Die Vermögensverteilung beschreibt in der Wirtschaftswissenschaft die Verteilung des Vermögens in regionaler, nationaler oder globaler Hinsicht. Zudem wird unterschieden zwischen der sektoralen Vermögensverteilung (welche die Wirtschaftsbereiche einer Volkswirtschaft untersucht) und der personalen Vermögensverteilung.
Die Vermögensverteilung ist national und weltweit ungleicher als die Einkommensverteilung. In den letzten Jahren hat die Vermögensungleichheit (Vermögensdisparität) in Deutschland, der Schweiz und in Österreich abgenommen. Zu beachten ist, dass bei der Berechnung der Vermögensverteilung nur Sach-, Geld- und Beteiligungsvermögen berücksichtigt werden und staatliche und private Pensionszusagen, die einen wesentlichen Stellenwert in der individuellen Vermögensbeurteilung haben, bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden.Matthäus Kattinger: Umverteilungsstreit in Österreich: Ein Klassenkampf mit schlechten Karten. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. März 2015, abgerufen am 15. März 2025. Da ein großer Teil der Vermögen insbesondere von Superreichen kaum erfasst ist, ist die Vermögensungleichheit national wie international vermutlich höher, als es offizielle Zahlen darstellen.
Das Finanzvermögen von Firmen weltweit ist ebenfalls stark konzentriert. Ziel der Vermögenspolitik ist die Beeinflussung der personalen Vermögensverteilung.
Grundlegende Unterscheidungen Sektorale Vermögensverteilung Die sektorale Vermögensverteilung ist ein Ergebnis der Vermögensrechnung nach Wirtschaftssektoren, einer Nebenrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Sie ermittelt die Verteilung des Gesamtvermögens einer Volkswirtschaft auf einzelne Wirtschaftssubjekte (Privathaushalte, Unternehmen und der Staat), Inländer und Ausländer und herab auf Wirtschaftszweige.Dieter Brümmerhoff, Heinrich Lützel: Lexikon der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. 1994, ISBN 3-486-22028-4, S. 404–407.
Personale Vermögensverteilung Die personale Vermögensverteilung behandelt die Verteilung des Vermögens auf einzelne Personen oder Personengruppen, gegliedert nach verschiedenen Kategorien. Eine über Fachkreise hinaus bekannte Veranschaulichung von Vermögens- oder Einkommensungleichheit ist Pen’s Parade. Der weitere Artikel befasst sich ausschließlich mit personaler Vermögensverteilung nach folgenden Aspekten:
Die Gliederung nach Vermögensgrößenklassen (Vermögensschichtung) erfolgt üblicherweise dahingehend, dass die einzelnen Personen oder Haushalte je nach Höhe des Vermögens in Vermögensgrößenklassen eingeteilt werden. Vielfach werden vier, fünf oder zehn Klassen oder Quantile (Quartile, Quintile, Dezile) gebildet. In dem untersten Dezil befinden sich dann die 10 % der Haushalte mit dem geringsten individuellen Einkommen, im obersten die reichsten 10 %. Eine verbreitete graphische Darstellung ist die Lorenz-Kurve. Die Gliederung nach Vermögensgrößenklassen zeigt, dass die Vermögen in der Praxis nicht gleich verteilt sind, sondern eine Vermögenskonzentration in den oberen Quantilen besteht. Diese Gliederung ist in Wissenschaft und Politik die überwiegend diskutierte Form. Diskutiert werden Ursachen dieser Ungleichverteilung, die Verteilungsgerechtigkeit und Möglichkeiten, diese (im Sinne einer stärkeren Gleichverteilung) zu beeinflussen. Eine Gliederung nach Alter, Generationen, (berufliche) Qualifikation und Geschlecht dient der Erklärung der Ursachen der Vermögensschichtung. Eine Gliederung nach Staaten und Regionen dient dem Vergleich unterschiedlicher Staaten, Regionen, Kulturkreise oder Wirtschaftssysteme im Hinblick auf Kapitalbildung, Kapitalflucht und Verteilungsgerechtigkeit. In der Regionalplanung und Regionalpolitik ist die Vermögensverteilung ein wesentlicher Parameter. Siehe auch die Liste der Länder nach Vermögensverteilung. Eine Gliederung nach Vermögensarten (z. B. Geldvermögen, Immobilienvermögen) dient der Analyse, welche Auswirkungen Phänomene wie Inflation, Wirtschaftswachstum oder Ähnliches auf die Vermögensverteilung haben. Eine Gliederung nach sozioökonomischen Gruppen (z. B. Selbstständige, Angestellte etc.) dient der Analyse soziologischer und ökonomischer Fragestellung wie beispielsweise der wirtschaftlichen Macht.
