mini|Aufschrift auf Gottscheerisch an der Kapelle des Heiligen Grabes bei der Kirche Corpus Christi (Fronleichnamskirche), Trata, Stadt Gottschee/Kočevje mini|Die traditionellen lokalen gottscheerischen Ortsnamen gleichen nicht immer den einst amtlichen deutschen Namen mini|Die gottscheerischen Ortsnamen spiegeln auch einen anderen Lautstand als das Schriftdeutsche wider mini|Name der Stadt Gottschee auf Slowenisch, Deutsch und Gottscheerisch

Gottscheerisch (Eigenbezeichnung Göttscheabarisch,Maridi Tscherne: Bearterpiechla-göttscheabarisch kroinarisch. Koprivnik/Nesseltal 2010. im Englischen manchmal auch „Granish“Christopher Moseley (Hrsg.): Atlas of the World’s Languages in Danger. 3. Ausg. UNESCO Publishing, Paris 2010. Gottscheerish. genannt) ist eine deutsche Mundart, die bis 1941 die vorherrschende Sprache in der damaligen deutschen Sprachinsel der Gottscheer im südlichen Unterkrain im heutigen Slowenien war.

Sprachliche Zuordnung Gottscheerisch gehört zum Bairischen und innerhalb dessen zu den südbairischen Mundarten. Am nächsten steht es den Kärntner Mundarten. Zahlreiche altertümliche Merkmale teilt es mit anderen deutschen Sprachinselmundarten des östlichen Alpenraums, darunter Pladen (Sappada) und Tischelwang (Timau) in Friaul sowie Zarz (Sorica) in Oberkrain (Slowenien).

Vom Kärntnerischen getrennt entwickelte sich das Gottscheerische seit der Ansiedlung der Gottscheer im Raum Gottschee um 1330 etwa 600 Jahre lang – fast 700 Jahre, wenn man die Geschichte der in Slowenien verbliebenen Restgruppe mitzählt – als eigenständige Mundart, wobei sich in den durch Höhenzüge voneinander getrennten Teillandschaften mehrere Untermundarten ausbildeten.

Heutige soziolinguistische Situation Bereits seit dem 19. Jahrhundert kamen viele Sprecher des Gottscheerischen in die USA. 1941 wurde der Großteil der Gottscheer aus der Heimat in Unterkrain ausgesiedelt. Nur wenige Hundert Gottscheer blieben zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gottscheerische in Jugoslawien verboten.

Das Gottscheerische wird heute von der UNESCO als „stark bedrohte Sprache“ eingestuft. Die meisten Sprecher leben in den USA, wo es im Wesentlichen noch Personen der ältesten Generation sprechen, die ihre Kindheit in der Gottschee in Slowenien verbracht haben. Auch in Kanada, Österreich und Deutschland gibt es Sprecher, die als Alltagssprache jedoch in aller Regel Englisch bzw. Hochdeutsch oder den lokalen Dialekt ihres Wohnorts sprechen. Das Gottscheerische wird selbst innerhalb der Familie nur noch wenig gebraucht.Anja Moric: Usoda Kočevskih Nemcev. Ohranjanje identitete Kočevskih Nemcev. Diplomsko delo. (PDF; 571 kB) Univerza v Ljubljani, 2007.

In Slowenien gibt es einige Familien, insbesondere im Tal Moschnitze zwischen Pöllandl (Kočevske Poljane) und Tschermoschnitz (Črmošnjice), in denen die Sprache teilweise noch gebraucht wird. Wahrscheinlich gibt es aber keine Kinder mehr, die es wie eine Muttersprache erlernen. Der Gottscheer Altsiedlerverein in Krapflern (Občice, Gemeinde Dolenjske Toplice) bot einige Jahre lang neben Deutschkursen auch Kurse in der Gottscheer Mundart an (unterrichtet haben Maridi Tscherne und Ludwig Kren), jedoch ist das Interesse für die deutsche Schriftsprache deutlich höher. Von 2011 bis zum Juni 2014 bot der Verein Peter Kosler aus Gottschee (Kočevje), wiederum mit der Lehrerin Tscherne, an der Sprachschule Yurena in Novo mesto, an der Volkshochschule Gottschee, in Bistritz/Bistrica wie auch an den Grundschulen Semitsch/Semič, Štrekljevec, Töplitz/Dolenjske Toplice und in den Kindergärten Semitsch und Töplitz sowohl Deutschkurse als auch Kurse in der Gottscheer Mundart an. Von Juni 2011 bis 2014 lief der Unterricht mit der Unterstützung des österreichischen Ministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA). Wöchentlich besuchten den Unterricht mehr als 180 Personen.Irena Novak: Zaklad, ki ga ne more nič nadomestiti. [Ein Schatz, den nichts ersetzen kann.] Dolenjski list Nr. 9, 1. Februar 2012 (Kopie auf )Društvo Peter Kosler, Kočevje Die Zukunft dieses Unterrichts ist ungeklärt.

