mini|Ortsteile Ankum
Ankum ist eine Gemeinde und ein Dorf im niedersächsischen Landkreis Osnabrück. Die Gemeinde Ankum ist Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Bersenbrück.
Geografie Geografische Lage Ankum liegt etwa 35 Kilometer nördlich von Osnabrück in einer waldreichen Hügellandschaft (Ankumer Höhe) im Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald-Wiehengebirge. Der höchste Punkt der Gemeinde stellt mit 142 Metern über dem Meeresspiegel der Trillenberg in Westerholte dar. Dieser ist zugleich die höchste Erhebung der Ankumer Höhe.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht neben dem Kernort aus den 1972 eingemeindeten Ortsteilen Aslage, Brickwedde, Druchhorn, Holsten, Loxter Ort, Rüssel, Tütingen und Westerholte.
Nachbargemeinden Anliegende Nachbargemeinden von Ankum sind (von Norden, im Uhrzeigersinn) Nortrup, Bersenbrück, Alfhausen, Bramsche, Merzen, Eggermühlen und Kettenkamp.
Oberflächengewässer, Moore oder andere Feuchtgebiete
Ankum liegt im Einzugsbereich der Hase und somit Flusssystem der Ems.
Der Suttruper Bach ist ein kleiner, lokal bedeutender Bach, der durch die Gemarkung von Ankum verläuft und in das örtliche Seen- und Grundwasser-System eingebunden ist. Er hat historisch zur Bildung der Ankumer Seen beigetragen, da seine Wasserführung ehemalige Wiesenflächen vernässte und so einen Teil der natürlichen Dorflandwehr bildete.
Die Ankumer Seen bestehen aus zwei durch eine Staustufe getrennten Becken (oberer und unterer See) und sind als Freizeit- und Erholungsgebiet gestaltet worden. Die Anlage entstand um 1960 aus ehemaligen Wiesenflächen, die vom Suttruper Bach durchflossen wurden.
Der Lordsee ist ein See innerhalb des Gemeindegebiets von Ankum. Er dient vor allem als Angelgewässer und ist durch seine flache Struktur mit mehreren Inseln ökologisch relevant.
Der Holstenteich ist ein kleines stehendes Gewässer in der Nähe von Ankum, das lokal als Teich klassifiziert wird. Er wird ebenfalls von Freizeit- bzw. Angelaktivitäten genutzt.
Abgesehen von den Ankumer Seen gibt es in der Gemeinde Ankum kleinere Feuchtflächen und nasse Gräben oder Verlandungszonen entlang von Bächen und Gewässern, wie sie typischerweise in naturnahen Niederungs- und Auenbereichen vorkommen. Es gibt keine Moore im klassischen Sinne auf dem Gemeindegebiet von Ankum.
Untergrundverhältnisse Ankum liegt in der Norddeutschen Tiefebene im Übergangsbereich zwischen der Osnabrücker Geest und den Niederungsgebieten des Artlands.
Der geologische Untergrund ist überwiegend durch quartäre Ablagerungen der letzten Eiszeiten geprägt. Diese bestehen hauptsächlich aus glazifluvialen Sanden und Kiesen, die von Geschiebemergel, lehmigen Zwischenschichten sowie lokal von Moor- und Auenablagerungen überdeckt werden.
Die oberflächennahen Sedimente weisen meist eine Mächtigkeit von etwa 5 bis 10 m auf. Darunter folgen pleistozäne Sand- und Kiesschichten, die regional durch gering durchlässige Schluff- und Tonlagen unterbrochen werden. In größerer Tiefe schließen sich tertiäre Sedimente an, die überwiegend aus feinsandigen, schluffigen und tonigen Ablagerungen bestehen.https://www.lbeg.niedersachsen.de/startseite/
Die hydrogeologischen Verhältnisse in Ankum werden durch mehrere übereinanderliegende Porengrundwasserleiter geprägt, die in sandigen und kiesigen Schichten ausgebildet sind. Diese Aquifere sind durch gering durchlässige Zwischenhorizonte aus Ton, Schluff oder Geschiebemergel hydraulisch teilweise voneinander getrennt.
Der oberste Grundwasserleiter befindet sich in den holozänen und oberflächennahen pleistozänen Sanden in einer Tiefe von etwa 2 bis 6 m unter Geländeoberkante (GOK). Er reagiert empfindlich auf Niederschläge, Verdunstung und landwirtschaftliche Nutzung und weist entsprechend stark schwankende Grundwasserstände auf.
Der zweite, für die Trinkwasserversorgung deutlich wichtigere Grundwasserleiter liegt in tiefer gelegenen pleistozänen Sand- und Kiesablagerungen in einer Tiefe von etwa 25 bis 40 m unter GOK. Dieser Aquifer ist durch überlagernde gering durchlässige Schichten besser geschützt und zeichnet sich durch höhere Ergiebigkeit sowie stabilere Wasserqualität aus.
