Die Erzbergbahn ist eine eingleisige, normalspurige Eisenbahnstrecke in der Obersteiermark, die Hieflau im Ennstal über den Präbichl (1204 m) mit Leoben im Murtal verbindet. Ihre Bedeutung liegt vor allem im Abtransport von Eisenerz des steirischen Erzbergs. Der Abschnitt von Vordernberg nach Eisenerz weist Steigungen bis 71 ‰ auf und wurde bis 1978 als Zahnradbahn betrieben. Häufig bezieht sich der Begriff Erzbergbahn nur auf diesen Abschnitt. Der reguläre Personenverkehr wurde im Zeitraum 1988 bis 2001 abschnittweise eingestellt.
Am Erzberg werden aktuell jährlich 3 Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut. Diese werden auf der Erzbergbahn von der Verladestelle Krumpental nach Hieflau und von dort weiter zu den Stahlwerken in Linz und Donawitz befördert. Der Abschnitt von Leoben nach Trofaiach wird für den Güterverkehr zu den dort ansässigen Betrieben verwendet. Beide Abschnitte sind elektrifiziert und befinden sich im Eigentum der Österreichischen Bundesbahnen. Die Bergstrecke wird als Museumsbahn betrieben und befindet sich im Eigentum des Vereins Erzbergbahn. Der Abschnitt Trofaiach – Vordernberg ist seit 2018 im Eigentum vom Land Steiermark und wird vom Verein Erzbergbahn gepachtet. Er soll zukünftig in den Museumsbahnbetrieb mit einbezogen werden.geminfo.app mini|Die 97.217 wurde als Denkmal auf dem Hauptplatz von Vordernberg aufgestellt. mini|Geschobener Personenzug (1957) mini|Schienenbus der Reihe 5081 im Bahnhof Erzberg mini|Schienenbusgarnitur auf Bergfahrt bei Vordernberg
Geschichte Vorgeschichte Schon im Jahre 1864 wurde die Strecke zu den „nothwendig anerkannten Projecten“ gezählt.Manfred Wehdorn, Ute Georgeacopol-Winischofer, Paul W. Roth, Elfriede Mejchar (Fotogr.): Baudenkmäler der Technik und Industrie in Österreich. Band 2: Steiermark, Kärnten. Böhlau, Wien 1991, ISBN 3-205-05202-1, S. 22 ()
Die Bahnstrecke entstand zunächst in Form von zwei Stichlinien: als (Leoben-)Vordernberger Bahn von Leoben nach Vordernberg (eröffnet am 18. Mai 1872 durch die k.k. privilegierte Leoben-Vordernberger Bahn) sowie die ErzbachbahnSo genannt u. a. in: Schienenverkehr aktuell, Ausgabe 3/2023, Seite 113: Die Erzbachbahn nach der Elektrifizierung von Hieflau nach Eisenerz (eröffnet am 6. Jänner 1873 durch die Kronprinz Rudolfs-Bahn).
Die Eröffnung der Vordernberger Bahn (Personen- wie Frachtverkehr durch zwei gemischte Züge pro Tag) war bereits für Jänner des Jahres 1872 in Aussicht genommen worden. Es trat jedoch unter anderem ab 19. Jänner wegen eines in Trofaiach entbrannten Arbeitertumults eine Verzögerung ein, der die Kürzung von Stundenlöhnen zum Anlass hatte. Ab 19. März 1872 wurde die Strecke mit einer Maschine befahren, am 2. April kamen fünf mit 28 Arbeitern besetzte Schotterwagen in der Station Friedau ins Rollen, rasten nach über sieben Fahrkilometern in der Station St. Peter in einen abgestellten Arbeitswagen, entgleisten und richteten erheblichen Schaden an der Strecke an; das Leben eines (unterwegs abgesprungenen) Arbeiters wurde beklagt. Mit der Eröffnung am 18. Mai 1872 der von der k.k. priv. Südbahn-Gesellschaft geführten Bahnstrecke wurden die Stationen Leoben, Donawitz, St. Peter-Freyenstein, Gemeindegrub, Trofajoch (sic!) und Vordernberg für den Personen- und Sachenverkehr freigegeben, die Haltestelle Hafning für den Personen- und Gepäcksverkehr.
1881 ging die Innerberger Hauptgewerkschaft in der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft auf, diese begann den Abbau am Erzberg zu intensivieren.
Bau und Eröffnung 1887 wurde mit Planung des Abschnitts über den Präbichl begonnen, es war von Beginn an feststehend, dass die Bahn als Zahnradbahn nach dem System Abt errichtet wird. Am 10. Oktober 1888 wurde die Konzession erteilt und ausgeführt wurde der Bau von der am 8. Mai 1889 gegründeten Aktiengesellschaft Localbahn Eisenerz-Vordernberg, die zur Österreichischen Alpine Montangesellschaft gehörte.
