Die TagesWoche war eine Schweizer Zeitung aus Basel. Sie erschien täglich online und einmal in der Woche am Freitag als Druckausgabe.

Die Schaffung der Zeitung, deren Erstausgabe am 28. Oktober 2011 erschien,Ronnie Grob: In: Zürcher Presseverein (Blog), abgerufen am 17. August 2011. erfolgte vor dem Hintergrund umstrittener Ereignisse bei der Basler Zeitung. Die Herausgeberin, die Stiftung für Medienvielfalt, betrachtete das Meinungsspektrum in Basel als gefährdet und wollte es wieder erweitern.Neue Schweizer Hybridzeitung. Papier nur freitags. In: Süddeutsche.de. 16. August 2011, abgerufen am 17. August 2011.

Am 5. November 2018 gab die Stiftung für Medienvielfalt bekannt, dass die TagesWoche eingestellt werde.Die TagesWoche stellt ihren Betrieb ein. Website der TagesWoche. 5. November 2018. Die letzte Ausgabe erschien am 16. November 2018.Die «TagesWoche» stellt den Betrieb ein. In: Basler Zeitung. 5. November 2018.

Konzept Die TagesWoche wurde als Wochenzeitung konzipiert und erschien jeweils am Freitag. Zwischen zwei Druckausgaben erschienen tagesaktuelle Berichte online im Internet, die kostenfrei aufgerufen werden konnten:

Seit Mai 2013 wurde der Online-Bereich noch stärker gewichtet, der eigene Slogan lautete «online first». In: TagesWoche. 17. Mai 2013.

Nach der vierjährigen Anschubfinanzierung durch die Stiftung für Medienvielfalt sollte die Finanzierung über Zeitungsabonnemente, Kioskverkauf und Anzeigeerlöse sichergestellt werden.Stiftung für Medienvielfalt will weitere Projekte unterstützen. In: Klein Report. 16. April 2011, abgerufen am 4. Juni 2014.

Die TagesWoche beanspruchte für sich einen regionalen Fokus, wollte aber auch über das nationale und internationale Geschehen berichten. Neben dem Einsatz eigener Korrespondenten schloss sich die Zeitung der Partnerschaft zwischen dem britischen Guardian und der deutschen Wochenzeitung der Freitag an. Nach eigenen Angaben wurde ein «hochwertiger und vertiefender Journalismus» angestrebt. In: TagesWoche. 7. Oktober 2011, abgerufen am 31. Januar 2012. Die Aussenwahrnehmung deckte sich damit jedoch nur zum Teil, zum Beispiel:

Geschichte Vorgeschichte Das Zeitungsprojekt war eine Reaktion auf die Geschehnisse bei der Basler Zeitung ab dem Februar 2010, als das in die Verlustzone geratene Verlags- und Druckereiunternehmen «Basler Zeitung Medien» zum Verkauf stand.

Am 8. Februar 2010 erwarb der Tessiner Financier Tito Tettamanti mit einem Anteil von 75 % die Aktienmehrheit der «Basler Zeitung Medien» für kolportierte 70 Millionen Schweizer Franken, der Basler Medienanwalt Martin Wagner übernahm die restlichen 25 %.Tito Tettamanti kauft «Basler Zeitung» – Blocher deckt allfällige Verluste der Druckereien. In: tagesanzeiger.ch. 14. Dezember 2011, abgerufen am 20. Oktober 2015. Die Neue Zürcher Zeitung, welche auch mitgeboten hatte, hatte damit das Nachsehen.Maurice Thiriet: . In: tagesanzeiger.ch, 9. Februar 2010.

Am 30. August 2010 wurde Markus Somm, der zuvor unter Roger Köppel als stellvertretender Chefredaktor für die politisch rechts angesiedelte Wochenzeitung Die Weltwoche tätig war, zum neuen Chefredaktor der Basler Zeitung ernannt.Rainer Stadler: Die Besitzer Wagner und Tettamanti holen von der «Weltwoche» Markus Somm. Ein Rechter für die «Basler Zeitung». In: NZZ Online. 30. August 2010, abgerufen am 15. August 2011. Am 14. November 2010 machte die NZZ am Sonntag publik, dass die «Basler Zeitung Medien» der «Robinvest AG», deren Verwaltungsrat aus SVP-Vizepräsident Christoph Blocher und seiner Tochter besteht, ein umfassendes Beratungsmandat erteilt haben.Lukas Häuptli: Der SVP-Exponent arbeitet die künftige Strategie des Medienunternehmens aus. Blocher bestimmt Kurs der «Basler Zeitung». In: NZZ am Sonntag. 14. November 2010, abgerufen am 15. August 2011.

