mini|HDR-Aufnahme einer Straße in Ostia Antica mini|Eingang zu den Ruinen von Ostia Ostia Antica ist das Ausgrabungsgelände der antiken Stadt Ostia, der ursprünglichen Hafenstadt des antiken Rom und möglicherweise dessen erster Kolonie.

Der Name Ostia leitet sich von „Eingang; Mündung“ ab, womit die Tibermündung gemeint ist. Der Name Ostia Antica (Altes Ostia) wird zur Unterscheidung vom in den 1920er Jahren neugegründeten Stadtteil Ostia verwendet. Der nordöstlich anschließende moderne Stadtteil wird nach den Ausgrabungen ebenfalls Ostia Antica genannt.

Lage Ostia Antica liegt im X. Munizipium Ostia, dem römischen Bezirk an der Tibermündung, der den Namen der antiken Stadt bewahrt. Es liegt ca. 23 km südwestlich des römischen Stadtzentrums und 5 km flussaufwärts der heutigen Tibermündung zwischen der Via del Mare (Via Ostiensis) und dem Tiber. Es ist über den Bahnhof Ostia Antica an der Bahnstrecke Roma–Lido erreichbar.

Geschichte Republikanische Zeit mini|Fragmentarisch erhaltene Ehreninschrift aus Ostia für König Ancus Marcius, die ihn als den Gründer der Stadt preist

Ostia wurde nach der antiken Tradition, wie sie sich etwa in einer Inschrift des 2. Jahrhunderts n. Chr. zeigt, vom vierten König von Rom, Ancus Marcius, im 7. Jahrhundert v. Chr. als erste römische Kolonie gegründet., dazu siehe beispielsweise Russell Meiggs: Roman Ostia. 2. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1973, ISBN 0-19-814810-0, S. 16; außerdem siehe Quintus Ennius, Annales, Buch 2, Fragment 22. Die bisherigen archäologischen Befunde reichen allerdings nicht weiter als in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück; die ältesten erhaltenen Gebäude wie etwa das Castrum (Militärlager) und das Kapitol datieren aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Da die Historizität des Ancus Marcius überdies fragwürdig ist, geht man zumeist davon aus, dass Ostia im 4. Jahrhundert nach dem Sieg der Römer über ihre Nachbarstadt Veji gegründet wurde.

Ostia war daher wohl ursprünglich ein Militärlager, von dem aus sowohl Rom geschützt und verteidigt als auch der Seehandel kontrolliert werden konnte. Mit Letzterem entwickelte sich das Militärlager bald zur Hafenstadt und zu einem starken Stützpunkt der Flotte Roms. Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. war es einer der Haupthäfen Roms und wird in dieser Funktion mehrmals in historischen Berichten erwähnt. Während des Zweiten Punischen Kriegs 217 v. Chr. wurde die Versorgung der Armee gegen Hannibal in Spanien von Ostia aus verschifft und 211 v. Chr. fuhr von hier Gnaeus Cornelius Scipio Calvus nach Spanien, um die Karthager zu bekämpfen. Um nicht länger vom unmittelbaren Hinterland und kleinen Küstenschiffen abhängig zu sein, entstand die „Hafenstadt Ostia als einzige Rivalin von Bedeutung für Alexandria und Karthago, um für vier Jahrhunderte in Blüte zu stehen, bis sie schließlich in einem Malariasumpf versank.“Moses I. Finley: Die antike Wirtschaft. dtv, München 1984, ISBN 3-423-04277-X, S. 152.

Im Jahr 87 v. Chr. wurde die Stadt im Bürgerkrieg von Gaius Marius und seinen Soldaten geplündert, konnte sich davon aber recht schnell erholen.

Kaiserzeit mini|Die Umgebung Roms im Altertum Unter Augustus setzte eine verstärkte Bautätigkeit ein. Unter ihm wurde ein erstes Theater und ein daneben liegender Geschäftsplatz erbaut. Unter Tiberius wurde das Forum eingerichtet. Allerdings verlandete bereits um die Zeitenwende das Meer vor Ostia. Unter Claudius wurde deshalb ein großer, künstlicher Seehafen gegraben, der unter Nero im Jahr 54 eingeweiht wurde. Der Hafen wurde unter Trajan nochmals um ein zusätzliches Becken erweitert. Dieser Hafen, portus Ostiensis Augusti, später Portus Romae genannt, lag rund vier Kilometer nördlich der eigentlichen Stadt. Bei diesem Hafen befanden sich zunächst wohl nur Lagergebäude und Verwaltungseinheiten, während Ostia das eigentliche städtische Zentrum blieb. Zunächst war Portus Romae also nur ein Stadtteil von Ostia, wurde aber im Jahr 314 in den Rang einer eigenständigen colonia erhoben.

