mini|Die Praterstraße mit Blick Richtung Nestroyplatz; an der linken Straßenseite: Nr. 23, Palais Wenckheim mini|Die Praterstraße in Richtung Praterstern mini|Die Praterstraße in Richtung Innere Stadt, Sichtachse zum Stephansdom Die ca. 1 km lange Praterstraße (vor 1862 Jägerzeile) im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt, verbindet die Altstadt von der Schwedenbrücke über den Donaukanal und der Taborstraße aus mit dem Praterstern, einem der größten Verkehrsknotenpunkte der Stadt, und dem Wiener Prater. Der Straßenzug setzt sich jenseits des Pratersterns in der Lassallestraße, der Reichsbrücke über die Donau und der Wagramer Straße (22. Bezirk) fort und führt ins Marchfeld, ins nordöstliche Niederösterreich und nach Südmähren.

Die Vorstädte im 2. Bezirk wurden 1850 eingemeindet. Benannt ist die Straße offiziell seit 1862 (zuvor aber z. B. schon auf dem Stadtplan von 1856) nach dem Wiener Prater, der an den Praterstern anschließt. Zuvor hatte sie, wie die südlich angrenzende Vorstadt, Jägerzeile geheißen. Seit 1981 verkehrt unter der Praterstraße in ihrer vollen Länge die U-Bahn-Linie U1, die hier etwa in der Mitte zwischen Schwedenplatz und Praterstern die Station Nestroyplatz (seit 1979) bedient. Neben der Taborstraße ist die Praterstraße eine der Hauptstraßen des 2. Bezirks und der zentrumsnächsten Stadtteile.

Geschichte mini|Wandrelief auf dem Haus Rotensterngasse 37 Der Name Prater (pratum) wurde erstmals in einer Urkunde gefunden, die Kaiser Friedrich Barbarossa 1162 in Bologna ausgestellt hat. Das Dokument beurkundet eine Schenkung von Auwiesen bei Wien.Urkunde Nr. 373 in: 1537 ließ Kaiser Ferdinand I. als Erzherzog von Österreich unter der Enns und Grundherr im Prater die Hauptallee anlegen. Jägerzeile Die Bezeichnung Jägerzeile wurde nach 1569 für den Fahrweg verwendet, der eine Siedlung der habsburgischen Jagdaufseher und Holzarbeiter in den Donauauen nordwestlich des späteren Pratersterns mit der Stadt verband. Später stellte der kaiserliche Hof als Grundherr Baugründe direkt südlich des Fahrweges zur Verfügung; seit 1660 wurden diese Siedlung und sie umgebende weite Wald- und Wiesenflächen dann wie die Straße Jägerzeile genannt. Nördlich der Straße und von der Czerningasse stadteinwärts grenzte die Vorstadt Leopoldstadt an. Das Wappen der Jägerzeile bildet heute einen Bestandteil des Leopoldstädter Bezirkswappens.

1683 verwüsteten die Osmanen bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung die Leopoldstadt. 1734 wurde die hölzerne Kapelle in der Jägerzeile bei einem Sturm zerstört, das Gnadenbild blieb aber unversehrt. Kaiser Karl VI. erteilte als Grundherr die Erlaubnis, nun eine steinerne Kapelle zu errichten, die 1736 dem Hl. Nepomuk geweiht wurde. Als Joseph II. 1766 den bis dahin seiner Familie vorbehaltenen Prater allgemein zugänglich machte und auf dem Areal Gastronomie und Vergnügungsunternehmen gestattete, erhöhte sich die Verkehrsfrequenz in der Jägerzeile sehr beträchtlich. Das bis dahin nachts noch abgesperrte Gelände wurde 1775 Tag und Nacht zugänglich. 1781 wurde an der Jägerzeile das Leopoldstädter Theater (siehe Bauten, Nr. 31) eröffnet.

1809 plünderten die Truppen Napoleons I. in der Jägerzeile. Nach dem finalen Sieg über den Kaiser der Franzosen im Rahmen der Koalitionskriege zogen am 25. September 1814 Zar Alexander I. von Russland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Kaiser Franz I., der sie an der Taborlinie (siehe Taborstraße Nr. 80) mit großem Gefolge zum Wiener Kongress willkommen geheißen hatte, durch die Jägerzeile in die Stadt (siehe Bauten, Nr. 33). Drei Wochen später gab der Kaiser zur Eröffnung des Kongresses ein großes Fest im Prater; über die Jägerzeile erfolgte die Zufahrt seiner Gäste.

