Benjamin Michael „Ben“ Woollaston (* 14. Mai 1987 in Leicester) ist ein englischer Snookerspieler. 2004 qualifizierte er sich erstmals für die Profitour und konnte sich dort ab 2009 fest etablieren. 2011 gewann er ein Turnier der Players Tour Championship. Mitte der 2010er Jahre gehörte er zu den Top 32 der Welt.
Karriere Kampf um die Profitour Woollaston qualifizierte sich zur Snooker-Saison 2004/05 über die Endwertung der Challenge Tour 2003/04 erstmals für die Main Tour, konnte seinen Status als Profi jedoch nicht behaupten. Mit dem Gewinn der U19-Europameisterschaft 2009 qualifizierte er sich 2006/07 erneut für die Profitour. Auch im zweiten Anlauf sammelte er nicht genug Weltranglistenpunkte, um sich sportlich für die nächste Saison zu qualifizieren. Dank einer Wildcard konnte er trotzdem 2007/08 seine dritte Profisaison absolvieren. Sein bestes Ergebnis erzielte er 2008 bei den Welsh Open, als er erst in der Runde der Letzten 32 gegen Stephen Hendry scheiterte. Am Ende der Saison verlor er erneut seinen Status als Main-Tour-Spieler.
Für die Saison 2009/10 qualifizierte er sich über die Pontin’s International Open Series. Er erreichte zwar einige Erfolge in den Qualifikationsrunden, aber ohne eine Hauptrunde eines Ranglistenturniers zu erreichen, verpasste er den Tourerhalt über die Weltrangliste. In der Ein-Jahres-Wertung gehörte er aber zu den acht besten Spielern außerhalb der Top 64 und er bekam eine erneute Tourcard. Die Verbesserung in der folgenden Saison – unter anderem mit der Runde der Letzten 48 bei den China Open – ließ ihn nur geringfügig besser abschneiden, aber die 2010 neu eingeführte Players Tour Championship bestehend aus Kleinturnieren mit kurzen Matches kam ihm entgegen. Beim MIUS Cup kam er ins Achtelfinale und drei weitere Male stand er unter den Letzten 32. Die PTC-Wertung sicherte ihm ein erneutes Main-Tour-Jahr.
Etablierung als Profi und Aufstieg in die Top 32 Es war auch die Players Tour, die ihm in der Saison 2011/12 schließlich den Durchbruch brachte. Beim PTC–Event 3 schlug er unter anderem Ken Doherty und Alan McManus und kam ins Finale, das er mit 4:2 gegen den Weltranglistenzehnten Graeme Dott gewann. Mit weiteren guten Ergebnissen sicherte er sich die Teilnahme an den PTC Grand Finals. Bei den China Open 2012 qualifizierte er sich erstmals für die Endrunde eines großen Ranglistenturniers. Er überstand die Wildcard-Runde und verlor danach nur knapp mit 4:5 gegen Ding Junhui. Dreimal scheiterte er erst in der letzten Qualifikationsrunde, darunter auch bei der Weltmeisterschaft. Damit machte er einen Sprung auf Platz 43 und sicherte sich damit erstmals direkt den Tourverbleib. In den PTC-Turnieren im Jahr darauf scheiterte er zwar mehrfach im Viertelfinale, qualifizierte sich aber erneut für die Grand Finals, die als vollwertiges Ranglistenturnier gewertet wurden. Er schlug zum Auftakt den Weltranglistendritten Mark Williams und anschließend Joe Perry, beide mit 4:3, und kam erstmals in ein großes Viertelfinale, das er mit 3:4 gegen Kurt Maflin verlor. Bei der Weltmeisterschaft schlug er danach Ryan Day in der letzten Qualifikationsrunde mit 10:9 und schaffte damit erstmals den Einzug ins Crucible Theatre. Sein erstes WM-Endrundenspiel verlor er aber klar mit 4:10 gegen Ali Carter. Damit rückte er bis auf einen Platz an die Top 32 der Weltrangliste heran.
