mini|St. Paulus, Portalfront

Die Kirche St. Paulus ist die Pfarrkirche der gleichnamigen katholischen Gemeinde im Berliner Ortsteil Moabit des Bezirks Mitte an der Ecke Waldenserstraße (Haupteingang) und Oldenburger Straße (östliches Kirchenschiff und Pfarr- und Gemeindehaus). Sie ist zugleich eine Klosterkirche der Dominikaner. Das Kirchengebäude und das Pfarr- und Gemeindehaus sind eingetragen in die Denkmalliste des Landes Berlin.

Am 1. Januar 2019 ging die Pfarrei St. Paulus über in die Pfarrei St. Elisabeth. Die Kirche St. Paulus wurde zur Pfarrkirche.

Geschichte mini|hochkant|Inneres

Vorgeschichte Die Kirche St. Paulus ist ein Nachfolgebau einer gleichnamigen dreischiffigen Kapelle, die am 4. August 1869 eingesegnet worden war. Zuvor hatten auf dem Grundstück Wohnhäuser und eine Kesselschmiede gestanden, aus letzterer entstand unter der Leitung des Baumeisters Carl Niermann das kirchliche Gebäude. Das Wohngebäude für die neu gegründete Dominikanerkommunität wurde am 29. September 1869 bezogen. Die Kapelle diente der Seelsorge in Moabit, die Dominikaner betreuten im Weiteren noch Lazarette und unterrichteten in einem Waisenhaus.Die Dominikaner in Berlin. Website des Dominikanerklosters Sankt Paulus in Berlin zur Geschichte von St. Paulus. Abgerufen am 27. November 2015.

„Moabiter Klostersturm“

Die Einweihung von St. Paulus wurde in Berlin mit Kritik und Unmut begleitet. Am 16. August 1869 wurde die Kirche bei Unruhen, dem Moabiter Klostersturm, beschädigt.

Kulturkampf und weitere Entwicklung

Infolge des Kulturkampfes wurde das Kloster zum 1. Dezember 1875 von den Dominikanern geräumt. Das Grundstück war zuvor schon an einen privaten Eigentümer verkauft worden, dessen Mieter es zu diesem Datum in Besitz nahm. Die Kapelle konnte jedoch, mit Einverständnis des Mieters, für kirchliche Zwecke weiter genutzt werden. Nach Beendigung des Kulturkampfes wurde die Wiedererrichtung einer Dominikanerniederlassung unter Auflagen genehmigt.

Wegen eines Zuwachses der katholischen Bevölkerung wurde die Kapelle durch eine größere Kirche ersetzt. Die Grundsteinlegung war am 24. Juni 1892, der Propst Joseph Jahnel, Fürstbischöflicher Delegat für Brandenburg und Pommern, weihte die Kirche am 24. Oktober 1893.

Baubeschreibung

Gebäude Die mit rötlichem Backstein gebaute Kirche ist eine dreischiffige Hallenkirche im Stile der Spätgotik. Sie wurde durch den Architekten Engelbert Seibertz in den Jahren 1892/1893 errichtet. An das von drei Jochen gegliederte Langhaus ist das seitlich um ein Joch herausragende Querschiff angefügt. Die Sakristei ist an der Westseite angebaut, über dieser befindet sich eine Hauskapelle und, seitlich anschließend, das Wohngebäude des Dominikanerklosters.Detaillierte Baubeschreibung der Kirche. Website des Dominikanerklosters Sankt Paulus in Berlin. Abgerufen am 20. August 2011.

Der Eingang im Hauptportal wurde anlässlich einer Außensanierung 1987 umgebaut und besteht aus drei Türen, deren mittlere als größere Haupttüre ausgelegt und durch einen eigenen Giebel herausgehoben wird. Das Portal wird seitlich abgeschlossen durch zwei je 45 Meter hohe Kirchtürme. Die Spitzen der beiden Kirchtürme zieren kein Kreuz oder Wetterhahn, sondern vier vergoldete Blumenstängel, die mit ihren Blüten in die vier Windrichtungen weisen, und einer senkrecht stehenden Blume gleicher Art – sein Alter und dessen Erschaffer unbekannt, wiederholt dieser florale Schmuck vermutlich die auch im Giebel zwischen den Türmen sowie über dem Hauptportal sichtbaren Lilienkreuze bzw. das Wappen der Dominikaner.

