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Die Technikdidaktik in der beruflichen Bildung erforscht und erarbeitet die Vermittlung technischer Inhalte. Gegenstand der beruflichen Technikdidaktik ist das planvoll organisierte Lehren und Lernen im Unterricht an berufsbildenden Schulen sowie bei Aus- und Weiterbildung im Betrieb. Rahmenlehrpläne und Ausbildungsordnungen stecken hierbei berufsgruppenbezogene inhaltliche Themenfelder ab und enthalten didaktisch-methodische Leitlinien.
Begriffliche Klärung Der Begriff Technik stammt vom griechischen techne. Technik bezeichnet zum einen die auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Verfahrens- und Produktionsweisen zur Herstellung industrieller oder handwerklicher Gegenstände und technischer Systeme (Technik als angewandte Naturwissenschaft) und gleichermaßen die produzierten Güter selbst sowie deren Verwendung.
Der Begriff Didaktik stammt vom griechischen didáskein. Kurzgefasst bezeichnet Didaktik die Lehrkunst. Der Begriff umfasst sowohl das planvolle Lehren und Lernen in der Praxis als auch die Didaktik als eigenständige Wissenschaft der Erforschung von Lehr-Lernprozessen.vgl. Ralf Tenberg: Didaktik lernfeldstrukturierten Unterrichts. Theorie und Praxis beruflichen Lernens. Verlag Handwerk und Technik, Hamburg 2006. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2006, S. 11
Definition „Zusammenfassend wird Technikdidaktik als Theorie und Praxis des Erwerbs und der Vermittlung von Kompetenzen in technischen Berufen definiert.“Ralf Tenberg: Vermittlung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen in technischen Berufen. Theorie und Praxis der Technikdidaktik. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2011, S. 45
Begriffsbestimmung Zurzeit gibt es in Deutschland keine einheitliche umfassende Technikdidaktik. Dies liegt vor allem in der Vielschichtigkeit und Bandbreite des Gegenstandes, die eine klare Abgrenzung erschweren. Die Zergliederung der technischen Wissenschaften in eine Vielzahl von Einzeldisziplinen führt dazu, dass die Technikdidaktik, im Gegensatz zu anderen fachspezifischen Didaktiken, keiner Fachwissenschaft klar zuzuordnen ist.Bernhard Bonz: Technikdidaktik und technische Kompetenz in der allgemeinen und beruflichen Bildung – zugleich eine Einführung, 2003. In: Bernhard Bonz; Bernd Ott (Hg.): Allgemeine Technikdidaktik. Theorieansätze und Praxisbezüge. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2003 (Berufsbildung konkret, 6). S. 4.-18., S. 5f.
Unterscheidung zur Allgemeinbildenden Technikdidaktik Die Berufliche Technikdidaktik zeichnet sich gegenüber der Allgemeinen Technikdidaktik durch ihre spezifischen Bezüge auf Berufe und deren jeweilige Arbeits- und Praxisfelder aus.vgl. Ralf Tenberg: Vermittlung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen in technischen Berufen. Theorie und Praxis der Technikdidaktik. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2011, S. 42 Sie kann als Schnittstelle zwischen der Berufspädagogik, den technischen Fachwissenschaften (Bau-, Chemie-, Elektrotechnik und Maschinenbau u. a.) verstanden werden, mit dem Ziel, die Gemeinsamkeiten der verschiedenen technischen Bereiche unter didaktischen Gesichtspunkten zu beleuchten. Während Lipsmeier im Unterschied zum kaufmännischen Bereich in den „gewerblich-technischen“ Berufsfeldern keine curricularen und didaktischen Gemeinsamkeiten zu erkennen vermagAntonius Lipsmeier: Didaktik gewerblich-technischer Berufsausbildung (Technikdidaktik), 2006. In: Rolf Arnold; Antonius Lipsmeier (Hg.), 2006: Handbuch der Berufsbildung. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH Wiesbaden, Wiesbaden 2006, S. 281-298. S. 282., hält Bonz die inhaltliche Ausdifferenzierung der Technikdidaktik im Sinne einer fachdidaktischen Ausrichtung an technischen Fachdisziplinen für unproblematisch, da die Besonderheiten solcher speziellen Technikdidaktiken didaktisch nicht gravierend seien.Bernhard Bonz: Technikdidaktik und technische Kompetenz in der allgemeinen und beruflichen Bildung, 2003. In: Bernhard Bonz / Bernd Ott: Allgemeine Technikdidaktik. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 2003, S. 4
Paradigmen der Technikdidaktik Der Geltungsbereich, der von Friedhelm Schütte für die Fachdidaktik der Metall- und Maschinentechnik zusammengestellten Beispiele, lässt sich aufgrund ihres allgemeingültigen Ansatzes auf andere Fachdidaktiken übertragen und kann somit die Eckpunkte der beruflichen Technikdidaktik markieren.
