Das russische Heer () sind die Landstreitkräfte der russischen Streitkräfte. Sie wurden nach dem Zerfall der Sowjetunion ab 1992 gegründet und bildeten sich aus Teilen der früheren Sowjetarmee, die zu Anfang der 1990er-Jahre im Abzug aus mehreren Ländern des ehemaligen Ostblocks und der Sowjetunion begriffen war. Das Heer bildet heute die größte Teilstreitkraft der russischen Streitkräfte.
Organisation mini|420px|Die Vereinigten Strategischen Kommandos (Militärbezirke) seit 2016
Infolge von Umstrukturierungen war zwischen 1997 und 2001 sogar das Kommando der Landstreitkräfte abgeschafft, was ihr Gewicht als Teilstreitkraft stark minderte.Russian Military Reform 1992–2002, hrsg. von Anne C. Aldis and Roger Mc Dermott, Routledge, London und New York, 2003, Beitrag Michael Orr, S. 131–133. Als Ergebnis der letzten Militärreform von 2008 wurden die Landstreitkräfte organisatorisch in vier Militärbezirke gegliedert, die seit 1. Dezember 2010 als Vereinigte Strategische Kommandos (russ.: Objedinjonnoje strategitscheskoje komandowanije, OSK) bezeichnet werden:
Vereinigtes Strategisches Kommando Mitte mit Stab in Jekaterinburg, Oblast Swerdlowsk 2. Armee mit Stab in Samara, Oblast Samara 41. Armee mit Stab in Nowosibirsk, Oblast Nowosibirsk Vereinigtes Strategisches Kommando Ost mit Stab in Chabarowsk, Region Chabarowsk 5. Armee mit Stab in Ussurijsk, Region Primorje 29. Armee mit Stab in Tschita, Region Transbaikalien 35. Armee mit Stab in Belogorsk, Oblast Amur 36. Armee mit Stab in Ulan-Ude, Republik Burjatien Vereinigtes Strategisches Kommando Süd mit Stab in Rostow am Don, Oblast Rostow 49. Armee mit Stab in Stawropol, Region Stawropol 58. Armee mit Stab in Wladikawkas, Republik Nordossetien-Alanien Vereinigtes Strategisches Kommando West mit Stab in St. Petersburg 6. Armee mit Stab in Agalatowo bei Sertolowo, Oblast Leningrad 20. Armee mit Stab in Woronesch, Oblast Woronesch
Die Landstreitkräfte bestehen aus Bodenkampfeinheiten (Motorisierte Schützen, Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, Transportern und Luftabwehreinheiten) und Hubschraubern, da die gesamten Armeefliegerkräfte kürzlich in die Zuständigkeit der Luftstreitkräfte übergeben wurde.warfare.ru
Die Luftlandetruppen, russ. WDW (Wosduschno-dessantnyje woiska, russisch: = , englisch VDV) sind direkt dem Oberkommando der Streitkräfte unterstellt.
2006 umfassten die Landstreitkräfte ca. 395.000 Soldaten, darunter etwa 190.000 Wehrpflichtige (Stand: 2006).Quelle: „Militär International“ auf der offiziellen Seite des österreichischen Bundesheeres
Oberbefehlshaber ist seit Januar 2010 Generaloberst Alexander Postnikow.
Insignien Nachstehend werden weitere TSK-übergreifenden Insignien der Landstreitkräfte (LaSk) dargestellt.
Ausrüstung 2008 mini|Prototyp des neuen Kampfpanzers vom Typ T-14 während der Siegesparade am 9. Mai 2015 in Moskau mini|Raketenstartfahrzeug des russischen Flugabwehrraketensystems S-400
Ausrüstung 2008Tank database, warfare.ru – Russian Military Analisis. Abgerufen am 1. September 2008.IFV & APC database, warfare.ru – Russian Military Analysis. Abgerufen am 1. September 2008. AnzahlKampfpanzer 22.800 (davon 6500 aktive)Schützenpanzer 15.000 (davon 6000 aktive)Transportpanzer 9900 (davon 6400 aktive)Geschütze 12.765 (davon 7550 aktive)Selbstfahrlafetten 6000 (davon 3500 aktive)Mehrfachraketenwerfer 4500 (davon 900 aktive)Mörser 6600 (davon 2600 aktive)Flugabwehrraketensysteme 2500
Modernisierung
Die Regierung strebt an, das Heer bis Mitte der 2010er-Jahre grundlegend zu modernisieren. Trotz des russischen Siegs im Georgienkonflikt 2008 wurden Mängel in Ausrüstung und Organisation deutlich. Wladislaw Putilin, der Vize-Chef der militärisch-industriellen Kommission, gab im Dezember 2008 bekannt, dass die gesamten Streitkräfte insgesamt 400 neue Waffensysteme erhalten sollen. Das dafür zur Verfügung stehende Budget beläuft sich auf über 100 Milliarden Euro. Für das Heer sollen etwa 300 neue Panzer und 2000 weitere Militärfahrzeuge sowie neue Handfeuerwaffen AK-12 und Ratnik-Ausrüstung beschafft werden. Im Jahr 2013 gab Russland offiziell 4,4 % seiner Wirtschaftsleistung für den Verteidigungshaushalt aus.fr-online.de
Waffen und Ausrüstung Datenbasis: IISS Military Balance 2020.
