Seelitz ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises Mittelsachsen in Sachsen. Sie ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Rochlitz mit Sitz in der gleichnamigen Stadt.
Geographie Die Gemeinde liegt ca. 2 km südöstlich der Stadt Rochlitz und 13 km nordwestlich der Stadt Mittweida oberhalb der Zwickauer Mulde.
Gemeindegliederung
Neben dem Kernort Seelitz gehören folgende Ortsteile zur Gemeinde: Beedeln Bernsdorf Biesern Döhlen Fischheim Gröblitz Gröbschütz Kolkau Köttern Neudörfchen Neuwerder Neuzschaagwitz Pürsten Seebitzschen Sörnzig Spernsdorf Städten Steudten Winkeln Zetteritz Zöllnitz Zschaagwitz Zschauitz
Geschichte mini|Ehemalige Kirchschule Seelitz mini|Evangelische Grundschule Seelitz Ortsgeschichte mini|St. Johannes Stolln (Seelitz), Mundloch Seelitz und die umliegenden Dörfer sind slawischen Ursprungs. Obwohl es keine schriftlichen Quellen gibt, die das flächendeckend bezeugen, erkennt man es z. B. an Keramikfunden (Scherben von Gefäßen), den slawischen Wallanlagen wie z. B. Fischheimer Borstel und Kötterner Porschel, den Flur- und Ortsnamen und schließlich an der Form und Größe der jeweiligen Ortsfluren.
Urkundlich erwähnt wird der Ort erstmals im Jahr 1174 als Seliz in einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Dedo der Lausitz. In dieser schenkte er vier Seelitzer Hufen dem damals gegründeten Kloster Zschillen.
Die Schreibweise des Ortsnamens variierte seitdem nur geringfügig. 1174: Seliz 1205 und 1378: Selicz 1489: Zelitcz 1548: Selietz 1791: Seelitz Der Name ist altsorbischer Herkunft. Die ursprüngliche Bedeutung ist nicht zweifelsfrei zu klären. Möglich ist der Personenname Žel als Kurzform zu Želidrog, Seliz wäre also die Siedlung eines Žel gewesen. Eine andere Deutung geht von zel - grün aus, Siedlung, wo es grünt.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band II, S. 402
Im Dreißigjährigen Krieg und auch späteren Kriegen hatte Seelitz unter durchziehenden und marodierenden Truppen sowie unter Seuchen zu leiden. Verwaltungsmäßig gehörte Seelitz seit dem späten Mittelalter zum Amt Rochlitz. Durch Einpfarrungen der benachbarten Dörfer bildete es einen kirchlichen Mittelpunkt. Bezüglich der Grundherrschaft gehörte Seelitz um 1548 anteilig dem Rat zu Rochlitz und der Pfarre zu Seelitz. Um 1764 gehörte der Ort als Amtsdorf zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Rochlitz.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 58 f. Eine 1839 gegründete, aber nur etwa 2 Jahre bestehende Ansiedlung deutscher Auswanderer in Missouri wurde nach dem Ort benannt. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurde in und um Seelitz nachweislich Bergbau betrieben. Die bedeutendste Fundstelle befand sich am „Vogelsang“ im Erlbachtal zwischen Seelitz und Biesern.Bergbaugeschichte von Seelitz In dessen Nähe wurde von einem Verein der „Stolln St. Johannes“ restauriert.
Bei den im 19. Jahrhundert im Königreich Sachsen durchgeführten Verwaltungsreformen wurden die Ämter aufgelöst. Dadurch kam Seelitz im Jahr 1856 unter die Verwaltung des Gerichtsamts Rochlitz und 1875 an die neu gegründete Amtshauptmannschaft Rochlitz.
Durch die zweite Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurde die Gemeinde Seelitz dem Kreis Rochlitz im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt) angegliedert, der ab 1990 als sächsischer Landkreis Rochlitz fortgeführt wurde und 1994 im neu gebildeten Landkreis Mittweida bzw. 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging. Der kirchlichen Konzentration im Hauptort Seelitz folgte im 20. Jahrhundert die administrative. Durch stufenweise Eingemeindungen ab 1950 hat Seelitz heute 24 Ortsteile. Die Gemeindeverwaltung befindet sich im Ortsteil Gröblitz.