Innenraum In dem nach Süden ausgerichteten Chor befinden sich der Zelebrationsaltar, die Kanzel und das Chorgestühl. An der linken Seite des Chors steht das neugotische Taufbecken, rechts ein Apostelaltar mit Figuren aus dem 15. Jahrhundert.

Der Innenraum der Kirche ist im Zuge des Wiederaufbaus neu gestaltet worden, auf die frühere farbige Ausmalung der Gewölbe und Wände mit Ornamenten und Pflanzenranken wurde verzichtet. Erhalten geblieben sind die Bodenfliesen in Langhaus und Querschiff und die Weihwasserbecken am Eingang.

Der weite Innenraum ist geprägt vom Kontrast der hohen, backsteinsichtigen Säulen, deren Dienste sich in das Kreuzrippengewölbe fortsetzen, zu den weiß gefassten Wandflächen.

Heilige Pforte mini|hochkant|Heilige Pforte, 2016

Das von Papst Franziskus am 8. Dezember 2015 ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit wird in vielen Diözesen in besonderem Gedenken an die Umkehr und das Dasein als Pilger gefeiert, da der Papst gewünscht hatte, dass dieser Brauch nicht nur in der Vatikanstadt, sondern von möglichst vielen Katholiken in der ganzen Welt vollzogen werden kann.Erzbischof Koch öffnet Heilige Pforte in Berlin-Moabit. Schlaglicht aus dem Erzbistum Berlin, 19. Januar 2016, abgerufen am 13. Juni 2016 Im Erzbistum Berlin wurde zu diesem Zweck an der Pfarrkirche Sankt Paulus eine Heilige Pforte eingerichtet, die bis Anfang November 2016 durchschritten werden konnte., caritas-berlin.de, abgerufen am 13. Juni 2016

Die Heilige Pforte wurde am 17. Januar 2016 durch Erzbischof Heiner Koch eröffnet.„Gottes Barmherzigkeit erleben“ – Heilige Pforte soll in St. Paulus in Berlin-Moabit eröffnet werden. Bei: erzbistumberlin.de, 3. Januar 2016, abgerufen am 13. Juni 2016 Bei der Eröffnung wurden die Psalmvers 118, 19 und 20 gesprochen: „Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein“.Psalm 118. Bei: bibleserver.com, abgerufen am 13. Juni 2016 Das Durchschreiten der Heiligen Pforte sollte die Bereitschaft der Pilger symbolisieren, das Anliegen des Heiligen Jahres umzusetzen und sich notleidenden Menschen zuzuwenden. Die Heilige Pforte war mit sieben kreisrunden Reliefs verziert worden, die die sieben Werke der Barmherzigkeit darstellen.Nur alle Jubeljahre – Erzbischof Heiner Koch öffnete anlässlich des Jahres der Barmherzigkeit die Heilige Pforte. Bei: erzbistumberlin.de, 21. Januar 2016, abgerufen am 13. Juni 2016 Am 6. November 2016 wurde die Heilige Pforte feierlich geschlossen.Feierliche Schließung der Hl. Pforte im Erzbistum Berlin. Bei: erzbistumberlin.de, 4. November 2016, abgerufen am 7. November 2016

