Die Wahoo, auch USS Wahoo (Kennung: SS-238), war ein dieselelektrisch angetriebenes Hochsee-U-Boot der United States Navy, das im Zweiten Weltkrieg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz kam. Das U-Boot gehörte der Gato-Klasse an und war nach dem Raubfisch Wahoo benannt; es war das erste US-U-Boot, das diesen Namen trug. Das U-Boot wurde am 28. Juni 1941 als 27. Boot seiner Klasse bei der Mare Island Naval Shipyard (Vallejo, Kalifornien) auf Kiel gelegt und lief am 14. Februar 1942 von Stapel. Die Wahoo wurde schließlich am 15. Mai 1942 unter dem Kommando von Lieutenant Commander Marvin Grenville Kennedy in Dienst gestellt. Unter ihrem zweiten und letzten Kommandanten Dudley Walker Morton versenkte die Wahoo mindestens 19 japanische Schiffe und gilt damit als eines der erfolgreichsten US-U-Boote im Zweiten Weltkrieg. Die Erfolge dieses U-Bootes unter Kommandant Morton werden allerdings auch überschattet von dem Umstand, dass im Kontext von einer Versenkung es zur Beschießung von Rettungsbooten und zur Tötung von Schiffbrüchigen kam, was als Kriegsverbrechen zu werten ist. Die Wahoo wurde am 11. Oktober 1943 in der La-Pérouse-Straße von japanischen U-Jagd-Kräften versenkt, wobei alle 80 Besatzungsmitglieder einschließlich des Kommandanten ums Leben kamen.
Erste Kriegseinsätze Nach der Indienstnahme verlegte die Wahoo zunächst nach San Francisco, wo bis Anfang August 1942 Übungs- und Ausbildungsfahrten stattfanden. Danach lief das U-Boot nach Pearl Harbor aus, von wo aus die Wahoo am 23. August 1942 zu ihrer ersten Patrouille in Richtung der Karolinen aufbrach. Diese erste Einsatzfahrt endete Mitte Oktober wieder in Pearl Harbor. Versenkungen konnten hierbei keine erzielt werden.
Am 8. November 1942 lief die Wahoo zu einer zweiten Patrouille aus, die das U-Boot in das Seegebiet der Salomonen führte. Dabei gelang Lieutenant Commander Kennedy am 10. Dezember 1942 ein erster Erfolg, als er nordnordwestlich von Bougainville den von zwei U-Boot-Jägern gesicherten und in einem Kleinkonvoi fahrenden japanischen Kohle-Transporter Kamoi Maru (5355 BRT) auf Position torpedieren und versenken konnte. An Bord des japanischen Schiffes gab es zwei Todesopfer. Danach wurde das U-Boot von einem japanischen Sicherungsschiff aber beinahe zwei Stunden lang mit Wasserbomben verfolgt, so dass kein weiterer Angriff auf den Geleitzug mehr möglich war. Die Wahoo erlitt dabei keine Schäden und fuhr im Anschluss in Richtung der Indispensable Reefs. mini|links|Lieutenant Commander Morton (Vordergrund) an Bord der Wahoo (Januar 1943).
Hierbei soll in den Nachtstunden des 14. Dezember in der Indispensable-Straße das große japanische U-Boot I 15 gesichtet worden sein, das an der Oberfläche gerade seine Batterien auflud. Kennedy feuerte einen Torpedo auf das gegnerische Boot ab, das getroffen worden und daraufhin gesunken sein soll. Diese Versenkung gilt aber als nicht gesichert und muss als unbestätigt angesehen werden. Nach japanischen Angaben wurde I 15 bereits am 10. November 1942 in der Indispensable-Straße von dem amerikanischen Minensuch-Zerstörer (DMS) Southard versenkt. Unter Berücksichtigung der Quellenlage muss dieser mutmaßliche Erfolg der Wahoo insofern als nicht zutreffend angesehen werden.In der entsprechenden Fachliteratur, die die Versenkung von U-Booten durch gegnerische U-Boote zum Inhalt hat, findet sich kein Eintrag zur Versenkung eines japanischen U-Bootes durch die Wahoo; vgl. Bendert, Harald: U-Boote im Duell. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 1996, S. 170ff.Ergänzend: Zuordnung der Verlustursache von I 15 als Folge eines Angriffes durch eine Überwassereinheit; vgl. Bagnasco, Erminio: Uboote im Zweiten Weltkrieg. Technik – Klassen – Typen. Eine umfassende Enzyklopädie. Motorbuchverlag, Stuttgart 1994, S. 213.