Technische Berufsbildung orientiert sich: an den Fach- bzw. Ingenieurwissenschaften am schulischen Unterricht an der betrieblichen Unterweisung an einer übergreifenden Integration
Fachdidaktisches Paradigma Als fachdidaktisches Paradigma wird verstanden, dass eine rein fachwissenschaftliche Perspektive für eine begründete Lernzielentscheidung nicht ausreichend ist. Schilling und Bader erweitern die Fachdisziplin (hier Maschinenbautechnik) und berücksichtigen in der Didaktik sowohl Technikphilosophie und Technikgeschichte wie auch die speziellen Fachtheorien einzelner Ausbildungsberufe.Ernst-Günter Schilling; Reinhard Bader: Die didaktisch-curriculare Strukturierung des Schwerpunkts „Maschinenbautechnik“ und seine Grundbildung, 1978. In: Barbara Schenk, Adolf Kell (Hg.): Grundbildung: Schwerpunktbezogene Vorbereitung auf Studium und Beruf in der Kollegschule. 1978, S. 137-163. S. 145 Ein Kriterienkatalog für die Lehrzielbegründung berücksichtigt die Themen Planung, Entwicklung, Fertigung, Distribution, Verwendung und Liquidationen ebenso wie Fragen der fachlichen, humanen und gesellschaftlich-politischen Kompetenz. Wissenschaftssystematik und Berufspragmatik werden im Lehrprogramm verbunden.Friedhelm Schütte: Fachdidaktik Metall- und Maschinentechnik – Traditionen, Paradigmen, Perspektiven, 2001. In: Reinhard Bader; Bernhard Bonz (Hg.): Fachdidaktik Metalltechnik. Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2001 (Berufsbildung konkret, 4). S. 32–56, S. 42.
Unterrichtsmethodik Mit den achtziger Jahren kam es in der DDR mit einer Wissenschaftsorientierung der Methodik zu einem Bruch mit der bis in die vierziger Jahre zurückreichenden Berufsschuldidaktik. Angestrebt wurde, technisches Wissen zu systematisieren, Unterrichtsziele und -inhalte neu festzuschreiben und die entsprechenden Schulfächer methodisch zu gestalten.Friedhelm Schütte: Fachdidaktik Metall- und Maschinentechnik – Traditionen, Paradigmen, Perspektiven, 2001. In: Reinhard Bader; Bernhard Bonz (Hg.): Fachdidaktik Metalltechnik. Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2001 (Berufsbildung konkret, 4)., S. 9. Für Bernhard ist die Vermittlung von orientierenden methodischen Konzepten wie Prinzipien, Regeln und Anleitungen sowie von überführenden methodischen Konzepten wie Vorschriften und Verfahren der Schlüssel zur „Konstruktion eines Handlungsentwurfes“.
Fachmethodik Pahl vertritt in seiner Fachmethodik den Anspruch, dass mit den jeweiligen Berufsfeldern eine spezifische Berufsfelddidaktik einhergehen soll.Jörg-Peter Pahl: Berufsfelddidaktik zwischen Berufsfeldwissenschaft und Allgemeiner Didaktik, 1998. In: Bernhard Bonz; Bernd Ott (Hg.): Fachdidaktik des beruflichen Lernens. Stuttgart, 1998. S. 60-87, 77f. Dieser berufswissenschaftliche Ansatz geht davon aus, dass die Ingenieurwissenschaften nur begrenzt als Bezug für die Ausbildungsberufe dienen können, da sich das Berufswissen des Facharbeiters nur zum Teil mit dem des Ingenieurs deckt. Vielmehr soll durch den Einbezug des Berufswissens der Facharbeiter deren Arbeitsprozesswissen stärker gewichtet werden, was durch eine spezifische Fachmethodik für das jeweilige Berufsfeld erreicht werden soll.Jörg-Peter Pahl: Berufsfelddidaktik zwischen Berufsfeldwissenschaft und Allgemeiner Didaktik, 1998. In: Bernhard Bonz; Bernd Ott (Hg.): Fachdidaktik des beruflichen Lernens. Stuttgart, 1998, S. 82
