Die Mars, auch bekannt als Makalös (schwedisch: „Makellose“) oder Jutehattaren (schwedisch: „Dänenhasserin“) war ein schwedisches Segelkriegsschiff aus dem 16. Jahrhundert. Sie war das Flaggschiff der Flotte des Schwedenkönigs Erik XIV. und für kurze Zeit das größte Kriegsschiff seiner Zeit in Europa. Sie wurde am 30. Mai 1564 während des Dreikronenkrieges (erste Seeschlacht zwischen den Inseln Öland und Gotland) geentert und explodierte. 2011 wurde ihr Wrack gefunden.
Geschichte mini|links|Grafik von Frans Hogenberg zeigt in der rechten Bildhälfte die zuvor gescheiterten Friedensverhandlungen in Rostock und links die Seeschlacht vom 30./31. Mai 1564. Die Makalös ist dabei im Zentrum und zudem beschriftet.
Die Mars war ein königliches Segelkriegsschiff (regalskeppet). Sie wurde 1561–1563 in Birkenes (heute: Björkenäs) 3 km nördlich von Kalmar von Schiffbaumeister Holger Ohlsson, der zuvor in Stockholmer Werften tätig war, gebaut.nach Ekman, S. 8.; Ohlson wurde auf der Werft auch als Mäster Hollinger bezeichnet. Die Mars war dabei Teil eines 1558 initiierten Schiffbauprogramms für Großschiffenach Glete: Swedish Naval Administration, S. 357ff. des schwedischen Königs Erik XIV., der dadurch die schwedische Vormachtstellung in der Ostsee herstellen und sichern wollte. Erik XIV. beabsichtigte, mit diesem sehr großen Schiff seine expansiven Ambitionen auf der Ostsee zu unterstreichen und auch westeuropäische Mächte zu beeindrucken.nach Glete: Swedish Naval Administration, S. 358.
mini|links|Bildliche Interpretation des Angriffs des Lübecker Flaggschiffs Der Engel auf das schwedische Flaggschiff Mars von Marinemaler Hans Bohrdt aus dem Jahr 1901
Über den Zeitraum unmittelbar nach ihrer Fertigstellung ist über die Mars nicht viel bekannt, zudem hatte sie nur eine kurze Dienstzeit. Ihr wichtigstes geschichtliches Ereignis war eine Schlacht während des Dreikronenkriegs, auch als „Nordischer Siebenjähriger Krieg“ bekannt, in der Ostsee. In diesem Krieg kämpfte das Königreich Schweden gegen das Königreich Dänemark, das mit der Hansestadt Lübeck und dem Königreich Polen eine Allianz bildete.
Am 30. Mai 1564 kam es in der Ostsee zwischen den Inseln Öland und Gotland zu einem zweitägigen Gefecht zwischen beiden Konfliktparteien. 16 dänische Großschiffe unter der Führung von Admiral Herluf Trolle sowie 10 Lübecker Großschiffe unter der Führung von Admiral Friedrich Knebel standen 16 schwedischen Großschiffen gegenüber, die von Admiral Jakob Bagge kommandiert wurden. Am ersten Tag konnten die schwedischen Schiffe ihren Gegnern nach kurzen, aber heftigen Gefechten vereinzelt Schaden zufügen. Die Schlacht wurde mit Einbruch der Nacht unterbrochen und am nächsten Tag fortgesetzt.nach Crichton, S. 27, books.google.de. Als sich am zweiten Tag der Wind drehte, mussten sich die schwedischen Schiffe nacheinander wegen der für sie ungünstigen Winde zurückziehen – lediglich die Mars kämpfte alleine weiter und wurde von der alliierten Übermacht umzingelt. Der Mars gelang es dennoch, ein Lübecker Schiff zu versenken und mehrere dänische Schiffe zu beschädigen. Die Lübecker Chronik berichtet, dass es den zahlenmäßig überlegenen Bündnispartnern gelang, die Ruderanlage der Mars durch Kanonenbeschuss außer Funktion setzen. Diese wurde jedoch unversehrt am Meeresboden aufgefunden.angeführt in Peterson, S 71. Hinweis: Peterson führt ein falsches Datum (10. Mai 1564) der Schlacht an, das in überwiegender Literatur jedoch auf den 30./31. Mai 1564 datiert wird.