Lokal können weitere tiefere Grundwasserleiter folgen, die jedoch überwiegend geringere wasserwirtschaftliche Bedeutung besitzen oder durch mineralisierte Wässer eingeschränkt nutzbar sind.https://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser/grundwasserbericht_niedersachsen/standardmodul/hydrogeologischer_ueberblick/hydrogeologische_raeume_niedersachsen/105219.htmlhttps://www.lbeg.niedersachsen.de/startseite/https://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser
Auf dem Gemeindegebiet von Ankum und dem Gebiet des benachbarten Bersenbrück erstreckt sich das Wasserschutzgebiet Ahausen-Sitter (Kennung 03459402102) mit einer Fläche von ca. 74 km².
Geschichte Ankum ist ein Marktort, an dem einst vor allem Tuch gehandelt wurde und bis heute noch Vieh gehandelt wird. Seit dem 9. Jahrhundert ist der Ort durchgehend besiedelt.Daniel Lau, Jens Schubert: Das Frühmittelalter in Ankum und Umgebung, in: Heimat-Hefte für Dorf und Kirchspiel Ankum (2017) 6–18, hier: S. 8.
Vor- und Frühgeschichte Die archäologischen Denkmale im Landkreis Osnabrück, unter anderem in Ankum, beschreibt eine Publikation der Archäologen Friedrich-Wilhelm Wulf und Wolfgang Schlüter aus dem Jahr 2000.Friedrich-Wilhelm Wulf, Wolfgang Schlüter: Archäologische Denkmale in der kreisfreien Stadt und im Landkreis Osnabrück. (Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens; Reihe B, Inventare, 2). Hannover 2000. Eine Auflistung „Vor- und frühgeschichtlicher Alterthümer“ im Kreis Bersenbrück geben zudem Johannes Heinrich Müller in seinem posthum von Jakobus Reimers 1893 veröffentlichten Repertorium der Stein- und Erddenkmäler, Urnenfriedhöfe, Ausgrabungen und Funde in der Provinz Hannover,Johannes Heinrich Müller, Jakobus Reimers (Hrsg.): Vor- und frühgeschichtliche Alterthümer der Provinz Hannover. Hannover 1893, S. 263–273 (PDF; 25,0 MB). Wilhelm Hardebeck in seiner „Übersicht und Beschreibung der früh- und vorgeschichtlichen Erd- und Steindenkmäler, Leichenfelder, Urnenfriedhöfe, Landwehren, Ringwälle und Ansiedelungsplätze im Kreise Bersenbrück“ von 1902Wilhelm Hardebeck: Übersicht und Beschreibung der früh- und vorgeschichtlichen Erd- und Steindenkmäler, Leichenfelder, Urnenfriedhöfe, Landwehren, Ringwälle und Ansiedelungsplätze im Kreise Bersenbrück. 2. Auflage. Lingen 1902; vgl. auch Wilhelm Hardebeck: Die Skelettfunde von dem Kattenberge. In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthums-Kunde des Hasegaues. 3 (1894), S. 38–41. und Rolf Gensen in seiner maschinenschriftlich vorliegenden Marburger Dissertation von 1961.Rolf Gensen: Die Vor- und Frühgeschichte des Kreises Bersenbrück. Univ.-Diss. Marburg 1961 (Typoskript).
Großsteingräber (entstanden 3500–2800 v. Chr.) im Raum Ankum beweisen eine Besiedlung der Region während des Neolithikums. Das Gräberfeld von Ankum-Druchhorn liegt beim Ortsteil Druchhorn. Die örtlichen Bewohner, die bereits zu den Germanen gerechnet werden, wurden im 6. Jahrhundert von den Sachsen erobert und das Gebiet in Gaue eingeteilt.
Urkundliche Überlieferung Urkundlich erscheint Ainghem (Ankum) erstmals 977 in einem privilegium Ottos II., in dem der Kaiser
übereignete.So in deutscher Paraphrase der einschlägigen Urkunde Kaiser Ottos II. bei Heinrich August Erhard (Hrsg.): Regesta historiae Westfaliae. Accedit codex diplomaticus. Die Quellen der Geschichte Westfalens, in chronologisch geordneten Nachweisungen und Auszügen, begleitet von einem Urkundenbuche, Band 1: Von den ältesten geschichtlichen Nachrichten bis zum Jahre 1125. Mit Monogrammen- und Siegel-Abbildungen, Münster in Westfalen 1847. ; MGH DD O II/O III 169; Justus Möser, Osnabrückische Geschichte. Mit Urkunden; 2. Von dem Ausgange des Carolingischen Stammes in Deutschland bis auf den Untergang des Großherzogthums Sachsen (Sämmtliche Werke; 6), 3. Auflage. Berlin/Stettin 1819 (2. Auflage. 1780, 1. Auflage. 1768), S. 232 f. (XVII).
