mini|449x449px|Zentralbau 2024 Das Universitätsklinikum Frankfurt ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und befindet sich in der Trägerschaft des Landes Hessen. Es liegt am Theodor-Stern-Kai in den Stadtteilen Niederrad und Sachsenhausen-Nord. Es firmiert unter dem Markennamen „Universitätsmedizin Frankfurt“ und betont damit die enge Verzahnung von Klinik, Forschung und Lehre.

Geschichte Die Frankfurter Pläne zur Gründung einer universitätsmedizinischen Einrichtung reichen zurück ins Ende des 19. Jahrhunderts und wurden 1899 konkreter mit der Eröffnung des Königlichen Instituts für experimentelle Therapie unter der Leitung von Paul Ehrlich. Unter Oberbürgermeister Franz Adickes wurden die Pläne zur Gründung einer Akademie für praktische Medizin vorangetrieben. Unter deren Dach sollten das städtische Krankenhaus und mehrere in Frankfurt existierende Institute, unter anderem aus den Bereichen Medizin, Anatomie, Pharmazie und Hygiene, zusammengefasst werden.

Die Pläne für diese Akademie scheiterten im Jahre 1905. Sie wurden aber von Adickes weiterverfolgt und waren wenige Jahre später Teil des Plans zur Gründung einer Universität, die sich wesentlich auf ortsansässige Stiftungen und Frankfurter Stifterinnen und Stifter – viele davon aus dem jüdisch geprägten Bürgertum – stützte. Am 28. September 1912 wurde der Stiftungsvertrag für die künftige Königliche Universität zu Frankfurt am Main unterschrieben, die im Jahr 1914 ihren Betrieb aufnahm. Eine Medizinische Fakultät war von Anfang an Teil des Konzepts und entsprach weitgehend den alten Akademieplänen einer Zusammenfassung der Städtischen Kliniken Sachsenhausen mit den in Frankfurt vorhandenen Instituten. Zu den Gründungsinstituten gehörte auch das 1890 gegründete Carolinum, dem die zahnmedizinische Forschung oblag.

Die medizinische Fakultät profitierte in ihren Anfängen von der Eingliederung bedeutender, bereits bestehender Stiftungseinrichtungen und konnte so rasch hervorragende Wissenschaftler und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen in Therapie, Forschung und Lehre vereinen.Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin

Die Geschichte des Klinikums in den 1920er Jahren war durch eine Reihe bekannter Forscher geprägt und durch innovative Lehr- und Forschungsgebiete. Dafür stehen Namen wie Leo Gans, Karl Herxheimer, Friedrich Dessauer oder Richard Koch. Ihre Reputation schützte sie jedoch nicht vor den Verfolgungen der Nationalsozialisten nach deren Machtübernahme im Januar 1933.

1935 erfolgte die Gründung des „Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene“ und bestand bis 1945. Direktor des Instituts war Otmar Freiherr von Verschuer (1896‑1969). Einer seiner Assistenten war Josef Mengele (1911‑1979), der 1938 am Institut mit einer Arbeit über “Sippenuntersuchungen der Lippen‑Kiefer‑Gaumenspalte” zum Dr. med. promovierte. Später wurde dieser als menschenverachtender SS-KZ-Arzt in Auschwitz bekannt. Nach 1945 wurde er als Kriegsverbrecher wegen mehrfachen Mordes gesucht.

Es ist neben Renate Heuer und Siegbert Wolf vor allem Udo Benzenhöfer zu verdanken, dass die Geschichte der von den Nationalsozialisten Verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler der Goethe-Universität in der NS-Zeit für die Medizinische Fakultät weitestgehend erforscht ist. mini|Senckenbergische Pathologie mit Kapelle|linksInternational herausragende Personen der Frankfurter Universitätsmedizin waren u. a.:

Paul Ehrlich (1854–1915) entwickelte 1909 die medikamentöse Behandlung der Syphilis (Salvarsan) und gehört damit zu den Mitbegründern der modernen Chemotherapie. 1908 erhielt er den Nobelpreis für Medizin für seine immunologischen Arbeiten.

