miniatur|Fanny Tacchinardi-Persiani als Amina in La sonnambula, Gemälde von Karl Bryullow, 1834 Fanny Tacchinardi-Persiani (geborene: Francesca Felicita Maria Tacchinardi; auch: Fanny Persiani; * 4. Oktober 1807Laut Taufeintrag in: Liber baptizatorum della parrocchia di S. Pietro in Vaticano in: Archivio storico della parrocchia della basilica di S. Pietro, c. 292v, Akte vom 6. Oktober 1807, Vatikan/Rom. Hier nach: Paola Ciarlantini: Tacchinardi, Fanny. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario biografico degli italiani (DBI), Band 94, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom, 2019 (italienisch; Abruf am 24. Juli 2021) in Rom, Kirchenstaat; † 3. Mai 1867 in Paris) war eine berühmte italienische Opernsängerin (Koloratursopran), die besonders als erste Interpretin von Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor in die Musikgeschichte einging.

Leben Sie wurde als drittes Kind von Nicola Tacchinardi (1772–1859) und Maria (?) Angiola Tacchinardi am 4. Oktober 1807 in Rom geboren und am 6. Oktober in der Gemeinde von Santa Maria ad Martyres (dem Pantheon) getauft, was mittlerweile durch einen Taufeintrag in den Archiven des Vatikans belegt ist. In älteren Quellen und bis in die Gegenwart ist dagegen oft fälschlich 1812 und auf ihrem Grab in der Familienkapelle in Neuilly-sur-Seine sogar 1814 als Geburtsjahr angegeben.Paola Ciarlantini: Tacchinardi, Fanny. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario biografico degli italiani (DBI), Band 94, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom, 2019 (italienisch; Abruf am 24. Juli 2021)Ferris gibt sogar 1818 an, anscheinend ohne zu bemerken, wie absurd dies in Hinblick auf andere Lebensereignisse ist, insbesondere der Heirat, die er – um ein Jahr zu spät – immerhin auf 1830 datiert! George T. Ferris: Fanny Persiani, in: Great singers, Bd. II (Second Series, Malibran to Titiens), D. Appleton & Co, New York, 1879, S. 141–159; hier: S. 143. Online im Internet-Archiv (englisch; Abruf am 25. Juli 2021) Fanny wurde die Musik sozusagen in die Wiege gelegt: beide Elternteile waren Opernsänger, der Vater ein seinerzeit berühmter Tenor, der seiner Tochter eine perfekte sängerische Ausbildung zukommen ließ, obwohl er sich gar keine Opernkarriere für sie wünschte. Er ließ sie allerdings manchmal bei Konzerten am Hofe des Großherzogs von Toskana auftreten.Francesco Regli: Tacchinardi-Persiani, Fanny, in: Dizionario biografico dei più celebri poeti ed artisti melodrammatici, tragici e comici, maestri, concertisti, coreografi, mimi, ballerini, scenografi, giornalisti, impresarii, ecc. ecc. che fiorirono in Italia dal 1800 al 1860, E. Dalmazzo, Turin, 1860, S. 514–515; hier: S. 514. Online im Internet-Archiv (italienisch; Abruf am 25. Juli 2021)

Wahrscheinlich 1827 lernte Fanny den Komponisten Giuseppe Persiani kennen, den sie zwei Jahre später, am 5. August 1829, in der Kirche Santi Simone e Giuda in Florenz heiratete; die beiden hatten einen einzigen Sohn Alessandro (* 15. August 1830). In den entsprechenden Akten wurde Fanny zu dieser Zeit offiziell als Hausfrau („lavorante a casa“) geführt.

Ihr anscheinend ungeplantes Operndebüt machte sie für die damalige Zeit relativ spät, mit 24 Jahren, als sie in Livorno am 21. Juli 1832 für die indisponierte Rosalbina Carradori Allan in der Titelrolle von Giuseppe Fourniers Oper Francesca da Rimini einsprang, neben Rosmunda Pisaroni als Paolo.

Nach weiteren Auftritten in Padua und am San Samuele in Venedig, in Opern von Vaccaj und Rossini, sang sie am 23. Februar 1833 neben Giuditta Pasta am La Fenice die Amenaide in Rossinis Tancredi, und kurz darauf, am 2. März 1833, die Rolle der Adina in Donizettis L’elisir d’amore, die zu einem ihrer „Zugpferde“ wurde. Damit begann eine glänzende Karriere, die sie an alle damals wesentlichen Bühnen Europas führte.