Definitionen Das Vermögen einer natürlichen Person setzt sich aus den Gütern mit ökonomischem Wert zusammen, die die Person besitzt; deren Verteilung ist die Vermögensverteilung. Das Einkommen dagegen bezeichnet den Zustrom von Gütern mit ökonomischem Wert in einem bestimmten Zeitraum; deren Verteilung ist die Einkommensverteilung.
Verteilungsmaße Die Ungleichheit einer Verteilung wird durch Ungleichverteilungsmaße angegeben. Am häufigsten wird hierfür der Gini-Koeffizient verwendet. Er wird als Zahl zwischen 0 und 1 angegeben.Manchmal werden auch Zahlen zwischen 0 und 100 verwendet. Ein Gini-Koeffizient von 1 repräsentiert die absolute Ungleichverteilung (1 Person besitzt alles, alle anderen nichts), 0 bedeutet eine absolute Gleichverteilung (alle Personen besitzen das gleiche Vermögen).
Ein anderes, einfaches Maß ist die Hoover-Ungleichverteilung, welche die Abweichung vom Mittelwert aller Vermögen beschreibt. Andere gebräuchliche Maße sind der Theil-Index und das Atkinson-Maß.
Probleme der Erfassung von Vermögen In der Untersuchung der Vermögensverteilung treten verschiedene methodische und statistische Probleme auf. Bestimmte Vermögenskomponenten lassen sich schwer erfassen. Eine genaue Auflistung der Sachwerte lässt sich nur schwer erreichen.Joachim R. Frick, Markus M. Grabka: Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland. (PDF; 276 kB). In: Wochenbericht des DIW Berlin. Nr. 4/2009, S. 58. Problematisch ist ebenfalls, dass es in Erhebungen und Umfragen schwierig ist, hohe Vermögen in einer Gesellschaft zu erfassen. Sehr hohe Vermögen sind zu einem erheblichen Anteil in Steueroasen versteckt. Institutionen wie das Tax Justice Network gehen davon aus, dass die Vermögensungleichheit in allen Gesellschaften ungleicher ist, als die bisherigen Untersuchungen ausweisen, weil in allen Studien über die wirtschaftliche Ungleichheit systematisch Vermögen und Einkommen der reichsten Menschen der Welt unterschätzt werden. (…) Wenn Vermögenswerte in einem Bankkonto, einem Treuhandverhältnis (Trust) oder einem Unternehmen offshore verborgen sind und die letztlichen Eigentümer oder Nutznießer der Erträge oder des Kapitals nicht identifiziert werden können, so werden diese Vermögenswerte und ihre Erträge in den Ungleichheitsstatistiken nicht gezählt. Fast alle diese verborgenen Vermögenswerte gehören den wohlhabendsten Privatpersonen der Welt. Daraus folgt, dass Ungleichheitsstatistiken, und zwar besonders am oberen Ende der Skala, das Problem unterschätzen.Nicholas Shaxson, John Christensen, Nick Mathiason: Ungleichheit: Mehr als die Hälfte bleibt im Verborgenen (Oder warum die Ungleichheit größer ist als wir dachten). (PDF; 658 kB) auf: taxjustice.net, 2012, S. 1.
Ein entscheidendes Problem ist die mangelnde Teilnahmebereitschaft in bestimmten Bevölkerungsgruppen bei einer Befragung. Joachim R. Frick, Markus M. Grabka, Richard Hauser: Die Verteilung der Vermögen in Deutschland – Empirische Analysen für Personen und Haushalte. Berlin 2010, S. 14. Ein weiteres Problem besteht darin, den Marktwert der meisten Vermögensgegenstände zu erfassen, insbesondere von vor längerer Zeit ererbten oder gekauften Sachwerten und auch bei Betriebsvermögen.Joachim R. Frick, Markus M. Grabka: Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland. (PDF; 276 kB). In: Wochenbericht des DIW Berlin. Nr. 4/2009, S. 59.
Als Vermögenskomponenten, die schwer schätzbar sind und daher oft außer Acht gelassen werden, werden Bodenschätze, Grund und Boden, Kunstwerke, Gebrauchsvermögen privater Haushalte, immaterielle Vermögenswerte wie Patente und Lizenzen, Arbeitsvermögen und Versorgungsvermögen (Rentenanwartschaften) genannt.Dieter Brümmerhoff, Heinrich Lützel: Lexikon der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. 1994, ISBN 3-486-22028-4, S. 405. Dies erschwert den internationalen Vergleich. Während beispielsweise die Altersvorsorge in den USA nach dem Prinzip der individuellen Kapitaldeckung basiert und dort als Vermögen gezählt wird, ist sie in Deutschland nach dem Umlageverfahren organisiert und die gesetzlichen Rentenanwartschaften gehen nicht in die Vermögensverteilung ein.