Ostia erlebte vor allem im 2. Jahrhundert seine größte Blüte. Aus dieser Periode stammen die meisten noch heute erhaltenen öffentlichen, aber auch privaten Gebäude. Die Hafenstadt hatte in dieser Zeit circa 50.000 Einwohner. Gerber, Seilmacher, Schiffbauer und Händler ließen sich hier nieder. Wichtigstes Handelsgut war Getreide, das aus Afrika nach Rom eingeführt wurde.

Spätantike Mit Beginn des 3. Jahrhunderts setzte eine gewisse Stagnation der städtischen Entwicklung ein, da Ostia als Verkehrs- und Handelszentrum Roms durch Portus abgelöst wurde. Dies fand seinen offiziellen Ausdruck schließlich darin, dass Kaiser Konstantin der Große im Jahr 314 Portus zur colonia erhob (ihm also sozusagen die Stadtrechte verlieh) und Ostia wenig später gemeinsam mit Portus, das sich nun zur eigenständigen Stadt entwickelte, der Stadt Rom als Portus Romae eingemeindete. Damit kam es zu einem fortschreitenden Niedergang Ostias, durch den viele Speicherbauten und andere öffentliche Bauwerke aufgegeben und nicht mehr instand gehalten wurden.

Kirchlich blieb die Stadt dagegen von Bedeutung: Seit der Hohen Kaiserzeit war Ostia Bischofssitz (zum Beispiel Gerald von Ostia). Die Mutter des heiligen Augustinus von Hippo, Monika, starb dort 387 auf der Heimreise nach Nordafrika. Augustinus gibt in diesem Zusammenhang eine Beschreibung des Lebens im spätantiken Ostia in seinen Confessiones.

Im Verlauf des 5. Jahrhunderts begann die Stadt Rom, um 300 noch eine Millionenmetropole, aus unterschiedlichen Gründen zu schrumpfen; der Handel ging zurück und die Häfen verloren langsam an Bedeutung. Die Bevölkerung Ostias schrumpfte und die Besiedlung des vormaligen Stadtgebietes reduzierte sich zunehmend auf zwei Bereiche, nämlich auf die zentrale Region rund um das Forum und auf das Hafenviertel außerhalb der Stadtmauer an der Küste. In letzterem ist auch die letzte sicher nachweisbare Baumaßnahme des antiken Ostia zu finden, nämlich eine Renovierung der Thermenanlage bei der Porta Marina, für die gestempelte Ziegel mit dem Namen des ostgotischen Königs Theoderich der Große verwendet wurden. Die Bestattungsareale der Bewohner, die sich bis dahin auf die Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern beschränkt hatten, wurden ab dem 5. Jahrhundert auch mitten im (ehemals) besiedelten und genutzten Bereich angelegt, beispielsweise in den Überresten früherer Tempel oder der Feuerwehrkaserne.Arnold Esch: Historische Landschaften Italiens. Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72565-4, S. 25–28.

Während der Kämpfe um Rom zwischen dem Ostgotenreich und den oströmischen Truppen unter Belisar diente Ostia um 540 noch einmal als Versorgungshafen für die Ewige Stadt. Doch da Rom während der Kämpfe von vorher schätzungsweise 100.000 auf zuletzt vielleicht nur noch 15.000 Einwohner schrumpfte, bedurfte es danach keines großen Hafens mehr: Nach dem Ende der Völkerwanderungszeit war Ostia, in dessen Umland zudem infolge der Verlandung der Tibermündung Sümpfe entstanden waren, was zu häufigen Malariaepidemien führte, kaum noch bewohnt.

Mittelalter und Neuzeit Im 9. Jahrhundert wurden die letzten verbliebenen Einwohner umgesiedelt: Einige hundert Meter östlich entstand im frühen 9. Jahrhundert am Tiber und der Via Ostiense unter Papst Gregor IV. als neuer befestigter Vorort Roms Gregoriopolis zur Bewachung von Flussmündung und Straße. Im 15. Jahrhundert wurde diese Siedlung noch durch eine Burg verstärkt, die als Zollstätte für den neubelebten Handel diente. Da jedoch der Tiber bei einer großen Überschwemmung 1557 seinen Flusslauf verlagerte, wurde auch Gregoriopolis bedeutungslos. In der Folge verlegte man die Zollstelle an das westliche Ende des antiken Ostia. Die Torre Bonacina genannte Anlage wurde möglicherweise auf den Resten des antiken Leuchtturms von Ostia errichtet.