Bereits im Sommer 1833 war sie am Teatro Carcano in Mailand, wo sie in der Oper Danao re d’Argo (UA: 1827) ihres Mannes Giuseppe Persiani die weibliche Hauptrolle sang – auch später setzte sie sich für die (meist nicht besonders erfolgreichen) Werke ihres Mannes ein. In derselben Spielzeit sang sie außerdem mehrere Partien, die während ihrer gesamten Karriere ihre Glanzrollen blieben: Amina in La sonnambula und Beatrice di Tenda von Vincenzo Bellini, Carolina in Il matrimonio segreto von Domenico Cimarosa und die Rosa in Le cantatrici villane von Fioravanti.

Dem Einsatz ihres Vaters und Alessandro Lanari, dem Impresario des Teatro della Pergola in Florenz, verdankte Fanny die Titelpartie in Donizettis Rosmonda d’Inghilterra, die am 27. Februar 1834 uraufgeführt wurde, mit dem berühmten Gilbert-Louis Duprez als ihr Partner. Bekannterweise lobte Donizetti einige Monate vor der Premiere in einem Brief zwar die Präzision und perfekte Intonation der Tacchinardi, bezeichnete sie aber auch als „so kalt, so kalt…“ („freddina freddina, ben precisa però, e intonatissima“, Brief an Lanari aus Mailand, 28. Oktober 1833). Ob er damit (wie meist angenommen) beklagte, dass sie mit zu wenig Gefühl sang, oder vielleicht einen „kalten“ Stimmklang hatte (siehe unten das Urteil von Chorley), geht daraus allerdings nicht ganz eindeutig hervor. Donizettis Sorgen waren jedoch unbegründet, denn in einer Rezension der Oper wurde Persiani nicht nur für ihr „seltenes Talent“ gelobt, sondern besonders für ihre Fähigkeit, „… alle Emotionen, alle Gefühle auszudrücken, die sie möchte.“Übersetzung hier aus dem Englischen: „Fanny Tacchinardi Persiani was commended for her ‘most rare talent’ and her ability to convey ‘all the emotions, all the sentiments that she wishes to express’“ (in: Il Censore Universale dei teatri). Siehe S. 28, in: Jeremy Commons: Rosmonda d’Inghilterra, Booklettext zur CD-Aufnahme: Donizetti: Rosmonda d’Inghilterra, mit Renée Fleming, Nelly Miricioiu, Bruce Ford u. a., Philharmonia Orchestra, Dir.: David Parry (Opera Rara: ORC 13; 1996)

mini|hochkant=0.85|Fanny Tacchinardi-Persiani als Lucia in Lucia di Lammermoor (in London 1838) Danach ging sie ans Teatro San Carlo nach Neapel, wo sie unter anderem die Zerlina in Mozarts Don Giovanni und die Giulietta in Bellinis I Capuleti e i Montecchi sang.

Nach einem kurzen Engagement in Genua komponierte Donizetti in Neapel für sie die berühmteste Rolle ihres Lebens: die Titelpartie in Lucia di Lammermoor, die sie zum ersten Mal am 26. September 1835 im San Carlo sang, neben Gilbert Duprez und Domenico Cosselli. Damit hatte Fanny Tacchinardi endgültig den Status einer prima donna assoluta erreicht, neben bereits etablierten Stars wie Giuseppina Ronzi de Begnis und Maria Malibran. Donizetti selber bezeichnete die Darbietung der Tacchinardi drei Tage nach der Premiere als „…wunderbar“.Vollständiger Text in englischer Übersetzung: … La Tacchinardi, Duprez, Cosselli and Porto have carried themselves very well, especially the first two, who are marvellous. (Donizetti in einem Brief vom 29. September 1835 an seinen Verleger Ricordi). Siehe: William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press Cambridge et al., S. 98 Die Tacchinardi änderte die Partie der Lucia in der Folge für sich nach ihrem eigenen Gusto und ersetzte ab ihrem Auftritt 1836 in Venedig (in Anwesenheit Donizettis) die originale Auftrittsarie durch die ebenfalls für sie komponierte Cavatine Perché non ho del vento aus Rosmonda d’Inghilterra, die nach ihrem Debüt am Théâtre-Italien in Paris auch endgültig in Donizettis französischsprachige Version der Oper (von 1838) einging.

