Mouleydier (], ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté d’agglomération Bergeracoise. Die Einwohner werden Montleydériens und Montleydériennes genannt.
Geografie
Mouleydier liegt etwa 38 Kilometer südsüdwestlich von Périgueux, etwa 49 Kilometer westlich von Sarlat-la-Canéda und etwa neun Kilometer östlich von Bergerac in der Landschaft des Bergeracois, Teil des touristisch benannten Périgord pourpre. Das Gemeindegebiet liegt am Nordufer der Dordogne und wird außerdem vom Canal de Lalinde und dem Flüsschen Clérans entwässert.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Mouleydier liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär sowie einigen Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.
Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich über eine überwiegend bewaldete, besonders durch Anteile am Wald von Liorac im Norden und am Domänenforst Forêt domaniale du Maine im Nordosten sowie mit Weinbergen durchsetzte Hügellandschaft. Der topografisch höchste Punkt befindet sich mit im Nordosten nahe der Grenze zur Nachbargemeinde Liorac-sur-Louyre. Der tiefste Punkt mit ist im äußersten Westen beim Austritt der Dordogne aus dem Gemeindegebiet anzutreffen. Das Zentrum liegt am rechten Ufer der Dordogne auf etwa Höhe.
Rund 51 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 29 % werden landwirtschaftlich genutzt, rund 17 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 4 % auf Binnengewässer (Stand: 2018).
Umgeben wird Mouleydier von den sieben Nachbargemeinden:
Klima Die klimatischen Bedingungen in Mouleydier werden als warm und gemäßigt eingestuft. Die Niederschlagsmengen in der Gemeinde sind bemerkenswert, da es auch im trockensten Monat Juli Niederschlag gibt. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation werden die vorherrschenden Wetterbedingungen in diesem Gebiet als Cfb (Gemäßigtes Ozeanklima) eingeordnet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Mouleydier beträgt 13,5 °C, die niedrigste Durchschnittstemperatur im Januar mit 5,7 °C, die höchste im Juli mit 21,7 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt gemäß den meteorologischen Aufzeichnungen 824 mm.
Umwelt Der Flusslauf der Dordogne ist im Gemeindegebiet Teil einer Naturschutzzone (Natura 2000), die unter anderem die Wanderung von Lachsen unterstützen soll und Brutplätze für Neunaugen und den Maifisch bietet.
Nördlich von Mouleydier sind mehr als ein Drittel des Gemeindegebietes, als Teil des Waldes von Liorac, Naturschutzgebiet. Dort sind die Jagd und andere menschliche Aktivitäten eingeschränkt.
Etymologie und Geschichte Der Name des Dorfes erschien erstmals in der Form Monleyder zu Beginn des 13. Jahrhunderts (1213), in der latinisierten Form in Castrum () de Monte Leyderio im Jahr 1215. Vor der heutigen Schreibweise im Jahr 1409 gab es die Formen Muntlidyer und Montleder im Jahr 1364. Der erste Namensteil, ursprünglich Mon-, Mont-, führt das okzitanische mont fort, aus dem lateinischen mons (). Der zweite Teil entstammt einem Personennamen germanischen Ursprungs, Leutarius.
Der Name von Saint-Cybard geht auf die romanische Kirche zurück, die mit Sen Chibard im 13. Jahrhundert erwähnt wurde. Der Name verweist auf einen Heiligen des sechsten Jahrhunderts, Cybard von Angoulême oder Eparchius, dessen Name als Schutzpatron im okzitanischen Sprachraum sehr verbreitet ist.Siehe Tanet, Hordé, Seiten 240–241
Der Ort war mit Sicherheit bereits in urgeschichtlicher Zeit besiedelt, wie Funde von Werkzeugen an den Klippen und in den Höhlen belegen. Spuren späterer Villen zeugen von einer gallorömischen Präsenz.
Mouleydier ist auch eine sehr alte Passage über die Dordogne mit Furten, den Überresten einer Römerstraße und einer feudalen Erdhügelburg.
Geprägt von den langen Kriegen, die der Ort erlitten hat, bewahrt er noch immer Elemente seiner Befestigungsanlagen. Er besaß seit dem 12. Jahrhundert eine das Dordogne-Tal überragende Burg. Im Jahr 1375 wurde sie während des Hundertjährigen Krieges von Bertrand du Guesclin belagert und zerstört. Von ihr zeugen nur noch Trümmer, wie beispielsweise ein quadratischer Brunnen.
Der Ort, der sich stark zum Wasser hin orientiert, ist zugleich ein Flusshafen und Heimat der letzten Seeleute, die Waren nach Bordeaux transportierten. Im Weiler Tuilières befinden sich das Anlegebecken für Gabarres (traditionelle Frachtboote) und die imposante Schleusentreppe, die das Ende des Canal de Lalinde markiert. Dieser 1844 eröffnete Kanal ermöglichte es den Gabarres, die Untiefen vor Lalinde zu umfahren.
In der Zeit der Französischen Revolution wurde die Nachbargemeinde Saint-Cybard 1793 zu Mouleydier eingemeindet und durch den Nationalkonvent in der dekretierten Periode der Entchristianisierung zu Cibard-Moleydier genannt und 1801 in Mouleydier-Saint-Cibard umbenannt, bevor der Name auf Mouleydier verkürzt wurde.
