Blankenhain ist eine Kleinstadt im Süden des Landkreises Weimarer Land an der Thüringer Porzellanstraße. Sie liegt zwischen Weimar und Rudolstadt und gehört zu den flächengrößten Gemeinden Thüringens. Blankenhain trägt den Beinamen „Lindenstadt“.
Geografie Lage Blankenhain (Kernstadt) liegt in etwa 350 Meter Höhe in der Talsenke der Schwarza, die die Stadt von Ost nach West durchfließt. Nördlich liegt der 497 Meter hohe Kaitsch und westlich erheben sich ebenfalls bewaldete Berge, die zur geologischen Formation der Ilm-Saale-Platte (Muschelkalk) gehören. Nach Süden und Osten erstreckt sich eine wellige Hochfläche, auf der die meisten Ortsteile Blankenhains liegen. Nachbarstädte sind Bad Berka im Norden, Magdala im Osten, Rudolstadt mit dem Ortsteil Teichel im Süden und Kranichfeld/Tannroda im Westen.
Weimar liegt etwa 15 Kilometer nördlich, Jena etwa 20 Kilometer östlich und Rudolstadt etwa 20 Kilometer südlich. Erfurt befindet sich etwa 30 Kilometer nordwestlich von Blankenhain.
Stadtgliederung Zur Stadt Blankenhain gehören neben der Kernstadt, zu der auch die Siedlung Egendorf gehört, 23 Ortsteile: Altdörnfeld Drößnitz Großlohma Hochdorf Keßlar Kleinlohma Krakendorf Lengefeld Loßnitz Lotschen Meckfeld Neckeroda Neudörnfeld Niedersynderstedt Obersynderstedt Rettwitz Rottdorf Saalborn Schwarza Söllnitz Thangelstedt Tromlitz Wittersroda
mini|Marktplatz In der Kernstadt leben etwa 3.686 (Stand 31. Dezember 2025) Einwohner. Amtsblatt der Stadt Blankenhain, 23. Jahrgang, 7. Februar 2026
Geschichte Mittelalter Im Mittelalter kreuzten sich zwischen Ilm und Saale mehrere wichtige Wege: Kahla–Erfurt, Weimar–Saalfeld, Gera–Arnstadt, Magdala–Großliebringen/Langewiesen/Dreiherrenstein/Frauenwald. Zum Schutz dieser Verbindungen gab es eine hochmittelalterliche Burg in Blankenhain, auf deren Gelände jetzt das Blankenhainer Schloss steht. Die Herren von Blankenhain sollen eine Nebenlinie der Herren von Mellingen gewesen sein. Sie waren Vasallen des Erzbischofs von Mainz. 1147 nannte man einen Zeugen Gottfried von Blankenhain. Unter der Herrschaft der Landgrafen von Thüringen, stiegen dann die Herren von Blankenhain durch Burgenbesitz in den Adel auf.Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen. Dr. Bussert & Stadeler, Jena 2004, ISBN 3-932906-22-5, S. 203.
Im Mittelalter war Blankenhain eine gut befestigte Stadt mit Mauer, Graben, Wall und einer dichten Hecke. Neun Teiche sicherten die 4 bis 5 m hohen Mauern. Letzter Zeitzeuge dieser massiven Anlagen ist der kleine Ententeich, der sich früher durch die gesamte Parkanlage des Carl-Alexander-Platzes gezogen haben soll.
Im Bereich des Schlosses wurden Siedlungsreste aus dem 7. Jhd. nachgewiesen. Die damals hier errichtete fränkische Rundburg, diente vor allem dem Schutz der hier durchführenden zwei Handelsstraßen. Die erste urkundliche Erwähnung Blankenhains erfolgte am 7. Juli 1252.Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. Band 3: 1228–1266. Gustav Fischer, Jena 1925, S. 321 f., Nr. 2039. (archive.thulb.uni-jena.de). Zur Verleihung des Stadtrechts ist kein genaues Datum überliefert, erstmals als Stadt bezeichnet wurde Blankenhain 1424. Um 1500 wurde die Burg umgebaut und nach einem Brand 1667 bekam das Anwesen die heutige Gestalt.
Spätmittelalter Blankenhain war im Spätmittelalter zum Sitz einer Seitenlinie der Grafen von Gleichen geworden, nach dem Aussterben der Grafen von Gleichen fiel deren Lehen zunächst an das Erzbistum Mainz, 1639 übergab man wie auch in Ohrdruf und Wandersleben das heimgefallene Lehen an die Grafen von Hatzfeld. Nach deren Aussterben fiel Blankenhain 1794 an Mainz zurück.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 68–69.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen Wartberg. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 343.
