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Ensembles
Ensemble Ortskern Miesbach mini|Aussicht bey dem Churfürstlichen Markt Miesbach, um 1805
Das Ensemble umfasst den Kernbereich, der im 11. Jahrhundert urkundlich genannten Siedlung, die sich im Spätmittelalter zu einem ländlichen Marktort des voralpinen Oberlandes und zum Herrschaftsmittelpunkt der 1734 erloschenen Freien Reichsgrafschaft Hohenwaldeck entwickelte und 1918 zur Stadt erhoben wurde.
Die Siedlung entfaltete sich wohl zunächst am Stadtplatz, ehemals Oberer Markt genannt, einem nach Westen abfallenden Plateau direkt unter dem ältesten Miesbacher Burgberg, dessen Wehranlage 1312 von den Herren von Waldeck zerstört wurde. Diesen Platz durchlief wohl auch bereits die Salzstraße von Rosenheim nach Tölz, die beim Eintritt in den Ort die Burganlage passierte und dann westlich weiter gegen den Talgrund und den Schlierachübergang herabführte, wo sich bis 1819 der Salzstadel befand. In Ost-West-Richtung floss das Gewässer des Miesbachs bis 1824 in offenem Lauf über den Platz, um dann nördlich durch die Ledererstraße gegen die Schlierach abzufließen. Im Spätmittelalter dürfte sich die Grundrissbildung des Stadtplatzes, in den von Süden her auch die Straße von Schliersee, einem weiteren Herrschaftszentrum der Waldecker Herren, einlief, abgeschlossen haben. 1926 wurde die Platzfläche begradigt.
Die historische Bebauung von Miesbach ist überwiegend unregelmäßig, locker und offen. Der historische Haustyp, meist ehemalige Handwerker-, Gast- und auch Bauernhäuser, folgt dem Typus der bäuerlichen Umgebung, zweigeschossig, mit weit vorkragendem Flachsatteldach, jedoch ohne Laube, allenfalls mit Hochlaube. Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem großen Ortsbrand 1783 sind in größerer Zahl gleichartige verputzte Flachsatteldach-Bauten entstanden. Bis in die 1950er Jahre erfolgten Überarbeitungen in Formen des Heimatstils. Eine Reihe von Häusern wurde jedoch in der Vor dem großen Brand lag das städtebauliche Schwergewicht eindeutig am ehemals Oberen Markt, der von dem im 17. Jahrhundert nördlich des ältesten Burgplatzes neu erbauten Schloss überragt wurde, und in dessen Platzbild die barocken herrschaftlichen Bauten des sogenannten Anwartshauses und des Kurfürstlichen Bräuhauses dominierten. Gegen das Schloss und die von Osten in den Platz einmündende Rosenheimer Salzstraße war der ehemals Obere Markt bis 1874 durch einen Torbogen abgeschlossen. Seit 1783 ist der Nachfolgerbau des Bräuhauses, der stattliche Walmdach-Eckbau des Waitzingerbräus, der beherrschende Bau. Die übrigen Gebäude sind meist ehemalige, in Zusammenhang mit dem Marktverkehr, dem Salztransport und der einst blühenden Miesbacher Marienwallfahrt entstandene, z. T. dreigeschossige Gasthöfe, zwischen denen seit etwa 1875 auch Geschäftshäuser städtischen Zuschnitts mit barockisierenden Fassaden entstanden.
Der Michaelsbrunnen von 1905 und die Lindenbepflanzung setzten einen für die Prinzregentenzeit charakteristischen Akzent in das Platzbild. Der Bereich des ehemals Unteren Marktes, heute Marktplatz, weist giebelständige Bebauung, in dem südlich anschließenden Marktwinkl lockere, z. T. gestaffelte Bauweise mit verschieden gerichteter Giebelstellung auf. Sein nördlicher Teil, der kleine intime Marienplatz, ist in nachmittelalterlicher Zeit durch die eingestreute Bebauung an der Fraunhoferstraße, im Heimbucher- und Mannhartswinkl, vom Hauptteil abgetrennt worden.
Der historische Haustyp dominiert noch in diesem Bereich; es handelt sich um frühere Bauernanwesen und Häuser der ehemals bedeutenden Miesbacher Zunfthandwerker – Schmiede, Hutmacher, Säckler, Schäffler u. a. – sowie um Wohnhäuser der Bergleute. An der westlichen Grenze des Ensembles treten auch Geschäftshäuser der Jahrhundertwende auf und aus neuester Zeit das Ortsbild leider nur ungenügend berücksichtigende Kaufhäuser.
Lebzelterberg, Kirchgasse und Pfarrgasse stellen als kurze abschüssige Gassen die direkte Verbindung zwischen den beiden Märkten her; sie haben ihren historischen Charakter weitgehend bewahren können. Die wichtigste Verbindung zwischen oberer und unterer Stadt ist die in weitem Bogen nach Norden ausgreifende Ledererstraße, die dem Wasserlauf des Miesbachs folgt; hier hatten sich bis in jüngste Zeit die Lederer niedergelassen, die wichtigste Miesbacher Handwerkergruppe. Die ehemals sehr enge Straße, die sich in der Frühlingstraße fortsetzt, besaß mit ihren Gerberwerkstätten und den typischen Lauben der Gerberhäuser bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein malerisches Gepränge. Der frühere Charakter als Handwerkerviertel wird noch durch das Gerberhaus Ledererstraße 6 besonders deutlich. Beherrscht wird dieser Bereich vom frühklassizistischen, über dem erhöht liegenden Friedhof aufragenden Bau der Stadtpfarrkirche. Zum Ensemble gehört in der Umgebung des Stadtplatzes die historische Bebauung eines Teils der Schmiedgasse, der Schlierseer Straße und des Salzweges; hier stellt das unmittelbar angrenzende Hochhaus Salzweg 4 leider eine empfindliche Störung dar.
Von wesentlicher Bedeutung für das historische Ortsbild ist die Dächerlandschaft, die nur für das bäuerliche und überwiegend auch für das Handwerkerhaus das flache vorkragende Satteldach kennt, während sich Amtsgebäude und ähnliche Bauten durchweg durch Steildächer, z. T. in abgewalmter Form, auszeichnen (vgl. Kirchgasse 6, Kolpingstraße 4, Tölzer Straße 1; vor seiner Umgestaltung auch der Pfarrhof, Pfarrgasse 4). erdgeschossiger barockisierender Mansarddachbau mit Altane, Atelierfenster und Eingangsportikus, um 1910.
Aktennummer: E-1-82-125-1
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