Babulo (Babolu) ist ein osttimoresischer Ort und Suco im Verwaltungsamt Uato-Lari (Gemeinde Viqueque). Der Suco ist eines der Zentren der Ethnie der Naueti, hat aber auch eine größere Minderheit von Makasae. Die verschiedenen Gruppen und Clans sind in einem engen Netz von gesellschaftlichen Strukturen miteinander verbunden, das bis heute einen Einfluss auf die Gesellschaft hat.

Der Name „Babulo“ ist in Tetum Terik die Bezeichnung eines Reiches.Barnes, Hägerdal, Palmer S. 342.

Geographie

Der Suco liegt im Osten des Verwaltungsamts Uato-Lari. Im Süden reicht Babulo bis an die Timorsee, im Westen und Nordwesten begrenzen der Bebui und sein Nebenfluss Roliu den Suco zu seinen Nachbarn Uaitame, Afaloicai und Matahoi. Im Norden grenzt Babulo an ein weiteres Territorium von Afaloicai und im Osten an Vessoru. Der Fluss Metauai entspringt im Grenzgebiet des Sucos im Nordosten und mündet später als Oiqui in Vessoru in die Timorsee. Der in Babulo entspringende Borouai bildet weiter südlich bis zu seiner Mündung den Grenzfluss zu Vessoru.Ministerium für Staatsverwaltung und Territorialmanagement: , abgerufen am 25. Januar 2017.

Babulo hat eine Fläche von 70,52 km² und teilt sich in die acht Aldeias Abadere, Aha B Uu (Ahabu′u, Aha Bu′u), Asa Muta (Asamuta), Beli, Cota Nisi (Kotanisi, manchmal Kaidu), Daralari (Darlari), Lia Sidi (Liasidi, Lia Cide) und Roma. (portugiesisch; PDF; 323 kB)

Der Ort Babulo liegt im Südwesten des Sucos, auf einer Meereshöhe von . Er bildet eine geschlossene Siedlung mit dem Ort Afaloicai (Aflocai). Hier befindet sich die Grundschule Escola Primaria No. 7 Afalocai.Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB) Außerdem gibt es hier eine medizinische Station. (PDF; 509 kB)

Beim Ort Borolalo (Burlalu) überquert über eine Brücke die südliche Küstenstraße, einer der wichtigsten Verkehrswege Osttimors, den Bebui. Von hier aus führt die Straße entlang der Küste, bis sie über den Borouai den Suco Richtung Osten wieder verlässt. An der Straße liegt im Südwesten der Ort Daralari (Daralare). Hier liegen auch die Dörfer Aliambata und Kampung Baru. Im Südosten liegt das Dorf Cucodere, im Zentrum der Ort Uato-Lari (Uato-Lari Leten, „Ober“-Uato-Lari) und im Norden Nunululi. An der südlichen Küstenstraße befinden sich bei Aliambata „Ewige Flammen“, die durch natürlich austretendes Erdgas gespeist werden.

Der Babulo () ist eine Erhebung südlich des gleichnamigen Ortes.Peakery Nordöstlich vom Ort Babulo liegt der Baha Liurai, der heilige Berg des Sucos. An seiner Westflanke befindet sich die Siedlung Uatosoba mit dem heiligsten Haus des Sucos. Es gehört zur Aldeia Daralari. Nordöstlich des Baha Liurai liegt die Siedlung Aha B Uu, östlich Borulaisoba und südöstlich die animistische Begräbnisstätte Nahasaka.

Im Suco befinden

Einwohner und Kultur

Überblick Die Anthropologin Susana Barnes untersuchte mehrere Jahre die Kultur und Traditionen der Bevölkerung Babulos und dokumentierte das Zusammenspiel der verschiedenen Clans und ihre jeweiligen zeremoniellen Aufgaben. Die folgende Darstellung stützt sich hauptsächlich auf ihre Veröffentlichung Origins, Precedence and Social Order in the Domain of Ina Ama Beli Darlari.

Im Suco Babulo leben 2.262 Einwohner (2022), davon sind 1.130 Männer und 1.132 Frauen. Im Suco gibt es 468 Haushalte. Fast 97 % der Einwohner geben Naueti als ihre Muttersprache an. Fast 2 % sprechen Makasae, einzelne Einwohner Tetum Prasa, Tetum Terik, Makalero, Fataluku und Waimaha. (tetum; PDF) Vor der Gebietsreform 2015 betrug der Anteil der Makasae-Sprecher noch fast 24 %.Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Babulo (tetum; PDF; 8,4 MB) 88,32 % aller Einwohner in einem Alter zwischen 15 und 24 Jahren können lesen und schreiben. Man liegt damit sowohl über dem Landesdurchschnitt als auch über dem Durchschnitt in der Gemeinde Viqueque. Schlechter ist der Wert, wenn man sich alle Personen im Alter über 15 Jahren anschaut. Dann sind nur 57,2 % keine Analphabeten, was immer noch besser ist als der Durchschnitt der Gemeinde Viqueque (55,9 %). 40,83 % der Einwohner Babulos sind unter 15 Jahre alt (Landesdurchschnitt: 39,09 %), 15,09 % 60 Jahre und älter (8,19 %).

