Das Schloss Wächtersbach ist eine Niederungsburg auf etwa 170 m über NHN in Wächtersbach (Main-Kinzig-Kreis, Hessen).
Geschichte Das Schloss Das Wächtersbacher Schloss geht auf eine staufische Jagd- und Sicherungsanlage für den Büdinger Wald zurück, errichtet gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Auftrag von Kaiser Friedrich I. Barbarossa durch die Herren von BüdingenAngela Metzner: Reichslandpolitik, Adel und Burgen – Untersuchungen zur Wetterau in der Stauferzeit. In: Büdinger Geschichtsblätter 21, 2008/2009, S. 120.. Die im Schutze dieser Anlage entstandene Siedlung wird im Jahre 1236 in einer Urkunde des nahegelegenen Klosters Selbold (vgl. Langenselbold) erstmals erwähnt, welches hier über Grundstücke und Einnahmen verfügteCarl Hessler (Hrsg.): Hessische Landes- und Volkskunde: Das ehemalige Kurhessen und das Hinterland am Ausgange des 19. Jhdts. Band 1, Teil 1, Elwert, Marburg 1907, S. 695. Zu dieser Zeit wird der Ort als Weichirsbach bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Der Bach der die Weiher speist“. Im 13. Jahrhundert wird die Anlage zu einer Wasserburg umgebaut; Reste der sie ehemals umgebenden Wasserflächen sind mit den Weihern im Schlosspark heute noch sichtbar. Im Jahre 1324 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Als Teil der Sicherungsanlagen für das alte Königsland Wetterau diente sie dem Schutz der Burganlagen in Gelnhausen (→ Pfalz Gelnhausen) und Büdingen (→ Schloss Büdingen) und war Sitz eines der zwölf, für die Hege verantwortlichen FörsterJohannes Wolf: Der Wächtersbacher Schlossgarten. Ein Landschaftspark am Fuße des Büdinger Waldes, Samml. Gesch. Wächtersbach, 28 L., August 1998, Nr. 173, S. 1.
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Wasserburg Wächtersbach, durch Graf Anton von Isenburg-Büdingen-Ronneburg (1501–1560), den Begründer der Teilgrafschaft Ysenburg-Ronneburg, eine erste Erweiterung.Jürgen Ackermann: Graf Anton zu Ysenburg-Kelsterbach Mißheurath hat seiner Gräflichen Familie vilen Unkust verursacht, Samml. Gesch. Wächtersbach, 41. L., Januar 2003, Nr. 265, An Graf Anton und seine Frau Elisabeth (1509–1542) erinnert heute noch das Allianzwappen über dem Schlosseingang, in dessen einer Hälfte ein Wiedehopf die Familie der Gemahlin, einer geborenen von Wied-Runkel, repräsentiert.
1578 wird die zunächst gräfliche, später fürstliche Brauerei auf dem Gelände des Wächtersbacher Schlosses gegründetFürstliche Brauerei Schloss Wächtersbach aufgerufen am 13. Februar 2021. Nach einer über 400-jährigen Geschichte wurde sie endgültig im Jahre 2008 geschlossen.
Auch das Schloss Wächtersbach und die Stadt haben im Dreißigjährigen Krieg sehr gelitten. Es war Graf Johann Ernst I. von Isenburg-Büdingen (1625–1673), der es für seine Hochzeit mit der Gräfin Marie Charlotte von Erbach zunächst wieder bewohnbar machte. Später baute er es weiter aus und fügte weitere Gebäude sowie einen Lustgarten mit Brunnen hinzuDagmar Reimers: Schloss Wächtersbach und die Ysenburger, S. 14–15Dagmar Reimers: 1650: Eine Nachkriegshochzeit im Schloss zu Wächtersbach, 1987, 4.3.1.6.
Die Teilung der Grafschaft Isenburg im Jahre 1684 war der Beginn für einen Zug um Zug erfolgenden Ausbau des Schlosses Wächtersbach zur Residenz der neu gegründeten Linie Ysenburg-Büdingen-Wächtersbach. Ab 1687, erfolgte er zunächst unter Graf Ferdinand Maximilian I. und später unter seinen Nachfolgern. Als erstes der Nebengebäude des Schlosses entstand 1718 das langgestreckte Gebäude des Marstalls. Es folgte, 1735, schon unter dem Nachfolgerregenten, Graf Ferdinand Maximilian II., der Sitz der gräflichen Verwaltung, das „große schmucke Gebäude“ der Rentkammer. Über der Eingangstür der Rentkammer hinterließ die Bauherrschaft das Allianz-Wappen von Ferdinand Maximilian II. von Ysenburg und seiner Gattin, Ernestine Wilhelmine zu Stolberg-GedernErnestine Wilhelmine zu Stolberg-Gedern aufgerufen am 13. Februar 2021.
