mini|Siegelmarke der Grossherzoglich Sächsischen Kunstschule zu Weimar mini|Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach Die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar war eine per Statut vom 1. Oktober 1860 durch Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar gegründete Bildungseinrichtung künstlerischer Ausrichtung, die bis zum Jahr 1910 bestand. Danach wurde sie nach Reorganisation in den Rang einer Kunsthochschule erhoben und hieß fortan Großherzoglich-Sächsische Hochschule für Bildende Kunst in Weimar. Sie ist der Ursprung für die heutige Bauhaus-Universität Weimar.
Die Kunstschule Weimar ist nicht mit der Fürstlichen freyen Zeichenschule zu verwechseln, die von 1776 bis 1930 existierte und ab 1860 ihre Schüler in einer Vorstufe auf die Aufnahme in die Kunstschule vorbereitete.
Die Weimarer Malerschule Die Bezeichnung Weimarer Malerschule steht kunsthistorisch für eine von 1860 bis 1900Der Begründer und Mäzen Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach verstarb am 5. Januar 1901. Weil diese Kunstschule unweigerlich mit seinem Wirken und Namen verbunden war, wird kunsthistorisch das Ende der Weimarer Malerschule auf den 31. Dezember 1900 festgeschrieben, also mit seinem direkten Ableben verknüpft. dauernde, in Deutschland wesentliche Strömung der Landschaftsmalerei, die ihre Wurzeln in der Schule von BarbizonDie Schule von Barbizon trug nach ihren Gründern zunächst den Namen École de 1830, benannt nach dem Revolutionsdatum. Sie wurde erst in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in eben jenen heute geläufigen Namen umbenannt. hatte und deren deutsches Gegenstück ist. Sie ist der Inbegriff der Landschaftsmalerei in der Lehre, die sich von der Tradition der Ateliermalerei und den Vorgaben des Neoklassizismus abgewandt hatte und zur Freiluftmalerei übergangenen war. Kunsthistorisch steht sie einzigartig da, weil die Abwendung von der traditionellen Auffassung der Landschaftsmalerei direkt von den Lehrern an der Malerschule erfolgt war, also weder über eine außerhalb der Malerschule etablierte Gegenbewegung (wie eine für sich agierende Künstlerkolonie) noch mittels einer Secessions-BewegungIm Jahre 1892 wurde in Deutschland die Münchener Secession gegründet und war der Anfang vom Bruch mit der Tradition. Ihr sollten in den wichtigsten Kunstzentren Deutschlands noch zahlreiche Bewegungen folgen. erfolgt war.
Weimar als Kunstzentrum Seit 1776 wurde auf Privatinitiative und durch Mitwirkung von Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach die Fürstlich freye Zeichenschule gegründet. Es stand die Sinnhaftigkeit dahinter, zur Qualitätssteigerung der heimischen Produkte die ortsansässigen Handwerker zu fördern, um auf dem Markt besser bestehen zu können. Nach 1860 nahm sie die Vorschulfunktion für die Weimarer Malerschule ein. Hier fiel mit die Entscheidung, ob der Kandidat als SchülerDer Student wurde an der Kunstschule Schüler genannt und sein Lehrer Meister. in der Weimarer Kunstschule aufgenommen wurde.
Zur Organisation mini|Carl Hummel: Einsames Wildbachtal im Gebirge (1864), Privatbesitz mini|Franz von Lenbach: Der rote Schirm (1880), Kunsthalle Hamburg
Schon zu Beginn dieser Kunstschule im Jahre 1860 wurde die Hierarchie der angebotenen Fächer aufgehoben, was mit der Abschaffung der Rangordnung im Lehrkörper einherging. Dies betraf vor allem die Historienmalerei, das Genre und die Landschaftsmalerei, welche an den damaligen Kunstschulen immer eine Wertigkeit innegehabt hatten. Darüber hinaus verzichtete man auf die Klasseneinteilung, und die Schüler konnten sich ihren Lehrer selber wählen.Weiterführend wird verwiesen auf Peter Stapf, S. 83. Damit konnte der Lehrer seinen Schüler während des ganzen Aufenthaltes individuell fördern. Diese wesentlichen Änderungen wurden erst 14 Jahre später, zusammen mit dem Mäzen, dem Großherzog, schriftlich festgehalten.