Im Verlauf des nun folgenden Schlagabtausches wurde die Mars von der Besatzung des Lübecker Flaggschiffs Der Engel unter der Führung von Admiral Friedrich Knebelnach Anderson, S. 296, doi:10.1080/00253359.1939.10657346. zusammen mit den Schiffen Byens Løffue (Dänemark) und der Lübecker Fuchs aufgebracht. Es gelang den Besatzungen sich in einem sehr harten Gefecht der Mars so zu nähern, dass sie geentert werden konnte. Während der Enterung fing das schwedische Schiff Feuer, das sich schnell ausbreitete. Den Lübeckern gelang es noch, den Oberbefehlshaber der schwedischen Flotte, Admiral Jakob Bagge, und seinen Stellvertreter Arvid Trolle gefangen zu nehmen. Schließlich explodierte die Mars aber wenig später in dem Moment, als die Lübecker das Schiffsmagazin plünderten.nach J.E. Lavery, S. 42. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 880 Schweden, Dänen und Lübecker auf dem Schiff. Ein Großteil davon ertrank oder wurde Opfer der Flammen bzw. der Explosionsdruckwelle oder umherfliegender Explosionstrümmer. Friedrich Knebel berichtete seinen Vorgesetzten später, dass „500 erschlagen, 100 gefangen“ genommen wurden.so aufgeführt in Lübecker Aktensammlung AHL, ASA Externa, Suecica 123, Bericht des Ratsherrn Friedrich Knevel, siehe im Findbuch zu den ASA Externa, Suecica. Die Mars sank schließlich am 31. Mai 1564in Glete, Swedish Naval Administration, S. 360, wird der 31. Mai 1564 als Datum des Verlusts angegeben. auf eine Tiefe von 75 m.
Obwohl die Mars nur eine kurze Dienstzeit hatte und zerstört wurde, zeigte sie in der Schlacht recht deutlich die Vorzüge ihrer Feuerkraft, Widerstandsfähigkeit und schiffbaulichen Größe. Die Bündnispartner Polen-Dänemark-Lübeck waren offenbar so beeindruckt von ihren Eigenschaften, dass sie ihr eigenes Schiffbauprogramm anpassten und nunmehr Schiffe auflegten, die noch etwas größer als die Mars waren. So wurden zwei Schwesterschiffe von 2100 t Verdrängung in Lübeck gebaut, die 1567 fertiggestellt wurden: Die dänische Fortuna und die Lübecker (Großer) Adler von Lübeck. Dänemarks König Friedrich II. gab sich damit aber nicht zufrieden und stockte seine Flotte sogar um noch größere Schiffe auf: die 1570 fertiggestellte Wol Her (2.200 t) und die St. Oluf (ca. 3.500 t), die 1573 fertiggestellt wurde. Auf schwedischer Seite wurde als Nachfolgerin der gesunkenen Mars die Neptunus (2.000 t, Umbenennung in Röde Draken im Jahr 1569) im Jahr 1564 fertiggestellt, nachdem auch das damals zweitgrößte Schiff in der schwedischen Flotte neben der Mars, die Elefant(en), während Reparaturarbeiten gesunken war.nach Glete, Swedish Naval Administration, S. 361.
Die schwedische Seite gewann das Wettrüsten zum Ende des Krieges 1570, konnte sich mit 53 Schiffseinheiten, die zusammen eine Tonnage von 21.000 t ergaben, die größte Flotte in der Ostsee erhalten und somit in der Schlussphase des Krieges große Teile der Ostsee kontrollieren.nach Glete: Swedish Naval Administration, S. 363, Die dänische Seite brachte es zur gleichen Zeit lediglich auf 15.000 t.
Aufbau des Schiffs Der exakte Aufbau des Schiffes ist bislang nicht bekannt und lässt sich derzeit nur aufgrund von zeitgenössischen Akten, Augenzeugenberichten und Zeichnungen von Fachleuten ungenau rekonstruieren. Zudem beziehen sich Fachleute gerne auf Erkenntnisse zu parallel existierenden Schiffen, da es unter den Schiffbaumeistern damaliger Zeit üblich war, bestimmte konstruktionelle Merkmale anderer Schiffe für den eigenen Aufbau zu übernehmen, wenn sie sich bewährt hatten oder Vorteile versprachen. Insofern lässt sich ein Phänotypus rekonstruieren, auch wenn die zuvor beschriebene Übernahme von bestimmten Elementen es den Experten dann auch schwer macht, den Schiffstyp zuzuordnen, da eben Mischformen entstanden.Neue Erkenntnisse können u. U. die Lübecker Akten sowie Tauchgänge zum Wrack bringen. Daher stützten sich die hier getroffenen Aussagen auf vorhandene Literatur zum Thema.
