag nach der Osteroktav gefeiert wurde. Möglicherweise wurde das Bild in Pabneukirchen nach der Einführung dieses Festes geschaffen.Günter Rombold: Das „Waffen-Christi“-Bild in Pabneukirchen. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 89.
Die größte Höhe des Freskos beträgt 155 cm, die maximale Breite 162 cm. Links vom Schmerzensmann zeigen sich die Geißelsäule mit dem Strick, das Gewand des entkleideten Jesu, eine Hand mit einem Würfelbecher und drei Spielwürfeln, die Rute, mit der Jesus geschlagen wurde, und eine Hand mit einem Büschel von Haaren, die also Jesus an den Haaren reißt. Darüber ist ein Geißelknecht zu sehen, der Jesus ins Gesicht spuckt. Rechts von der Rute sind 30 Silberlinge als runde Scheiben dargestellt, die Judas Iskariot als Lohn für seinen Verrat erhielt. Auf der rechten Seite des Schmerzenmannes ist ein Hahn auf dem Querbalken des Kreuzes zu sehen, darüber Hammer und Beißzange, darunter drei Nägel, ein Schwert und eine Hand, die eine Fackel trägt. Oben und rechts ist das Bildnis beschädigt, sodass vielleicht ein Teil der Darstellung verloren gegangen ist.Günter Rombold: Das „Waffen-Christi“-Bild in Pabneukirchen. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 87.
Eine Kopie wurde vom polnischen Flüchtling Piotr Listkiewicz erstellt und im Altarraum der Kirche angebracht.
Glocken Die Kirche besitzt drei alte und eine relativ neue Glocke:Benno Ulm: Das Mühlviertel. Seine Kunstwerke, historischen Lebens- und Siedlungsformen. 2. Auflage, Verlag St. Peter, Salzburg 1976, S. 153–154.Benno Ulm: Beschreibung der Pfarrkirche. In: Pabneukirchen. Eine heimatkundliche Darstellung von einst und jetzt. S. 83 und 86. Die Glocke aus dem Jahr 1320 soll aus der Burg Klingenberg stammen. In ihren Mantel wurden die Majuskeln „Lukas, Johannes, Matheus, Marcus, Ulrics, Hainrics AD MCCCXX“ eingeritzt. Auf der Glocke aus dem Jahr 1537 sind die Majuskelinschrift „Lobet Got den Herrn mit Seiten[-Instrumenten] und Pfeiffen, Lobet in mit hellen Cimbeln, lopet in mit walklingdengen Cimbeln, alles was oben [Odem=Hauch] hat, labt [lobt] den Herrn. Alleluia. CL Psalme MDXXXVII“ sowie die Abbildungen eines Kruzifixes und einer Madonna in Mandorla zu sehen.