Seit dem 12. Jahrhundert wird das Bischofsamt von Ostia stets dem aktuellen Dekan des Kardinalskollegiums übertragen und dient diesem damit als Titelkirche. Dadurch ist der Kardinalbischof von Ostia Inhaber des höchsten Amtes der römisch-katholischen Kirche nach dem Papst (für die Amtsträger siehe Liste der Bischöfe von Ostia). Titelkirche ist jedoch nicht die spätantike Bischofskirche von Ostia, die im 12. Jahrhundert bereits zerstört war, sondern die Kirche Sant’Aurea, die wohl im 5. Jahrhundert im Bereich der Ostnekropole errichtet und im 15. Jahrhundert im Renaissancestil neugebaut wurde.Zur Bischofskirche Arnold Esch: Historische Landschaften Italiens. Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72565-4, S. 30.

Das antike Stadtgebiet selbst wurde mit der Entstehung von Gregoriopolis vollständig dem Verfall preisgegeben. In mittelalterlichen Quellen erscheint es nur als menschenleere Ruinenlandschaft, so bei einem Bericht von der Durchreise des englischen Königs Richard Löwenherz auf dem Weg zum Dritten Kreuzzug oder in mittelalterlichen Urkunden. Gleichzeitig wurden die Baureste aber auch kontinuierlich zur Rohstoffbeschaffung genutzt und entweder als Steinblöcke abtransportiert oder zu Kalk gebrannt.Arnold Esch: Historische Landschaften Italiens. Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72565-4, S. 32–34.

1613 ließen die Päpste den über Porto führenden trajanischen Tiberkanal (Fossa Traiana, heute Kanal von Fiumicino genannt) wieder schiffbar machen, worauf Ostia endgültig jede Bedeutung verlor. Anfang des 19. Jahrhunderts wohnten im Gebiet von Ostia antica nur noch einige hundert Sträflinge, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Das moderne Ostia befindet sich aufgrund von Verlandung etwa 3 km weiter südwestlich am Meer.

Politisches und kommerzielles Leben Die städtische Verwaltung von Ostia war ähnlich wie in anderen Städten des römischen Reiches organisiert. An der Spitze standen jeweils zwei für ein Jahr gewählte Duoviri. In der republikanischen Zeit und in der frühen Kaiserzeit dominierten einige wenige, anscheinend alteingesessene Familien das politische Leben der Stadt. Ein gewisser Gaius Cartilius Poplicola hielt im 1. Jahrhundert v. Chr. achtmal das Amt des Duovir. In der frühen Kaiserzeit dominierte die große Familie des Publius Lucilius Gamala. Mehrere Familienmitglieder, die teilweise identische Namen trugen, besetzten das Amt über drei Generationen (unter Augustus, im Jahr 19, vielleicht im Jahr 33 n. Chr. und unter Hadrian). Im 2. Jahrhundert scheinen immer mehr Freigelassene wie Marcus Licinius Privatus an Einfluss gewonnen zu haben. Im 4. Jahrhundert hatte Ostia seinen Status als Stadt verloren, war aber der Wohnort einiger bedeutender Senatoren.

Als Hafen von Rom hatte die Stadt auch Institutionen, die ihr eigen waren. Eine dieser Organisationen war die Annona, deren Aufgabe es war, Rom mit Nahrung zu versorgen. Dieses waren private Unternehmen, die vom Staat kontrolliert und von diesem später übernommen wurden. An der Spitze der Annona stand der Quästor, der dem Präfekten der Annona von Rom unterstand. Der Quästor überwachte die Verschiffung und Verteilung von Waren. Er kontrollierte deren Qualität und arrangierte Zahlungen an private und staatliche Unternehmen.

In der Stadt gab es auch verschiedene Vereinigungen (Corpora, Collegia) von Handwerkern, die die Schiffe reparierten, die Speicher unterhielten und andere Aufgaben hatten. Es handelte sich dabei aber nicht um Vereinigungen der eigentlichen Handwerker, sondern um Zusammenschlüsse der Vorgesetzten, die ihre Interessen in diesen Organisationen vertraten. Sie hatten bedeutende Versammlungshäuser und hinterließen zahlreiche Inschriften und Monumente.

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