mini|alt=Die bunte Zeichnung zeigt eine aufrecht stehende, nach vorne blickende Frau mit langen, wehenden orangeroten Haaren und einer Art Helmkrone mit einem geflügelten Pferd als Helmzier; sie ist gekleidet in ein mit Schmuck besetztes, glänzendes Kettenhemd, stützt ihre rechte Hand lässig auf einem Schild ab und hält damit ein langes Schwert, dessen Klinge sie mit ihrer linken Hand ergreift; im Hintergrund sind dunkle Baumsilhouetten und orangerote Wolken, die über den Himmel galoppierende Reiter bilden, zu sehen|Brünhild (hier Brunnhild geschrieben) von Gaston Bussière, 1897 Brünhild oder Brunhild (mittelhochdeutsch Prünhilt oder Prunehilde, altisländisch Brynhildr) ist eine mythische Figur aus dem nordischen Sagenkreis.
Namensformen und Bedeutung Die früheste bekannte reale Trägerin dieses Namens war die westgotische Prinzessin und Merowinger-Königin Brunichildis (so die häufigste Schreibung in den überlieferten Quellen, andere Namensformen: Brunechilde oder Brunehilde), die Sigibert I. (535–575), den König des fränkischen Ostreichs, heiratete. Sprachgeschichtlich fand etwa vom 8. bis zum 10. Jahrhundert ein Lautwandel im Althochdeutschen statt, bei dem auch in dem Namen Brunichildis durch das i der nachfolgenden Silbe das vorherige u zu einem ü wurde; es handelt sich also um einen i-Umlaut. Daher wird der Name in den deutschen Texten der Nibelungensage mit ü geschrieben, in neuhochdeutscher Orthographie Brünhild. Im Altisländischen fand ebenfalls ein i-Umlaut statt; die normalisierte altnordische Form des Namens lautet Brynhildr, eingedeutscht Brynhild.
Der Name ist (in allen Varianten) zusammengesetzt aus zwei Teilen, nämlich Brünne (eine Art Panzerung, altisländisch brynja) und Hild (altisländisch Hildr), ein Frauenname, der von einem Wort für „Kampf“ abgeleitet ist. Somit wirkt dieser Name passend für eine kämpfende Frau; Hildr ist auch der Name einer Walküre in der nordischen Mythologie.
mini|alt=Der Holzschnitt zeigt eine bekrönte, gerüstete Frau mit langen Zöpfen, die mit einem Speer in ihrer rechten Hand ausholt und auf einen großen Schild blickt, den ein bärtiger, bekrönter Mann hält, während einige Krieger zusehen|Brünhild hat ihren Freier zum Speerwurf herausgefordert und beginnt mit dem Werfen (Howard Pyle, 1882)
mini|hochkant|alt=Das schwarz-weiße Aquarellgemälde zeigt eine anscheinend nur von einem halb durchsichtigen Laken bedeckte Frau mit hochgestecktem Haar oder Kopfputz, die, auf eine Armlehne gestützt, in halb liegender Position auf einer Bank ruht und schräg nach vorne blickt, wo ein nackter Mann an seinen zusammengebundenen Händen und Füßen an einer Deckenstrebe baumelt|Brünhild lässt Gunther in der Hochzeitsnacht hängen (Aquarell von Johann Heinrich Füssli, 1807) Brünhild im Nibelungenlied
Im Nibelungenlied wird Brünhild als Königin von Island vorgestellt, um die Gunther freien will. Die Jungfrau mit übernatürlichen Kräften fordert ihren Brautwerber allerdings zu einem Wettstreit heraus, den Gunther durch eine Täuschung mit Unterstützung von Siegfried gewinnt. In Worms findet die Hochzeit von Gunther und Brünhild statt, sie hat aber Verdacht geschöpft und verweigert den Vollzug der Ehe. Eine weitere Täuschung mit Siegfrieds Unterstützung bringt Brünhild zur Einwilligung und mit der Jungfräulichkeit verliert sie auch ihre Kräfte. Sie bringt einen Sohn zur Welt, der Siegfried genannt wird. Erst Jahre später erfährt sie von Einzelheiten des Betrugs.
