Die Brabanter Straße, Köln-Leipziger Straße oder Lütticher Straße ist eine Altstraße und war im Mittelalter und der Frühen Neuzeit eine der bedeutendsten kontinentalen West-Ost-orientierten Heer- und Handelsstraßen (Messestraße: Antwerpen > Aachen > Köln > Leipzig). Sie verband das namensgebende Herzogtum Brabant mit Leipzig.
Geschichte Die Straße verband u. a. als Ost-West Trasse auch die beiden großen Nord-Süd-Verbindungen, die Rheinstraße am Osthang des Rheintales und die Weinstraße, die am Westhang der Wetterau von Frankfurt am Main nach Norden führte.Hellweg: Die zweite große Verbindung vom Rhein zur Weichsel zog sich von Köln herauf über Magdeburg nach Danzig. Hier entwickelte sich der mittelalterliche Fernhandelsweg auf dem alten germanischen Hellweg von Duisburg über Dortmund, Paderborn, Hildesheim, Braunschweig und Magdeburg, auf dem schon Drusus mit seinen Legionen an die Elbe vorgerückt war. An den genannten Orten entstanden berühmte Pfalzen und Bischofssitze.
Nach der Eroberung des unteren Weichselraumes durch den Deutschen Orden wurde diese Ost-West-Straße von hier aus über Frankfurt/Oder, Gnesen und Thorn verlängert. Hans Hitzer (1971). Bereits in der Vor- und Frühgeschichte könnte sie von Bedeutung gewesen sein. Als Höhenweg (streckenweise Höhen-Hohlweg) entlang der Wasserscheiden vermied die Straße sumpfige Täler und Flussquerungen und den dabei erhobenen Brückenzoll.
Im 16. Jahrhundert wird eine Straße als „Kölner Straße“ bezeichnet, die in die fränkische Eroberungszeit zurück reicht und dabei als Leitlinie für das Vordringen der beiden hessischen Klöster Fulda und Hersfeld gelten kann. Im Anschluß an diese Phase kommt ihr beim Versuch der Salier, im Harz und in Sachsen die Reichsgüter zu vermehren, eine wichtige Aufgabe zu. Schließlich haben die staufischen Herrscher den Ringgau mit der Boyneburg zu einem Reichsland machen wollen und setzten auf die Unterstützung der thüringischen Landgrafen, wozu diese Straße ebenso wichtig wurde wie für die Verwaltung der mainzischen Territorien in Thüringen. Nicht zuletzt bedeutete sie in der Verkehrspolitik der Stadt Erfurt so viel, daß sie Eingang in die Erfurter Meilenscheibe und die Itinerarien des 17. Jahrhunderts findet.
Straßenführung siedlungsfern auf Wasserscheiden oder hangparallel
Die Straße verlief außerhalb der Städte weitgehend siedlungsfern auf den längeren ost-westlichen Wasserscheiden auf deren Kamm oder hangparallel entlang der Quellhorizonte der Bäche wegen der Möglichkeiten die Zugtiere zu tränken (meist Ochsen, Pferde waren zu kostbar). Außer in den Städten und an Brücken hatte sie keine befestigte Trasse, sie war eine „Naturstraße“ und entsprechend war ihr Zustand. War eine Spur ausgefahren, fuhr man daneben. So entstanden fächerartige und mäandernde Wegverläufe.
Schlechte unbefestigte Wege waren außerdem eine Einnahmequelle für den jeweiligen Grundherren, da gemäß Gewohnheitsrecht (Grundruhrrecht) alle Waren, die bei einem Rad-/Achsenbruch, beim Sturz eines Zugtiers oder wegen einer schlechten Wegstrecke den Boden berührten, ihm gehörten. Mit der Gründung der Hansen versuchten die Kaufleute diesem Anspruch entgegenzuwirken.
