mini|hochkant=1.3|Stadtplan, etwa 30 v. Chr.
Alexandria ( Alexándreia) war eine Gründung Alexander des Großen in Ägypten und neben Rom die größte Stadt der Antike. Als Hauptstadt des Ptolemäerreiches wuchs sie schnell zu einer bedeutenden Wirtschafts- und Wissenschaftsmetropole heran. Unter römischer Herrschaft war sie lange Zeit die zweite Stadt des Reiches und weiterhin ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. In der Spätantike spielte Alexandria eine wichtige Rolle in religiösen Fragen. Die antike Stadt ist gut aus literarischen Quellen bekannt, doch ist heute nur noch wenig davon erhalten. Von den meisten bei antiken Autoren genannten Gebäuden ist heute nicht einmal der ursprüngliche Standort bekannt. Im Hafen der Stadt stand auf der gleichnamigen Insel der berühmte Leuchtturm Pharos, eins der sieben Weltwunder und lange Zeit das Wahrzeichen der Stadt.
Gründung mini|Alexander, Gründer der nach ihm benannten Stadt, auf dem Alexandermosaik (1. Jh. v. Chr.)
Nach dem Sieg in der Schlacht bei Issos über das Aufgebot des Perserkönigs Dareios III. besetzte Alexander der Große mit dem makedonischen Heer die östliche Mittelmeerküste und eroberte die Hafenstädte Tyros und Gaza. Er entschied, vor dem Feldzug in das Zentrum des persischen Reichs auch Ägypten zu besetzen, traf dort mit einigen Einheiten und einem Flottenkontingent Ende 332 v. Chr. ein und wurde als Befreier von der fast 200 Jahre währenden persischen Herrschaft empfangen. In der Hauptstadt Memphis wurde Alexander zum Pharao gekrönt.
„Anfang des Jahres 331 schritt Alexander im Westen des Niltals, gegenüber der bereits bei Homer erwähnten Insel Pharos, zur Gründung einer Stadt, die seinen Namen tragen sollte. […] Mit dem Nil als auch dem Mittelmeer verbunden, […] sollte es in erster Linie ein großer Handels- und Umschlagplatz sein. […] Nach der Zerstörung von Tyros und Gaza bestand für ein neues Zentrum ein hoher Bedarf.“Hans-Joachim Gehrke: Alexander der Große. Beck, München 2000, ISBN 3-406-41043-X, S. 48.
Der Ort, ursprünglich ein Fischerdorf, soll von den Ägyptern RaqeduEberhard Otto: „der Mauerbau“, griechisch Rhakotis, In: Wolfgang Helck: Lexikon der Ägyptologie. Band I, Spalte 134. genannt worden sein und blieb als Rhakotis erhalten. Kennzeichen war die vorgelagerte Insel Pharos – „Alexander soll eigenhändig den Grundriss der Stadt entworfen haben, indem er das Netz der wichtigsten Straßen und die Lage des zentralen Marktplatzes skizzierte. Er bestimmte ferner die Größe der Stadt, indem er den Verlauf der sie umschließenden Mauern festlegte und ihr Erscheinungsbild, indem er die Zahl der Tempel – darunter einen für Isis – und die Auswahl der Götter vorgab.“Manfred Clauss: Alexandria. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-94329-3, S. 11.
mini|hochkant|Alexander-Büste (aus Alexandria, Alabaster, 150–50 v. Chr.), Liebieghaus, Frankfurt
Die Grundfläche des Stadtkerns, „die vier Wohnquartiere, die den ursprünglichen Grundriss bilden, umfassen 186 Hektar, also deutlich mehr als die bewohnte Fläche des klassischen Athen.“Colin McEvedy: Städtische Zentren der klassischen Welt. 120 Zentren der Antike von Alexandria bis Xanten. 1. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-608-94771-7, S. 22.
Alexanders Gründung wird von antiken Autoren ausführlich beschrieben.Plutarch: Alexander 26; Diodor: Bibliothéke historiké. 17, 52; Arrian, Anabasis 3, 1-2.
Da nach Alexanders Festlegung der Lage der neuen Stadt sodann der Zug zur Westgrenze Ägyptens, der Stadt Paraitonion, anschließend zur Oase Siwa und dann die Rückkehr nach Memphis folgte, geht die Forschung davon aus, dass das später genannte Datum der Gründung eine ‚offizielle’ Feierlichkeit bezeichnet.
