mini|400px|Kreuzwertheim

Kreuzwertheim ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kreuzwertheim, deren Mitglied es ist.

Geographie Lage Der Markt liegt südwestlich der Bundesautobahn 3 am Rande des Spessarts und gegenüber der baden-württembergischen Stadt Wertheim. Im Uferbereich des Mains gibt es Feucht- und Trockenwiesen. Auf den südlichen Talhängen befinden sich Weinberge oder Streuobstwiesen auf ehemaligen Weinbauterrassen, ansonsten sind die Talhänge mit Wald bewachsen. Das Gemeindegebiet ist zu einem großen Teil bewaldet und wird landwirtschaftlich genutzt. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit am Pfadsberg nordwestlich von Röttbach, der niedrigste liegt im Main auf .

Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Kreuzwertheim (Hauptort) Röttbach (Pfarrdorf) Unterwittbach (Pfarrdorf) Wiebelbach (Kirchdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Kreuzwertheim, Röttbach, Unterwittbach und Wiebelbach.

Nachbargemeinden

Geschichte

Frühgeschichte und Siedlungsumfeld

Das Gebiet des heutigen Kreuzwertheim war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde, insbesondere steinzeitliche Keramik und Steinwerkzeuge, belegen eine frühe Nutzung des Himmelreich in der Mainschleife als Siedlungsraum. Bei den Grabungen fand man im Himmelreich fast 2.000 Einzelfunde. 1982 sogar 137 römische Münzen aus der Zeit von 337 n. Chr. – 410 n. Chr. Keine besondere Bedeutung für das frühe Siedlungsumfeld ist die Wettenburg, ein Weiler in der Mainschleife, direkt gegenüber der ehemaligen Furt bei Urphar, erstmals erwähnt 1305. Bis in das 15. Jahrhundert hinein ist die Wettenburg mehrfach als Weiler und schließlich als Wüstung schriftlich bestätigt. Die Anlage im Himmelreich ist als mehrphasiger Siedlungsplatz vom Jung-Neolithikum (5.500 vor Chr.) bis in die Völkerwanderungszeit (bis 7. Jhd. nach Chr.) belegt und zählt zu den bedeutenden archäologischen Fundplätzen der Region. Wobei Dieter Neubauer bei seiner Dissertation im Jahr 2000 den falschen Ort, den ehemaligen Weiler Wettenburg bei der Furt gegenüber Urphar, in dem Titel erwähnt. Die Lage des Himmelreich in der Mainschleife bildete eine dauerhaft genutzte Siedlungs- und Verkehrsachse. Die vorzeitliche Heerstraße heristraza, erstmals 839 erwähnt, verlief durch das Himmelreich. Der Spessartbund nannte diese Straße im 20. Jhd. dann Heunweg, warum auch immer, nicht nachvollziehbar.

Früh- und Hochmittelalter

Die frühmittelalterliche Quellenlage ist unsicher. Eine mögliche Nennung eines Ortes „Werdheim“ in einer Fuldaer Urkunde des späten 8. Jahrhunderts ist in der Forschung umstritten.

Im Hochmittelalter gehörte das Gebiet zur Herrschafts- und Einflusszone der Grafen von Wertheim, die im 12. und 13. Jahrhundert die territorialen Strukturen am mittleren Main prägten, insbesondere durch den Bau der Burg Wertheim ab dem Jahr 1180. Die Siedlung stand insofern stets in engem funktionalem Zusammenhang mit der sich entwickelnden Stadt Wertheim.

Etymologie

Die ursprüngliche Siedlungsbezeichnung „Werdheim“ wird in der lokalen Überlieferung als „Heimstatt am sicheren Ufer“ gedeutet und verweist auf die Lage der frühen Siedlung am Hochufer des Mains im Übergangsbereich zwischen Spessart und Odenwald. Die naturräumliche Situation an der Grenze zwischen offener Flusslandschaft und bewaldeten Mittelgebirgen gilt dabei als prägend für die frühe Standortwahl der Siedlung.

Aus der frühen Siedlung „Werdheim“ entwickelte sich im Mittelalter eine Urpfarrei des südöstlichen Spessartraumes, die ab 993 dem Hochstift Würzburg unterstand. In diesem Zusammenhang wird auch die Marktrechtsverleihung durch König Heinrich II. vom 22. Oktober 1009 traditionell in Bezug zur frühen Ortsentwicklung gestellt.

