mini|300px|St. Martin in Ochtendung mini|180px|Grundstein der aktuellen Kirche Die katholische Kirche St. Martin ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Ochtendung, einer Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz, Rheinland-Pfalz, im Bistum Trier. Die Hallenkirche wurde von März 1957 bis März 1958 nach dem Entwurf des Architekten Alfons Leitl aus Trier/Rheydt erbaut. Prägend für den an den Glockenturm angelehnten Bau ist das nach Westen hin ausgerichtete 156 m² große Giebelfenster mit einer Glasmalerei von Georg Meistermann. Der original erhaltene romanische Glockenturm stammt aus dem 12. Jahrhundert. Nachgewiesenermaßen hat er mindestens vier kirchliche Anlagen erlebt.

Geschichte der Pfarrei Die Anfänge der Kirche in Ochtendung liegen im Hochmittelalter. Schon im 9. Jahrhundert war sie selbstständige Pfarrei.Handbuch des Bistums Trier, Trier 1952, S. 587 Nachdem die Franken (Volk) den Ort als vorübergehende Residenz aufgegeben hatten, kam Ochtendung 1052 durch einen Prekarievertrag (Leihe mit der Möglichkeit der Rückforderung) des Erzbischofs Eberhard von Trier mit dem Grafen Walram von Arlo an Kurtrier.Fabricius, Wilhelm, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Band 7, Die Herrschaften des Mayengaues, Bonn 1930, S. 175

In der nachfolgenden Zeit erfuhr der Ort hohe kirchliche Bedeutung: Bis zum Jahre 1802 war das Bistum Trier in fünf Archidiakonate gegliedert. Ihre Sitzstandorte waren der heute in Frankreich liegende Ort Longuyon, Trier selbst, Dietkirchen (Limburg an der Lahn), Tholey/Saar und Karden an der Mosel. Karden als heutiger Ortsteil von Treis-Karden wiederum war aufgeteilt in die Landkapitel Zell (Mosel), Boppard und Ochtendung.Brauksiepe, Bernd, Treis-Karden, in: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, Ehemaliges Kollegiatstift und Stiftskirche St. Castor Karden, 1956, S. 49 Ochtendung, zwischen Rhein und Mosel gelegen und von allen Seiten günstig zu erreichen, wuchs zum größten Sprengel innerhalb des Archidiakonates Karden.Pauly, Ferdinand, Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier, Bd. 2, Die Landkapitel Piesport, Boppard und Ochtendung, Trier 1961, S. 198 Zu dem Landkapitel Ochtendung gehörten 1330 insgesamt 61Schug, Peter, Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, Bd. VII, Eifeldekanate, Trier 1966, S. 497 und im Jahre 1794 insgesamt 72 Pfarreien:Schannat, Johann Friedrich/Bärsch, Georg, Eiflia Illustrata, Bd. III-1,2; S. 170/171 Alken, Allenz, Andernach, Bassenheim, Buchholz, Burgbrohl, Burgen, Kärlich, Kobern, Kottenheim, Kruft, Dieblich, Düngenheim, Eich, Ettringen, Gappenach, Gondorf, Güls, Gönnersdorf, Hambuch, Hatzenport, Hausen, Kaifenheim, Kaisersesch, Kehrig, Kettig, Kell, Kempenich, Kirchesch, Langenfeld, Lay, Löf, Lonnig, Mayen, Masburg, Mertloch, Metternich, Miesenheim, Monreal, Moselkern, Moselweiß, Münstermaifeld, Nachtsheim, Naunheim, Nickenich, Lehmen, Nieder- und Oberlützingen, Nieder- und Obermendig, Nieder- und Oberzissen, Oberfell, Ochtendung, Pillig, Plaidt, Polch, Retterath, Rieden, Rübenach, Saffig, St. Johann, St. Sebastian, Thür, Trimbs, Urmitz, Ürsfeld, Wanderath, Wehr, Weiler, Welcherath, Welling. Das Landkapitel umfasste somit Pfarreien an der Untermosel (einschließlich Koblenz), im linksrheinischen Teil des Neuwieder Beckens, auf dem Maifeld, im Brohltal und westlich von Mayen.

Der Leiter eines Landkapitels (auch Dekanat) war der Dekan. Als Stellvertreter des Bischofs und des Archidiakons hatte er zweimal im Jahr alle Pastöre zu versammeln, um sich über den Glauben und die Sitten der Priester wie der Gläubigen zu vergewissern.Schug, Peter, Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, Bd. VI, Trier 1961, S. 18 Versammlungsort war in Ochtendung der sogenannte Saalhof, abgerissen 1957, bis 1954 genutzt als Kindergarten, in dessen Nähe sich noch heute das Gebäude Saalgangstraße 8 und die renovierte Zehnthofscheune (ehemals Praxis Dr. D. Wagner, heute Physiopraxis Wilbert) befinden.

