Die Ulica Belwederska (deutsch: Belvedere-Straße) ist ein rund 1.300 Meter langer Teilabschnitt einer wichtigen Nord-Süd-Verkehrsachse in Warschau. Die im 17. Jahrhundert angelegte Straße ist Bestandteil des historischen Warschauer Königswegs und verbindet die Aleje Ujazdowskie mit der Ulica Jana III Sobieskiego – dabei überwindet sie die Warschauer Weichselböschung.
Geschichte Die Straße (vermutlich eher ein Weg) entstand im 17. Jahrhundert als Teil einer Verbindung zwischen Warschau und Wilanów. Damals wurde sie als Droga Królewska do Wilanowa (deutsch: Königlicher Weg nach Wilanów)gem. einer Auflistung historischer Straßennamen Warschaus bei Trasbus.com, abgerufen am 12. September 2011 bezeichnet. Etwa seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1940 trug sie den Namen Aleja Belwederska, der sich auf den Belevedere-Palast am Übergang der Aleje Ujazdowskie in die Belwederska bezieht. Während der deutschen Besatzungszeit hieß sie Sonnenstraße. Nach 1945 wurde sie in Ulica Belwederska umbenannt.
Bereits im Jahr 1593 war an der heutigen Straße (am Rande der Weichselböschung) eine hölzerne Kirche, die den Heiligen Anna und Margarete gewidmet war, errichtet worden. Dieses Gebäude wurde 1818 abgerissen. 1659 entstand in Nachbarschaft ein Palast für Krzysztof Zygmunt Pac, aus dem später das heutige Belvedere wurde.
Stadtgrenze im 18. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert verlief die Stadtgrenze Warschaus an dieser Stelle etwa auf Höhe der Weichselböschung. Daran schloss sich westwärts die damals noch nicht eingemeindete Ortschaft Mokotów an. 1770 wurden Schanzbefestigungen angelegt, die nur einen kleineren Abschnitt der Straße einschlossen. Außerhalb der Erdbefestigungen befanden sich Gebäude von Domenico Merlini, dem Hofarchitekten von König Stanislaus August Poniatowski.
Das Gebiet zwischen der Ulica Puławska und der Belwederska gehörte zu einem großen Teil der Familie Lubomirski. Von den verschiedenen Gebäuden (unter anderem das Szuster- bzw. Lubomirski-Palais) der Lubomirskis an der Puławska erstreckte sich ein Park etwa bis zur heutigen Belwederska. Im Jahr 1780 ließ Izabela Lubomirska von Simon Gottlieb Zug in der Nähe der heutigen Ulica Grottgera einen Pavillon in Form einer Burgruine anlegen.
Gewerbegebiet im 19. Jahrhundert Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren an der Belwederska Ziegelfabriken entstanden. Die größte gehörte Merlini, daneben bestanden fünf weitere Ziegeleien. Nach 1830 kam ein Teil dieser Ziegeleien in den Besitz von Laurentius Mikulski. Er ließ in ihrer Nähe Arbeiterhäuser errichten – die ersten Gebäude dieser Art in Warschau. Der Lehmabbau in Gruben und die Anlage von benötigten Wasserkanälen führten zur späteren Entstehung von Teichen, die teilweise noch heute im Park Morskie Oko erhalten sind.
Ein anderer großer Arbeitgeber an der Belwederska war an der Ecke zur Ulica Piaseczyńska eine Fabrik zur Herstellung von Molkereigefäßen, die „K. Miller i Spółka“. Hier waren rund 100 Arbeiter beschäftigt.
Im Jahr 1881 wurde an der Ecke zur Ulica Sułkowicka eine Pflegeanstalt für Gelähmte errichtet, die von der Evangelisch-Augsburgischen Gemeinde in Warschau betrieben wurde. Das Gebäude wurde nach dem Entwurf von Jan Kacper Heurich errichtet. Nach 1899 wurde hier noch ein Pavillon von Józef Pius Dziekoński angebaut.
In einem Teil des „Morskie Oko“-Parks entstand ein kleiner Vergnügungspark, „Promenada“ genannt. Dort gab es auch ein Restaurant gleichen Namens. Dessen Besitzer Koller ließ von hier bis zum Wachhäuschen des Belvedere-Palais eine Eisenbahn-Schmalspurstrecke verlegen. Diese Eisenbahn war der Ursprung der von 1892 bis 1957 vom Warschauer Plac Unii Lubelskiej über Wilanów und Powsinheute im Warschauer Stadtteil Wilanów eingemeindet bis nach Konstancin betriebenen Kolej Wilanowska.
Auf der Belwederska wurden Rad- und später auch Autorennen ausgetragen.
Entwicklung im 20. Jahrhundert Im Jahr 1908 wurde die Belwederska bis zur querverlaufenden Ulica Promenada an Warschauer Stadtgebiet angeschlossen; das Gebiet zwischen Ulica Humańska und Ulica Dworkowa verblieb jedoch weiterhin beim Dorf Mokotów. Nach Erlangung der Unabhängigkeit wurde die Belwederska durchgehend gepflastert.