Typ Produktionsland WaffensystemVersion AnzahlEingelagert Anmerkungen Kampfpanzer T-14 Kampfpanzer20 Sollte im russischen Heer ab 2016 den T-90 ablösen. Im Dezember 2021 soll mit der Serienproduktion begonnen worden sein, erste Exemplare sollen ab 2023 geliefert werden.T-14 T-90 Kampfpanzer T-90A T-90M350 10200 Weitere Pionierpanzer mit der Bezeichnung IMR-3 T-80 Kampfpanzer T-80BV/U T-80BVM310 1403.000 T-72 Kampfpanzer T-72B/BA T-72B3 T-72B3M650 850 5307.000 Weitere Exemplare als Pionierpanzer mit der Bezeichnung IMR-2, als Bergepanzer mit der Bezeichnung BREM-1 und als Minenräumpanzer mit der Bezeichnung BMR-3MSpähpanzer BRDM-2 Spähpanzer, Schwimmpanzer BRDM-2/2A1.0001.000+ BRM-1K Spähpanzer, Schwimmpanzer700 Schützenpanzer BMP-1 Schützenpanzer, Schwimmpanzer5007.000 Weitere Exemplare als Pionierpanzer mit der Bezeichnung IRM und als Bergepanzer BMP-2 Schützenpanzer, Schwimmpanzer3.0001.500 BMP-3 (ICV M1990/1) Schützenpanzer, Schwimmpanzer BMP-3 BMP-3M600 20+ BTR-80 Schützenpanzer BTR-80A BTR-82A/AM100 1.000 Mannschaftstransporter MT-LB Transportpanzer, Schwimmpanzer3.5002.000 Weitere als Pionier- und Bergepanzer BTR-60 Transportpanzer8004.000 BTR-70 Transportpanzer200 BTR-80 Transportpanzer1.500 BPM-97 (KAMAZ-43269) Transportpanzer100+ GAZ-2975 Tigr, GAZ-2330M Geländewagen100+ Iveco LMV М65 Geländewagen KamAZ-63968 Geschütztes FahrzeugPionier- und Bergepanzer BAT-2 Pionierpanzer IMR Pionierpanzer BREM-L BREM-64 BREM-K Bergepanzer BTR-50 Bergepanzer, Minenräumer BTR-50PK MTK RM-G Bergepanzer MT-55 Brückenlegepanzer MT-55A MTU Brückenlegepanzer MTU-20 MTU-72 PMM-2 Schwimmschnellbrücke UR-77 Minenräumer Artilleriesysteme 2S1 Gwosdika (M1974) 122-mm-Selbstfahrlafette1502.000 2S3 Akazija (M1973) 152-mm-Selbstfahrlafette8001.000 2S5 Giazint-S (M1981) 152-mm-Selbstfahrlafette100850 2S19 Msta-S , 152-mm-Selbstfahrlafette 2S19/M1 2S19M2/2S33500 350150 2S35 Koalizija-SW 152-mm-Selbstfahrlafette8 Befindet sich noch in der Testphase 2S7 Pion (M-1975) 203-mm-Selbstfahrlafette 2S7M60260 2S23 Nona-SVK 120-mm-Selbstfahrlafette30 Mörser – Kanonenhaubitze 2S34 120-mm-Selbstfahrlafette50+ Mörser – Kanonenhaubitze 2S4 Tulpan 240-mm-Selbstfahrlafette40390 Mörser D-30 122-mm-Haubitze4.400 M-30 122-mm-Haubitze3.750 2A36 Giatsint-B 152-mm-Haubitze1.100 siehe auch: 2S5 2A65 Msta-B , 152-mm-Haubitze150600 siehe auch: 2S19 D-1 (M1943) 152-mm-Haubitze700 D-20 (M1955) 152-mm-Haubitze1.075 ML-20 (M1937) 152-mm-Haubitze100 B-4 (M1931) 203-mm-Haubitze B-4M40 2B16 Nona-K 120-mm-Kanone100 M-46 130-mm-Kanone650 2B14 Podnos 82-mm-Mörser800+ 2S12 Sani 120-mm-Mörser7001.000 Als 2S12 auf GAZ-66, 2S12A auf Ural-4320, 2S12B „Dilemma-2S12“ oder 2S11 auf MT-LB PM-38 (M1938) 120-mm-Mörser900 M-160 120-mm-Mörser300 Mehrfachraketenwerfer BM-21 (9K51 Grad) 