Brünhild trägt im Nibelungenlied wesentlich zur Entwicklung der Handlung bis zu Siegfrieds Tod bei, verschwindet dann aber bis auf zwei kleinere Erwähnungen gänzlich aus dem Epos. Erst in der Klage, die eine Art Fortsetzung des Nibelungenliedes darstellt, tritt sie wieder auf, als man ihr den Tod Gunthers meldet. Ihre Figur wird immer mehr in einen höfischen Kontext gedrängt, man könnte sogar sagen, sie würde innerhalb desselben gezähmt. In der Klage ist nichts mehr von der Wildheit einer kriegerischen Königin zu spüren.
Weitere mittelhochdeutsche Quellen Brünhild tritt auch in dem Versepos Biterolf und Dietleib auf.
Nordische Versionen Der Nibelungenstoff existiert auch in nordischen Versionen, die aber alle erst ab Ende des 13. Jahrhunderts, also etwas später als das Nibelungenlied, schriftlich aufgezeichnet wurden. Die nordischen Versionen unterscheiden sich stark voneinander. In den folgenden Werken tritt Brynhild auf: Einige Lieder der Liederedda genannten Sammlung: Die älteste erhaltene Handschrift entstand etwa 1270. Die in ihr enthaltenen Lieder waren unterschiedlich alt, als sie niedergeschrieben wurden, gestalten untereinander zum Teil sehr verschiedene Varianten der Sage und sind zum Teil sogar in sich selbst widersprüchlich, insbesondere was das Verhältnis von „Erweckungssage“ (Brynhild als schlafende Walküre, die von Sigurd erweckt wird) zu „Werbungssage“ (Brynhild wird von Sigurd für seinen Schwager Gunnar geworben) betrifft. Eine harmonisierende Nacherzählung der Eddalieder in der Edda des Snorri Sturluson: Snorri verfasste sie um 1220, kannte aber die Lieder schon in einer Form, die der der Liederedda sehr ähnlich ist. Eine Prosaauflösung in der Völsunga saga, die um 1250 auf Island entstand (aber nur in einer Abschrift aus der Zeit nach 1400 erhalten ist) und außer den damals existierenden nordischen Versionen auch die des Nibelungenliedes miteinbezieht. Einige Abschnitte der Thidrekssaga, die vermutlich ebenfalls um 1250 entstand, aber in Norwegen. Die Saga ist bereits in einer Handschrift von etwa 1280 erhalten. Die Thidrekssaga weist starke Spuren direkter deutscher Vorlagen in Schriftform auf. Diese waren aber untereinander widersprüchlich, was der norwegische Redaktor nicht ausglich, sondern die widersprüchlichen Erzählungen nacheinander anordnete. Einige der deutschen Vorlagen der Thidrekssaga entsprachen genau der Vorlage des Nibelungenliedes; einige waren jünger und kannten bereits das Nibelungenlied (in der Nibelungenlied-Fassung C), und einige gestalteten die Sage ganz anders als das Nibelungenlied. Spätere Werke, die auf die genannten schriftlichen Werke des 13. Jahrhunderts zurückgehen; zu ihnen gehören z. B. die färöischen Sigurdlieder (Sjúrðar kvæði), darunter Brynhilds Lied (Brynhildar táttur), und dänische Balladen.
Liederedda An den Beginn der Sigurdlieder stellt die Liederedda ein Überblicksgedicht in Form einer Prophezeiung. Obwohl dieses Lied nur 53 Strophen lang ist, erzählt es die Geschichte nicht ohne Widersprüche: Nachdem Sigurd den Drachen Fafnir getötet und dessen Schatz an sich genommen hat, wird er sich auf den Weg zu Gjuki machen und den Schatz dazu benutzen, den Brautpreis für Gjukis Tochter Gudrun (altisländisch Guðrún) zu bezahlen. Unterwegs dorthin wird er eine schlafende Walküre erwecken. Diese wird hier nicht Brynhild genannt; das Lied nennt ihren Namen nicht, sagt aber, dass sie seit dem Tod des Helgi dort liege. Die Walküre in den Liedern über Helgi Hundingstöter, der in den Eddaliedern der Nibelungensage zu einem älteren Halbbruder Sigurds gemacht wird, heißt aber Svava. Dann verlobt sich Sigurd bei seinem Gastgeber Heimir (bekannt aus der Überlieferung zu Aslaug) mit Brynhild, der Tochter Budlis und Schwester Atlis, ohne dass gesagt wird, ob sie dieselbe Person sein soll wie die eben erweckte Walküre oder wohin diese aus der Geschichte verschwunden ist. Dann kommt Sigurd zu Gjuki, wo ihm dessen Frau Grimhild einen Zaubertrank gibt, der bewirkt, dass er Brynhild vergisst und ihre Tochter Gudrun heiratet. Sigurd verhilft daraufhin seinem Schwager Gunnar zur Heirat mit Brynhild. Aus dem Konflikt zwischen den beiden Frauen wird Sigurds Tod erwachsen. Dieses Überblicksgedicht ist wichtig, weil in der Haupthandschrift der Liederedda eine Lage fehlt. Aus der Handschrift wurde ein Teil herausgerissen, und zwar jener, der von der Erweckung der Walküre bis zum Plan von Sigurds Ermordung handelt.