Erste Mietshäuser entstanden längs der Belwederska ab der Jahrhundertwende. Zwischen den Weltkriegen wurden Einfamilienhäuser (in der guten Lage nahe dem Łazienki-Park auch elegante Villen, u. a. die nicht mehr erhaltene Villa des Generals Władysław Sikorski an der Ecke zur Ulica Turecka) errichtet. In den 1930ern entstanden auch Wohngebäude der staatlichen Sozialversicherung Polens. Da die Straße zunehmend vom Personenkraftverkehr genutzt wurde, entstanden – vor allem an der Ostseite – auch Garagen, Tankstellen und Werkstätten.
Im Kriegsjahr 1939 wurde hier nur wenig beschädigt. Einige der anliegenden Fabriken wurden allerdings in den Kämpfen des Warschauer Aufstandes 1944 zerstört. Vor allem an der sogenannten „Magnet-Schanze“ (polnisch: Reduta AK Magnet Bruhn-Werke), die ihren Namen dem elektromechanischen Bruhn-Werk (einem Zulieferbetrieb der deutschen Luftwaffegem. bei Twierdza.guide-warsaw.com (in Polnisch, abgerufen am 13. September 2011)) an der Ecke Promenada und Ulica Piaseczyńska verdankte. kam es zu heftigen Feuergefechten zwischen Aufständischen und deutschen Truppen. Die polnischen Einheit O-2 des „Baszta“-Regiments verteidigte diese Stellung vom 17. August bis zum 22. September 1944gem. schwer leserlicher Inschrift am Gedenkstein an der Promenada.
Nach dem Krieg wurden viele erhaltene Baudenkmäler an der Belwederska abgerissen. So wurde 1952 die Zug-Burgruine aus dem 18. Jahrhundert zerstört. 1966 wurde die Sikorski-Villa abgebrochen und nach 1970 die Gelähmten-Anstalt, was zu Protesten der Bevölkerung führte.
Verlauf und Bauobjekte Die Belwederska beginnt – aus der Stadtmitte kommend – an einem kleinen Platz nördlich des Belvedere-Palastes, an dem die Aleje Ujazdowskie enden, und geht bei den Querstraßen Ulica Chełmska bzw. Ulica Dolna in die Ulica Jana Sobieskiego über. Von ihr zweigen außerdem auf der Ostseite weitere sieben und auf der Westseite fünf Straßen ab. Die Belwederska wird im südlichen Teil je dreispurig geführt, wobei die Nutzung der dritten Spur zeitweise dem öffentlichen Personennahverkehr vorbehalten ist. Im nördlichen Teilbereich besteht sie nur aus je zwei Fahrstreifen; der nach Süden verlaufende Streifen verjüngt sich am Belvedere-Palast wegen Platzmangels sogar auf nur eine Spur.
Ostseite der Straße (von Norden nach Süden) Skwer Jerzego Giedroycia mit einem Denkmal von Józef Piłsudski Belwederska 54/56 - Belvedere-Palast Westlicher Ausläufer des Łazienki-Parks Belwederska 52 - Archiv des Ministerrats Ulica Parkowa, für den öffentlichen Verkehr gesperrt Belwederska 46/50 - Hotel „Parkowa“ des Ministerrats Ulica Aleksandra Sułkiewicza Belwederska/Sułkiewicza - Hotel „Belwederski“, Eigentümer des 3-Sternehotels aus den 1970er Jahren ist die Hotelgruppe WAM Belwederska 44 A - „Willa Wilkoszewskich“ (deutsch: Wilkoszewski-Villa). Das Gebäude entstand in den Jahren 1927 bis 1928 nach einem Projekt von Józef CzajkowskiJózef Czajkowski (1872–1947) war ein polnischer Maler, Architekt und Pädagoge. Das unregelmäßige Ensemble besteht aus einem zurückgesetzten, zweistöckigen Haupthaus mit zwei kleinen Flügelgebäuden, die einen kleinen Ehrenhof umgeben. Das schmale südliche Flügelgebäude verfügt ebenfalls über zwei Stockwerke, das größere nördlich nur über eines. Hinter dem Haupthaus schließt sich ein etwa 600 Quadratmeter großer Garten an. Die Anlage ist ein typisches Beispiel des polnischen Gutshausstils der Zwischenkriegszeit. An der Fassade befinden sich dekorative Elemente des Art déco. Das Gebäude steht seit Jahren leer und ist entsprechend ungepflegtgem. Information Willa Wilkoszewskich bei Warszawa w obiektywie (in Polnisch, abgerufen am 16. September 2011) Belwederska 44 B (im Hinterhof von Belwederska 44) - „Willa Jaroszewicza“ (deutsch: Jaroszewicz-Villa). Eine Anfang des 20. Jahrhunderts erbautes Mehrparteien-Wohnhaus von Antoni