122-mm-Mehrfachraketenwerfer5502.420 9A53 Tornado 122-mm-Mehrfachraketenwerfer Tornado-G Tornado-S180 20 BM-13 132-mm-Mehrfachraketenwerfer100 BM-27 (9P140 Uragan) 220-mm-Mehrfachraketenwerfer 9P140 Uragan 9K512 Uragan-1M200 6700 TOS-1 Buratino , 220-mm-Mehrfachraketenwerfer TOS-1A BM-30 (9A52 Smertsch) 300-mm-Mehrfachraketenwerfer100BMO-TTransportpanzer Panzerabwehrlenkwaffen BMPT Panzerabwehrfahrzeug Ausgerüstet mit 9K120 Ataka 9P149 Panzerabwehrfahrzeug 9P149 9P149M Ausgerüstet mit 9K114 Schturm und 9K114SM Schturm-SM 9P157-2 , Panzerabwehrfahrzeug Ausgerüstet mit 9K123 Chrisantema; Trägerfahrzeug basiert auf dem BMP-3 9P163-3 , Panzerabwehrfahrzeug Ausgerüstet mit 9K135 Kornet; Trägerfahrzeug basiert auf dem BMP-3 9K128-1 Panzerabwehrfahrzeug Ausgerüstet mit 9K135 Kornet 9M111 Fagot (AT-4 Spigot) Panzerabwehrlenkwaffe 9M113 Konkurs (AT-5 Spandrel) Panzerabwehrlenkwaffe 9K115 Metis (AT-7 Saxhorn) Panzerabwehrlenkwaffe 9K115-2 Metis-M (AT-13 Saxhorn-2) Panzerabwehrlenkwaffe 9K135 Kornet (AT-14 Spriggan) , Panzerabwehrlenkwaffe SPG-9 73-mm-Rückstoßfreies Geschütz T-12 100-mm-Panzerabwehrkanone2.000 MT-12 100-mm-Panzerabwehrkanone526 Taktische ballistische Boden-Boden-Raketen 9K720 Iskander (SS-26 Stone) Boden-Boden-Rakete Iskander Iskander-K150+ Flugabwehrraketensysteme S-300W (9A83) Flugabwehrraketensystem 9K37 Buk , Flugabwehrraketensystem Buk-M1-2 Buk-M2 Buk-M3ca. 200 ca. 90 ca. 60 9K33 Osa , Flugabwehrraketensystem Osa-AKM400 9K35 Strela-10 , Flugabwehrraketensystem 9K35M3400 9K330 Tor , Flugabwehrraketensystem Tor-M1 Tor-M2 Tor-M2U120+ 2K22 Tunguska Flugabwehrraketensystem 2K22M250+ 9K310 Igla-1 MANPADS 9K34 Strela-3 MANPADS 9K38 Igla MANPADS 9K38 Igla 9K338 Igla-S 9K333 Werba MANPADS ZSU-23-4 Flakpanzer SU-23 23-mm-Flugabwehrkanone S-60 57-mm-Flugabwehrkanone UAV Tu-243 Unbemanntes Luftfahrzeug Aufklärungsdrohne BLA-07 Unbemanntes Luftfahrzeug Kleine Aufklärungsdrohne Jakowlew Ptschela Unbemanntes Luftfahrzeug Ptchela-1 Ptschela-2 Kleine Aufklärungsdrohne
Einsätze seit 1992: Transnistrien-Konflikt (14. Armee) 1994–1996: Erster Tschetschenienkrieg 1995–1996: Implementation Force (IFOR) 1996–2004: Stabilisation Force (SFOR) 1999–2009: Zweiter Tschetschenienkrieg 2006–2011: United Nations Mission in Sudan 2008: Kaukasuskrieg seit 2014 Krieg in der Ukraine seit Februar 2022: Russischer Überfall auf die Ukraine seit Dezember 2016: Bürgerkrieg in Syrien (siehe auch Russischer Militäreinsatz in Syrien)
Siehe auch Dienstgrade der russischen Landstreitkräfte Gruppe der Russischen Streitkräfte in Transkaukasien
Weblinks
Lester W. Grau, Charles K. Bartles: The Russian Way of War. Force Structure, Tactics, and Modernization of the Russian Ground Forces. Foreign Military Studies Office, 2016 (pdf bei researchgate.net)
Einzelnachweise
Heer Russland