Mosyr (, deutsch Klein Gnie, 1938–1947 Kleingnie) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad und liegt im Nordosten des Rajon Prawdinsk. Mosyr gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Prawdinsk.

Geographische Lage Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen am rechten Ufer der Swine (auch Schweine oder Aschwöne, russisch Putilowka), etwa 31 Kilometer östlich der Stadt Prawdinsk (Friedland) und 16 Kilometer nordöstlich von Schelesnodoroschny (Gerdauen).

Geschichte mini|Klein Gnie östlich von Friedland an der Alle und südöstlich von Königsberg auf einer Landkarte von 1908 mini|hochkant|Dorfkirche mini|Bahnhofsuhr am Bahnsteig vom Bahnhof Mosyr ehem. Klein Gnie

Der Ort Gnye entstand erst im Laufe des 16. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Waldes Gnye und wurde 1567 erstmals urkundlich erwähnt.Mosyr – Klein Gnie und Gusevo – Groß Gnie Durch Teilung entstanden 1627 die Güter Groß Gnie und Klein Gnie, wobei Groß Gnie lange Zeit ein Vorwerk von Klein Gnie war.

Klein Gnie gehörte anfangs zum Güterkomplex Wandlacken der Familie von Schlieben. Durch Heirat kam Klein Gnie an die Familie Rollas du Rosey, und Maria Rollas du Rosey (1738–1813) verkaufte es 1770 an Leutnant Jacob Friedrich Hoffmann († 1773). Nach dessen Tod erbte sein Neffe, Kriegsrat Friedrich von Fahrenheid (1747–1834) das Anwesen. Im Jahr 1785 werden Groß Gnüe und Klein Gnüe als ein adliges Vorwerk mit einer Mahl- und Walk-Wassermühle und 17 Feuerstellen (Haushaltungen) bzw. als ein adliges Gut mit zwölf Feuerstellen bezeichnet, beide Ländereien im Besitz des Kriegsrats Farenheid befindlich.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 55.

Nächster Besitzer war Amtmann Carl Gutzeit (1789–1852), der 1842 das neue klassizistische Gutshaus bezog. Bis 1938 blieb das Gut im Besitz der Familie Gutzeit, als es dann der Oberinspektor Fritz Schwill übernahm, der es bereits vorher verwaltet hatte. Im Jahr 1939 wurde der 2000 Hektar große Betrieb von der Landwirtschaftskammer als Musterbetrieb ausgezeichnet.

Im Januar 1871 wurde in Klein Gnie eine Poststelle eröffnet.Amtsblatt der Norddeutschen Postverwaltung Nr. 3, Januar 1871, S. 11. Am 9. April 1874 wurde Klein Gnie Verwaltungssitz und namensgebender Ort des neu errichteten Amtsbezirks Klein GnieRolf Jehke, Amtsbezirk Klein Gnie/Gnie. Er gehörte bis 1945 zum Landkreis Gerdauen im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen.

Im Jahre 1889 wurden Teile des Gutsbezirks Arklitten, nämlich der Mulker und der Wilhelmshöher Wald, in den Gutsbezirk Klein Gnie eingegliedert,Rolf Jehke, Amtsbezirk Arklitten/Molthainen/Molteinen 1897 folgten die beiden Landgemeinden Christophsdorf und Groß Dwillin (1938–1945 Großwillingen).

In den 1920er Jahren fanden mehrere Umgliederungen zwischen Klein Gnie und den Nachbargemeinden statt, bis sich dann schließlich die beiden Gutsbezirke Klein Gnie und Sechshuben zur neuen Landgemeinde Klein Gnie zusammenschlossen. Die Bevölkerungszahl stieg bis 1933 auf 1030 und betrug 1939 noch 1014.

1938 wurde die Änderung der Namensschreibweise in „Kleingnie“ verfügt, die sich jedoch nicht recht durchsetzte. Am 21. Januar 1945 wurde kriegsbedingt die Flucht der Bevölkerung von Klein Gnie angeordnet. Der Treck zog unter der Leitung des Gutsherrn Fritz Schwill über Pommern bis nach Mecklenburg, wo er unter starken Verlusten eintraf. Die Rote Armee nahm zwei Tage später den Ort kampflos ein, trotzdem brannten das Gutshaus, das Pfarrhaus, das Geschäftshaus und drei Landarbeiterhäuser ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Klein Gnie im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der ganzen nördlichen Hälfte Ostpreußens vorläufig unter sowjetische Verwaltung gestellt. 1947 wurde für Klein Gnie die Ortsbezeichnung Mosyr eingeführt, benannt nach der belarussischen Stadt Mosyr, aus der nach Kriegsende die meisten Migranten in Klein Gnie zugewandert waren.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Schelesnodoroschny. Nach dessen Auflösung im Jahr 1962 kam der Ort in den Rajon Prawdinsk. Die Region war bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 Teil der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und gehört seitdem zur Russischen Föderation. Ende 2004 wurde Mosyr einer Landgemeinde, die Ende 2015 wieder aufgelöst wurde. Seit 2016 gehört der Ort zum Stadtkreis Prawdinsk.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1816 300 davon 188 auf dem Gut Klein Gnie und 112 auf dem Vorwerk Groß GnieAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 44, Ziffer 1584–1585. 1831 405 davon 201 auf dem Gut Klein Gnie und 204 auf dem Vorwerk Groß GnieLeopold Krug: Die preußische Monarchie – topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt, Teil 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1833, S. 381, Ziffer 16. 1858 536 sämtlich Evangelische, davon 314 auf dem Rittergut Klein Gnie, 182 auf dem adligen Vorwerk Groß Gnie und 40 auf dem adligen Vorwerk GnieAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 91, Ziffer. 1864 955 am 3. DezemberPreußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Gerdauen, S. 1–35. 1885 391 1905 763 1910 732 . 1933 1.030 1939 1.014