Der deutsch-jüdische Glasmalerei- und Glasmosaikenfabrikant Gottfried Heinersdorff versteckte sich seit 1940 in Mouleydier. Er wurde nach seinem Tod am 24. Oktober 1941 hier begraben.
Am 21. Juni 1944 wurde Mouleydier von der 11. Panzerdivision der Wehrmacht angegriffen, geplündert und anschließend niedergebrannt. Dabei starben 19 Widerstandskämpfer im Kampf, wurden verwundet oder gerieten in Gefangenschaft. Drei Zivilisten kamen ums Leben, darunter ein zehnjähriges Kind durch Granatsplitter.
An dieses Ereignis erinnert heute der Straßenname „Rue du 21 Juin 1944“. Der Wiederaufbau des Orts erfolgte in den Jahren 1945 bis 1955.
Bevölkerungsentwicklung
Sehenswürdigkeiten Kirche Saint-Cybard Kapelle Notre-Dame Unterhalb des Staudamms Barrage de Tuilières im Südwesten der Gemeinde mündet der Canal de Lalinde in die Dordogne. Dort befindet sich eine sechsstufige Schleusentreppe (Escalier d’écluses de Tuilières), die 1844 errichtet wurde. Sie weist zweimal drei aufeinanderfolgende Kammern mit einer dazwischenliegenden Haltung auf. Mit ihr wurde auf einer Länge von 289 Metern ein Höhenunterschied von 22 Metern überwunden.Les écluses Tuilières à Mouleydier bei dordogne-perigord-tourisme.fr, abgerufen am 13. Dezember 2022L’escalier d′écluses sur le Canal de Lalinde et le Barrage de Tuilières bei lemanoirlaborieneuvedesaintavitsenieur.wordpress.com, abgerufen am 13. Dezember 2022 Im Jahr 1926 wurde der Kanal aus der Liste der schiffbaren Gewässer Frankreichs gestrichen. Die Gesamtanlage nebst den Gebäuden ist seit 1966 als Monument historique eingeschrieben. Das ehemalige Herrenhaus Les Merles wurde durch das Schloss Les Merles (oder die „Chartreuse Les Merles“) ersetzt, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Das Gebäude gehörte dem napoleonischen General Jean Zacharie Mesclop. Heute ist es als „Château les Merles“ bekannt und beherbergt ein 4-Sterne-Luxushotel mit Restaurant und Golfplatz. La Rebière d’Or, ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, wurde in ein Ferienhaus (Gîte) und Gästezimmer umgewandelt. Die Brücke über die Dordogne wurde in den Jahren 1840 bis 1850 errichtet.
Bildung Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule (École primaire) mit 79 Schülerinnen und Schülern in vier Klassen (2025).
Wirtschaft Erwerbstätigkeit Im Jahre 2023 waren 482 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Mouleydier erwerbstätig, entsprechend 78,0 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (78,9 %) höher war als bei den Frauen (77,2 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 58 Personen im Jahr 2023 niedriger als im Jahr 2017 (70). Die Arbeitslosenquote fiel entsprechend von 14,8 % (2017) auf 12,0 % (2023). Die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen sank in diesem Zeitraum von 40,6 % auf 25,9 %.
Branchen und Betriebe 107 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2024 in Mouleydier wirtschaftlich aktiv: Branche Anzahl %Fertigung, Bergbau und andere Industrien1211,2 %Baugewerbe1110,3 %Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie2826,2 %Information und Kommunikation32,8 %Finanzen und Versicherungen21,9 %Immobilien54,7 %Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten1413,1 %Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln1715,9 %Andere Dienstleistungen1514,0 %Gesamt107
Landwirtschaft Mouleydier liegt in den Zonen der geschützten Ursprungsbezeichnungen (AOP) der Weine: Bergerac blanc, rosé und rouge und Côte de Bergerac blanc und rouge.
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf den Weinbau. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 7 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 1 im Jahr 2000 und stieg auf 2 im Jahr 2010 und im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 71,4 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verkleinerte sich von 188 Hektar im Jahre 1988 auf 101 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg deutlich von 26,9 Hektar auf 50,7 Hektar.
Verkehr Die zur Departementsstraße D 660 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 660 von Bergerac nach Saint-Médard im Département Lot verläuft entlang des Nordufers der Dordogne und durchquert das Gemeindegebiet. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und mit Nachbargemeinden.
Regionalbusse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden Mouleydier mit Bergerac und mit Beaumontois en Périgord.
Durch Mouleydier verläuft die Bahnstrecke Libourne–Buisson, die den Ortskern zunächst auf einem Viadukt über- und östlich anschließend in einem Tunnel unterquert. Der Bahnhof Creysse-Mouleydier wurde rückgebaut, der Ort wird nicht mehr von Zügen bedient.
Persönlichkeiten Albert Claveille (1865–1921), Ingenieur und Politiker, hier geboren und gestorben, war kurz vor seinem Tod Bürgermeister. Jean Zacharie Mesclop (1775–1844), Offizier der Armeen der Ersten Französischen Republik, dann General des Ersten Kaiserreichs, verstarb im Schloss Les Merles
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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