Danach wurde die Wahoo nach Australien beordert, wo das U-Boot am 26. Dezember in Brisbane seine zweite Einsatzfahrt beendete. Dort übernahm am 31. Dezember Lieutenant Commander Dudley Walker Morton das Kommando über die Wahoo und löste Kennedy ab. Grund für die Ablösung dürften die wenigen Erfolge Kennedys gewesen sein, der danach zu den Überwasserstreitkräften wechselte. Morton hingegen galt als aggressiver und wagemutiger Kommandant.
Einsätze unter dem Kommando von Dudley Walker Morton links|mini|Der brennende japanische Zerstörer Harusame nach der Torpedierung. Unter Mortons Kommando lief die Wahoo am 16. Januar 1943 von Brisbane aus zu ihrer dritten Kriegspatrouille aus. Das U-Boot sollte dabei vor allem das Gebiet um die Palau-Inseln aufklären. Während des Anmarsches sichtete Morton dabei am 24. Januar etwa elf Seemeilen westlich von Wewak (Papua-Neuguinea), nahe der Insel Kairiru, den einzeln fahrenden japanischen Zerstörer Harusame, der sich auf einer Versorgungsfahrt für japanische U-Boote befand, und torpedierte diesen nach einem erbitterten Zweikampf mit seinem letzten Bug-Torpedo. Zuvor hatte die Harusame bereits vier Torpedos von Wahoo ausmanövrieren können und hatte sich dem U-Boot bis auf etwa 700 m genähert. Der Zerstörer wurde schwer beschädigt und musste an der Küste Papua-Neuguineas auf Grund gesetzt werden. Das Schiff konnte allerdings im Februar 1943 von den Japanern abgeborgen, nach Truk eingebracht und bis November 1943 wieder repariert werden. Der Zerstörer kehrte danach in den aktiven Dienst zurück, wurde aber dann im Juni 1944 in der Dampierstraße von US-Flugzeugen versenkt.Whitley, Mike J.: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Technik, Klassen, Typen. Motorbuch Verlag. Stuttgart 1997, S. 193.
Der Fall Buyo Maru Nur zwei Tage später, am 26. Januar 1943, sichtete die Wahoo in den frühen Mittagsstunden einen aus drei Schiffen bestehenden japanischen Kleinkonvoi etwa 90 Seemeilen nördlich von Wewak. Dabei gelang es Morton, die beiden Transporter Buyo Maru (5447 BRT) und Fukuei Maru No. 2 (1901 BRT) durch insgesamt sechs Torpedoschüsse zu versenken. Nach dem Untergang beider Schiffe tauchte Morton gegen 13:15 Uhr auf und befahl, die rund 20 Rettungsboote, die sich am Untergangsort der Buyo Maru befanden, ebenfalls zu versenken.Tony Bridgeland: Waves of hate. Naval atrocities of the Second World War. Naval Institute Press, Annapolis 2002, S. 115f. Über eine Stunde lang fuhr die Wahoo zwischen den Booten umher und beschoss die Schiffbrüchigen mit dem 102-mm-Deckgeschütz und den 20-mm-Kanonen. Es wird geschätzt, dass rund 100 Menschen bei diesem Massaker ums Leben kamen. Von den 1126 Personen an Bord der Buyo Maru, darunter auch indische Kriegsgefangene des 16. Punjab-Regimentes, die im Februar 1942 in Singapur in japanische Gefangenschaft geraten waren, wurden am folgenden Tag etwa 850 von dem japanischen Frachtschiff Choko Maru No. 2 aufgenommen. mini|links|Periskopaufnahme des sinkenden Frachters Buyo Maru (26. Januar 1943).
Wie später rekonstruiert werden konnte, starben bei der Versenkung der Buyo Maru insgesamt 282 Menschen (195 indische Kriegsgefangene und 87 Japaner). Etwa 180 Menschen waren bereits durch die Torpedotreffer getötet worden, weitere rund 100 Schiffbrüchige starben jedoch durch den Beschuss von der Wahoo aus. Das Kriegsverbrechen, Schiffbrüchige und Rettungsboote beschossen zu haben, wurde nie geahndet. Morton machte aus dieser Tat allerdings auch kein Geheimnis und notierte sein Vorgehen pflichtgemäß im Logbuch der Wahoo,Holwitt, Joel I.: Execute against Japan: The U.S. decision to conduct unrestricted submarine warfare. Texas University Press, Austin 1999, S. 171. weswegen davon auszugehen ist, dass auch höhere Dienststellen von dem Vorfall erfuhren und davon wussten. Zu einer Anklage gegen Morton kam es jedoch nie. Die Details über das Kriegsverbrechen, und auch dass es sich bei der überwiegenden Anzahl der Getöteten um indische Kriegsgefangene gehandelt hatte, wurden erst rund ein halbes Jahrhundert nach dem Ereignis bekannt.Noles, Kevin: Indian Prisoners of War in Japanese Captivity during World War Two. Oxford University Press. Oxford 2025, S. 208.