Die Saison 2013/14 begann vielversprechend mit dem Achtelfinale beim Wuxi Classic. Auch bei den Australian Open erreichte Woollaston die Endrunde. Bei anderen Turnieren verlor er aber auch sein Auftaktspiel. Auch die Players Tour verlief durchwachsen. Bei den Antwerp Open stand er im Halbfinale, neben dem Viertelfinale beim Ruhr Open war es das herausragende Ergebnis. Obwohl er in den anderen Turnieren dahinter zurückblieb, reichte es erneut für die Grand Finals. Mit einem 4:3-Sieg über Ding Junhui kam er ins Viertelfinale. Damit revanchierte er sich auch für die 3:4-Niederlage bei den Welsh Open gegen den Chinesen in der Runde der Letzten 32. Trotz Auftaktniederlagen bei China Open und WM langte es zum Saisonende für den einen Schritt auf Platz 32. Im Jahr darauf gab es in einer kürzeren Players Tour nur ein Achtelfinale und er verpasste die Finals. Am 12. Dezember 2014 erzielte Woollaston bei den Lisbon Open sein erstes Maximum Break; es war das 110. offizielle Turnierbreak von 147 Punkten in der Snookergeschichte. Die schwächeren PTC-Ergebnisse machte er durch die großen Turniere wett, in denen er viermal die Runde der Letzten 32 erreichte. Höhepunkt der Saison waren aber die Welsh Open, wo er Mark Allen, Ali Carter und Mark Williams schlug und zum zweiten Mal ein Finale erreichte. Allerdings musste er bei der 3:9-Niederlage die Überlegenheit von John Higgins anerkennen. Besondere Ergebnisse erzielte er außerdem bei Einladungsturnieren: Bei seiner ersten Teilnahme an der Championship League qualifizierte er sich auf Anhieb für die Winners’ Group und kam am Ende ins Halbfinale. Beim Sonderformat Shoot-Out erreichte er erstmals das Viertelfinale. Am Saisonende bestätigte er Platz 32 in der Rangliste.
Erfolge in der Mitte der Karriere 2015/16 kam er gleich zu Beginn bei den Riga Open ins Halbfinale und besiegte dabei den Weltranglistenzehnten Ricky Walden und ein weiteres Mal Mark Williams. Bei den Haining Open schlug er das einzige Mal John Higgins und erreichte das Viertelfinale, ebenso wie später bei den Gdynia Open. Es war die letzte PTC-Saison mit nur noch sieben Turnieren, die Serie wurde danach eingestellt. Somit spielte er auch zum letzten Mal bei den Grand Finals, wo er mit dem Erreichen des Viertelfinals sein bestes Ergebnis wiederholte. Zusammen mit weiteren Erfolgen wie dem Viertelfinale bei den Welsh Open 2016 und dem Achtelfinale bei der hochdotierten International Championship brachte es ihm eine neue Höchstposition in der Weltrangliste mit Platz 25. Die nächste Saison ohne Players Tour Championship begann mit einem Fehlstart und drei Auftaktniederlagen in den ersten vier Turnieren. Bei drei weiteren Ranglistenturnieren blieb er bis Saisonende ohne Punkte. Dafür kam er aber auch dreimal ins Achtelfinale, bei den World Open, den English Open und dem German Masters. Bei den großen Turnieren stand er zudem meist unter den Letzten 32 und konnte damit auch seine Position unter den Top 32 der Welt halten. Bei der Weltmeisterschaft am Saisonende verpasste er aber knapp seine zweite Hauptrunde nach einer 9:10-Niederlage mit einem umkämpften Decider gegen Zhou Yuelong.
Stabiler verlief die Saison 2017/18, in der er bis über den Jahreswechsel hinaus ohne Auftaktniederlage blieb. Das Viertelfinale beim Paul Hunter Classic und Achtelfinals bei der 6-Red-Weltmeisterschaft und dem European Masters waren frühe Erfolge, die aber wenig bis gar nicht für die Weltrangliste zählten. Bei den anderen Turnieren kam er zwar anfangs noch unter die Letzten 32, konnte aber die Streichpunkte aus früheren Spielzeiten nicht mehr ausreichend kompensieren, so dass er in der Weltrangliste erstmals deutlich zurückfiel und die Top 32 verlassen musste. Ähnlich setzte es sich in der nächsten Saison fort, in der in der ersten Saisonhälfte noch drei Auftaktniederlagen hinzukamen. Auch danach kam er nur noch selten unter die Letzten 32, auch wenn ihm bei den English Open mit einem 4:3-Sieg über den damaligen Weltranglistenersten Mark Selby ein Achtungserfolg gelang. Die Saison retteten ihm die China Open 2019 als vorletztes Turnier, die er mit dem Erreichen des Viertelfinals abschloss. Auch zwei Siege in der WM-Qualifikation halfen, seinen Platz unter den Top 40 abzusichern, auch wenn er durch ein 8:10 gegen Li Hang sein zweites Crucible erneut verpasste.