Gustav Embden (1874–1933) war Direktor des Instituts für vegetative Physiologie und entdeckte wichtige Intermediärprodukte des Glukosestoffwechsels (Glykolyse). Für diese grundlegenden Forschungen wurde er mehrfach für den Nobelpreis für Medizin vorgeschlagen.

Ludwig Edinger (1855–1918) war einer der Mitunterzeichner des Stiftungsvertrags zur Gründung der Universität Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr wurde er vom König von Preußen zum Professor für Neurologie ernannt – als erster Forscher in Deutschland. Zu seinen fast vergessenen Leistungen gehört es, aufgrund vergleichender anatomischer Studien im menschlichen Gehirn „alte und neu erworbene“ Abschnitte unterschieden zu haben.

Ludwig Rehn (1849–1930) war Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik (im Städtischen Krankenhaus) und führte 1894 die weltweit erste erfolgreiche Naht einer Messerstichverletzung des Herzens durch.

Die 1950er Jahre waren geprägt vom Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kliniken, darunter die Kinderklinik, die Frauenklinik sowie die Chirurgische und die Medizinische Klinik. Es galt zudem, wieder Anschluss zu erlangen an den medizinischen Fortschritt im Ausland – besonders in den USA.

1967 wird aus der Stiftungs- eine Landesuniversität. Seit zwei Jahren sahen sich die Stifter und die Stadt Frankfurt nicht mehr im Stande, die ca. 14.000 Studierenden zu finanzieren. Mit der Übergabe in die Hände des Landes Hessen übernimmt dieses auch die Verwaltung der angegliederten Städtischen Universitätskliniken. Die neue staatliche Einrichtung wird umbenannt in die Kliniken der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Von den 1980er Jahren bis zur Jahrtausendwende verzeichnet das Klinikum herausragende Fortschritte in der Transplantationsmedizin. In der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen der Chirurgischen Klinik, der Medizinischen Klinik und dem Zentrum für Anästhesiologie und Wiederbelebung wurden Herz, Leber, Lunge und Niere erfolgreich transplantiert.

1982 wird der erste AIDS-Patient Deutschlands an der Universitätsmedizin diagnostiziert. Die Infektiologie (Haus 68) wird zur Anlaufstelle der meisten Patientinnen und Patienten mit AIDS in Deutschland.

2001 ändern sich die Strukturen erneut: Aus dem Universitätsklinikum Frankfurt wird eine selbstständige Anstalt des öffentlichen Rechts. Ein Aufsichtsrat berät und überwacht von nun an den Klinikumsvorstand. Im Aufsichtsrat sitzen Vertreterinnen und Vertreter des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Hessischen Finanzministeriums, der Präsident der Goethe-Universität, der Vorsitzende des Personalrats des Universitätsklinikum Frankfurt und weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft oder Wissenschaft.

Die Goethe-Universität ist 2008 seit 14 Jahren wieder eine Stiftungshochschule und knüpft an ihre Tradition als erste Stiftungsuniversität Deutschlands. Gleichzeitig genießt sie so als Stiftung des öffentlichen Rechts ein Höchstmaß an Selbstständigkeit.

Zur Bewältigung der SARS-CoV-2-Pandemie 2020 hat die Universitätsmedizin Frankfurt wichtige Beiträge geleistet. Zum Beispiel entdeckte das Team der Virologie, dass auch asymptomatische Patientinnen und Patienten ansteckend sein können. Außerdem leitete der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikum Frankfurt, Prof. Dr. Jürgen Graf, den Planungsstab stationäre Versorgung COVID-19 des Landes Hessen.

2023 wird der Gesundheitscampus Universitätsmedizin Frankfurt Rhein-Main gegründet. Mit dem neu gegründeten Gesundheitscampus möchte das Universitätsklinikum Frankfurt gemeinsam mit dem Fachbereich Medizin der Goethe-Universität die Ausbildung in Gesundheitsberufen auf eine neue Ebene stellen und sich der Herausforderung, die der Fachkräftemangel mit sich bringt, entgegenstellen.

Kennzahlen Das Universitätsklinikum ist bis heute geprägt durch eine Vielzahl integrierter Institute, die teilweise schon vor der Gründung der Universität bestanden. Es versteht sich heute als ein Krankenhaus der „forschungsnahen Maximalversorgung“.Udo Benzenhöfer: Die Geschichte der Frankfurter Universitätsmedizin, S. 23 Es beherbergt insgesamt 33 medizinische Kliniken und Institute.