Die genauen Gründe, weswegen Morton den Angriff auf die Rettungsboote anordnete, sind bis heute umstritten. Während manche Autoren einen rassistischen Hintergrund beziehungsweise Zorn auf die Japaner als Ursache annehmenEtwa soll Morton kleine Schilder mit der Aufschrift „Shoot The Sunza Bitches!“ im U-Boot verteilt haben; vgl. hierzu: Holwitt, Joel I.: Execute against Japan, S. 172. und darauf hinweisen, dass ein solches Vorgehen in den Augen der meisten U-Boot-Fahrer als „kaltblütiger Mord“Blair, Clay: Silent Victory. The U.S. Submarine War Against Japan. Lippincott Publishing. New York 1987, S. 386. angesehen wird, wird zugleich auch darauf hingewiesen, dass die japanischen Schiffbrüchigen bewaffnet gewesen waren und zuvor auf das aufgetauchte und sich der Untergangsstelle nähernde U-Boot geschossen hätten, was vermutlich zu dem Entschluss Mortons, die Rettungsboote zu versenken, beigetragen hat.DeRose, James F.: Unrestricted Warfare. How a New Breed of Officers Led the Submarine Force to Victory in World War II. Turner Publishing Company. Nashville 2008, S. 77ff. (In diesem Zusammenhang wird auch darüber berichtet, dass es zwischen den indischen Kriegsgefangenen und den Japanern zu Kämpfen um die Rettungsboote kam, wobei die japanischen Soldaten auf die Inder schossen.) Unabhängig davon, wie sich die Hintergründe tatsächlich darstellten, wird von US-Militärhistorikern wie etwa Edwin P. Hoyt darauf hingewiesen, dass Morton – im Falle einer Niederlage der USA im Krieg – wegen dieses Verbrechens vor Gericht gestellt worden wäre. Auch offizielle Publikationsorgane der US-Marine sprechen von einer „dunklen Seite“ Mortons.
Spätere Kriegseinsätze Da die Wahoo fast alle Torpedos verschossen hatte, kehrte Morton am 7. Februar 1943 nach Pearl Harbor zurück, wo ihm und dem Boot ein feierlicher Empfang bereitet wurde.
Vierte Feindfahrt Bereits am 23. Februar lief die Wahoo zu ihrer vierten Feindfahrt aus, die das Boot in das Gelbe Meer führte. Dort gelangen Morton erneut mehrere Versenkungen:
19. März 1943: Versenkung des japanischen Frachters Zogen Maru (1428 BRT) östlich von Dairen. 15 Besatzungsangehörige kamen ums Leben. 21. März 1943: Versenkung des japanischen Frachters Hozan Maru (2260 BRT) vor der koreanischen Küste auf Position . Es gab 37 Todesopfer. mini|Periskopaufnahme des Unterganges des Frachters Nittsu Maru (21. März 1943). 21. März 1943: Versenkung des japanischen Frachters Nittsu Maru (2183 BRT) auf Position . Beim Untergang kamen 20 Seeleute ums Leben. 23. März 1943: Versenkung des japanischen Frachters Katyosan Maru (2427 BRT). 24. März 1943: Versenkung des japanischen Passagierfrachtschiffes Teisho Maru (9849 BRT) und des Frachters Takaosan Maru (2076 BRT) nahe Port Arthur, wobei es beim Untergang des letztgenannten Schiffes 36 Todesopfer gab. 25. März 1943: Versenkung des kleineren japanischen Küstenfrachters Satsuki Maru (830 BRT) nahe Port Arthur. Das Schiff wurde mit dem Deckgeschütz versenkt, es gab 15 Todesopfer. 29. März 1943: Versenkung des japanischen Kabellegers Yamabato Maru (2256 BRT) südlich von Kyūshū auf Position . Die gesamte Besatzung von 49 Mann kam ums Leben.
Danach lief die Wahoo zurück nach Midway, wo das U-Boot am 6. April 1943 eintraf. Insgesamt hatte Morton auf dieser vierten Feindfahrt acht japanische Handelsschiffe mit über 23.000 BRT versenken können.
Fünfte Feindfahrt Nach kleineren Ausbesserungsarbeiten und nachdem Munition sowie Vorräte ergänzt worden waren, lief die Wahoo von Midway am 23. April 1943 zu ihrer fünften Feindfahrt aus. Das U-Boot sollte hierbei vor allem im Seegebiet um die Kurilen operieren. Während dieser Fahrt gelangen Morton vier Erfolge:
4. Mai 1943: Torpedierung des japanischen Seeflugzeugtenders Kamikawa Maru (6863 ts) nahe Etorofu. Das Schiff konnte beschädigt entkommen, wurde aber am 29. Mai 1943 von dem amerikanischen U-Boot Scamp endgültig versenkt.