Nach einem ersten Abschnitt als Teststrecke durch Vordernberg konnte am 25. Mai 1891 die Bahnstrecke von Vordernberg auf die Passhöhe eröffnet werden. Allerdings war ein Befahren nur bis etwa zur Hälfte möglich (Haltestelle „Glaslbremse“), weil der Wasservorrat für die Lokomotive zu knapp bemessen war. Erst als im Juni desselben Jahres der Wasserkran in Glaslbremse fertiggestellt war, war der Betrieb zum Bahnhof Präbichl möglich. Am 18. August wurde auch das nördliche Teilstück nach Eisenerz in Betrieb genommen.
Betriebsgeschichte
Den Betrieb führen von Anfang an die k.k. Staatsbahnen. Am 15. September 1891 fuhr der erste offizielle Güterzug mit Lok 69.04 und fünf Erzwagen mit einer Last von insgesamt 60 Tonnen. Im darauf folgenden Sommer wurde der Personenverkehr aufgenommen.
Schon während des Baus hatte sich auf Grund von Finanzierungsproblemen die Liquidation der Aktiengesellschaft angekündigt und mit 31. Oktober 1893 wurde die Strecke endgültig von den k.k. Staatsbahnen übernommen.
1907 kam es zu einem schweren Unfall infolge Bremsversagens, der Heizer der zu Tal rasenden Lokomotive fand dabei den Tod. Am 11. November 1914 erlitten mehrere Lokomotiven beim Brand des Heizhauses in Vordernberg z. T. schwere Beschädigungen, das Heizhaus selbst brannte bis auf die Grundmauern nieder und musste neu errichtet werden.
Durch laufende Verbesserungen war es möglich, die Zuggewichte sowie die Streckenhöchstgeschwindigkeit anzuheben. Nach der Übernahme der Südbahngesellschaft durch die BBÖ wurde die Übergabe der Züge in Vordernberg wesentlich vereinfacht.
Am 29. Juni 1929 kam es bei der Talfahrt eines Erzzuges von Präbichl nach Vordernberg zu einem neuerlichen schweren Unfall, bei dem sowohl die Lokomotive als auch der Wagenzug entgleisten und umstürzten. Lokführer Messner und sein Heizer Johann Mandl wurden dabei tödlich verletzt. Grund war die Unterlassung der Kupplung der Vakuum-Bremsleitung zwischen zweitem und drittem Waggon, auch die vorgeschriebene Bremsprobe vor der Talfahrt wurde nur mangelhaft durchgeführt.
In den 1920er Jahren wurde mehrmals die Elektrifizierung der Strecke geplant. Ein Projekt von Ganz & Co., die Strecke mit 5000 V Drehstrom auszustatten lehnten die BBÖ ebenso wie ein Alternativprojekt nach dem österreichischen Bahnstromsystem aufgrund von finanziellen Problemen und aus Mangel an technischen Vorbildern ab.
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam es in den Jahren 1931/32 zu einem bedeutenden Einbruch der Erzförderung, der Verkehr brach rapide von 500.000 auf lediglich 150.000 Tonnen pro Jahr ein. Erst ab 1935 besserte sich die Lage durch den erhöhten Erzbedarfs der Deutschen Rüstungsindustrie, so dass es 1937/38 zur Errichtung einer Verladeanlage im Bahnhof Eisenerz kam. Nach dem Anschluss Österreichs und der Errichtung der Herman Göring-Werke in Linz kam es zu einer Neuausrichtung des Verkehrsstromes mit verstärkten Erztransport über die Nordrampe nach Eisenerz. Der Erzumschlag stieg dadurch auf rund 3 Millionen Tonnen jährlich an.
Im Zweiten Weltkrieg kamen auch Zwangsarbeiter des für den Abbau am Erzberg errichteten KZ Eisenerz (ein Nebenlager des KZ Mauthausen) zur Schneeräumung auf der Bahnstrecke zum Einsatz. Die Bahn blieb weitgehend frei von alliierten Angriffen und war noch am letzten Kriegstag in Betrieb. An diesem brach um 3:00 Früh eine Tragfeder an Lokomotive 97 212 und diese beschädigte dadurch die Weichen 23, 27 und 29 des Bahnhofs Eisenerz.
Ende des Zahnradbetriebes Ab 1970 suchte man nach Möglichkeiten, den aufwendigen Zahnradbetrieb rationeller zu gestalten. In diesem Jahr verloren die Stationen Glaslbremse und Schönauhalde ihre Weichen und die Zahnstange wurde zur Verminderung des Erhaltungsaufwandes (vor allem der gefederten Einfahrstücke) von Vordernberg Markt bis Präbichl durchgezogen.