Erkrankung und Kampf um die Fortsetzung der Profikarriere 2019/20 verlief auf ähnlichem Niveau mit einem durchwachsenen Saisonverlauf mit der Runde der Letzten 32 bei der UK Championship als bestem Ergebnis. Erst gegen Ende kam das Viertelfinale beim Sonderformat Shoot-Out hinzu, das aber kaum Ranglistenpunkte brachte. Danach brachte die Covid-19-Pandemie den Saisonabschluss durcheinander. Bei der kurzfristig organisierten zweiten Championship League erreichte er die Endrunde mit 4 Spielern und wurde schließlich Zweiter, was allerdings nicht in die Weltranglistenwertung einging und seinen Abwärtstrend nicht stoppte. Das folgende Corona-Jahr, das in Quarantäne und weitestgehend ohne Zuschauer gespielt wurde, brachte keine Wende, auch weil Turniere wie die China Open wegfielen. Bei der einmalig als Ersatz ausgetragenen WST Pro Series konnte er als Teilnehmer der Halbfinalgruppe immerhin etwas punkten. Und zwei Achtelfinals bei Home-Nation-Turnieren sorgten dafür, dass er sich um den Verbleib unter den Top 64 keine Sorgen machen musste.
Wie Woollaston später öffentlich machte, erkrankte er in der Pandemiezeit im Mai 2021 und zeigte Symptome des chronischen Erschöpfungssyndroms. Es machte ihm über Monate das Trainieren schwer bis unmöglich und beeinträchtigte ihn darüber hinaus mehrere Jahre. Immerhin eine kleine Aufwärtsbewegung brachte die Saison 2021/22, die wieder unter normalen Bedingungen stattfand. Das Achtelfinale bei der UK Championship Ende 2021 brachte ihm wieder Auftrieb, dazu kamen drei Achtelfinals bei kleineren Turnieren. Im Jahr darauf stand er aber nur bei den British Open unter den Letzten 16 und kam sonst nur noch einmal über die zweite Runde hinaus. Auch wenn er weiterhin Topspieler wie Mark Selby, Mark Williams und Ronnie O’Sullivan in einzelnen Partien schlagen konnte, machten die Gesamtergebnisse seine Fortschritte wieder zunichte. 2023/24 kam in der ersten Saisonhälfte noch eine Phase hinzu, in der er bei fünf Turnieren nur ein einziges Match gewann. Davor stand er im Achtelfinale des European Masters und danach bei der UK Championship unter den Letzten 32. Dann folgte aber erneut eine Serie mit nur einem Sieg bei vier Turnieren und mit dem Abstieg auf Platz 60 erstmals wieder die Gefährdung seiner Tourzugehörigkeit. Er zeigte aber eine Reaktion und durch das Achtelfinale beim World Open 2024 konnte er sich absichern.
Weitere erfolgreiche Jahre Nachdem er seine Erkrankung immer besser in den Griff bekam, kam in der Saison 2024/25 für den inzwischen 37-jährigen Engländer noch einmal eine Karrierewende. Beim hochdotierten Saudi Arabia Masters zu Saisonbeginn kam er unter die Letzten 32 und ließ danach das Achtelfinale bei den English Open und den Wuhan Open folgen. Das brachte ihn wieder in die Top 48. In der zweiten Saisonhälfte kam er noch dreimal unter die Letzten 32 und bei der abschließenden Snookerweltmeisterschaft qualifizierte er sich nicht nur überhaupt erst zum zweiten Mal für die Hauptrunde, er gewann auch noch sein erstes Crucible-Match mit 10:8 gegen Mark Selby. Das WM-Achtelfinale gegen Si Jiahui hielt er danach bis zum Stand von 10:10 offen, verlor dann aber die nächsten drei Frames und schied aus. Die Saison schloss er damit auf Platz 42 ab. Das Niveau konnte er im Jahr darauf nicht halten, insbesondere kam kein weiteres Achtelfinale hinzu, aber das erneute Erreichen der Letzten 32 in Saudi-Arabien und noch einmal bei der UK Championship brachten zusätzliche Punkte. Zwischenzeitlich erreichte er Position 35 in der Weltrangliste, die durch eine enttäuschende zweite Saisonhälfte allerdings relativiert wurde.
Privates Woollaston ist seit Juni 2011 mit Tatiana Tarchila, einer belarussischen Snookerschiedsrichterin, verheiratet. Sie lernten sich 2010 beim Paul Hunter Classic kennen.
Erfolge Profiturniere Ranglistenturniere Finale: Welsh Open (2015) Viertelfinale: PTC Grand Finals (2013, 2016), Welsh Open (2016), Paul Hunter Classic (2017), China Open (2019), Snooker Shoot-Out (2020)
Minor-Ranking-Turniere Sieg: Players Tour Championship (Event 3 2011) Halbfinale: Players Tour Championship (Antwerp Open 2013, Riga Open 2015)
Einladungsturniere Halbfinale: Championship League (2015) Viertelfinale: Snooker Shoot-Out (2015)
Amateurturniere U19-Europameister (2006)
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