Öffentliche Straße
Bereits 1255 wurde sie als „strata publica“ (= öffentliche Straße) genannt. 1261 beauftragte die Landgräfin Sophie die Burgmannen ihrer Burg Blankenstein (Gladenbach) ausdrücklich mit dem Schutz dieser öffentlichen Straße in ihrem EinflussbereichRegion und Geschichte. Beiträge zur Geschichte des Hinterlandes. Band IX, Hrsg. Hinterländer Geschichtsverein e. V. Biedenkopf, Druckhaus Marburg 2008, ISBN 978-3-00-02-4569-5; Seite 102. (siehe hierzu auch: Burg Neu-Dernbach)
Handelsweg für Eisenwaren, Textilprodukten und Lebensmitteln
Auf dieser früh- und hochmittelalterlichen Straße, die wichtige Messeplätze miteinander verband, wurden ein Großteil des Ost-West-Handels, vor allem mit Getreide, Textilprodukten aus den flandrischen und niederdeutschen Textilzentren, Färberwaid aus Thüringen, osteuropäischen Pelzwaren (zentraler Handelsplatz war Leipzig) sowie mit Eisenwaren aus dem nordwestlichen Lahn-Dill-Gebiet (Dietzhölzetal),Albrecht Jockenhövel, Christoph Willms: Das Dietzhölzetal-Projekt, Archäometallurgische Untersuchungen zur Geschichte und Struktur der mittelalterlichen Eisenerzeugung im Lahn-Dill-Gebiet (Hessen), Münstersche Beiträge zur Ur- und frühgeschichtlichen Archäologie, Band I, Verlag Marie Leidorf, Rahden Westf. 2005, ISBN 3-89646-279-2, . dem Siegerland, dem Thüringer Wald.Eisen und Waffen: Suhl und Schmalkalden – galten neben Nürnberg als Zentren mittelalterlicher Rüstungs- und Waffenfertigung. Zeitweise war der Viehhandel (Pferde und Rinder) bedeutsam. Ein Transportnetz für Heringe und Stockfisch hatte sich bereits zur Hansezeit etabliert. Als gewinnbringende Handelswaren wurden auch Hopfen und Bier geschätzt. Die Beschaffung von speziellen Bausteinen (Sinterkalksteine für etwa 130 Kapitelle am Palas) aus der Eifelregion ist für die Wartburg im 12. Jahrhundert belegt.Michael Jacobs: Zur romanischen Kapitellplastik des Palas der Wartburg. In: Wartburgjahrbuch. Regensburg/Eisenach 1992, S. 63–73. Über die Straße wurde auch der alljährliche Anmarsch von Heeren und der Pilger- und Reiseverkehr abgewickelt. Die Brabanter Straße ist heute Teil der „Europäischen Kulturstraße VIA REGIA“, die die historischen Straßen Brabanter Straße, den Jakobsweg und die eigentliche Via Regia bündelt.
Verlauf Die „Brabanter Straße“ verlief von Antwerpen im ehemaligen Herzogtum Brabant, im heutigen Belgien über Lüttich, Aachen, Köln, Siegen, Angelburg (Berg), Marburg, Eisenach, Erfurt und Naumburg bis Leipzig. Sie verband wichtige Messestädte und war daher ehemals auch ein bedeutender Handelswege für den Ost-West Handel.
Die Trasse der Brabanter Straße variierte teilweise aufgrund von klimatischen, politischen und anderen Gegebenheiten (z. B. in unsicheren Kriegszeiten, Meidung von Pestgebieten), es gab für einzelne Abschnitte andere Verläufe und Parallelwege. Manche Kaufleute versuchten auch, die Zölle zu umfahren.Vgl. z. B. Akte Umfahrung der Zölle durch die Kaufleute 1492, Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (Bestand Jülich-Berg I, 1392). Ihre lokalen Zubringer kamen ihr auf den kürzeren Wasserscheiden entgegen.
Vielerorts bewahren alte Straßen- und Flurnamen (zum Beispiel Schlag → Zollschlag, Wegsperre mit Schlagbaum) die Erinnerung an historische Streckenführungen, Zollanlagen oder Grenzbefestigungen, wobei der moderne Straßenverlauf nicht immer exakt der Trasse der Altstraße entspricht.
Lüttich–Aachen Der Abschnitt Brabant–Aachen entspricht ungefähr dem Verlauf der heutigen Nationalstraße 3 in Belgien. mini|250px|Pont des Arches (im Hintergrund): Beginn der Brabanter Straße in Lüttich, Jan van Eyck, Madonna des Kanzlers Nicholas Rolin (Detail), 1435 Lüttich im Hochstift Lüttich; 1034 Brücke Pont des Arches über die Maas mit Brückentor, Straßenname Rue de Herve Beyne-Heusay Fléron Micheroux (heute Ortsteil von Soumagne) Fécher (heute Ortsteil von Soumagne)
Grenze zum Herzogtum Limburg Herve Battice (heute Ortsteil von Herve) Clermont (heute Ortsteil von Thimister-Clermont) Henri-Chapelle (heute Ortsteil von Welkenraedt), Straßenname Chaussée de Liége / Lütticher Straße Moresnet (heute Ortsteil von Kelmis), Straßenname Rue d’Aix in Moresnet-Chapelle