Orgel mini|hochkant|Orgel

Die Kirche wurde 1901 mit einer Orgel von Franz Eggert (Paderborn) ausgestattet, die drei Manuale und 36 Register besaß.Disposition siehe: 1975 wurde sie ersetzt durch eine neue Orgel der Firma Gebr. Oberlinger Orgelbau mit 48 Registern auf drei Manualen und Pedal, die wie folgt disponiert sind: 2009 wurde das Instrument durch Orgelbau Schuke renoviert und mit einer neuen Setzeranlage ausgestattet. I Rückpositiv C–g3Holzgedackt 8′Quintatön 8′Principal 4′Spitzflöte 4′Octave 2′Gemshorn 2′Quinte ′Sesquialter II Cymbel IV Cromorne 8′CymbelsternTremulant II Hauptwerk C–g3Gemshorn 16′Praestant 8′Rohrflöte 8′Octave 4′Gedacktflöte 4′Quinte ′Superoctave 2′Blockflöte 2′Cornett IV Mixtur V–VII Klingend Cymbel IV Fagott 16′Trompete 8′Clairon 4′ III Schwellwerk C–g3Pommer 16′Holzprincipal 8′Bourdon 8′Saliconal 8′Unda maris 8′Octave 4′Koppelflöte 4′Nazard ′Waldflöte 2′Terz ′Septime ′Sifflöte 1′Fourniture V Dulcian 16′Oboe 8′Tremulant Pedal C–f1Principalbass 16′Subbass 16′Octavbass 8′Pommer 8′Spitzoctave 4′Nachthorn 2′Pedalmixtur VI Posaune 16′Trompete 8′

Koppeln: II/II; III/II; III/I; I/P; II/P; III/P. Spielhilfen: Freie Kombinationen.

Glocken Die Kirche verfügt über ein fünfstimmiges Bronzegeläut, das 1958 durch Feldmann & Marschel in Münster gegossen wurde.

Nr. Name Schlag­ton Guss­jahr Glocken­gießerei Gewicht(kg) Durch­messer(cm) Höhe(cm) Inschrift 1 St. Paulus e' 1958 Feldmann & Marschel 1000 120 103 VERHERRLICHT CHRISTUS IM LEBEN UND IM TOD. 2 Königin des Friedens fis' 1958 Feldmann & Marschel 700 110 91 BETET, BEKEHRET EUCH MIT BUSSE. 3 St. Dominicus g' 1958 Feldmann & Marschel 580 103 82 FÜR DIE WAHRHEIT SCHLÄGT LAUT MEIN HERZ. 4 St. Katharina von Siena a' 1958 Feldmann & Marschel 380 90 75 NUTZET DIE ZEIT, SIE WARTET NICHT. 5 St. Hyazinth h' 1958 Feldmann & Marschel 280 77 67 DAS ALLE EINS SEIEN.

St. Paulus als Gemeindekirche Nach Abstimmung der Interessen verschiedener Gemeinden und des Klosters wurde am 1. Oktober 1895 den Dominikanern die Pfarrseelsorge für Moabit übertragen. Die Gemeinde umfasste in der Folgezeit rund 30.000 Mitglieder. Das Gemeindegebiet wurde aufgeteilt, 1910 die Pfarrei St. Laurentius, 1926 die Pfarrei St. Ansgar abgetrennt. Zum 1. Januar 2019 fusionierte die Pfarrei St. Paulus mit weiteren Pfarreien im Raum Tiergarten-Wedding zur Pfarrei St. Elisabeth. Die Dominikaner betreuen seitdem auch die anderen Gemeindekirchen St. Aloysius, St. Joseph, St. Laurentius, St. Ansgar, St. Petrus und St. Sebastian.Über uns. Website der Pfarrei St. Elisabeth. Abgerufen am 16. Februar 2021.

Die Kirche dient (Stand: 2025) als Gemeinde- und Klosterkirche, die Mönche des Dominikanerklosters arbeiten als Gemeindepfarrer. Seit der Profilierung der einzelnen Teil-Gemeinden liegt hier der Seelsorgeschwerpunkt auf Kinder, Jugend, Junge Erwachsene und Familien. Zudem wird das Dominikanerkloster als Bildungsstätte genutzt.Website der Pfarrei St. Elisabeth, abgerufen am 28. Mai 2025.

Aufnahmen/Tonträger Die Oberlinger-Orgel der Dominikanerkirche St. Paulus Berlin. 2010, Jubal (CD) (Heiko Holtmeier spielt Marchand, Böhm, Bach, Haydn, Mendelssohn, Ritter, Boellmann, Widor und Holtmeier).

Siehe auch Katholische Schule St. Paulus

Literatur

Weblinks

Internetpräsenz der Pfarrei St. Elisabeth Internetpräsenz der Pfarrgemeinde Internetpräsenz der Dominikaner

Einzelnachweise

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