Das letzte Teilstück des Sigurd-Komplexes vor der Eddalücke enthält Folgendes: Sigurd erhält nach dem Drachenkampf von Kleibern die Prophezeiung, dass er auf dem Weg vom Drachenkampf zu Gjuki auf dem Hindarfjall („Berg der Hinde“) einen goldenen, wie Feuer leuchtenden Saal vorfinden werde, in dem eine schlafende Walküre liege. Odin habe sie in Schlaf versetzt, weil sie andere Männer gefällt hatte, als er wollte. Auf dem Berg sieht Sigurd ein Feuer leuchten. Als er hinkommt, ist dort stattdessen ein Schildzaun, und innerhalb davon ein in Rüstung schlafender Mensch. Sigurd nimmt dessen Helm ab und sieht, dass es kein Mann, sondern eine Frau ist. Er versucht, ihr die Rüstung abzunehmen, aber diese ist wie festgewachsen. Da durchschneidet er die Rüstung, woraufhin sie erwacht. In einem Prosakommentar berichtet sie, was in der Vogelweissagung steht und nennt sich Sigrdrifa. Sie führt Sigurd in Geheimwissen ein, wie magische Segenssprüche, Heilzauber und Runenzauber. Damit bricht das Lied ab.
In den auf die Lücke folgenden Eddaliedern wird Brynhild zum ersten Mal genannt, als sie nach der Ermordung Sigurds triumphiert, dass die Niflungen nun allein über die Lande herrschen könnten, die sonst Sigurd an sich gerissen hätte. Doch habe Sigurd nicht Gunnar gegenüber Eide gebrochen, sondern nur ihr gegenüber. In den Liedern über Sigurds Tod erklärt Brynhild, dass Sigurd bei der Werbung für Gunnar sein Schwert zwischen sie und sich selbst gelegt hatte, also Gunnar nicht betrogen wurde. Betrogen worden sei nur sie, und zwar durch den Bruch der Verlobung. Deshalb habe sie Sigurds Tod gewollt. Als Sigurds Leiche verbrannt wird, begeht Brynhild Selbstmord; ihre Leiche wird zugleich mit seiner verbrannt.
Ein weiteres Lied, Helreið Brynhildar („Brynhilds Fahrt in die Unterwelt“), berichtet, sie sei eine Walküre gewesen und habe gegen den Willen Odins einem Helden zum Siege verholfen. Odin habe sie daraufhin in Schlaf versetzt und bestimmt, nur ein Furchtloser, der ihr das Gold Fafnirs brächte, könne sie wecken (dieses Motiv wurde später von Richard Wagner übernommen). Dann umschloss er ihren Saal mit Feuer. Sigurd habe die Voraussetzungen erfüllt und sie erweckt, dann sei er acht Nächte keusch bei ihr gelegen. Später habe Gudrun behauptet, Sigurd habe mit Brynhild geschlafen, wodurch sie vom Werbungstrug erfuhr. Dieses Lied verbindet also die Erweckungssage mit dem Werbungstrug.
Snorra-Edda rechts|mini|alt=Das romantische Gemälde zeigt einen mit blühenden Sträuchern und Kräutern bewachsenen Felsen, auf dem eine Frau in einem dunkelroten Kleid mit goldenem Mieder oder Brustpanzer schläft, während ein Mann in blauer Tunika an sie herantritt und offenbar überrascht die Hände hebt|Variante der „Erweckungssage“ vor dem Hintergrund des Brunhildenfelsens (Christian Leopold Bode)