Neuzeit Der heutige Marktplatz entstand 1716 und das Rathaus wurde 1739 erbaut. 1794 zum Kurfürstentum Mainz gehörend, wurde Blankenhain 1803 preußisch und 1806 den Franzosen untertan. In dieser Zeit schenkte Napoleon der Universität Jena zur Wiedergutmachung für deren Kriegsschäden das Lindengrundstück (heute Helios). Die Universität Jena brauchte allerdings bereits 1812 dringend Geld zum Ankauf einer Bibliothek und veräußerte das Grundstück. So gehörte es zunächst der Französischen Kriegs- und Domänenkammer, dann 1813 der Preußischen Verwaltung und schließlich seit 1815 der Großherzoglichen Landesregierung Sachsen-Weimar-Eisenach, zu dem es bis 1920 gehörte. Das Blankenhainer Schloss war für kurze Zeit Aufenthaltsort des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. und seiner Frau Königin Luise bei dem fluchtartigen Rückzug in Richtung Königsberg nach der verlorenen Schlacht von Jena und Auerstedt. mini|Gedenktafel an den Aufenthalt des preußischen Königspaares 1806
20. Jahrhundert In der Zeit des Nationalsozialismus gab es im Ort eine Adolf-Hitler-Schule, eine Internatsschule, die einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt („Napola“) ähnelte und zu den nationalsozialistischen Ausleseschulen zählte.
Bei Einmarsch der US-Truppen am 12. April 1945 befand sich Konrad Fuß, langjähriger Vorsitzender der KPD, während eines Gefechtes zwischen deutscher und amerikanischer Infanterie im Feuerbereich und erlag noch vor Ort seinen Schussverletzungen. Der amtierende NSDAP-Bürgermeister Paul Garke, der auf dem Rathaus die weiße Fahne hissen ließ und dem amerikanischen Kommandanten für wenige Wochen hilfreich zur Seite stand, wurde nach Ankunft der Sowjets am 3. Juli 1945 festgenommen. Er verstarb am 10. Februar 1946 im sowjetischen Speziallager Jamlitz.
Quellen: Broschüre „Heute vor 50 Jahren – 12. April 1945 – Zeitzeugen berichten (1995)“, Herausgeber: Arbeitskreis für Stadtgeschichte Blankenhain; Auskunft des DRK an Dr. Julia Landau, Kustodin für das Speziallager 2, Buchenwald, bestätigt durch A. Weigelt, Dokumentationsstelle Lager Jamlitz/Liberose.
Nach Befreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945 wurde in der früheren Landesheilanstalt das american protected TBC-hospital of Buchenwald eingerichtet. Hier erhielten die nun freien Tuberkulose kranken Häftlinge ab Mai medizinische Versorgung und Pflege. Dennoch starben viele auf Grund ihres schlechten Allgemeinzustandes. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren 1942 bis 1944 im Reservelazarett Egendorf nahe Blankenhain gestorben. Sie alle wurden auf dem Blankenhainer Friedhof beigesetzt. 1947/48 wurde separat ein „Sowjetischer Ehrenfriedhof“ angelegten und die sterblichen Überreste der Menschen aus der damaligen UdSSR dahin umgebettet.Quellen: Kreisarchiv Apolda, Standesamt Akten Blankenhain, Akte B 794 „Gräber von Angehörigen der Roten Armee“; Akte 145: Totenscheine der verstorbenen ehemaligen Häftlinge des KZ Buchenwald
Die „Kernstadt“ Blankenhain verfügt seit 1908 über eine leitungsgebundene öffentliche Wasserversorgung; einige der 1994 eingemeindeten Orte hatten für ihre Einwohner schon zuvor derartige Einrichtungen geschaffen. Heute obliegt die Aufgabe der Wasserversorgung im gesamten Gebiet der Stadt dem Wasserversorgungszweckverband Weimar; die Abwasserbeseitigung ist dem Zweckverband JenaWasser übertragen worden.
Die deutsche Fußballnationalmannschaft trainierte zur Vorbereitung auf die Fußball-Europameisterschaft 2024 im Spa- und GolfResort Weimarer Land in Blankenhain vom 26. bis 30. Mai 2024.Nationalmannschaft bezieht EM-Trainingslager in Thüringen, dfb.de, 15. Dezember 2023.Turnierstart am 14. Juni: DFB-Team - so sieht der Fahrplan bis zur EURO aus, sportschau.de, 26. März 2024.