Für die Studenten wurde ein breit gefächerter Kanon angeboten. Er umfasste u. a. die Fächer Kunstgeschichte, Ästhetik, Kostümkunde, Perspektive, Anatomie, Figurmalerei, Portraitmalerei, Historienmalerei, Genremalerei, Landschaftsmalerei, Tiermalerei und Naturmalerei.Zu Beginn war das Angebot kleiner und wurde im Laufe der Jahre ständig erweitert. Allerdings konnte es vorkommen, dass bestimmte Fächer nicht angeboten wurden, weil die Stelle nicht besetzt war. Dies lag daran, dass der Landesherr dem jeweiligen Lehrer nur einen Zeitvertrag anbot und es erst später zu lebenslanger Anstellung kam.
Zu Beginn des Studiums blieb das Zeichnen im Antiksaal Pflicht.
Beim Berufungsverfahren für eine neue Lehrstelle nahm der gesamte Lehrkörper teil. Die letzte Entscheidung verblieb jedoch beim Landesherrn.
Diese kleine Kunstschule hatte im Jahre 1882 44 Schüler und zum Wintersemester 1887/88 schon 63 Schüler. Wegen des Erreichens ihrer Kapazität wurde ab 1888 die Studentenzahl begrenzt. Dieses Kapazitätsproblem bestand schon in den 1860er Jahren, als die Verwaltung im Jahre 1866 festhielt, in Weimar neue Atelierflächen zu suchen, weil die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. Der Jahresbeitrag, also für zwei Semester, betrug damals 80 Mark.Hierzu wird auf Bojanowski, Kunstschule, S. 10, verwiesen. Ab 1895 wurde diese Schule erstmals auch für angehende Künstlerinnen geöffnet.
Die Zeit von 1860 bis 1900 und Kunstwende mini|Leopold von Kalckreuth (1900): Erntezeit, Kunsthalle Hamburg links|mini|Carl Malchin (1882): Einsatz der ersten Dreschmaschine in Lankow bei Schwerin, Deutsches Historisches Museum, Berlin
Am 1. Oktober 1860 gründete Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zusammen mit dem Maler Stanislaus Graf von KalkreuthEr war nur Direktor der Kunstschule und gab keinen Unterricht. die Großherzogliche Kunstschule zu Weimar. Zunächst wurde diese Kunstschule von Landesherrn selbst finanziert. Im Jahre 1874 trat der erste Direktor, Graf von Kalkreuth, von seinem Posten zurück. Mit ausschlaggebend dafür waren Spannungen zum Landesherrn, die in dem eingeschlagenen Weg zur Ausbildung, der Wahl der Lehrkräfte und das Verhältnis zur Fürstlichen freyen Zeichenschule ihre Ursache hatten.Der Großherzog war ein Anhänger der althergebrachten Maltradition der Historienmalerei und des Neoklassizismus. Sein Nachfolger wurde der Landschaftsmaler Theodor Hagen,Theodor Hagen (1819–1906) kam von der Düsseldorfer Malerschule und war Meisterschüler von Oswald Achenbach gewesen. Er hatte eine Berufung nach Karlsruhe ausgeschlagen und die nach Weimar angenommen. der die Öffnung der Ausbildung in der Kunstschule in die Richtung der Schule von Barbizon weiter vorantrieb.
Seit 1866 wurden Werke von Vertretern der Kunstschule im Kunstgebäude und auf nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt. Dies geschah durch direkte Förderung und Betreuung durch die Verwaltung. Im Jahre 1879 sollte sich der große Durchbruch der Weimarer Schule auf der II. Internationalen Kunstausstellung zu München einstellen. Es war ein Landschaftsbild von Theodor Hagen, das besondere Aufmerksamkeit bei Publikum und Kritikern erlangte.Siehe hierzu auch Peter Stapf, S. 81, Der Maler Max Thedy.Siehe Ekkehard Mai, S. 310. Der Name der Weimarer Malerschule trat endlich aus dem Schatten hervor und erlangte in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert. Wesentlich für die Weimarer Schule war die wirklichkeitsorientierte Farb- und Lichtbehandlung in der Tafelmalerei.
Im Jahre 1881 trat auch Theodor Hagen als Direktor zurück. Er hatte ebenfalls mit denselben Problemen zu kämpfen wie sein Vorgänger, und er war für die Verwaltungstätigkeit nicht genug vorbereitet.