1824 hatte Ferdinand Raimunds Zauberposse „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“ im Leopoldstädter Theater ihre Uraufführung. 1838 wurde der Eisenbahnverkehr auf der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn vom Nordbahnhof beim Praterstern aufgenommen. Der erste Bahnhof Wiens entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zum meistfrequentierten der Monarchie und bewirkte viel Verkehr in der Praterstraße.

mini|Eduard Gurk: Donauhochwasser 1830 in der Jägerzeile Im Spätwinter 1830 war auch die Jägerzeile stark vom Donauhochwasser 1830 betroffen, das durch einen Eisstoß verursacht wurde. Die Ereignisse wurden von Eduard Gurk bildnerisch dokumentiert: In den Obergeschoßen eingeschlossene Bewohner wurden von Ruderbooten aus versorgt.

mini|Johann-Nepomuk-Kirche 1846 wurde, da sich die alte Nepomukkirche (siehe Bauten, Nr. 41) als zu klein für die stark wachsende Vorstadt erwiesen hatte, auf einem anderen Grundstück die neue Johann-Nepomuk-Kirche (siehe Bauten, bei Nr. 45) eröffnet. Ihr hoher, spitzer Turm mit großer Uhr prägt die Silhouette der Häuserfront seither signifikant. Am 28. Oktober 1848 kam es in der Jägerzeile wie im Prater zu schweren Kämpfen zwischen den Verteidigern der 1848er Revolution und den von Fürst Alfred I. zu Windisch-Graetz und Graf Joseph Jelačić von Bužim befehligten reaktionären kaiserlichen Truppen, die Barrikaden beim Praterstern und bei der Nepomukkirche stürmten. Dieser „Wiener Oktoberaufstand“ führte zu vielen Toten unter der Zivilbevölkerung und hohem Sachschaden.

1850 wurden, nachdem Franz Joseph I. 1849 für die Monarchie eine Provisorische Gemeindeordnung erlassen hatte, zahlreiche Vorstädte nach Wien eingemeindet, darunter die Leopoldstadt und die Jägerzeile, die den Kern des neuen 2. Bezirks bildeten; er wurde ebenfalls Leopoldstadt genannt.

Praterstraße 1862 wurde der Straßenname Jägerzeile offiziell in Praterstraße geändert; der neue Name war schon vorher in Verwendung, z. B. auf einem Stadtplan anno 1856.

1866 / 1867 schrieb der spätere „Walzerkönig“ Johann Strauss an der Praterstraße den Donauwalzer (siehe Bauten, Nr. 54). 1868 wurde die Pferdetramway durch die Praterstraße eröffnet, die hier bis 1901 betrieben wurde; vom Franz-Josephs-Quai und von der (1864 eröffneten) Aspernbrücke über den Donaukanal kommend führte die Strecke durch die kurze Aspernbrückengasse in die Praterstraße und auf dieser zum Praterstern und weiter zu den Strombädern an der Donau. Die Straßenbahn verlief hier jahrzehntelang in Seitlage, d. h. nahe der nordseitigen Häuserfront, nach dem Umbau des Pratersterns in den 1950er Jahren in der Straßenmitte. 1873 fand im Prater die Wiener Weltausstellung statt, der bis heute zahllose Messen und Ausstellungen folgten; die Praterstraße war wichtigster Zubringer. 1876 wurde die Kronprinz-Rudolf-Brücke eröffnet; die Praterstraße war nun auch Teil einer Fernverbindung Richtung Mähren und Galizien.

1886 wurde als optischer Abschluss der Praterstraße das markante Tegetthoff-Denkmal enthüllt (Architektur: Carl von Hasenauer, Plastik: Carl Kundmann). Es erinnert an den siegreichen österreichischen Admiral und bildete bis Anfang der 1950er Jahre den Mittelpunkt des Pratersterns. Die Straßenbahnzüge umrundeten das Denkmal.

Um die Jahrhundertwende wurden zwei Projekte vorgelegt, die vorsahen, die Praterstraße in gerader Linie über den Donaukanal fortzusetzen und quer durch die Altstadt im 1. Bezirk zum Stephansdom zu führen: 1895 von Alfred Riehl, 1912 / 1913 von Adolf Loos mit Paul Engelmann. Bei Loos wäre dieses Vorhaben Teil eines Gesamtumbaus der Altstadt inklusive Ringstraßenzone gewesen. Loos behauptete, die Idee, die Sichtachse vom Praterstern zum Dom zu einer Verkehrsachse auszubauen, stamme von Kaiserin Maria Theresia; Belege dafür fanden sich nicht.Wolfgang Kos, Christian Rapp: Alt-Wien. Die Stadt, die niemals war (Katalog der gleichnamigen Ausstellung des Wien Museums 2004 / 2005), Czernin-Verlag, Wien 2004, ISBN 3-7076-0193-5, S. 184 f.