Der Ursprung der Vereinigung der Aldeias zum Suco Babulo ist unklar. Die Aldeias werden noch immer aus Clans gebildet, deren Mitglieder weitläufig miteinander verwandt sind. Weder Einwanderungen in der späten Kolonialzeit noch die indonesischen Zwangsumsiedlungen haben diese Strukturen zerstört. Zentrum jeder Aldeia ist ein Heiliges Haus (Uma Luli). Früher waren sie der Kern der baha (Naueti für „Siedlung“ oder „Berg“). In diesen Siedlungen im Hochland lebten die Einwohner Babulos vor der indonesischen Invasion. Traditionell lebten dort Männer, die väterlicherseits miteinander verwandt waren, zusammen mit den eingeheirateten Frauen und Kindern. Jedes der Kulthäuser hatte eine ihm zugeordnete Aufgabe innerhalb der rituellen und sozialen Organisation des Clans.

mini|Borulaisoba

Die Clans teilen sich wiederum in Abstammungslinien und Unter-Abstammungslinien (Uma kain) auf, die jede ihr eigenes Kulthaus haben. Innerhalb der Abstammungslinien wird das Verhältnis der einzelnen Mitglieder mit „älter“ (kaka) und „jünger“ (wari) beschrieben. Die „älteren“ Häuser sind näher mit dem Ahnherrn verwandt und haben daher einen höheren Rang gegenüber den „jüngeren“. Der älteste Mann des „ältesten“ Hauses jeder Abstammungslinie wird Na'i (Tetum für „Meister“) oder Bu Dato (Großvater-Herr) genannt. Sie gelten als direkte Nachkommen des Ahnherrn. Die Aldeia-Chefs kommen traditionell aus den „ältesten“ Häusern der Clans. Für gewöhnlich sind es Söhne oder Neffen von einem der Ältesten. Heiraten, Bündnisse und Verwandtschaften binden die Abstammungslinien in der Aldeia an das führende Haus. Geheiratet werden sollte immer außerhalb der eigenen Abstammungslinie, um enge Beziehungen zwischen den Brautgebern (uma ana) und Brautnehmern (oa sae) zu schaffen. In der Realität kommen aber Ehen innerhalb derselben Linie oder Unterlinie vor, auch wenn es missbilligt wird. Außerdem wird bei den Naueti die Bevölkerung in Liurai (Adlige, auch der höchste Herrscher wird Liurai genannt), Reinu und Ata (Sklaven) eingeteilt. Die Ata stammen von ehemaligen Sklaven und Kriegsgefangenen ab. Traditionell darf zwischen den drei Klassen keine Ehe geschlossen werden.

Die Umsiedlungen in der indonesischen Besatzungszeit haben die Folge, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung Babulos ihre Wurzeln im Nachbarsuco Afaloicai hat. Sie bilden ihre eigenen Aldeias und sind auch nicht dem traditionellen ansässigen Liurai untergeordnet. Kulturell haben sie immer noch eine Bindung zu ihrem Stammland, das sie klar von ihrem jetzigen Wohnsitz unterscheiden. Afaloicai und Babulo haben eine lange Geschichte von sozialen Beziehungen, wie Eheschließungen zum Bündnis. Trotzdem werden die Bewohner aus Afaloicai oft noch immer als Einwanderer gesehen, die weniger Ansprüche auf Land und andere natürliche Ressourcen haben.

Viele traditionelle Führer beklagen, dass die alten Riten, die die Fruchtbarkeit des Landes sichern sollen, von vielen Einwohnern des Sucos nicht mehr betrieben werden, auch von Angehörigen der führenden Clans. Auch würden nur noch wenige Menschen die mythische Geschichte des Sucos oder die Beschwörungen der Ahnen kennen. Einwanderer bringen eigene Traditionen und Ahnen mit, die verehrt werden. Die Ältesten Babulos sprechen von einer „chaotischen“ Situation, die zu Problemen und Sorgen seit dem Abzug der Portugiesen führte.

Traditioneller Glaube mini|Begräbnis des Liurai von Babulo (2012) mini|Das heilige Haus in Borulaisoba, dem wichtigsten der Aldeia Aha B Uu

Die Mehrheit der Einwohner Babulos bekennt sich offiziell zum katholischen Glauben, so wie in ganz Osttimor. In der gesamten Gemeinde Viqueque bekennen sich nur noch 52 Einwohner zum traditionellen Glauben, in dem Naturgeister und Ahnen verehrt werden.