Die Konflikte zwischen dem Gottscheer Altsiedlerverein in Krapflern – Mitglied des Verbandes der deutschsprachigen Kulturvereine – einerseits sowie dem Verein Peter Kosler in Gottschee, dem Kulturverein Moschnitze und dem Museum in Nesseltal – Mitglieder des Dachverbandes der Gottscheer Organisationen in Slowenien – andererseits, die insbesondere Fragen des Status einer deutschen Minderheit in Slowenien betreffen, erweisen sich als erhebliches Hindernis in der Förderung des Deutsch- bzw. Gottscheerisch-Unterrichts.

Lautlehre Die Vokale des Gottscheerischen zeigen im Wesentlichen die Entwicklung der bairischen Mundarten. Dies gilt auch für die Diphthongierung von mittelhochdeutsch î, û und iu [yː] sowie die Dehnung des Stammvokals. Einige Vokale sind kennzeichnend für das Kärntnerische (vgl. a, â, ea und oa):Adolf Hauffen: Die deutsche Sprachinsel Gottschee. Graz 1895.

Kurze Vokale a (aus e/ä, ë und in Lehnwörtern): nachtə (Nächte), harzə (Herz), katschə (Schlange, < slowenisch kača) geschlossenes e (aus e und ö): engl (Engel), endrn (ändern), lechr (Löcher) i (aus i und ü): khint (Kind), jingar (jünger) offenes o (aus a): hont (Hand), bossr (Wasser) ö (zwischen o und ö, aus o): khöpf (Kopf), löch (Loch) ü (zwischen u und ü, aus u): hünt (Hund), wünkhə (Funke) Lange Vokale â (aus æ, ë, ou, öu in kontrahierten Silben und in Lehnwörtern): bâr (wäre), gâbm (geben), pâm (Baum), pâmr (Bäume), hâcht (Habicht), sâbl (Säbel, < slowenisch sablja)Marko Snoj: Slovenski etimološki slovar. 2., pregledana in dopolnjena izdaja. Modrijan, Ljubljana 2003, ISBN 961-6465-37-6. Das deutsche Wort Säbel und die Entsprechungen in den romanischen Sprachen sind aus dem Slawischen entlehnt und nicht umgekehrt. geschlossenes ê (aus e): êdl (edel), hêr (Heer) î (aus i und ü): lîgn (liegen), zîgl (Zügel) ô (zwischen o und ö, aus o): khône (Trauung, < mhd. kone „Ehefrau“), ôbm (oben) offenes û (aus â und a): shûme (Same), nûme (Name)

Diphthonge ai (aus î, iu und in Kontraktionen): baip (Weib), laitə (Leute), gəlait (gelegt), gərait (geredet) aü (aus û): maüsch (Maus), haüsch (Haus) au (aus al und ël): baut (Wald), hausch (Hals) ea (aus ê, œ und ë vor r): khlea (Klee), schean (schön), eardə (Erde) iə (aus ie, üe und i vor r): liəp (lieb), hiətə (Hüte), miər (mir) oa (aus ô und o vor r): proat (Brot), khoarn (Korn) oi (aus ei und in Kontraktionen): schtoin (Stein), proit (breit), gəshoit (gesagt) uə (aus â und a vor l, n, r, s und Dentalen): juər (Jahr), huəshə (Hase) üə (aus uo): güət (gut), tüən (tun) Unbetonte Vokale Der wichtigste unbetonte Vokal ist das Schwa, das durch ə wiedergegeben wird. Es entspricht dem unbetonten e im Standarddeutschen. Für mittelhochdeutsch -ære steht -ar, z. B. in guərtnar (Gärtner). Die Konjunktivendung lautet -öt (regional -ait), z. B. shûgöt, shûgait (ich sagte, „ich würde sagen“).

Stimmhafte und stimmlose Konsonanten Der im Mittelhochdeutschen (und im heutigen Standarddeutschen) stimmhafte Konsonant b wird so wie im Kärntnerischen am Silbenanfang und -ende stimmlos p gesprochen, die Konsonanten d und g am Silbenende als t, k. So lautet Baum wie im Kärntnerischen pâm. Aus dem Mittelhochdeutschen ererbtes k wird gehaucht (kh), während in Lehnwörtern ungehauchtes k auftritt, z. B. kaschłe (Korb, < slowenisch koš) gegenüber khâfm (kaufen). Ungehauchtes k steht auch für mittelhochdeutsch gg oder ck, z. B. prükə (Brücke), shnakə (Schnecke).

Das l wird in der Regel wie im Schriftdeutschen gesprochen, nach a, o und ə jedoch mit nach hinten gebogener Zunge (ł). Vor t kann es vokalisiert werden, wobei dann statt o ein a gesprochen wird. So gibt es neben der Form bołt auch die Form baut für „Wald“. Das r wird nicht vokalisiert und ist immer ein Zungenspitzen-r.