Amtsbezirk Klein Gnie/Gnie 1874–1945 Am 9. April 1874 wurde der neu errichtete Amtsbezirk Klein Gnie aus sieben kommunalen Einheiten gebildet:

Name Bemerkungen Landgemeinden: Christophsdorf 1897 in den Gutsbezirk Klein Gnie eingegliedert Friedrichsfelde 1897 in den Gutsbezirk Groß Gnie eingegliedert Groß Dwillin,ab 1938 „Großwillingen“ 1897 in den Gutsbezirk Klein Gnie eingegliedert Lönkendorf 1928 in die neue Landgemeinde Groß Gnie eingegliedert Gutsbezirk: Klein Gnie,ab 1938: Kleingnie 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt Vorwerke: Groß Gnie 1897 in einen Gutsbezirk, 1928 in eine Landgemeinde umgewandelt Sechshuben 1928 in die neue Landgemeinde Klein Gnie eingegliedert

1932 wurde der Amtsbezirk Klein Gnie in „Amtsbezirk Gnie“ umbenannt. Er gehörte bis 1945 zum Landkreis Gerdauen im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen.

Mosyrski selski Sowet/okrug 1947–2004 Der Dorfsowjet Mosyrski selski Sowet (ru. Мозырьский сельский Совет) wurde im Juni 1947 zunächst im Rajon Prawdinsk eingerichtet. Im Juli 1947 wurde er dann in den neu gebildeten Rajon Schelesnodoroschny eingeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad) Nach der Auflösung dieses Rajons Ende 1962 gelangte der Dorfsowjet (wieder) in den Rajon Prawdinsk. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Mosyrski selski okrug (ru. Мозырьский сельский округ). Ende 2004 wurden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung die Orte des Dorfbezirks Mosyrski in die neu gebildete Landgemeinde Mosyrskoje selskoje posselenije übernommen.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Baranowo (Бараново) Christophsdorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Frolowo (Фролово) Annawalde (Gut) Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Gordejewo (Гордеево) Nonnenhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Gussewo (Гусево) Groß Gnie Der Ort wurde 1947 umbenannt. Iwanowka (Ивановка) Nendrinn,1938–1945 „Altlugau“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Kljutschi (Ключи) Mauenfelde Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Korostelewo (Коростелево) bei Kiehlendorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Kowalewskoje (Ковалевское) Trenkensruh Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Luschki (Лужки) Petrineusaß Der Ort wurde 1947 umbenannt und 1997 aus dem Ortsregister gestrichen. Mosyr (Мозырь) Klein Gnie Verwaltungssitz Obuchowo (Обухово) Nubertshöfen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Perowo (Перово) Sokallen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Petschorskoje (Печорское) Friedrichsfelde Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen. Prudki (Прудки) Lönkendorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen. Rogowo (Рогово) Rosanna, 1938–1945 „Rosenflur“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Scheludjowo (Желудёво) Prosit Der Ort wurde 1947 umbenannt. Sewerny (Северный) Mulk Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podlipowski eingeordnet. Simowskoje (Зимовское) Schönwiese Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Podlipowski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen. Smolnoje (Смольное) Annawalde (Dorf) Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.Tichoje (Тихое) Kiehlendorf Der Ort wurde 1950 umbenannt und (fälschlicherweise?) zunächst in den Dorfsowjet Nowo-Bobruiski eingeordnet. Werschiny (Вершины) Werschen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Wjasemskoje (Вяземское) Peterehlen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.

Die beiden im Jahr 1947 umbenannten Orte Borodino (Barragin/Georgenhain) und Oserki (Georgenfelde) sowie die drei im Jahr 1950 umbenannten Orte Iljuschino (Melchersdorf), Poleschajewo (Georgenwalde) und Rylejewo (Bettyhof) wurden ebenfalls zunächst in den Mosyrski selski Sowet eingeordnet, kamen dann (vor 1975) aber zum Wischnjowski selski Sowet.

Im Jahr 2001 wurde der Dorfbezirk Nowo-Bobruiski selski okrug mit den Orten Nowo-Bobruisk, Bystrjanka, Linjowo, Ochotnitschje, Perewalowo, Schtscherbinino und Tscherepanowo an den Mosyrski selski okrug angeschlossen.

Mosyrskoje selskoje posselenije 2004–2015 mini|280px|Die Lage der Landgemeinde Mosyrskoje selskoje posselenije im Rajon Prawdinsk

Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung wurde Ende 2004 die Landgemeinde Mosyrskoje selskoje posselenije (ru. Мозырьское сельское поселение) eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 21 декабря 2004 г. № 476 «О наделении муниципального образования „Правдинский район“ статусом муниципального района и об установлении границ и наделении соответствующим статусом муниципальных образований, находящихся на его территории» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 21. Dezember 2004, Nr. 476: Über das Ausstatten der munizipalen Bildung „Rajon Prawdinsk“ mit dem Status eines munizipalen Rajons und über das Festlegen der Grenzen und das Ausstatten mit dem entsprechenden Status der munizipalen Bildungen, die sich auf seinem Gebiet befinden) Insgesamt 25 als Siedlung eingestufte Ortschaften gehörten zu ihrem Bereich. Zum Jahreswechsel 2015/2016 wurde die Gemeinde wieder aufgelöst und deren Orte in den neu gebildeten Stadtkreis Prawdinsk eingegliedert.