Donizetti komponierte für sie auch die Titelrolle der Pia de’ Tolomei (Venedig 1837) und einige Jahre später in Paris die berühmte Auftrittsarie der Linda Oh luce di quest’anima in Linda di Chamounix, die sie zum ersten Mal am 17. November 1842 am Théâtre-Italien sang.

1837 ging die Tacchinardi-Persiani auf Tournee zuerst ans Kärntnertortheater nach Wien, wo sie nach Auftritten als Lucia und als Elvira in I puritani zur kaiserlichen Kammersängerin ernannt wurde, und von da nach Paris. Dort feierte sie ihr Debüt am 7. November 1837 in La sonnambula. Ihr Erfolg und ihre Gagen in Paris waren so groß, dass sie sich endgültig dort niederließ und außerdem von 1837 bis 1849 – wie ihre Kollegin Giulia Grisi – jedes Jahr am Covent Garden in London auftrat, wo sie ebenfalls enorme Summen verdiente. Zu ihrem Repertoire in dieser Zeit zählte neben ihren bereits genannten Standardrollen aus Opern von Bellini und Donizetti auch die Gräfin in Mozarts Le Nozze di Figaro und Fiordiligi in Così fan tutte, die Titelrolle in Donizettis Adelia, sowie die Rosina in Rossinis Il barbiere di Siviglia, wo sie in der Szene der Lektion im zweiten Akt gewöhnlich Maria Malibrans Variationen über Nel cor più non mi sento aus Paisiellos La Molinara einschob. Sie sang auch immer wieder die weiblichen Hauptrollen in Opern ihres Mannes, wie insbesondere die für ihre Stimme überarbeitete Titelpartie in seiner erfolgreichsten Oper Ines de Castro, die ursprünglich 1835 für Maria Malibran entstanden war und in einer Wiederaufnahme am 24. Dezember 1839 im Théâtre-Italien (am Odéon) gegeben wurde. Seine letzten beiden Opern, die Semiseria Il fantasma (uraufgeführt am 14. Dezember 1843 in Paris) und L’orfana savoiarda (uraufgeführt am 25. Juli 1846 im Circo in Madrid) konnte auch Fannys Mitwirkung nicht vor dem Misserfolg retten.

Zwischenzeitlich unternahm sie auch einige Tourneen, so 1841 gemeinsam mit dem berühmten Tenor Rubini eine Konzertreise durch Belgien und das Rheinland, wo sie von Fürst Metternich auf dessen Schloss Johannisberg eingeladen wurden.George T. Ferris: Fanny Persiani, in: Great singers, Bd. II (Second Series, Malibran to Titiens), D. Appleton & Co, New York, 1879, S. 141–159; hier: S. 153 f. Online im Internet-Archiv (englisch; Abruf am 25. Juli 2021) Im Juni 1846 war die Tacchinardi vorübergehend wieder in Italien und sang am Teatro San Carlo in Neapel die Rosa in Aufführungen von Giovanni Pacinis La fidanzata corsa. 1850–51 ging sie gemeinsam mit Giulia Grisi und dem Tenor Mario nach Sankt Petersburg. 1854–55 sang sie an den Opernhäusern von Bologna und Turin.

Ihren letzten nachgewiesenen Auftritt hatte die Tacchinardi-Persiani 1859 am Théâtre-Italien in Paris, als Ersatz für Rosina Penco als Zerlina in Don Giovanni.

Danach lebte sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Neuilly bei Paris und erteilte privaten Gesangsunterricht.Francesco Regli: Tacchinardi-Persiani, Fanny, in: Dizionario biografico dei più celebri poeti ed artisti melodrammatici, tragici e comici, …, E. Dalmazzo, Turin, 1860, S. 514–515; hier: S. 515. Online im Internet-Archiv (italienisch; Abruf am 25. Juli 2021) Sie starb am 3. Mai 1867 an einem zerebralen Aneurysma und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof von Neuilly beerdigt.

Der Florentiner Komponist, Musiktheoretiker und -pädagoge Guido Tacchinardi (1840–1917) war ein jüngerer Halbbruder von Fanny Tacchinardi aus der dritten Ehe ihres Vaters.Paola Ciarlantini: Tacchinardi, Nicola. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario biografico degli italiani (DBI), Band 94, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom, 2019 (italienisch; Abruf am 24. Juli 2021)

Stimme und Gesang mini|Fanny Persiani als Rosina in Il barbiere di Siviglia, 1840