Der Zusatz „Kreuz-“ entstand im 14. Jhd. zur Unterscheidung von der sich auf der gegenüberliegenden Mainseite entwickelnden Siedlung, die später zur Stadt Wertheim wurde und den ursprünglichen Namen übernahm. Für den rechtsmainischen Ort setzte sich daher die Bezeichnung „Kreuzwertheim“ durch. Seit dem 13. Jahrhundert sind zur Unterscheidung der beiden Siedlungen zahlreiche Namensformen belegt, die auf das Kreuz Bezug nehmen, darunter „Crucwertheim“, „Heiligen-Creuzeswertheim“, „Zum Creuz“ oder verkürzt „Creütz“. Mit der Verleihung des Stadtrechts an die linksmainische Siedlung im Jahr 1306 verfestigte sich die funktionale und sprachliche Trennung der beiden Orte, wodurch der Name „Kreuzwertheim“ dauerhaft etabliert wurde.

Der Namensbestandteil wird mit einem markanten Kreuz im Ortskern in Verbindung gebracht, das sich im Bereich des historischen Marktplatzes befindet. Dieses sogenannte Marktkreuz wird als ortsbildprägendes Element beschrieben.

Der Bayerische Denkmal-Atlas weist das Objekt als Bestandteil des denkmalgeschützten Ortsbilds aus, ohne jedoch eine gesicherte etymologische Ableitung des Ortsnamens festzulegen. Die genaue Herleitung des Ortsnamens bleibt daher unsicher.

Vergleichbare „Kreuz-“Bildungen werden in der namenkundlichen Forschung häufig mit Flur-, Markt- oder Wegkreuzen sowie christlichen Siedlungszeichen in Verbindung gebracht.

mini | rechts | Steinernes Kreuz auf dem historischen Marktplatz

Mittelalterliche Entwicklung

Im Zuge der Stadtentwicklung von Wertheim gewann der rechtsmainische Siedlungsraum eine ergänzende Funktion im regionalen Wirtschaftsgefüge. Mit der Verleihung des Stadtrechts an Wertheim im Jahr 1306 verstärkte sich dessen Stellung als regionales Zentrum, was auch Auswirkungen auf die umliegenden Siedlungen am Main hatte. Die Entwicklung blieb eng an die Lage am Main als Verkehrs- und Handelsachse gebunden.

Frühe Neuzeit

Kreuzwertheim blieb bis zum Ende des Alten Reiches Teil der Grafschaft Wertheim bzw. ihrer nachfolgenden Territorien. Im Zuge der Reformation setzte sich im 16. Jahrhundert das evangelische Bekenntnis durch. Im 17. Jahrhundert wurde die Region durch den Dreißigjährigen Krieg erheblich betroffen, was zu Bevölkerungsverlusten und wirtschaftlichen Einbrüchen führte. Die Folgen wirkten bis in das 18. Jahrhundert nach.

19. Jahrhundert

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches fiel Kreuzwertheim 1814 an das Königreich Bayern. Mit den bayerischen Verwaltungsreformen entstand die moderne kommunale Struktur.

Der Ort blieb im 19. Jahrhundert landwirtschaftlich geprägt, ergänzt durch Handwerk und Kleingewerbe. Der Main spielte weiterhin eine zentrale Rolle als Verkehrs- und Wirtschaftsraum, insbesondere durch Fischerei, Flößerei sowie die Gewinnung von Sand und Kies für die Bauwirtschaft.

mini|Blick auf Kreuzwertheim 1903, im Vordergrund Sandschöpfer auf dem Main

19. und 20. Jahrhundert

1881 wurde die Bahnstrecke Lohr–Wertheim eröffnet, die Kreuzwertheim an das Eisenbahnnetz anschloss. Der Personenverkehr wurde 1976 wieder eingestellt.

Einen erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Gemeinde und Region spielte der Bau der Bundesautobahn 3 (A3) im direkten Umfeld von Kreuzwertheim zwischen 1953 und 1964. Als überregionale Ost-West-Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Mainfranken verbesserte die Autobahn die Anbindung an größere Wirtschafts- und Arbeitsmarktzentren wie Frankfurt am Main und Würzburg erheblich.

Die verbesserte Erreichbarkeit führte insbesondere zu einer verstärkten Integration in regionale Pendlerverflechtungen. Dadurch wandelte sich Kreuzwertheim zunehmend von einem überwiegend lokal geprägten Wirtschaftsraum zu einem Wohnstandort im Einzugsbereich größerer Städte in Unterfranken und im Rhein-Main-Gebiet. Diese Entwicklung wird in der Forschung als typischer Prozess der Suburbanisierung im Umfeld großräumiger Verkehrsinfrastrukturen beschrieben.