Im Jahre 1889 brachte der Vortrag von Emil HeilbutEmil Heilbutt (1861–1921 ) war Kunstsammler, Kunstkritiker und veröffentlichte ein Jahr später eben jenen Vortrag in Schriftform in einer Zeitung. Weiterführend wird auf Peter Stapf, S. 107, verwiesen. Bewegung in die Lehrauffassung, bei der Orientierung der Studenten und den freischaffenden Malern. Neben seinem Vortrag über den französischen Impressionismus zeigte er drei Werke von Claude Monet.In Frankreich gelten die Namen Claude Monet, Edgar Degas und Auguste Renoir als wesentlich für die internationale Strömung des Impressionismus als Kunstbewegung. mini|Max Liebermann: Kartoffelernte (1875), Museum Kunstpalast Düsseldorf links|mini|Theodor Hagen: Kartoffelernte, Privatbesitz
Der wohl bekannteste Schüler der Weimarer Kunstschule war Max Liebermann. Neben Lovis Corinth und Max Slevogt zählt er in Deutschland zu denjenigen Künstlern, die den Impressionismus maßgeblich entwickelt hatten.
Im Jahre 1892 fand zur Goldenen Hochzeit des Herrscherpaares eine Kunstausstellung statt. Dies geschah in Verbindung mit der Eröffnung des neuen Oberlichtsaals im Ausstellungsbereich. Gezeigt wurden Kunstwerke des französischen Impressionismus, so von Charles-François Daubigny, Jean-François Millet und Théodore Rousseau. Diese Schau wurde ein großer Erfolg.
Der Winter 1900/1901 sollte für die Weimarer Kunstschule das Ende bedeuten. Ihr Förderer und Mäzen Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach starb am 5. Januar 1901, und damit fehlte die wesentliche, treibende Kraft. Auch wenn sein Nachfolger entsprechend den neuen gesellschaftlichen, kulturellen und industriellen Herausforderungen eine Umstrukturierung in die Wege leitete, so konnte die ab 1910 existierende Großherzoglich Sächsische Hochschule für bildende Kunst in Weimar die alte Hochzeit mit ihren Erfolgen nicht mehr zurückholen. Hinzu kam, dass die wesentlichen Köpfe der Kunstausbildung aus Altersgründen entweder nicht mehr an der Lehrtätigkeit beteiligt oder zwischenzeitlich verstorben waren. Es folgte eine neue Lehrergeneration, die sich zur Moderne geöffnet hatte, also in der geistigen Tradition der Lehrer der alten Weimarer Hochschule zur Öffnung in der Kunst.
Im Jahre 1901 wurde die Kunstschule dem Ministerialdepartement des Großherzoglichen Hauses unterstellt und damit von einer vom ehemaligen Landesherren privat geführten in eine nunmehr Staatliche Anstalt umgewandelt.Siehe auch Peter Stapf, S. 124.
Das Wirken der Weimarer Malerschule hat Walther Scheidig aufgearbeitet, der viele Jahre über der Leiter der Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar war.
Die Hochschule für bildende Kunst als Nachfolgerin mini|Max Ackermann (links) und Kommilitonen beim „Abendakt“ von Professor Hans Olde (vorne rechts)
Unter Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar Eisenach wurde die Kunstschule durch den Maler Hans Olde unter Einbeziehung von Adolf Brütt als Leiter der neu gegründeten Weimarer Bildhauerschule (1905) und der von Henry van de Velde geleiteten Grossherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar (1908) zu einer Grossherzoglich-Sächsischen Hochschule für bildende Kunst in Weimar ausgebaut (3. Juni 1910). 1910 wurde Fritz Mackensen Direktor der Hochschule.
Der noch von Wilhelm Ernst eingesetzte Walter Gropius gründete 1919 das Staatliche Bauhaus zu Weimar, aus dem am 1. April 1921 die Staatliche Hochschule für bildende Kunst ausgegliedert und dann 1925 gänzlich aufgelöst wurde. Unter Otto Bartning wurden die vorhandenen Weimarer Institutionen zur Staatlichen Bauhochschule und Hochschule für Handwerk und Baukunst zusammengefasst. Eine Reorganisation als Staatliche Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk in Weimar erfolgte unter Paul Schultze-Naumburg (1. April 1930). Unter Leitung von Gerd Offenberg entstand zehn Jahre später die Hochschule für Baukunst und bildende Künste im Range einer Technischen Hochschule. Hermann Henselmann führte die Hochschule 1946 bis 1951 weiter. Die nachfolgende Hochschule für Architektur und Bauwesen wurde seit der politischen Wende 1989 weitgreifend umstrukturiert und trägt seit dem 17. Mai 1996 den verpflichtenden Traditionsnamen Bauhaus-Universität Weimar.
Das Kunstschulgebäude mini|1904 von Henry van de Velde erbautes Kunstschulgebäude, 1911 zur jetzigen Größe erweitert; heute Hauptgebäude der Bauhaus-Universität|links