JaroszewiczDer Investor und Opernmäzen Antoni Jaroszewicz war Miteigentümer des Kurbades im heutigen litauischen Druskininkai. Hier arbeitete Eugenia Lewicka als Ärztin, gem. Andrzej Garlicki, bei Interia.pl vom 16. Januar 2008 (in Polnisch) im italienischen Stil, dessen Stadtwohnsitz sich in der Ulica Marszałkowska 33 befand. Hier bewohnte 1927 Eugenia LewickaEugenia Lewicka (1896–1931) war eine polnische Ärztin und Physiotherapeutin, die damalige Geliebte von Józef Piłsudski, eine Vierzimmer-Wohnunggem. Andrzej Garlicki, Romansy i awansy bei Polityka.pl vom 4. November 2009 (in Polnisch) Belwederska 40/42 - Das Appartementhaus vom Ende der 1930er besticht durch seine straffe funktionalistische Architektur der Zeit. Die Architekten des Gebäudes waren Helena Syrkusowa und Szymon Syrkus. Die Lobbys waren mit Alabaster ausgestattet, der teilweise noch vorhanden ist Ulica Lądowa Belwederska 34/36/38 – 4 Wohnblocks, die 1938 bis 1939 nach Plänen von Janina und Jerzy Poznański von der polnischen staatlichen Sozialversicherungsanstalt ZUS gebaut wurden Belwederska 32 - Kamienica Grohmana (deutsch: Grohman-Mietshaus). Luxus-Appartementhaus aus der Vorkriegszeit des Architekten Józef Steinberg. Das heute stark verschmutzte Gebäude verfügt über ausgewogenen Proportionen und eine edle Natursteinfassade. Während der Kämpfe im Jahr 1944 wurde es beschädigt. Auf einer Gedenkplatte wird des letzten Vorkriegsbesitzers, Karol GrohmanKarol Grohman († 1940) stammte aus einer Łódźer Industriellenfamilie und war Mitbegründer des Unternehmerverbandes „Lewiatan“, gedacht Belwederska 26/30 - Hotel „Hera“. Das Objekt, das heute zu den Liegenschaften der Universität Warschau gehört und von dieser als Hotel genutzt wird, wurde 1953 als Studentenwohnheim der Hochschule für Sozialwissenschaften auf Basis eines Projektes der Architekten Wacław Kłyszewski, Jerzy Mokrzyński und Eugeniusz Wierzbicki errichtet. In der Zeit der sozialistisch-realistischen Bauweise errichtet, finden sich hier auch Anklänge an den Modernismus und das Biedermeier. Im Gebäude wird das Restaurant „Czarownica“ (Die Hexe) betrieben Ulica Jurija Gagarina Belwederska 20/22 - Dom Książki „Uniwersus“ (deutsch: Haus der Bücher). An dieser Stelle befanden sich Gebäude zur Pflege von Gelähmten. Ebenfalls stand hier ein hölzernes Herrenhaus – nach seinem Eigentümer, dem Direktor einer Porzellanfabrik in Ćmielów „Dworek Świętochowskiego“ (deutsch: Świętochowski-Haus) genannt. Die Gebäude wurden Ende der 1960er Jahre abgerissen. In den Jahren 1975 bis 1981 entstand hier das Haus der Bücher nach einem Projekt der Architekten Leszek Sołonowicz, Ryszard Lisiewicz und Arkadiusz Starski. Im „Uniwersus“ wurde eine große Auswahl an polnisch- und russischsprachigen Büchern angeboten. 1980 erhielt das dreistöckige Gebäude einen Preis der Stadt Warschau. Heute befinden sich in dem Gebäude Büros und verschiedene Servicedienstleister Belwederska 18a - Willa Neumanów (deutsch: Neumann-Villa). Die Villa wurde 1928 bis 1929 nach einem Projekt von Marcin WeinfeldMarcin Weinfeld (1884–1965) war ein polnischer Architekt errichtet. Sehenswert ist eine Keramik-Sonnenuhr an der Fassade. Heute befindet sich hier das Oberklasse-Restaurant „Różana“, in dem auch Angela Merkel zu Gast war Ulica Sułkowicka. An der Ecke (Sułkowicka 3) befindet sich die „Willa Czerwona“ (deutsch: Rote Villa) Sułkowicka 2/4 - „Belvedere Residence“. Dieses 10-stöckige Gebäude mit 65 Luxuswohnungen entstand in den Jahren 2005 bis 2008 unter dem Architektenbüro APAR und dem Entwickler L.D. Sp. z o.o. In dem knapp 20.000 Quadratmeter Nutzfläche großen, im Stile der 1930er Jahre gehaltenen Gebäude befinden sich ein Wintergarten unter einer Glaskuppel und große Verspiegelungen und Skulpturen im Lobbybereichgem. Information Belvedere Residence bei Urbanity.pl (abgerufen am 17. September 2011)