Schritt für Schritt wurde die Traktion auf reinen Adhäsionsbetrieb mit Schienenbussen und Diesellokomotiven umgestellt. Erste Probefahrten im reinen Adhäsionsbetrieb mit der Diesellok 2043.03 zwischen Vordernberg und Vordernberg Markt erfolgten im Januar 1971. Ab 29. Juli 1974 wurde der nur noch spärlich vorhandene Personenverkehr mit den eigens dafür umgebauten Schienenbussen der Baureihe 5081.5 geführt. Der letzte Personenzug mit Dampftraktion verkehrte am 31. August 1975.
Da der Erzverkehr durch die Aufschließung tiefer gelegener Fördergebiete immer mehr im Abnehmen war, ruhte der Erzzugverkehr ab dem 10. Januar 1976 am Wochenende und an Feiertagen. Die Verdieselung des Güterverkehrs erlebte allerdings einen herben Rückschlag, nachdem am 5. November 1976 eine Verschublokomotive der Reihe 2067 außer Kontrolle geriet, entgleiste und über eine Böschung abstürzte, nachdem sie zuvor etwa die halbe Strecke von Präbichl in Richtung Vordernberg ungebremst bergab gerollt war. Trotzdem wurde die Umstellung vorangetrieben und in die für die Führung der Erzzüge vorgesehenen Dieselloks der Baureihe 2043 zusätzliche Sicherheitssysteme (Schienenbremse und Geschwindigkeitsüberwachung) eingebaut (in der Folge als 2043.5 bezeichnet). Am 30. September 1978 fuhr der letzte Dampfzug über die Erzbergbahn, am 6. Dezember auch zum letzten Mal die Diesellok mit Zahnradantrieb. Trotz Protesten von Eisenbahnfreunden wurden die Zahnstangen bis zum 27. September 1980 vollkommen demontiert.
Bereits 1963 erfolgte die Elektrifizierung der Vordernberger Bahn, 1970 wurde auch die Strecke Hieflau–Eisenerz elektrifiziert. 1984 folgte der Abschnitt Eisenerz–Krumpental, somit konnten ab 1984 Erzzüge von Krumpental direkt nach Linz und Donawitz (via Selzthal) durchgehend mit elektrischer Traktion bespannt werden. 1988 wurde noch das rund drei Kilometer lange Streckenstück von Vordernberg nach Vordernberg Markt auf Betreiben der Marktgemeinde elektrifiziert, um einen besseren Anschluss des Personenverkehrs nach Leoben zu ermöglichen.
Einstellung 1986 wurde, nachdem die neue Erzverladestelle Krumpental in Betrieb gegangen war, der Güterzugverkehr über den Präbichl eingestellt. Auch der Erztransport zum Stahlwerk Donawitz erfolgte nun über die längere, aber flachere Strecke über Hieflau. Am 16. März 1988 wurde ein Lawinenabgang, der die Bahntrasse in der Nähe des Bahnhofs Erzberg auf einer Länge von rund 300 Metern verlegte, zum Anlass genommen, auch den Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt Vordernberg Markt–Eisenerz mit Fahrplanwechsel am 28. Mai 1988 einzustellen. Die Strecke Vordernberg bis Vordernberg Markt wurde für die von Leoben kommenden Personenzüge elektrifiziert.
1999 folgte die Einstellung des Personenverkehrs von Hieflau nach Eisenerz, hier verkehren seitdem nur mehr Erzzüge.
Im Jahr 2001 wurde auch der Personenverkehr im Abschnitt Leoben–Vordernberg Markt eingestellt, es verblieb nur der Güterverkehr bis Trofaiach. Verkehrsinitiativen wie der Verein FAHRGAST Graz/Steiermark bemühen sich um die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Trofaiach und Leoben als Teil eines Schnellbahnnetzes im Mur- und Mürztal. Der Bahnhof St.Peter-Freienstein wurde zwischenzeitig aufgelassen.
Museumsbahn Der 1975 gegründete Verein Erzbergbahn führt seit 23. Juni 1990 Museumsbahnbetrieb auf der Bergstrecke zwischen Vordernberg Markt und Eisenerz durch. Der Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Vordernberg Markt und der Anschlussbahn der Voestalpine in Krumpental wurde hierfür seit 1. Jänner 1990 an den Verein verpachtet. Am 25. Juni 2005 konnte die Teilstrecke rückwirkend zum 1. Jänner durch den Verein angekauft werden. Die Strecke wird von Anfang Juli bis Mitte September an Wochenenden befahren, von Juni bis Oktober sind außerdem Sonderfahrten möglich. Da zwei Pisten des Skigebiets Präbichl die Strecke kreuzen, ist ein Winterbetrieb nicht möglich. Am 17. Juli 2010 wurde die Bahn unterhalb der Station Erzberg durch eine Mure verschüttet.Verein Erzbergbahn: Seit dem Jahr 2018 sind Überstellungen und andere Betriebsfahrten wieder möglich.erzbergbahn.at
Im Jahr 2011 wurde anlässlich des 120-jährigen Bestehens eine Sonderpostmarke der Österreichischen Post herausgegeben. abgerufen am 28. Oktober 2012.