„Als traditionelles Gründungsdatum gilt der Tag, den wir heute den 7. April nennen.Das benannte Datum entspricht dem 1. Tag des zweiten Peret-Monat – nach dem Ebers-Kalender. Als Datum überliefert ist der 25. Tybi, des ersten Peret-Monats, so dass es sich auch um Anfang April gehandelt haben kann. Die weitere städtebauliche Planung lag in den Händen des Architekten Deinokrates von Rhodos.“Manfred Clauss: Alexandria. Stuttgart 2003, S. 11. Der von Alexander eingesetzte Finanz- und Steuerverwalter Kleomenes von Naukratis führte die Bauaufsicht.
Da Alexander nach der Rückkehr aus Ägypten und dem Zwischenaufenthalt in Tyros bereits im Mai 331 mit dem neuformierten Heer zum Euphrat aufbrach, ist unklar, ob er am offiziellen Gründungstag teilnahm.
Die jahrhundertelang übliche Benennung spiegelte zudem den Umstand wider, dass die griechische polis Alexandria formal autonom war und daher staatsrechtlich nicht zum Nilland gehörte.
Die Gründung Alexanders intensivierte die Überfahrt von Griechenland nach Nordostafrika.„In den meisten Fällen wurde die Route [… über] Rhodos in der südöstlichen Ägäis benutzt. Die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen beiden Städten wurden sehr eng und lösten sich erst gegen Ende der hellenistischen Ära allmählich auf.“ In: McEvedy: Städtische Zentren der klassischen Welt. Stuttgart 2013, S. 17.
Alexandria wurde zum Ziel von Handelsstraßen, die Afrika und Indien mit der Mittelmeerwelt verbanden. Schon früh strömten Menschen aus vielen Teilen Griechenlands in die Stadt. Vor allem beschriftete Grabsteine bezeugen, dass ein Großteil der Bürger auch aus vielen Teilen der Mittelmeerwelt, wie Bithynien, Mysien, Galatien, Pontos, Kyrenaika, Thessalien, Makedonien, Akarnanien, Achaia, Arkadien, Santorin oder Kreta stammte.Günter Grimm: Alexandria. Die erste Königsstadt der hellenistischen Welt. Mainz 1998, S. 86. Neben den Griechen zogen auch viele Ägypter und Volksgruppen aus Armenien oder Thrakien in die neue Stadt. Die Einwanderer fanden hier keine engen Familien- und Stammesbindungen vor, wie sie in ihrer Heimat zu finden waren. Es entstand ein neues soziales Gefüge, das typisch für Großstädte im Hellenismus wurde. Es gab Aufsteigertum, Luxus, aber auch Verelendung und Entwurzelung.Stefan Schmidt: Grabreliefs im Griechisch-Römischen Museum von Alexandria. Achet-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-933684-13-7, S. 3.
Alexandria als Hauptstadt des Ptolemäerreiches mini|Leuchtturm von Alexandria auf antiken Münzen
4. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Nach dem Tod Alexanders regierte in Ägypten Ptolemaios I., zunächst als makedonischer Statthalter in Ägypten. „Im Jahre 313 war der Ausbau Alexandrias […] soweit fortgeschritten, dass Ptolemaios I. Soter seinen Hof dorthin verlegen konnte und im selben Jahr wurde Alexandria dann auch offiziell Handelsstadt.“Collin McEvedy: Städtische Zentren der klassischen Welt. Stuttgart 2013, S. 20. Eine hieroglyphische Stele aus dem Jahr 311 v. Chr. berichtet, dass er Alexandria zur Hauptstadt von Ägypten machte. 306 v. Chr. nahm er den Königstitel an.
Auf der besagten Stele erscheint auch Alexandrias ägyptischer Name Raqedu, der in koptischen Quellen als Raqote weiterlebte. Spätere Quellen, wie der römische Historiker TacitusTacitus, Historien 4,83., berichten, dass unter Ptolemaios I. die Stadtmauern, Tempel und Götterkulte eingerichtet wurden. Vor allem soll er im Haupttempel der Stadt, dem Serapeum, einen Serapis geweihten Komplex errichtet haben. Die kolossale Kultstatue war ein Werk des griechischen Bildhauers Bryaxis und galt als eines seiner Hauptwerke. Sie war aus verschiedenen Materialien gefertigt und soll die ganze Cella eingenommen haben. Zahlreiche Kopien geben noch heute eine Vorstellung von dem Werk.