Einen Tag nach Somms Ernennung gründete der Basler Kulturschaffende Guy Krneta die Website «RettetBasel!», um Hintergrundinformationen und Einschätzungen zum Besitzerwechsel der Basler Zeitung zu verbreiten. Auch bot diese Internetplattform jenen Besuchern, die mit den neuen Verhältnissen bei der Basler Zeitung nicht einverstanden waren, die Möglichkeit, sich namentlich in eine Liste einzutragen. Nach Angaben von «RettetBasel!» wurde der Appell von 18'740 Personen unterzeichnet, wovon 9'336 Teilnehmer die Frage «Ich werde eine andere Tageszeitung abonnieren, wenn sie eine echte Alternative für die Region Basel ist» bejahten. In: Website von «RettetBasel!» 14. Dezember 2010, abgerufen am 15. August 2011.

Nachdem die Klagen über den «Basler Zeitungs-Handel» nicht abbrachen, verdichteten sich die Anzeichen, dass das Gespann Tettamanti/Wagner einen Weiterverkauf seiner Aktienmehrheit erwog.Maurice Thiriet, René Lenzin: «Basler Zeitung»: Tettamanti und Wagner erwägen Verkauf. In: tagesanzeiger.ch, 24. November 2010, abgerufen am 17. August 2011. Am 24. November 2010 übernahm der schweizweit bekannte Basler Unternehmer Moritz Suter die «Basler Zeitung Medien» von den Interimseigentümern Tito Tettamanti und Martin Wagner, was von den Kritikern des «Basler Zeitung-Handels» mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen wurde. Bald wurde aber in der Presse spekuliert, dass Suter, der seine Vermögensverhältnisse 2008 im «Crossair-Strafprozess» hatte offenlegen müssen, den Kaufpreis für den Zeitungsverlag wohl nicht selber habe aufbringen können. Suter gab daraufhin bekannt, er habe lediglich etwa eine Million Franken für den Kauf der Holding aufgewendet.Francesco Benini: Für die «Basler Zeitung» zahlte er nur gut eine Million Franken – jetzt üben die Kreditgeber Druck aus. Ein Schnäppchen für Moritz Suter. In: NZZ am Sonntag. 6. Februar 2011, abgerufen am 17. August 2011.

Die Diskrepanz zwischen den kolportierten 70 Millionen Franken, welche angeblich beim ersten Verkauf der «Basler Zeitung Medien» geflossen seien, und den rund eine Million Franken, die Suter aufgewendet haben will, war so eklatant, dass Suter sich nun dem Vorwurf ausgesetzt sah, in diesem Handel nur als Strohmann aufgetreten zu sein. Die wahrhaftigen Geldgeber seien andernorts zu suchen. Dies umso mehr, weil Tito Tettamanti gleichzeitig bekannt gab, er sei doch Financier und habe mit dem Handel selbstverständlich einen Gewinn erzielt.Maurice Thiriet: Fragezeichen um den BaZ-Deal. In: tagesanzeiger.ch, 26. November 2010, abgerufen am 17. August 2011.Tettamanti hat mit BaZ-Verkauf «kleinen Gewinn» erzielt. In: südostschweiz.ch. 25. November 2010, abgerufen am 17. August 2011.

Da auch in den folgenden Monaten keine Transparenz über die tatsächlichen Besitzverhältnisse der Basler Zeitung hergestellt werden konnte, reichte die Aktionsgemeinschaft «Rettet Basel!» eine Beschwerde beim Schweizer Presserat ein, um «der Verschleierung der Besitzverhältnisse der Basler Zeitung ein Ende zu bereiten». In: Medientransparenz. 5. März 2011, abgerufen am 15. August 2011. Diese Beschwerde wurde am 13. Juli 2011 gutgeheissen.Presserat: BaZ muss tatsächliche Geldgeber offen legen. In: OnlineReports. 6. September 2011. In: Schweizer Presserat.

Am 10. März 2018 wurde bekannt, dass die Basler Zeitung an den Tamedia-Konzern aus Zürich verkauft wird.Dennis Bühler: Die «Basler Zeitung» vor dem Verkauf: Tamedia greift nach Blochers Zeitung. In: Schweiz am Wochenende. 13. März 2018. Am 29. Oktober 2018 gab Tamedia den Vollzug der Transaktion bekannt.Basler Zeitung wird in das Zeitungsnetzwerk von Tamedia aufgenommen. Tamedia, 29. Oktober 2018 (Medienmitteilung).

Geschäftsgründung der TagesWoche Am 14. April 2011 wurde die «Stiftung für Medienvielfalt» gegründet., abgerufen am 15. August 2011. Diese Stiftung war Eigentümerin der gleichentags gegründeten «Neue Medien Basel AG», die ihrerseits als Herausgeberin der TagesWoche fungierte. Die Finanzierung der ersten Jahre wurde von der «Stiftung Levedo» der Roche-Erbin und Mäzenin Beatrice Oeri sichergestellt. Präsident des Verwaltungsrates der «Neue Medien Basel AG» war der Schweizer Journalist und Medienberater Ivo Bachmann, der auch die Projektentwicklung begleitete. Sitz der TagesWoche war das «Unternehmen Mitte» im Stadtzentrum von Basel.