Die politische und kirchliche Ordnung änderte sich mit Napoleon. Das Bistum Trier wurde aufgehoben, Ochtendung selbst kam zum Kanton Polch, das seinerseits von 1802 bis 1821 dem französischen Bistum Aachen unterstellt war. Doch durch die Bulle De salute animarum (1821) kehrte Ochtendung bald wieder heim zur neu gebildeten Diözese Trier.Schug, Peter, Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, Bd. VII, S. 498

Die Recherche hinsichtlich der kirchlichen Gebäude erweist sich als schwierig, weil ein verheerender Brand 1734 einen großen Teil des Dorfes, darunter auch das Pfarrhaus mit dem Pfarrarchiv, zerstörte. Sekundäre Quellen ergeben: 906Goerigk, Bruno, Festschrift: 1000 Jahre Ochtendung, Ochtendung 1963, S. 22 errichtete Erzbischof Radbod von Trier die Dekanate im Bistum Trier. Ochtendung wurde Sitzstandort eines Dekanats (s. o.). Schutzpatron wurde Martin von Tours (St. Martin), bei damals gegründeten Kirchen ein sehr häufig gewählter Heiliger.Graf von Looz-Corswarem, Otto, Heimatchronik des Landkreises Mayen, Köln 1954, S. 24 Als Sitzstandort verfügte Ochtendung mit Sicherheit über eine Kirche, höchstwahrscheinlich auch bereits über einen Turm. Der noch heute bestehende Glockenturm wurde im 12. oder schon im 11. Jahrhundert gebaut. Er erlebte an seiner Seite mindestens vier Gotteshäuser:Gries, Günter, Ochtendung-Gestern-Heute, Schriften des Heimatvereins, Ochtendung 1997, S. 17 ff.

Ein Gotteshaus aus dem 11. Jahrhundert bzw. aus der Zeit davor – zerstört bei dem o. a. Brand von 1734. Ob die Kirche, die abbrannte, tatsächlich die Kirche aus dem Hochmittelalter war, liegt im Dunkeln. Möglicherweise gab es noch eine, die jener aus der Frühzeit folgte und dann den Flammen im 18. Jahrhundert zum Opfer fiel. Es folgte eine Kirche, errichtet zwischen 1769 und 1771. Konsekriert wurde sie am 9. November 1775 von Bischof Clemens Wenzeslaus. Pfarrer war damals J. P. Kraft. Dem Geist der Aufklärung entsprechend war es ein relativ einfacher, nüchterner Bau, überschaubar von der Größe. mini|180px|Kirchengebäude in der Zeit 1851–1958 Erneute Brände im Ort wüteten in den Jahren 1809 und 1849. Danach kam es 1851 zu einem Erweiterungsbau und zu einer umfassenden Renovierung. Die Maßnahmen verliehen der Kirche einen neuen Charakter. Konsekriert wurde sie von Bischof Arnoldi am 24. September 1851. Gravierende Fehler in der Baukonstruktion und auch die Folgen der Brände im Umfeld förderten erhebliche Schäden, die dringend behoben werden mussten. Die beiden Weltkriege und mangelnde finanzielle Möglichkeiten ließen jedoch keine Neuerungen zu. Erst 1958 kam es zu der aktuellen Kirche. Pfarrer und Definitor Georg Scheid zeichnete verantwortlich. Kaplan Karl Spangenberg stand ihm zur Seite. In zwei Wochen, vom 2. bis zum 18. Januar 1957, wurde die alte Kirche abgerissen und an gleicher Stelle die neue in der Zeit von März 1957 bis März 1958 gebaut. Die raschen Baumaßnahmen waren deshalb möglich, weil zahlreiche Personen von Ochtendung mit eingebunden waren. Der ganze Ort war in Bewegung. Die Unternehmer der örtlichen Bimsfabriken stellten neben den Landwirten für die Ab- und Antransporte ihre Fahrzeuge zur Verfügung, Bäckereien, Fleischereien sowie Privatpersonen sorgten für Essen und Getränke. Die Planung lag in den Händen des Architekten Alfons Leitl aus Trier, später Rheydt, die Bauleitung oblag dem Trierer Architekten Klaus Frey. Den Rohbau errichtete die Philipp Holzmann AG, Frankfurt. Örtliche Unternehmen übernahmen die weiteren Handwerkerarbeiten. Der Gesamtaufwand für den Neubau der Kirche betrug 850.000 DM. Hinzu kamen die zahlreichen Sachspenden, Transportleistungen und kostenfreien Arbeitsstunden aus der Bevölkerung. Am 23. März 1958 konsekrierte der Trierer Bischof Matthias Wehr die neue Pfarrkirche.Panze/Wilbert, Die katholische Kirchengemeinde St. Martin Ochtendung, in: Ochtendung – 1050 Jahre und mehr, Ochtendung 2013, S. 254 1987 führten Renovierungsmaßnahmen zu erheblichen Veränderungen im Innenraum der Kirche. Grund waren statische Verbesserungen und eine neue Sichtweise im Hinblick auf die Art der Gestaltung der heiligen Liturgie. Die Folge: Kanzel und Kommunionbank wurden entfernt, der Altartisch rückte ins Zentrum des Altarraumes. Weiterhin wurde die Innenwand der Kirche rundum verklinkert.