Unter Ptolemaios I. wurde auch das Museion gegründet. Das Museion war eine den Musen gewidmete Lehranstalt. Der einstige Standort und das Aussehen sind unbekannt. Unter dem Herrscher ist wahrscheinlich auch das königliche Viertel angelegt worden, in dem sich neben dem Museion weitere öffentliche Bauten und auch die königlichen Paläste befanden. Nach Strabon nahm das Viertel fast ein Drittel der gesamten Stadt ein. Es lag im Nordosten der Stadt. Im Meer, das dem Viertel vorgelagert war, befand sich die Antirhodos genannte Insel mit weiteren Palastanlagen.Günter Grimm: Alexandria. Die erste Königsstadt der hellenistischen Welt. Mainz 1998, S. 38–39.
Unter Ptolemaios II. wurde um 279/278 v. Chr. ein besonders prächtiger Festzug veranstaltet, der im Rahmen der Ptolemaia stattfand, bei dem es sich um ein regelmäßiges Fest zu Ehren von Ptolemaios I. und dem herrschenden König handelte. Der Zug wird vom antiken Autor Athenaios im Detail beschrieben.Günter Grimm: Alexandria. Die erste Königsstadt der hellenistischen Welt. Mainz 1998, S. 51–57. Unter der Regierung von Ptolemaios II. sind weitere wichtige öffentliche Bauten zum ersten Mal bezeugt. Hier ist vor allem der berühmte Leuchtturm zu nennen, als dessen Architekt Sostratos genannt wird. Auch die Hafenanlagen wurden in dieser Zeit ausgebaut. Eine der Stadt vorgelagerte Insel wurde durch einen Damm mit dem Festland verbunden und ist als Heptastadion bekannt. Eine Agora ist seit der Mitte des dritten Jahrhunderts schriftlich bezeugt, doch ist unbekannt, wo sie in der Stadt lokalisiert war.Judith McKenzie: The Architecture of Alexandria and Egypt. New Haven 2007, S. 47–48. Ein Theater und Stadion können ebenfalls aus schriftlichen Quellen erschlossen werden. Unter Ptolemaios II. wurde auch die berühmte Bibliothek von Alexandria gegründet oder zumindest ausgebaut.
Mit dem Museion und der Bibliothek wurde Alexandria zum Mittelpunkt der Gelehrsamkeit in hellenistischer Zeit. Die Prinzen des Königshauses wurden von den besten Gelehrten ihrer Zeit erzogen, die oftmals auch Leiter der Bibliothek waren. Dem Museion stand jeweils ein Priester der Musen vor, der vom König ernannt wurde. Die Könige versuchten, die besten Gelehrten ihrer Zeit nach Alexandria zu bringen, worunter sich bedeutende Personen wie der Mathematiker und Geograf Eratosthenes, der Mediziner Praxagoras oder der Astronom Aristarchos von Samos, der für das heliozentrische System eintrat, befanden.Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Darmstadt 1994, S. 64–66.
Unter Ptolemaios III. wurde das Serapeum erheblich erweitert. Die Gründungsbeigaben enthielten Tafeln, die in Griechisch, aber auch mit Hieroglyphen beschrieben waren. König Ptolemaios IV. ließ das Thalamegos anfertigen. Es handelte sich um eines der größten Schiffe der Antike und ist von antiken Beschreibungen bekannt, wonach es Prunksäle und Schlafräume enthielt. Das Schiff lag meistens in einem der Häfen von Alexandria vor Anker. Der Herrscher weihte auch einen weiteren Tempel für Isis, Serapis, Arsinoë II. und sich selbst, der an der Kanopischen Straße stand und von dem die Gründungsplaketten gefunden wurden. Nach den wenigen erhaltenen Resten ist der Bau in einem griechisch-ägyptischen Mischstil errichtet worden. Unter den folgenden Herrschern zerrüttete das Herrscherhaus immer mehr. Die Quellen berichten von permanenten Thronstreitigkeiten. Um 144 v. Chr. soll Ptolemaios VIII. sogar die Gelehrten aus dem Museion und der Bibliothek vertrieben haben, worunter sich auch Aristarchos von Samothrake, der Leiter der Bibliothek, befand.Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Darmstadt 1994, S. 172. Die Ereignisse mündeten in einen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf der königliche Palast in Flammen aufging.Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches. Darmstadt 1994, S. 175.