Gleichzeitig veränderten sich auch die wirtschaftlichen Standortbedingungen. Die bessere Straßenanbindung begünstigte die Ansiedlung kleiner und mittlerer Gewerbebetriebe (Gewerbegebiet Wiebelbach), während traditionelle Wirtschaftsformen wie Landwirtschaft sowie flussgebundene Nutzungen des Mains (unter anderem Fischerei und Rohstoffgewinnung) im relativen Bedeutungsgewicht erstmals zurücktraten.

Gebietsreform und Gegenwart

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 Wiebelbach, am 1. Januar 1977 Unterwittbach und am 1. Mai 1978 Röttbach eingegliedert. Hierdurch konnte das Gemeindegebiet erheblich vergrößert werden.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerentwicklung verlief im 20. und frühen 21. Jahrhundert insgesamt stabil mit moderaten Schwankungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerung im Zuge regionaler wirtschaftlicher Entwicklungen an und stabilisierte sich später auf einem Niveau von etwa 3.500 bis knapp 4.000 Einwohnern. Die Daten basieren auf den amtlichen Fortschreibungen des Bayerischen Landesamts für Statistik.

1961: 2630 Einwohner 1970: 3186 Einwohner 1987: 3562 Einwohner 1991: 3747 Einwohner 1995: 3954 Einwohner 2000: 3850 Einwohner 2005: 3883 Einwohner 2010: 3813 Einwohner 2015: 3819 Einwohner 2018: 3917 Einwohner 2022: 3915 Einwohner

Religion

Die Gemeinde ist knapp überwiegend katholisch. Es existieren die katholische Pfarrei Heiligkreuz (Kirche Heilig Kreuz) im Hauptort der Gemeinde, die katholische Pfarrei St. Markus in Unterwittbach mit der Filiale St. Josef der Bräutigam in Wiebelbach sowie die Kuratie St. Antonius von Padua in Röttbach. Daneben gibt es im Hauptort die evangelisch-lutherische Kirche Zum Heiligen Kreuz, die ursprünglich die katholische Pfarrkirche war. Und die neuapostolische Kirche Kreuzwertheim.

Politik Bürgermeister Die Bürgermeister seit 1888: seit 2014: Klaus H. Thoma (von CSU und Freie Wählervereinigung aufgestellt), am 15. März 2020 mit 83,4 %, und am 8. März 2028 mit 87,3 % der Stimmen wieder gewählt. 1996–2014: Horst E. Fuhrmann, CSU 1984–1996: Christa Schoenberg, CSU 1978–1984: Gerald Amarell, Freie Wählervereinigung 1972–1978: Hans Schneider, CSU († 1978) 1945–1972: Philipp Günzelmann, SPD 1925–1945: Georg Fröber 1906–1925: Andreas Dinkel 1888–1905: Georg M. Fröber

Marktgemeinderat Die Kommunalwahlen 2002 bis 2020 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat: CSU SPD/PLUS Freie Wähler-vereinigung Gesamt 2020Gemeinderatswahl 2020, abgerufen am 1. Juli 2020 5 6 5 16 Sitze 2014 5 5 6 16 Sitze 2008 5 4 7 16 Sitze 2002 6 4 6 16 Sitze

Wappen

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Kreuzwertheim unten, Wertheim oben. Luftbild 2008 Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Im Jahre 2017 gab es in der Gemeinde 2261 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 1742 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Einpendler um 519 größer als die der Auspendler. 31 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es neun landwirtschaftliche Betriebe.

Weinbau mini|Die Steillage Kaffelstein von der Wertheimer Burg aus gesehen

Der Weinbau besitzt in Kreuzwertheim eine lange Tradition und prägte über Jahrhunderte die Kulturlandschaft am Main. Besonders bedeutend ist die historische Weinlage „Kaffelstein“ am rechten Mainufer gegenüber der Stadt Wertheim. Die südexponierten Muschelkalkhänge zählen zu den charakteristischen Steillagen des unteren Maintals.

Bereits im Mittelalter wurde an den Hängen um Kreuzwertheim Weinbau betrieben. Unter der Herrschaft der Grafen von Wertheim entwickelte sich der Weinbau zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Wirtschaft. Die Lage am Main erleichterte den Transport und Handel der erzeugten Weine innerhalb des fränkischen Raums.