Fest steht, dass die Mars aus Eichenholz gebaut wurde. Sie kann dem Schiffstyp Karavelle bzw. Kraffel zugeordnet werden, wenngleich ihre Größe eigentlich untypisch für derartige Schiffe war.Die Großschiffe von König Erik XIV. wurden in den Schiffsregistern als Kravel bezeichnet. Hagedorn definierte diese Schiffe als diejenigen, bei denen überwiegend die Kraweelbauweise Anwendung fand. In Freytags gesammelten Werken auf S. 246 wird aufgezeigt, dass jedes schwere Schiff damals als Holk bezeichnet wurde und dass eine bestimmte Form desselben das „Kravel“ (= Karavelle) war. Im 14. Jahrhundert waren dies noch kleine Zweimaster, später kam auch der Besanmast dazu, so dass es Dreimastschiffe wurden, die in ihrer Größe stetig wuchsen. Das Schiff war ein Rahsegler mit mindestens drei Masten (Besanmast, Hauptmast und Fockmast). Der Schiffskörper war in der Kraweelbauweise beplankt.siehe Hagedorn, zudem bestätigen Fotos von den Tauchgängen zum Wrack diese Annahme Der Kiel war von 62 Eisenbolzen durchzogen; jeder davon wog eine halbe Tonne.so angeführt in Ekman, S. 9 Fachleute gehen aufgrund von Einträgen in den Werftbüchern davon aus, dass das Schiff ein Dreidecker gewesen sein könnte – vielleicht sogar der erste in Europas NordenEkman fand Hinweise, dass in Bezug auf die Mars stets mehrere Orlops sowie zusätzlich noch das kobrygga(n) (Oberdeck) angeführt wurden, was für einen Dreidecker sprechen würde. Anderson bestätigt dies auf S. 298 und zieht einen Vergleich zum 1565 gebauten Lübecker Flaggschiff Adler von Lübeck, das sehr wahrscheinlich ebenfalls ein Dreidecker war und die Mars in ihren Dimensionen übertrumpfen musste, um die eigene schiffbauliche Überlegenheit zu demonstrieren und um mehr bzw. schwerere Geschütze an Bord platzieren zu können. In Fachkreisen herrscht die Auffassung, dass die Mars ein Vorbild für den Bau der Adler war – zumindest was Größe, Aufbau und Bewaffnung anging. – aktuelle Bilder von der Wrackstelle scheinen diese Einschätzung jedoch zu widerlegen. In aktuellen Bildern und Videos zum Wrackfund kristallisiert sich zudem heraus, dass das Schiff ein hohes Vorder- und Achterkastell hatte, auf denen viele Geschütze untergebracht waren.
Es gibt Quellen, die die Tragfähigkeit des Schiffes mit 700 Lasten angeben,Hansische Geschichtsblätter, 1876, S. 56. allerdings ist es schwer, diese Maßeinheit auf heutige Tonnageeinheiten umzurechnen. Fachleute nehmen an, dass 700 Lasten etwa einer Kapazität von 1000 Tonnen entsprechen könnten.nach Ekman, S. 8. Überwiegend geht die Literatur von einer Wasserverdrängung von bis zu 1.800 t aus.nach Glete, Swedish Naval Administration, S. 358. auch in Peterson, S. 71.
Mit einer Länge von ca. 54 mDie genaue Länge des Schiffes ist nicht bekannt. In der Lübecker Chronik wird angeführt, dass sie 10 (Lübecker) Fuß länger als die Lübecker St. Petri-Kirche sei, was 52,6 m entspricht und sich auf das Maß von Vorder- bis Achtersteven bezieht. Ein Schiffskonstrukteur des 18. Jahrhunderts, F. af Chapman, leitete hingegen die Schiffsmaße zwischen Vorder- und Hintersteven vom bekannten Gewicht der Bewaffnung ab und legt diese auf 164 Schwedische Fuß fest, was 48,74 m entspricht. Über die gleiche Berechnung kommt er auf eine Breite von 42 Schwedischen Fuß (= 12,48 m). Chapmans Berechnungen beziehen sich aber auf vermutlich unrichtige dänische Quellen – zudem sind Berechnungen nach schiffbaulichen Gesetzmäßigkeiten des 18. Jahrhunderts nicht zwangsläufig auch auf Schiffe des 16. Jahrhunderts übertragbar. Ekman zieht Rückschlüsse über das gefundene Wrack der schwedischen Elefant und stellt Maße von aufgefundenen Wrackteilen in Relation zur Bewaffnung der Elefant. Anderson hingegen kalkuliert auf S. 297 aus den überlieferten 400 Lasten der Elefant und den überlieferten 700 Lasten der Mars den Faktor 1,2 – stellt diesen in Relation zu den aufgefundenen Wrackteilen der Elefant und kommt so zu einer Schiffsbreite von 45 Englischen Fuß (= 13,5 m) sowie einer Schiffslänge von 180 Englischen Fuß (= 54 m) von Vorder- bis Achtersteven. und mit über 100 Kanonen unterschiedlichen Kalibers bestückt, war sie zu ihrer Zeit das größte und zugleich am schwersten bewaffnete Kriegsschiff Europas.nach Glete, Swedish Naval Administration, S. 358.
Neue Erkenntnisse in Bezug auf die Schiffsdimensionen, Schiffstyp und Phänotypus dürften weitere Tauchgänge zum Wrack und entsprechende Vermessungen bringen.
Schiffsbesatzung Die Schiffsbesatzung ist wie folgt überliefert:siehe Ekman, S. 8.