mini|hochkant|Siegel von Bischof William Lamberton William Lamberton (auch: de Lamberton; † 20. Mai 1328 in St Andrews) war ein schottischer Geistlicher, Politiker und Diplomat. Von 1297 bis zu seinem Tod war er Bischof von St Andrews. Als Bischof diente er kurzzeitig als Guardian of Scotland und gehörte schließlich zu den wichtigsten Unterstützern von König Robert Bruce.

Herkunft und Jugend Lamberton stammte aus einer Familie des Ritterstands, die ursprünglich aus Lamberton im südschottischen Berwickshire stammte, dann aber seit dem Ende des 12. Jahrhunderts Landbesitz in Nordostschottland besaß.Marinell Ash: William Lamberton, bishop of St Andrews, 1297–1328. In: G. W. S. Barrow (Hrsg.): The Scottish tradition. The Scottish Academic Press, Edinburgh 1974, S. 44. Später erwarb sie noch Besitzungen in Stirlingshire. Lambertons genaue Herkunft, sein Geburtsjahr, seine Ausbildung und der Beginn seiner geistlichen Laufbahn sind unklar. Möglicherweise entstammte er der Familie Lamberton aus Linlathen bei Dundee.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 114. Über seine frühen Lebensjahre und Ausbildung ist fast nichts bekannt. Sicher ist nur, dass er an einer Universität studierte, denn er wurde als Magister bezeichnet. Vor 1293 wurde er durch die Förderung von Bischof Robert Wishart Kanoniker der Kathedrale von Glasgow. Im Februar 1293 nahm er als Kanzler der Kathedrale an dem ersten Parlament teil, das John Balliol als schottischer König in Scone abhielt. Spätestens im Sommer 1294 wurde er von Bischof Wishart zur Fortsetzung seines Studiums ins Ausland entsandt.

Aufstieg zum Bischof von St Andrews Nach der schottischen Niederlage im Krieg mit England und der Absetzung von König John Balliol 1296 schwor Lamberton wie die meisten anderen schottischen Prälaten und Adligen dem englischen König Eduard I. als neuen Oberherrn von Schottland die Treue. Dennoch unterstützte er 1297 die von den Guardians of Scotland geführte Rebellion gegen die englische Besatzung, die im September 1297 zum schottischen Sieg in der Schlacht von Stirling Bridge führte. Kurz vor der Schlacht war William Fraser, Bischof von St Andrews, im französischen Exil gestorben. Nach seinem Tod wollten die Guardians of Scotland unbedingt erreichen, dass das wichtigste schottische Bistum von einem patriotisch eingestellten Bischof geführt wurde. Lamberton Förderer Bischof Wishart war ein bedingungsloser Unterstützer des schottischen Unabhängigkeitskampfes,Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 94. und auf Bitte von William Wallace, dem militärischen Führer der Schotten, wurde Lamberton am 3. November 1297 zum neuen Bischof gewählt. Die Engländer beschuldigten daraufhin Wallace, dass er das Kathedralkapitel zu einer übereilten Wahl gedrängt hatte. Allerdings unterstützten mehrere Mitglieder des Kapitels, darunter wahrscheinlich zwei der Archidiakone, der Offizial und der Propst die Rebellion, so dass sie vermutlich nicht zu sehr zur Wahl von Lamberton gedrängt werden mussten.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 133.

Nach dem Chronisten John Fordun brachte Lamberton das Herz des verstorbenen Bischofs Fraser zur Beisetzung nach St Andrews. Wenn dies zutrifft, dann muss Lamberton im Herbst 1297 in Frankreich gewesen sein. Da die schottische Kirche direkt den Päpsten unterstand, reiste Lamberton zusammen mit drei Vertretern des Kathedralkapitels zur Bestätigung seiner Wahl zur Kurie nach Rom. Dort wurde er im Juni 1298 von Kardinal Matteo d’Acquasparta zum Bischof geweiht. Er nutzte den Aufenthalt bei der Kurie, um für Unterstützung für den schottischen Unabhängigkeitskrieg gegen England zu werben.Marinell Ash: William Lamberton, bishop of St Andrews, 1297–1328. In: G. W. S. Barrow (Hrsg.): The Scottish tradition. The Scottish Academic Press, Edinburgh 1974, S. 45. Nach seiner Weihe reiste er noch Frankreich, wo bereits Sir John de Soules, der Abt von Melrose Abbey und vermutlich auch Bischof Crambeth von Dunkeld im Exil waren. Die Engländer plünderten 1298 das bischöfliche Gut von Kirkliston als Rebellengut.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 140. Angesichts der schottischen Niederlage in der Schlacht von Falkirk kehrte Lamberton erst im Sommer 1299 von Damme aus per Schiff nach Schottland zurück.