Technikdidaktik Das vor allem auf Bonz und Lipsmeier zurückgehende technikdidaktische Konzept nimmt Bezug auf die Bildungstheorie Klafkis und den systemtheoretischen Technikansatz von Ropohl, Reflektiert werden sollen die vielfältigen Beziehungen von Technik, Umwelt, Mensch und Gesellschaft.Friedhelm Schütte: Didaktik Beruflicher Bildung zwischen Fachbildung und Handlungsorientierung. Ein Beitrag zur Systematik didaktischen Denkens, 1998. In: Friedhelm Schütte; Ernst Uhe: Die Modernität des Unmodernen. Das deutsche System der Berufsbildung zwischen Krise und Akzeptanz. 1998. S. 321-340., S. 328 Leitziele sind beruflicher Mündigkeit und berufliche Tüchtigkeit sowie die Ermöglichung von „Chancen zur Selbstverwirklichung“. Schwerpunkte im Unterricht technischer Fächer sind die technischen Wissenschaften, betriebliche Qualifikationsanforderungen und der Bildungsauftrag der Berufsschule. Mit einem eigenen Curriculum der Berufsschule und der Herausstellung ihres Bildungsauftrages wird die „Korrektivfunktion“ der Berufsschule betont.Friedhelm Schütte: Didaktik Beruflicher Bildung zwischen Fachbildung und Handlungsorientierung. Ein Beitrag zur Systematik didaktischen Denkens, 1998. In: Friedhelm Schütte; Ernst Uhe: Die Modernität des Unmodernen. Das deutsche System der Berufsbildung zwischen Krise und Akzeptanz. 1998, S. 334
Geschichte der beruflichen Technikdidaktik Die Entwicklung der Technikdidaktik ist eng verknüpft mit dem technischen Unterricht an den berufsbildenden Schulen sowie der Ausbildung in den technischen Berufen.Bernhard Bonz: Technikdidaktik und technische Kompetenz in der allgemeinen und beruflichen Bildung – zugleich eine Einführung, 2003. In: Bernhard Bonz; Bernd Ott (Hg.): Allgemeine Technikdidaktik. Theorieansätze und Praxisbezüge. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2003 (Berufsbildung konkret, 6). S. 8 Die Institutionalisierung der beruflichen Bildung im 19. Jh. in den gewerblichen Fortbildungsschulen führte zur Differenzierung bzw. Zusammenfassung der einzelnen Gewerbe in die verschiedenen Berufsgruppen, wobei die Einteilung primär nach dem im betreffenden Gewerbe verarbeiteten Materials erfolgte.Antonius Lipsmeier: Didaktik gewerblich-technischer Berufsausbildung (Technikdidaktik), 2006. In: Rolf Arnold; Antonius Lipsmeier (Hg.): Handbuch der Berufsbildung. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH Wiesbaden, Wiesbaden 2006. S. 281-298., S. 281. Mit der Herausbildung der Gewerblich-technischen Berufsschulen zu Beginn des 20. Jhs. rückten die curricularen und methodischen Fragestellungen zur Vermittlung von technischen Inhalten in den Vordergrund. Hierbei kam der Metall- und Maschinentechnik als Hauptträger der industriellen Entwicklung eine zentrale Bedeutung zu.
Unterrichtslehre Als ersten Schritt zur Entwicklung von selbständiger beruflicher Fachdidaktik kann die von Weitzel 1908 vorgeschlagene Trennung von allgemeiner und besonderer Unterrichtslehre angesehen werden. Während er der allgemeinen Unterrichtslehre die Aufgabe zugeordnet, sich mit allgemeingültigen Fragestellungen zum Unterricht auseinanderzusetzen, sollten in der besonderen Unterrichtslehre unter Berücksichtigung der jeweiligen Fächer Unterrichts- bzw. Lehrformen entwickelt werden, die einen nach Möglichkeit reibungsfreien Verlauf des technischen Unterrichts gewährleisten sollten. Ausgehend von den Unterrichtstheorien von Herbart und Dörpfeld unterschied Weitzel die Lehrformen für die technischen Schulen nach ihrer grundlegenden Vorgehensweise. Analytische Vorgehensweise (erläuternder Ansatz; deduktive Methode) Synthetische Vorgehensweise (erweiterter Ansatz; induktive Methode) Heuristische Vorgehensweise (fragend-entwickelnder Ansatz)Friedhelm Schütte: Technikdidaktik zwischen Lehrmethode und Fachmethodik. Methodische Organisation von Lehren und Lernen in den Berufsfeldern Metall- und Elektrotechnik, 2003. In: Bernhard Bonz; Bernd Ott (Hg.): Allgemeine Technikdidaktik. Theorieansätze und Praxisbezüge. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2003 (Berufsbildung konkret, 6). S. 19 - 31., S. 21