Das Universitätsklinikum beschäftigt ca. 8500 Mitarbeiter (Stand 2024). Jährlich werden etwa 46.000 stationäre und 480.000 ambulante Patienten versorgt. Der Casemix-Index, durchschnittliche Schweregrad der Patientenfälle, liegt bei 1,30.

4000 Studenten stehen 14 Hörsäle zur Verfügung. Schulen und Weiterbildungsmöglichkeiten für Krankenpflege und technische Assistenten in der Medizin sind angeschlossen. Mit einer Kapazität von 1270 Betten ist es das größte Krankenhaus in Hessen vor dem Klinikum Kassel, dem Klinikum Fulda und den Krankenhäusern des vereinigten Universitätsklinikums Gießen und Marburg.

Schwerpunkte Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt das Universitätsklinikum unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie und Neurochirurgie nimmt es besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Das Leberzentrum ist die einzige Einrichtung für Lebertransplantation in Hessen.

Forschung Die Forschungsaktivitäten des Fachbereichs Medizin sind im Profilbereich "Molecular & Translational Medicine" der Goethe-Universität zusammengefasst. Der Profilbereich "Molecular & Translational Medicine" steht für exzellente Forschung auf den Gebieten der Kardiologie, Onkologie, Neurowissenschaften sowie der Arzneimittelforschung. Im Vordergrund stehen dabei die Vernetzung der Wissenschaftler im Profilbereich, die Initiierung von Forschungsverbünden, die Beratung hinsichtlich der inhaltlichen Ausrichtung und strategisch relevanter Rekrutierungen von exzellenten Forscherinnen und Forschern sowie die Nachwuchsförderung.

Herz-Kreislauf Forschung

Aktuelle translationale Programme fokussieren auf die Erforschung von RNA-basierten, metabolischen und epigenetischen Mechanismen. Klinische Programme zielen darauf ab, über die Entwicklung bildgebender Instrumente und molekularer Phänotypisierung individueller Patienten die Rolle myo-vaskulärer und inflammatorischer Wechselwirkungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erfassen und personalisierte Behandlungsstrategien zu definieren.

Krebsforschung

Ziel ist die Entwicklung einer zugeschnittenen individuellen Therapie-Kombination. Mittels molekularer Profilierung, mechanistischer Forschung und klinischer Evaluation sollen molekulare Mechanismen der Pathophysiologie und Therapieantwort bei Krebserkrankungen aufgeklärt werden. Ein besonderer Fokus liegt hier auf der Analyse spezifischer Prozesse und Zelltypen im Tumormicroenvironment.

mini|Forschungs- und LaborgebäudeNeurowissenschaft

Dieser Bereich fokussiert auf die Erforschung der Pathophysiologie neurologischer, neuroonkologischer und psychiatrischer Erkrankungen. Dabei stehen im Fokus die molekulare Untersuchung der Neuronenfunktion (Synaptopathien), die Charakterisierung neuraler Netzwerke als Grundlage psychischer Erkrankungen und die Translation grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in neue Behandlungsmethoden. Hier sind zum einen zellintrinsische Prozesse aber auch Veränderungen des Mikromilieus der Neuronen relevant.

Arzneimittelforschung

Ein wesentliches Ziel ist die Entwicklung prädiktiver pharmakologischer Modelle und innovativer Therapieansätze. Im Vordergrund stehen Themen wie Protein abbauende Arzneimittelklassen, Repositionierung bekannter Wirkstoffe, Validierung krankheitsrelevanter Targets, präklinische Entwicklung neuer Substanzen und Biologika, Biomarker und -sensoren, Steigerung von IIT-Studien und die Entwicklung von effizienten Biobanking-Strukturen.

Lehre Am Fachbereich Medizin werden folgende Studiengänge angeboten:

Staatsexamensstudiengang Medizin

Die Regelstudiendauer beträgt sechs Jahre und drei Monate. Der Studienbeginn ist nur zum Wintersemester möglich. Die Zulassung erfolgt über die Stiftung für Hochschulzulassung(www.hochschulstart.de).