Guardian of Scotland Nach seiner Rückkehr nach Schottland sollte Lamberton den Guardians mündlich von den Plänen des mit Schottland verbündeten französischen Königs berichten, so dass er sofort in die schwierige politische Situation nach der schweren Niederlage bei Falkirk verwickelt wurde.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 134. Innerhalb der Guardians of Scotland, die im Namen von König John Balliol den Regentschaftsrat bildeten und den Widerstand gegen die englische Besetzung führten, gab es aber extreme Spannungen. Im August 1299 kam es während einer Sitzung des Regentschaftsrats in Peebles zwischen den Anhängern von John Comyn und Robert Bruce, Earl of Carrick sogar zu einem Handgemenge.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 153. Der Konflikt wurde dadurch beigelegt, indem der bislang relativ unvorbelastete Lamberton zum dritten und ranghöchsten Guardian ernannt wurde. Diese Lösung befriedete die Situation für mindestens sechs Monate.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 155. Wie der Kanzler Nicholas Balmyle strebte Lamberton eine Rückkehr von John Balliol als König an, doch die Verhandlungen mit dem englischen König blieben erfolglos.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 169. Nachdem Bruce 1300 sein Amt als Guardian niedergelegt hatte, blieb Lamberton im Amt. Als es auch zwischen Comyn und Lamberton zum Streit kam, wurde Lamberton von James Stewart und dem Earl of Atholl unterstützt. Trotz des Streits mit Lamberton blieb Comyn als Guardian im Amt, doch mit Ingram de Umfraville wurde ein weiterer Guardian ernannt.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 158. Im Oktober 1300, spätestens vor Mai 1301 wurden Lamberton und die beiden anderen Guardians durch John de Soules abgelöst, der dann vermutlich als alleiniger Guardian die Regentschaft führte.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 161.

Tätigkeit als Diplomat für die Schottische Unabhängigkeit Vielleicht wurde Lamberton als Guardian abgelöst, damit er als hochrangiger Gesandter im Ausland um Unterstützung werben konnte. Er nutzte aber zunächst die Zeit bis Frühjahr 1301, um sich um die Verwaltung seines Bistums zu kümmern.Marinell Ash: William Lamberton, bishop of St Andrews, 1297–1328. In: G. W. S. Barrow (Hrsg.): The Scottish tradition. The Scottish Academic Press, Edinburgh 1974, S. 46. Möglicherweise gehörte er 1301 der schottischen Gesandtschaft an, die unter der Führung des Kanonikers und Rechtsgelehrten Baldred Bisset zur Kurie nach Rom reiste, denn der Gesandtschaft gehörten auch zwei bischöfliche Schreiber aus dem Bistum St Andrews an. Die schriftlichen Anweisungen, die der Gesandtschaft mitgegeben wurden, sind erhalten. Nach ihrem Stil können sie aus der bischöflichen Kanzlei von St Andrews, wenn nicht selbst von Lamberton stammen. Ob Lamberton nun selbst mit zur Kurie reiste, ist ungeklärt, doch Ende 1301 gehörte er nachgewiesenermaßen zu den schottischen Unterhändlern, die am französischen Königshof waren. Diese versuchten zu verhindern, dass der bislang mit den Schotten verbündete französische König Philipp IV. einen Frieden mit dem englischen König schloss, in den die Schotten nicht mit einbezogen wurden. Im Herbst 1302 reiste Lamberton mit John de Soules und anderen Schotten erneut als Gesandte nach Paris.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 177. Doch trotz ihrer Bemühungen wurde Schottland nicht in den Frieden von Paris mit einbezogen, den der französische König im Mai 1303 mit England schloss. Damit hatten die Schotten ihren wichtigsten Verbündeten verloren, so dass sie den Engländern nicht nur militärisch unterlegen, sondern auch diplomatisch isoliert waren. Weitere Verhandlungen blieben erfolglos, so dass sich der Guardian John Comyn und die meisten schottischen Adligen ab Februar 1304 dem englischen König unterwarfen. Zu den Bedingungen, die die Schotten noch aushandeln konnten, gehörte die Begnadigung von Lamberton und Bischof Crambeth durch den englischen König. Vom englischen König erhielt Lamberton nun freies Geleit, so dass er nach Schottland zurückkehren konnte.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 182. Im Mai 1304 schwor er dem englischen König die Treue und erhielt seine Temporalien zurück.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 188.

Unterstützung von Robert Bruce Ob Lamberton bei seinem Treueschwur aufrichtig handelte, ist fraglich, denn bereits wenige Wochen später schloss er während der Belagerung von Stirling Castle am 11. Juni 1304 ein enges, vertrauliches Bündnis mit Robert Bruce.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 185. Der Inhalt des Bündnisses wird nur vage beschrieben, doch Bruce und Lamberton vereinbarten, sich gegenseitig zu unterstützen. Offenbar akzeptierte Lamberton nun, dass Bruce anstelle des immer noch im Exil lebenden John Balliol die politische Führung Schottlands übernahm. Im Herbst 1305 traf sich Lamberton mit Bischof Wishart und erneut mit Robert Bruce.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 206. In den nächsten Monaten verhielt sich Lamberton aber dem englischen König gegenüber loyal, so dass er dessen Vertrauen gewann. Der König ernannte ihn zum Mitglied des 22-köpfigen Rates, der den englischen Statthalter in Schottland beraten sollte.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 191. Als die Ankunft des neuen Statthalters John of Brittany sich verzögerte, wurde Lamberton sogar am 26. Oktober 1305 zum Vorsitzenden des Rates ernannt.Geoffrey W. S. Barrow: Robert Bruce and the Community of the Realm of Scotland. Eyre & Spottiswoode, London 1965, S. 197.