Ochtendung ist seit dem 1. Januar 2023 Sitz der neugegründeten Pfarrei St. Lubentius Ochtendung. Sie besteht aus den bisherigen 6 Pfarreien Gondorf, Kobern, Lehmen, Lonnig, Welling und Ochtendung der ehemaligen Pfarreiengemeinschaft Ochtendung-Kobern. Diese neue Pfarrei gehört zum Pastoralen Raum Maifeld-Untermosel, der seinen Sitz ebenfalls in Ochtendung hat.

Architektur Regierungsbaurat Alfons Leitl gab der Pfarrkirche St. Martin die Form eines ungleichseitigen Achtecks.

mini|St. Martin, Kirche in Ochtendung, Grundriss, Stand 2019

Sie erweckt die Vorstellung eines Schiffes mit Bug, Flanken, Deck und Luken. Um den inneren Hauptraum herum liegen an der Südseite die Sakristei, der Raum für die Messdiener, die Marienkapelle, der Windfang im Turm und die Taufkapelle. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die Nothelfer-Kapelle mit dem Martinusaltar und die Gedenknische zwischen zwei Beichtstühlen. Die Kirche ist geostet.

Im Kircheninnern fällt der Blick auf die 14 schlanken, achteckigen Stahlbetonsäulen von 0,60 m Durchmesser. Sie tragen sieben Stahlbetonbinder und die dazugehörenden sichtbaren Querriegel. Über den Bindern liegt das Dach, unter den Bindern hängt die Decke. Das Mauerwerk ist doppelwandig. Die äußere 50 cm dicke Wand besteht aus gesägten und weiß verfugten Schiefersteinen der Mayener Schiefergruben. Die innere Mauer ist eine 12 cm starke Bimssteinwand, mit der Außenmauer durch Eisendrahthaken verankert. Hinzu kommt seit der grundlegenden Renovierung 1987 die Innenverklinkerung. Sie gibt dem Innenraum Wärme und Ruhe zugleich. Durch den Abstand der Verklinkerung von der Holzdecke scheint das Dach förmlich über dem Kirchenschiff zu schweben.

Die Maße der Pfarrkirche Gesamtlänge außen: 45,50 m Gesamtbreite außen: 35,10 m Länge der Kirche innen: 40,45 m Breite der Kirche innen (breiteste Stelle): 25,20 m Höhe der Kirche bis zum First: 20,00 m Grundfläche des Hauptraumes: 786,20 m² (1247,75 m² einschließlich Nebenräume ohne Turm) Kapazität Hauptkirche: etwa 700 Sitze (Kapazität insgesamt: etwa 850 Sitze)Scheid, Georg, Führer durch die neue Pfarrkirche in Ochtendung, Trier 1959, S. 33 und Panze/Wilbert, Die katholische Kirchengemeinde St. Martin Ochtendung, in: Ochtendung – 1050 Jahre und mehr, Ochtendung 2013, S. 256 ff.

Auf Beschluss des Pfarrverwaltungsrats der Pfarrei St. Martin Ochtendung wurde die Pfarrkirche St. Martin Ochtendung im Mai 2021 bis auf Weiteres geschlossen. Grund: Dem Verwaltungsrat lag ein Gutachten vor, dass die abgehängte Prismen-Holzdecke erhebliche Mängel aufweist (Schrauben haben sich gelockert), so dass von der Decke eine Gefahr für die Gottesdienstbesucher ausgeht.Du&Wir, Informationsschrift der Pfarreiengemeinschaft Ochtendung-Kobern, Nr. 36/2021 - Sonderausgabe am 20. Mai 2021. Nach Schließung der Ochtendunger Pfarrkirche hatte der Ochtendunger Schützenverein der Pfarrgemeinde seine Schützenhalle für die Gottesdienste an den Wochenenden zur Verfügung gestellt. Erstmals fand am 5. Juni 2021 der Gottesdienst in der Schützenhalle statt.Du&Wir, Informationsschrift der Pfarreiengemeinschaft Ochtendung-Kobern, Nr. 38/2021 - Ausgabe am 1. Juni 2021. Ende des Jahres 2021 wurde dann aus Sicherheitsgründen bis zu einer endgültigen Lösung ein Fangnetz unterhalb der Decke angebracht; das Kirchengebäude konnte damit wieder öffentlich genutzt werden.

Innenraum mini|300x300px|Innenraum der Ochtendunger Kirche St. Martin Die nachfolgende Beschreibung orientiert sich an der unter ‚Architektur‘ vorgegebenen Grundrissskizze.

Hochaltar mit Tabernakel und Altarkreuz