Bei der Gründung wurde die TagesWoche von den Basler Journalisten Urs Buess und Remo Leupin als Co-Chefredaktoren geführt. Die zu diesem Zeitpunkt siebzehnköpfige«TagesWoche»: Erste Ausgabe am Donnerstagabend. In: persoenlich.com. 17. Oktober 2011. Redaktion bestand zu einem ansehnlichen Teil aus ehemaligen Journalisten der Basler Zeitung.Neue Online- und Wochenzeitung in Basel. In: NZZ Online. 14. April 2011, abgerufen am 18. August 2011. Aufgrund der Vorgeschichte waren die Erwartungen an die neue Zeitung auf Basler Boden enorm hoch.Peter Knechtli: «TagesWoche»: Das Whiskas-Syndrom an der Grünpfahlgassse. In: OnlineReports. 11. Februar 2014.

Wechsel der Redaktionsleitung im Mai 2013 Am 17. Mai 2013 wurde bekannt, dass Dani Winter den bisherigen Co-Chefredaktor Urs Buess ersetzt. Remo Leupin, bisher Co-Chefredaktor, wurde neu Print-Leiter. In: tageswoche.ch, 17. Mai 2013, abgerufen am 30. Mai 2013. Dani Winter war zuvor bereits Produzent und Online-Koordinator bei der TagesWoche.Dani Winter wird neuer Chefredaktor der TagesWoche. In: Schweizer Radio und Fernsehen. 17. Mai 2014. Im Zusammenhang mit dem zu erwartenden Führungsstil wurde Dani Winter zitiert mit den Aussagen, er habe «keinen Bock auf Häuptling» und er vertraue auf die «Kraft des Kollektivs».Christian Mensch: Umbau bei der «Tageswoche». In: Schweiz am Sonntag. 15. Juni 2013.

Urs Buess wurde «publizistischer Leiter». OnlineReports und das digitale Medienmagazin Medienwoche werteten diese neue Funktionsdefinition ein knappes Jahr später als «Wegbeförderung» oder «Kaltstellung»; Urs Buess wurde in diesen Medienbeiträgen zitiert mit dem Satz: «Mein Computer war weg und mein Sessel im Chefbüro von meinem Nachfolger besetzt. Von Mitte Juni bis Oktober 2013 hat man mir auch keinen neuen Arbeitsplatz in der Redaktion zur Verfügung gestellt.»«TagesWoche»: Ex-Chef Buess geht definitiv von Bord. In: OnlineReports. 9. April 2014.Benjamin von Wyl: Der aufreibende Umweg übers Papier. In: Medienwoche. 30. April 2014. Die Geschäftsleitung dementierte diese Medienberichte, Urs Buess seien sowohl Home Office als auch ein Büroplatz in der Redaktion ermöglicht worden.Tobias Faust: In: TagesWoche. (Blog). 10. April 2014, abgerufen am 5. Juni 2014.

Am 9. April 2014 machte OnlineReports die offizielle Trennung von TagesWoche und Urs Buess publik. Die TagesWoche selber begründete einen Tag später die Trennung mit einem «Strategiewechsel, der eine Intensivierung der digitalen Aktivitäten und eine stärkere dialogische Ausprägung der TagesWoche zum Ziel» gehabt habe, sowie mit «unüberbrückbaren Differenzen mit der Redaktions- und Geschäftsleitung».

Aus dem Führungswechsel ergab sich bereits im Herbst 2013, also noch vor dem «Auflagendeal», eine Redaktionskrise:

Die Redaktionskrise entstand vor dem Hintergrund von Spontankündigungen vom 25. September 2013 gegenüber gestandenen Journalisten,Markus Wiegand: Blutige Anfänger. In: Schweizer Journalist. 10–11/2013 (über Scribd). mangelndem Vertrauen in den neuen Chefredaktor Dani Winter sowie den intransparenten Verflechtungen zwischen Tobias Faust (Geschäftsführer der TagesWoche), Georg Hasler (Leiter der Stiftung Levedo) sowie der Mäzenin Beatrice Oeri, die alle anthroposophisch orientiert sind.Iso Ambühl: Das grosse Netzwerk der Anthroposophen ‒ Sanfte Medizin, Bankgeschäfte ohne Gier, Naturkosmetika, kreative Schulen: Die Anthroposophie ist in Basel präsent. In: Sonntag. 1. April 2012 (über Medienecho, Freie Gemeinschaftsbank; PDF; 1,41 MB).

Auflagendeal 2013/2014