Eingemeindungen mini|Muldentalblick vom Rochlitzer Berg nach Sörnzig (Vordergrund), Steudten (links) und Fischheim (rechts) Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Beedeln 01.07.1965 Eingemeindung nach Kolkau BernsdorfDas Sachsenbuch. Kommunal-Verlag Sachsen, Dresden 1943. 01.05.1936 Eingemeindung nach Beedeln BiesernStatistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.Ministerium des Innern des Landes Sachsen (Hrsg.): Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere. 1952. 01.07.1950 Eingemeindung nach Steudten Döhlen 01.03.1969 Fischheim 01.07.1950 Eingemeindung nach Steudten Gröblitz 01.07.1950 Gröbschütz 01.03.1974 Großstädten 01.04.1935 Zusammenschluss mit Kleinstädten zu Städten Kleinstädten 01.04.1935 Zusammenschluss mit Großstädten zu Städten KolkauStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen. 01.04.1993 Kolkau, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Kolkau Köttern 01.07.1950 Eingemeindung nach Spernsdorf NeudörfchenStatistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren (Hrsg.): Gemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen. 1904. vor 1875 Eingemeindung nach Döhlen Neutaubenheim, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Döhlen Neuwerder vor 1875 Eingemeindung nach Döhlen Pürsten 01.07.1950 Seebitzschen 01.07.1950 Eingemeindung nach Steudten Sörnzig 01.07.1950 Eingemeindung nach Steudten Spernsdorf 01.04.1993 Städten 01.07.1950 Eingemeindung nach Zetteritz Steudten 01.01.1994 Winkeln 01.03.1963 01.01.1994 Eingemeindung nach Zschoppelshain Umgliederung nach Seelitz Zetteritz 01.01.1994 Zetteritz, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Zetteritz Zöllnitz 01.04.1935 Eingemeindung nach Seebitzschen Zschaagwitz (mit Neuzschaagwitz) 01.07.1950 Eingemeindung nach Spernsdorf Zschauitz 01.07.1950 Eingemeindung nach Gröbschütz
Kirchengeschichte Gemäß der „Meißnischen Chronika“ soll die Geschichte der Seelitzer Kirche angeblich bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen. (Digitalisat)Parochie Seelitz. In: Kirchengalerie Sachsens, Die Inspektionen Penig, Rochlitz, Colditz und Waldheim. Dresden 1843, S. 189 (Digitalisat) Um 1000 entstand die Pfarrei Seelitz, die dem Bistum Meißen zugewiesen wurdeChronik der Kirche Seelitz nachdem das Land um Rochlitz von den Deutschen in Besitz genommen worden war, die von Franken her in das Gebiet kamen. Um diese Zeit war die ganze sorbische Bevölkerung getauft, hatte formell den christlichen Glauben angenommen. Gewaltsame Ereignisse im Zusammenhang mit der Missionierung sind in unserer Region nicht bekannt.Karlheinz Blaschke: Geschichte Sachsens im Mittelalter. Berlin 1991, ISBN 3-372-00076-5, S. 66. Verlässlich sind die in Stein gehauenen Jahreszahlen 1516 und 1529 an der Dorfkirche St. Annen selbst. Gemäß Dehio wurde in dieser Zeit an Stelle einer romanischen Kirche, die im 11. Jahrhundert entstanden sein könnte, der heutige Bau als spätgotische Hallenkirche errichtet.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. München 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 911.Um 1430 war Seelitz vom Einfall der Hussiten betroffen, wobei auch die Kirche zerstört wurde. Seelitz schloss sich relativ früh der Reformation an. Die 1527 in Seelitz entstandene Schule ist wahrscheinlich schon evangelisch gewesen.Kirchenchronik Seelitz Seelitz entwickelte sich als gewisses kirchliches Zentrum der umliegenden Dörfer. Heute ist Seelitz mit 23 Orten die größte Kirchgemeinde Sachsens.
Von 1769 bis 1771 wurde die Kirche unter Leitung des Wiederauer Zimmermeisters Michael Mäßig in einen barocken Emporensaal umgebaut. Die Ausstattung mit Altar, Kanzel (beides 1770/71) und Rokokotaufe (1773) schuf der zu dieser Zeit in Penig ansässige Bildhauer Johann Gottfried Stecher (1718–1776).
Politik
Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:
+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Bürgerbewegung Kirche643,7637,8846,7Seelitz gemeinsam gestalten225,5111,2––Bürgergemeinschaft FFw321,7216,2321,2Linke19,1211,5217,1AfD––114,2––CDU––19,1110,2SPD–––––4,7Wahlbeteiligung75,5 %68,5 %57,4 %
Bürgermeister mini|Gemeindeverwaltung Seelitz in Gröblitz Am 12. Juni 2022 wurde Bürgermeister Thomas Oertel mit 75,7 % der Stimmen im Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Thomas OertelOertel75,72015Bürgerbewegung Kirche97,3200856,92001Horst Bemmann99,2
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Dorfkirche St. Annen Rochlitzer Berg Muldental mit Hängebrücke Sörnzig–Fischheim Fischheimer Borstel, slawische Burgwallanlage um 1000 Sandgrube Biesern, Bade- und Angelgewässer
Verkehr
Die B 107 (Rochlitz–Chemnitz) führt durch den Osten des Gemeindegebietes und auch die B 175 verläuft im Norden des Gemeindegebietes (Rochlitz–Geringswalde). Die durch den Ortsteil Steudten führende Bahnstrecke Glauchau–Wurzen („Muldentalbahn“) ist nicht mehr in Betrieb, auch die durch den Ortsteil Döhlen führende Bahnstrecke Waldheim–Rochlitz wurde stillgelegt. Eine Reaktivierung der Strecke ist derzeit politisch in der Diskussion. Seelitz liegt am Mulderadweg.
Literatur William Clemens Pfau: Grundzüge der älteren Geschichte des Dorfes Seelitz und seiner Kirche. Verlag Bode, 1902. Neue Sächsische Kirchengalerie. Band: Die Parochie Seelitz. Verlag Strauch, Leipzig 1909. (Digitalisat)
Weblinks
Atlas Mittelsachsen Offizielle Internetpräsenz der Gemeinde Seelitz
Chronik der Kirche Seelitz
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mittelsachsen Kategorie:Platzdorf