Trotzdem hat die traditionelle Religion noch immer viel Einfluss, wobei betont wird, dass schon vor Eintreffen der katholischen Missionare hier nicht einfach „Fels und Baum“ (uato no kai) angebetet wurden, sondern die Schöpfungsgottheit Wula′ Lara (, auch Ulu Lara). Diese schuf nach dem Glauben die Welt und setzte bestimmte Menschen auf die Erde, um das Land zu kontrollieren (ei) und zu zähmen (masi). Bevor diese Auserwählten ankamen, lebten die Menschen ohne Regeln und Vorschriften (ikutame, garteme). Erst nachdem die Auserwählten die Kontrolle übernommen hatten, wurden Verhaltensnormen und Praktiken etabliert für eine gesellschaftliche und moralische Ordnung. Die Wahrung dieser obliegt den Erben der Auserwählten, dem Clan der Daralari, durch die Fortführung der heiligen (luli) Normen und Praktiken. Diese beeinflussen das Zusammenspiel der Clans und Häuser und bestimmen die Rituale und das soziale Leben.

Als am heiligsten gelten die Regeln, die mit den Gründervätern in Verbindung gebracht werden. Mit der Inbesitznahme des Landes waren sie für die Benennung der Hügel, Felsen, Flüsse, Quellen, Wälder und Felder verantwortlich und begannen mit der Nutzung der Natur und ihrer Ressourcen. Dies schuf die Grundlagen der Wechselbeziehung mit den bu′u, den ursprünglichen Eigentümern des Landes oder Wächtern, die die Erde bewohnten. Der Glaube an die unsichtbare Welt, die von bu′u in unterschiedlichen Formen bewohnt ist, ist noch heute weit verbreitet. Die Mächtigsten unter ihnen sind nach dem Glauben die unabhängigen und ungezähmten „Eigentümer“ (des Landes und der natürlichen Ressourcen), die Tier- oder Menschengestalt annehmen können. Sie herrschen über die Abläufe in der Natur und können die Beziehung zwischen Mensch und Land beeinflussen. Respektiert man die luli-Ordnung und Verbote nicht, kann es nach der Vorstellung vieler Einwohner negative Folgen haben. Von Krankheiten und Todesfällen wird berichtet. Um diesen zu entgehen, braucht man die Hilfe der Ältesten, um die bu′u wieder zu besänftigen. Deswegen „folgt man den Fußspuren“ der Ahnen mit besonderen Ritualen, Beschwörungen und Opfergaben, um die bu′u gnädig zu stimmen und Zugriff auf die natürlichen Ressourcen zu bekommen. Auch die Geister der Ahnen sind nach dem Glauben in die Natur eingegangen. Orte, von denen man glaubt, dass sie sich hier versammeln, gelten als heilig. Mehrere Ahnen sind in die lokalen Legenden aufgrund ihrer Taten eingegangen. Teilweise waren diese verbunden mit großen Opfern bis hin zum Tod. Zu den Taten gehören die erste Ernte, Schutz der Grenzen und Bewahrung des Landes vor Naturkatastrophen. Es herrscht eine wechselseitige Beziehung zwischen den Lebenden und den Ahnen. Über das Jahr verteilen sich Rituale der gesamten Gemeinde und der einzelnen Clans mit Beschwörungen und Opfergaben für die Ahnen.

In kleinen Gruppen führt man auf den Feldern kurz vor der Ernte die Zeremonie masi eka rae rea ena () durch. Mit ihr soll der Eigentümer des Feldes (rea bu′u) um Schutz für die Ernte gebeten werden. Das Ritual verwandelt den Mais von ba′ina (verboten und sauer) in masi (gebändigt, zum Verzehr genehmigt und süß). Nach dem Glauben kann der rea bu′u die Gestalt von Mäusen, Insekten, Pflanzenparasiten und -krankheiten annehmen und so die Ernte vernichten. In der Zeremonie werden auch andere bu′u eingebunden, die als Ahnen zuerst das Land bewirtschaftet haben. Geopfert werden Eier, Reis und etwas Fleisch. Ein Teil der Nahrung wird an den Grenzen der Felder und in ihrem Zentrum verteilt. Der Rest wird unter den Anwesenden aufgeteilt. Bisweilen werden auch Kleidungsstücke oder Tais, Osttimors gewebte Stoffe, geopfert, da die Geister und Ahnen dieselben Bedürfnisse haben wie lebende Menschen.

Beli und Daralari mini|Uatosoba, das heiligste Haus im Suco. Es gehört zur Aldeia Daralari.