Das v des Mittelhochdeutschen – im Neuhochdeutschen anlautendes f oder v – wird stets stimmhaft wie Standarddeutsch w [v] gesprochen: wrûgn (fragen), wuətər (Vater). Im Auslaut steht dagegen stimmloses f: wraitof (Friedhof), wenf (fünf, vgl. Langform wenwai). Im Anlaut gibt es f nur in Lehnwörtern – meist lateinischen Ursprungs oder aus dem Schriftdeutschen entlehnt – wie fîwər (Fieber), flomə (Flamme) oder flinkh (flink). Für mittelhochdeutsches w [*β] – und neuhochdeutsches w [v] – steht b: bûgə (Waage), zboi (zwei), buəs (was). Diese Veränderungen von f/v zu [v] (in diesem Fall ist eigentlich nur die stimmhafte mittelhochdeutsche Aussprache bewahrt) und w zu [b] treten auch in anderen bairischen Sprachinselmundarten auf, so beispielsweise im Zimbrischen und (nur die Lautverschiebung w-->b) im Mantakischen (Südost-Zips, Slowakei) und bairische Sprachinselmundarten aus dem heutigen Tschechien und der Slowakei.

Wie im Kärntnerischen fällt anlautendes n- mitunter aus, so bei ascht (Nest), essl (Nessel) und et (nicht).

Unterscheidung zwischen mittelhochdeutsch s und z Im Gottscheerischen ist die Unterscheidung zwischen mittelhochdeutsch ȥȥ und ȥ aus germanisch *t einerseits und s aus germanisch *s andererseits erhalten geblieben. Während ersteres als stimmloses s [s] realisiert wird, steht für letzteres stimmhaftes sh [ʒ] (ausgesprochen wie slowenisch ž und französisch j), vor t, p und im Auslaut sch [ʃ] (ausgesprochen wie slowenisch š und französisch ch), das in diesen Fällen in der Aussprache mit mittelhochdeutschem sch [ʃ] zusammenfällt. Beispiele sind shûgn (sagen) und shbuərz (schwarz) sowie haüsch (Haus) und schpakh (Speck) gegenüber bossər (Wasser) und dos (das). Am Wortanfang tritt s nur in Lehnwörtern auf, z. B. sakrament und soldat. Es wird immer stimmlos gesprochen. Stimmhaftes s [z] tritt nicht auf. Das z [ts] am Wortanfang bleibt unverändert z, z. B. zaün (Zaun), ebenso tz, z. B. khotzə (Katze). Die vollständige Retraktion des germanischen *s zu den postalveolaren Frikativen [ʃ] und [ʒ] der Gottscheer Mundart ist dem Einfluss des benachbarten Slowenisch geschuldet, das keine zurückgezogenen alveolaren Frikative kennt.Eberhard Kranzmayer: Historische Lautgeographie des gesamtbairischen Dialektraumes. Mit 27 Laut- und 4 Hilfskarten in besonderer Mappe. Hermann Bühlaus Nachf., Wien 1956, S. 88 f.

Grammatik Bei der Konjugation der Verben gibt es weitgehende Übereinstimmungen mit den anderen bairischen Mundarten, so enden die Formen der 3. Person Plural auf -nt. Auch ist das Präteritum verloren gegangen und wird durch das Perfekt ersetzt. Das Präfix gə- des Partizip Perfekt wird in der Regel nicht reduziert. Der Konjunktiv II ist erhalten und erhält auch bei den starken Verben die Endung -öt: nâmöt (nähme).

Anders als in Bayern werden im Gottscheerischen keine alten Dualformen in der 2. Person Plural verwendet. So steht für „ihr, euch“ nicht es/ös, enk, sondern iər, ai. Deshalb erhalten die entsprechenden Verbformen kein -s: iər shûgət (ihr sagt, vgl. in Bayern: es sågts).

Viele männliche Substantive tragen anders als in anderen deutschen Mundarten die Pluralendung -ər bzw. -r: pâmr (Bäume), schtoindr (Steine). Die Verkleinerungsendung -lain ist voll erhalten, kann aber zu -le verkürzt werden. Ebenso ist die Verwendung vorangestellter Genitivformen auf -sch < -s belegt: wuətrsch haüsch (Vaters Haus) neben der bairischen Form in [dem] wuətr shain haüsch. Das Adverb schmoarönsch (morgens) entspricht „[de]s Morgens“.

Wortschatz Der Wortschatz ist überwiegend bairisch mit typischen Ausdrücken wie z. B. ertokh (Dienstag), pfinstokh (Donnerstag), pfoit (Hemd) und gətunk (links). Mit dem Kärntnerischen verbinden es Wörter wie etwa lai (bloß) oder verschiedene Verben auf -azn wie z. B. gelmazn (schreien). Daneben gibt es eine Reihe Lehnwörter aus dem Slowenischen und aus dem Kirchenlateinischen bzw. dem Italienischen: jöken (weinen, < slowen. jokati), râzle (Ente, < slowen. raca), koasl (< slowen. kozolec; auch harpfə: Harpfe), költər (Steppdecke, Kolter, < ital. coltre, von dort auch slowen. kovter), kölar (Halskragen, < ital. collare).

Dokumentation