Grenze zur Freien Reichsstadt Aachen bzw. zum Aachener Reich; heute Staatsgrenze zwischen Belgien und Deutschland auf dem Moresneter Weg (Verlängerung des Preußweg) parallel zur Bundesstraße 264 Bildchen (heute Ortsteil von Aachen), Straßenname Lütticher Straße, Reste des Aachener Landgrabens (Äußerer Landgraben) Aachen, Jakobstor an der Lütticher Schanze. Kirchweihfest am 17. Juli (nach der Überlieferung 799 Tag der Weihe der Pfalzkapelle); Fasten- und ab 29. September Michaeli-Messe; Messeprivilege 1166 und 1173; 1359 ab 1. Mai Walpurgis-Messe; Krönungsstadt deutscher Könige
Aachen–Köln Der Abschnitt Aachen–Köln entspricht ungefähr dem Verlauf der heutigen Bundesstraßen 258 (bis Kornelimünster) und 264 (ab Düren). Aachen, Kölntor Grenze zum Münsterländchen der Reichsabtei Kornelimünster Kornelimünster (heute Stadtteil von Aachen); Brücke über die Inde
Grenze zum Herzogtum Niederlothringen, ab 1435 zum Herzogtum Jülich Vicht (heute Stadtteil von Stolberg); Brücke über den Vichtbach
Grenze zum Herzogtum Jülich (bis 1435) Schevenhütte (heute Stadtteil von Stolberg); Brücke über den Wehebach Langerwehe Birkesdorf (heute Stadtteil von Düren), Brücke über die Rur (1592 „Melatenbrücke“), 1288 Zollstelle belegt, Straßenname Zollhausstraße Düren, Stadttor Philippspforte nach Birkesdorf im Norden, Rurtor zur Aachener Straße nach Monschau über die Johannesbrücke (1747/48 erbaut) über die Rur im Osten, Kölntor zur Kölner Landstraße Richtung Kerpen im Osten
Grenze zum Herzogtum Brabant, ab 1522 zu den Spanischen Niederlanden Kerpen, Brücke über die Erft nach Mödrath (wegen Braunkohletagebau aufgegeben, war Ortsteil von Kerpen); Zollstation„Mietrath, ein Dorf, woselbst ein brabantischer Zoll bezahlet wird“; Anton Friedrich Büsching: Neuer Erdbeschreibung dritten Theils erster Band, 5. Auflage. Johann Carl Bohn, Hamburg 1771, S. 1004.
Grenze zum Erzstift Köln Groß-Königsdorf (heute Ortsteil von Frechen), burgähnliches Zollhaus an der Aachener Straße (Landstraße 361), 1466 an die Grafen von Nassau-Dillenburg-Dietz verschrieben, später niedergelegt
Grenze zur Freien Reichsstadt Köln Köln, über die Aachener Straße durch das Hahnentor. Oster-, ab 1. August St.-Petri-Kettenfeier- und ab 23. Oktober Severins-Messe in Köln, später Estomihi- und ab 25. Juli St.-Jakob-Messe, seit 1308 bzw. 1536 Kirchweihfest am Sonntag nach Kosmas und Damian (der 27. September war Tag der Weihe des Alten Doms 873 und des Domchors 1322), 1259 Stapelrecht (bis 1832); 1360 Messeprivileg; 1388 Universitätsstadt
Eine alternative Route führte von Aachen aus dem Kölntor über Haaren, Weiden nach Langerwehe und Birkesdorf bei Düren und von dort über Jülich (Zollstelle an der Rurbrücke der Aachener Straße), Bergheim (Erftbrücke der Aachener Straße; jülichsche Zollstelle, Straßenname Kölner bzw. Köln-Aachener Straße; heute Bundesstraße 55) und Königsdorf (kurkölnischer Zoll) nach Köln.
Köln–Siegen Der Abschnitt Köln-Siegen war die Brüderstraße oder Siegener Landstraße, ein hochmittelalterlicher Höhenweg in nahezu geradlinigem Verlauf bei nur wenigen Talquerungen. Köln; Fähre über den Rhein 1428 erstmals erwähnt, 1674 an Seilen verankerte Gierseilfähre, 1822 dauerhafte Schiffsbrücke
mini|350px|Rhein zwischen Köln und Deutz, Stich aus dem 17. Jh. nach Wenzel Hollar, 1636 Grenze zum Erzstift Köln Deutz (heute Ortsteil von Köln); Zollstation
Grenze zum Herzogtum Berg Brück (heute Ortsteil von Köln); Brücke über den Flehbach; Zollstation 1411 erstmals erwähnt; Knotenpunkt zum Mauspfad Bensberg (heute Stadtteil von Bergisch Gladbach), Straßenname Brüderstraße im Ortsteil Frankenforst Untereschbach (heute Ortsteil von Overath), Straßenname Brüderstraße Steinenbrück, auch Altenbrück (heute Ortsteil von Overath); 1486 (Brücken-)Zoll erwähnt, 1586 steinerne Brücke über die Sülz, sogenanntes Altes Zollhaus von 1675, Straßenname Zöllnerstraße Overath; Brücke über die Agger, Abzweig zur Straße nach Olpe Marialinden (heute Ortsteil von Overath), Straßenname Pilgerstraße und Alte Römerstraße Federath (heute Ortsteil von Overath), Straßenname Brüderstraße
Grenze zur Reichsherrschaft Homburg DrabenderhöheNach dem Siegburger Vergleich von 1604 endgültig homburgisch. (heute Ortsteil von Wiehl); Straßennamen Alte Kölner Straße und In der Landwehr (bergische Grenzbefestigung); Knotenpunkt zur Zeithstraße von Siegburg nach Hagen
Grenze zum Herzogtum Berg Denklingen (heute Ortsteil von Reichshof); Reste der bergischen Landwehr nachgewiesen