Bedeutung von Offshore-Finanzplätzen Das Vermögen in Offshore-Finanzplätzen ist extrem konzentriert auf wenige Vermögensgruppen: Etwa 80 % davon sind im Besitz der 0,1 % der reichsten Haushalte weltweit und etwa 50 % gehören den obersten 0,01 % der Haushalte.
Weltweite Vermögensverteilung Die Vermögen sind sehr viel ungleicher verteilt als die Einkommen. Die Ungleichheit hat in den letzten 20 bis 30 Jahren zugenommen.James B. Davies, Susanna Sandström, Anthony F. Shorrocks, Edward N. Wolff: Untersuchung des International Association for Research in Income and Wealth (englisch).
Globale Ungleichheit der erfassten, privaten Vermögen Im Jahr 2000 (in Prozent pro Zehntel der erwachsenen Bevölkerung)
Einer Studie zufolge betrug im Jahr 2000 der Gini-Koeffizient weltweit 0,892. Demnach besaß das reichste Prozent der Weltbevölkerung 40 % des Weltvermögens. Die reichsten 10 % besaßen zusammen 85 % des Weltvermögens, die ärmeren 50 % zusammen nur 1 %.World Institute for Development Economics Research (UNI-WIDER): , Dezember 2006 (englisch). Der Ungleichheitswert von 0,892 entspricht annähernd einer Situation, in der von 100 Personen eine Person 90 % besitzt, während die anderen 99 Personen sich die übrigen 10 Prozent teilen.James B. Davies, Susanna Sandström, Anthony Shorrocks, Edward N. Wolff: . Discussion Paper No. 2008/03, Februar 2008, S. 7 (englisch).
Im Jahr 2014 Nach Berechnungen von Oxfam ist die Vermögenskonzentration sogar noch deutlich stärker. Nach Oxfams Berechnungen aus dem Jahr 2014 verfügen die reichsten 85 Menschen über denselben Reichtum wie die ärmere Hälfte der Erdbevölkerung zusammen. Nach dem Bericht verfügen diese 85 reichsten Menschen über ein Vermögen von 1 Billion Britische Pfund, was dem Vermögen der 3,5 Milliarden ärmsten Menschen entspricht. Das Vermögen des reichsten Prozent der Weltbevölkerung belaufe sich weiterhin auf insgesamt 60,88 Billionen Pfund.Oxfam: 85 richest people as wealthy as poorest half of the world. In: The Guardian. 20. Januar 2014.World’s 85 richest people have as much as poorest 3.5 billion: Oxfam warns Davos of ‘pernicious impact’ of the widening wealth gap. In: The Independent. 20. Januar 2014.
Im Jahr 2016 Diese Konzentration habe sich zwischen 2014 und 2016 noch verstärkt. Im Jahr 2016 hatten die 62 reichsten Menschen gemeinsam so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Als einen wichtigen Grund für die Zunahme der Konzentration nennt Oxfam Steueroasen.62 Superreiche besitzen so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Nachricht vom 18. Januar 2016.
Im Jahr 2019 Die reichsten 10 % der Bevölkerung aus 57 untersuchten Ländern besaßen zusammen rund 84 % von 146 Billionen Euro, dem gesamten Nettogeldvermögen. Das reichste ein Prozent der Bevölkerung besaß fast 44 % des Vermögens, bei einem durchschnittlichen Nettogeldvermögen pro Person von mehr als 1,2 Millionen Euro.
Im Jahr 2021 Das globale Vermögen betrug 2021 laut dem Global Wealth Report von Credit Suisse rund 464 Billionen US-Dollar. 1 % der Weltbevölkerung besaß 46 % des gesamten weltweiten Vermögens. Auf die reichsten 10 % entfielen 2021 etwa 82 % des weltweiten Vermögens.. Credit Suisse Research Institute, 2022. Abgerufen am 19. Juni 2023 (englisch). Um zu den reichsten 10 Prozent zu gehören, bedurfte es eines Vermögens von 124.876 €, um zu den reichsten 1 % der Weltbevölkerung zu gehören bedurfte es eines Vermögens von 893.338 €.