Am 22. Juli 1928 zog ein riesiger Festzug des 10. Deutschen Sängerbundfestes von Rathaus und Ring durch die Praterstraße in den Prater. Am Festzug sollen rund 150.000 Menschen beteiligt gewesen sein. Am 1. Mai 1929 sperrte das Carltheater (siehe Bauten, Nr. 31) definitiv zu. (Im Bombenkrieg 1944 schwer beschädigt, wurde es 1951 abgerissen.) Vom 19. bis 26. Juli 1931 führte die II. Arbeiter-Olympiade im soeben fertiggestellten Praterstadion zu starkem Verkehrsaufkommen in der Praterstraße.

Im Mai 1938 legte das Wiener Stadtbauamt unter NS-Führung Überlegungen vor, die Ringstraße quer durch die Leopoldstadt zu einem kompletten Ring zu schließen. Die Aspernbrückengasse wäre Teil dieser Ringverlängerung geworden, der zentrumsnächste Teil der Praterstraße, von der Schwedenbrücke bis zur Aspernbrückengasse, weggefallen. Hintergedanke des Projekts war, das gesamte stark von jüdischen Wienern bewohnte Stadtviertel zu demolieren und mit verändertem Straßennetz neu zu bauen. Der 1939 begonnene Zweite Weltkrieg verschob solche Überlegungen auf die Zeit nach dem „Endsieg“.Wolfgang Kos, Christian Rapp: Alt-Wien. Die Stadt, die niemals war (Katalog der gleichnamigen Ausstellung des Wien Museums 2004 / 2005), Czernin-Verlag, Wien 2004, ISBN 3-7076-0193-5, S. 533 f.

1970 wurden die Praterbrücke über die Donau und die Prater-Hochstraße fertig gestellt. Diese neue, parallel zum Straßenzug Praterstraße–Lassallestraße verlaufende Verbindung, später Teil der „Südosttangente“ genannten Stadtautobahn, entlastet die Praterstraße vom Durchzugsverkehr zwischen den Stadtteilen links der Donau und rechts des Donaukanals.

mini|U-Bahn-Baustelle, 1977 Die U-Bahn-Linie U1, die, vom Stadtzentrum kommend, 1979 den Nestroyplatz an der Praterstraße erreicht hatte, wurde 1981 bis zum Praterstern verlängert. Damit waren mehr als 110 Jahre des Schienenverkehrs auf der Praterstraße zu Ende. Nach Beendigung des U-Bahn-Baus unter der Straße wurde sie großteils vierspurig geführt, zumeist mit erhöhtem Mittelstreifen ausgestattet und zu einer Allee gemacht. Der Straßenteil zwischen Taborstraße und Aspernbrückengasse war nun nur mehr als Einbahn im Anrainerverkehr befahrbar; der Durchzugsverkehr wurde zur Gänze über die Aspernbrückengasse zum Ring geleitet.

Im September 2015 äußerten die Grünen Leopoldstadt den Wunsch, die Praterstraße zu sanieren, um sie zu einem „Boulevard“ zu machen.Grüne Leopoldstadt: Dafür war die Reduzierung von Fahrspuren vorgesehen gewesen. Es wurden Studien in Auftrag gegeben und 2019 gab es ein Bürgerbeteiligungsverfahren, während der Amtszeit der Grünen Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger (2016–2020) konnte aber kein konkretes Projekt ausformuliert werden.

2021 wurde die Verbreiterung bei der Abzweigung der Ferdinandstraße nach der in den 1860er und 1870er Jahren sehr erfolgreichen Porträtfotografin Adele-Perlmutter-Platz benannt.

In den Jahren 2023 und 2024 wurde die Praterstraße umfassend umgestaltet. Dabei entstand zwischen Donaukanal und Praterstern ein rund 900 Meter langer und bis zu 4,5 Meter breiter, baulich getrennter Zweirichtungsradweg. Zudem wurden die Grünflächen erweitert und mehr als 50 neue Bäume gepflanzt. Im Zuge der Arbeiten wurden auch der Nestroyplatz und der Rosl-Berndt-Platz neu gestaltet. Die Umgestaltung wurde im Oktober 2024 abgeschlossen.

Bauten Die Gebäude mit ungeraden Nummern befinden sich an der nordwestlichen, vom Stadtzentrum aus gesehen linken Straßenseite, jene mit geraden Nummern an der südöstlichen, rechten Straßenseite. Die Nummerierung reicht links von Nr. 1, Ecke Taborstraße, bis Nr. 67, Ecke Heinestraße, rechts von Nr. 8, Ecke Untere Donaustraße, bis Nr. 78, Ecke Franzensbrückenstraße.

Die Häuser gehören zum größten Teil zu von der Stadt Wien definierten baulichen Schutzzonen. Die Häuser 36 bis 72 auf der geraden Seite sind Teil der Schutzzone Jägerzeile,Karte der Schutzzone Jägerzeile zur Schutzzone Leopoldstadt gehören die Häuser auf der geraden Seite bis 34 und auf der ungeraden von 1 bis 29, 33, 35 und von 51 bis 67.Karte der Schutzzone Leopoldstadt