mini|hochkant|Wappen der Herren von Ankum
Der bisweilen vorgebrachten Ansicht, die Nennung der Örtlichkeit Tungheim (= to Angheim?) im Hasagovue (Hasegau) in der Urkunde Kaiser Ottos I. vom 14. Juli 948 lasse sich auf Ankum beziehen,So erstmals D. Meyer: Topographisches. In: Mittheilungen des historischen Vereins zu Osnabrück. 3 (1853), S. 262–263, übernommen bei Hermann Hartmann: Anckum. S. 287. Hermann Hartmann: Die Wittekindsburgen. S. 224. Joseph Thiemann: Die Nikolaikirche zu Ankum unter steter Berücksichtigung der Geschichte der mittelalterlichen Architektur Westfalens kunsthistorisch dargestellt. Univ.-Diss. Münster in Westfalen. Rheine 1891, S. 6. Arnold Nöldeke: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover; IV. Regierungsbezirk Osnabrück; 3. Die Kreise Wittlage und Bersenbrück. Hannover 1915, S. 61. ist in der Literatur mehrheitlich nicht gefolgt worden und kann mit guten Gründen abgelehnt werden.Für alle August Schröder: Ankum. S. 10–11. Hermann Hartmann schließt aus der Quelle von 948, dass sich in Ankum Stammgüter Widukinds vorfanden, welche demnach im Rahmen der von Kaiser Otto I. bestätigten Schenkung an das von seiner Mutter, der Heiligen Mathilde, zweite Gemahlin König Heinrichs I. und Tochter des sächsischen Grafen Dietrich (Thiadericus), eines Nachkommen Widukinds, 947 gestiftete Kloster in Enger, der mutmaßlichen Grablege Widukinds, gefallen seien.Hermann Hartmann: Anckum. S. 288. 1878 vertritt Hartmann gar die Auffassung, die Mutterkirche in Ankum gehe auf eine Gründung Widukinds oder eines seiner Nachkommen zurück;Hermann Hartmann: Die Wittekindsburgen. S. 228. zur Verwandtschaft Mathildes mit Widukind siehe das erste Buch der Res gestae Saxonicae des sächsischen Chronisten Widukind von CorveyWidukind von Corvey: Res gestae Saxonicae, hrsg. von Georg Waitz, S. 430 f. (XL, I, 31) (MGH SS III Annales, chronica et historiae aevi Saxonici, hrsg. von Georg Heinrich Pertz, Hannover 1839). sowie die Vita Mathildis reginae antiquior.Rudolf Köpke (Hrsg.): Vita Mathildis reginae antiquior. S. 575 f. (MGH SS X Annales et chronica aevi Salici. Vitae aevi Carolini et Saxonici, hrsg. von Georg Heinrich Pertz, Hannover 1852) = Die Lebensbeschreibungen der Königin Mathilde (Vita Mathildis reginae antiquior – Vita Mathildis reginae posterior), hrsg. von Bernd Schütte, S. 113–114 (MGH SS rer. Ger. LXVI, Hannover 1994).
Der Vertrag von 1037–1052 zwischen dem Bischof von Osnabrück Alberich und dem Freien Werinbrecht,Namentlich Precaria Alberici Episcopi et Werimberti cuiusdam liberti, abgedruckt bei: Justus Möser: Osnabrückische Geschichte. Mit Urkunden; 2. Von dem Ausgange des Carolingischen Stammes in Deutschland bis auf den Untergang des Großherzogthums Sachsen. Sämmtliche Werke, 6. 3. Auflage. Berlin/Stettin 1819 (2. Auflage. 1780, 1. Auflage. 1768), S. 239–241 (XXI). Friedrich Philippi (Hrsg.): Osnabrücker Urkundenbuch. Band 1: Die Urkunden der Jahre 772–1200. Osnabrück 1892, S. 118–121 (Nr. 138 f.). Onkel des oben angeführten Herigis,MGH DD O II/O III 169. lässt, trotz einer fehlenden Erwähnung Ankums, aber mit Rücksicht auf das unten noch anzuführende bischöfliche Tafelgutverzeichnis von 1239/40,Justus Möser: Osnabrückische Geschichte, Band 4: Urkunden (Sämmtliche Werke; 8); 2. Auflage. Berlin 1858 (1. Auflage. 1843) (posthum), S. 385–388 (CCXXIII). den Schluss zu, dass Ankum schon seit der Mitte des 11. Jahrhunderts dem bischöflichen Tafelgut im Osnabrücker Nordland zugehörte.Arnold Nöldeke: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. IV. Regierungsbezirk Osnabrück; 3. Die Kreise Wittlage und Bersenbrück. Hannover 1915, S. 61. Günther Wrede: Die Ortsnamen auf -heim im Osnabrücker Land. In: Osnabrücker Mitteilungen. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück. (Historischer Verein) 67 (1956), S. 18.