Geschichte der Landesheil- und Pflegeanstalt Blankenhain mini|Gedenktafel, eingeweiht im September 2013, zerstört im August 2014 Im Jahre 1840 wurde in Blankenhain das „Thüringische Landeshospital“ errichtet, in dem "Geistig Kranke und Sieche" untergebracht und betreut werden sollten. Weil die Zugänge von psychisch Erkrankten und Behinderten weiter anstiegen, folgten in den kommenden Jahrzehnten Erweiterungsbauten, bis auch das Schloss zur Unterbringung von 80 Patienten hergerichtet wurde. Ein monumentaler Zweckbau, das sogenannte Zentralgebäude beherbergte die Patienten der "Landesheilanstalt Thüringen" dann bis ca. 1920. In dieser Zeit erfolgte der Umzug in die eigens dafür neu erbauten Gebäude auf dem Gelände der heutigen Helios-Klinik. Im Jahre 1940 wurde die Anstalt weitgehend geräumt. Die Mehrzahl aller Patienten wurde nach Mühlhausen und Stadtroda, die meisten darunter jedoch nach Zschadraß verlegt, bis sie in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein überstellt worden sind, wo sie mit Gas erstickt wurden.
In Erinnerung an diesen Teil der Anstaltsgeschichte wurde am 28. September 2013 unter dem Beisein des Thüringer Innenministers Jörg Geibert eine Gedenktafel an der Grundmauer des Zentralgebäudes eingeweiht, die von vier Schülerinnen des Gymnasiums Bergschule in Apolda gestiftet wurde. Die Abiturientinnen legten als Bestandteil ihrer Projektarbeit eine Broschüre über den Mord an Blankenhainer Patienten in der NS-Zeit vor.Swantje Gebhardt, Svenja Maaß, Rebekka Reise, Lydia Steinke: Massenmord an Blankenhainer Patienten. Anna März – Opfer der Euthanasie (= Gefunden. Schriftenreihe des Vereins Prager Haus Apolda e. V. 14). Prager-Haus Apolda, Weimar 2014, ISBN 978-3-935275-31-6.
Geschichte der Ortsteile Die Gründung des fränkischen Weilers Egendorf, damals Eichendorf, wird auf die Zeit nach der Zerschlagung des Königreichs Thüringen 531 datiert. Auf www.blankenhain-online.de. Abgerufen am 24. September 2011.
Der heutige Blankenhainer Ortsteil Thangelstedt war im Herbst 954 Schauplatz der Versöhnung Otto I. mit seinem erstgeborenen Sohn Liudolf, welche den Sieg über die Ungarn (Schlacht auf dem Lechfeld) ermöglichte. Damals hieß Thangelstedt noch Suveldun („Saufeld“).Caspar Ehlers, Lutz Fenske, Thomas Zotz (Red.): Die deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters. Band 2: Michael Gockel: Thüringen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-36515-2, S. 402 sowie: Thangelstedt, S. 540.
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Alt- und Neudörnfeld 1. Oktober 1993 Drößnitz 2. September 1995 Großlohma 1. April 1959 Zusammenschluss mit Kleinlohma zu Lohma Hochdorf 1. Oktober 1993 Keßlar 1. Oktober 1993 Kleinlohma 1. April 1959 Zusammenschluss mit Großlohma zu Lohma Krakendorf 1. Oktober 1993 Lengefeld 1. Oktober 1993 Lohma 1. Oktober 1993 Loßnitz 1. Oktober 1993 Lotschen 1. März 1974 Eingemeindung nach Keßlar Meckfeld bei Blankenhain 1. März 1974 Eingemeindung nach Keßlar Neckeroda 1. Januar 1997 Umgliederung aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Niedersynderstedt 1. Oktober 1993 Obersynderstedt 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Loßnitz Rettwitz 6. Mai 1984 Eingemeindung nach Krakendorf Rottdorf 1. Oktober 1993 Saalborn 9. April 1994 Schwarza 1. Oktober 1993 Söllnitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Loßnitz Thangelstedt 1. Oktober 1993 Tromlitz 1. Oktober 1993 Wittersroda 17. Februar 1965 Eingemeindung nach DrößnitzStatistisches Bundesamt: Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995 und 1997.
Politik
Stadtrat 2024 Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,3 % zu folgendem Ergebnis: mini|Rathaus am Markt Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 47,2 % 9 SPD 8,0 % 2 BI der Einheitsgemeinde Blankenhain 32,2 % 6 Soziale Initiative Blankenhain 12,5 % 3 2019 Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,8 % zu folgendem Ergebnis:wahlen.thueringen.de – Gemeinderatswahl 2019 in Thüringen: Blankenhain