Im Gebäude der Rentkammer, zur Schlossgartenseite hin gelegen, liegt ein „Gartensaal“, und davor eine große Terrasse. Der Saal wurde zur Hochzeit von Fürst Otto Friedrich von Ysenburg mit Prinzessin Felicitas Reuß (1904–1990)Prinzessin Felicitas Reuß aufgerufen am 13. Februar 2021, 1935 mit ansprechenden Wandgemälden ausgestattet. Die Bilder zeigen die zum Hause der Ysenburger gehörenden Schlösser und Städte. Der jetzt, wie das ganze Schlossareal in städtischem Besitz befindliche Gartensaal wird für verschiedenartige Feiern und Versammlungen aller Art genutzt. 1750 wurde, direkt neben dem Marktplatz das reich verzierte Fachwerkhaus des Prinzessinnenhauses errichtet. „Hier wohnten die unverheirateten Geschwister der regierenden Grafen“.Schloss Wächtersbach – Nebengebäude, abgerufen am 13. Februar 2021. Auch ein großer Wirtschaftshof, im rückwärtigen Teil des Schlossareals gelegen und von ihm durch eine hohe Mauer als Sichtschutz abgetrennt, gehörte zum Ensemble.
Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und der Gründung des Rheinbundes verloren die büdingischen Grafenlinien, die Speziallinien des Hauses Ysenburg und Büdingen, ihre Reichsunmittelbarkeit, sie wurden mediatisiert, verfügten jedoch auch nachfolgend als Standesherren im Deutschen Bund über ausreichend Einnahmen, insbesondere aus der 1812 erfolgten Allodifizierung des Büdinger Waldes und der dadurch zur Nutzung und Versorgung der gräflichen Familien erfolgten Übereignung von Teilen des Büdinger Waldes (neben dem Stammteil Wächtersbach auch an die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorbenen Familien der Stammteile Büdingen und Meerholz), und aus etlichen Hofgütern (Domänen; s. a. die in der Zeit der Weimarer Republik geführte politische Diskussion über die Domänenfrage). Dadurch konnte als letzte große Maßnahme 1816 der im Innenhof des Schlosses gelegene Bergfried niedergelegt und gleichzeitig die Wassergräben verfüllt werdenJürgen Ackermann: Samml. Gesch. Wächtersbach, 58. L., Oktober 2011, Nr. 400, S. 4.
Besitzer des Schlosses Wächtersbach aus dem Hause Ysenburg 1384 bis 1687 mini|hochkant|Graf Anton von Ysenburg-Büdingen (1501–1560) mini|hochkant|Graf Wolfgang Ernst I. von Isenburg-Büdingen (1560–1633) mini|hochkant|Graf Johann Ernst I. von Isenburg-Büdingen (1625–1673)
Johann I.(um 1325/30–1395), (Sohn von Heinrich II. von Isenburg und Adelheid von Hanau († nach 1378)), 1384---1395Dagmar Reimers: Schloss Wächtersbach und die Ysenburger, Samml. Gesch. Wächtersbach, 48. L., Januar 2007, Nr. 331, 16 S., Johann II. (um 1360–1408/9), (Sohn von Johann I. von Isenburg und Sophie von Wertheim († 1387)), 1395---1408 Diether I. (1390–1461), (Sohn von Johann II. von Isenburg und Margarete von Katzenelnbogen († 1438)), 1408---1461 Ludwig II. (1422–1511), (Sohn von Diether I. von Isenburg und Elisabeth von Solms-Braunfels (†1451)), 1461---1477 Johann IV. (-1496/97), (Sohn von Diether I. von Isenburg und Elisabeth von Solms-Braunfels (†1451)), 1477–1497 Ludwig II. (1422–1511), (Sohn von Diether I. von Isenburg und Elisabeth von Solms-Braunfels (†1451)),1497–1511 Philipp I. (1467–1526), (Sohn von Ludwig II. von Isenburg und Maria von Nassau-Wiesbaden († 1480)), Diether II. († 1521), (Sohn von Ludwig II. von Isenburg und Maria von Nassau-Wiesbaden († 1480)), 1511–1517 Johann V. (1476–1533), (Sohn von Ludwig II. von Isenburg und Maria von Nassau-Wiesbaden († 1480)), 1511–1517 Diether II. († 1521), (Sohn von Ludwig II. von Isenburg und Maria von Nassau-Wiesbaden († 1480)), 1517–1521 Anton (1501–1560), (Sohn von Philipp I. und Amalie von Rieneck († 1543)), 1521---1560 Georg (1528–1577), (Sohn von Anton und Elisabeth von Wied-Runkel († 1542)), 1560–1576 Wolfgang (1533–1597), (Sohn von Anton und Elisabeth von Wied-Runkel(† 1542)) 1576–1597 Heinrich (1537–1601), (Sohn von Anton und Elisabeth von Wied-Runkel(† 1542)) 1597–1601 Wolfgang Ernst I. (1560–1633), (Sohn von Anton und Elisabeth von Wied-Runkel († 1542)) 1601–1628 Ludwig Arnold (1616–1662), (Sohn von Wolfgang Ernst I. und Juliane zu Sayn-Wittgenstein (1583–1627))Juliane zu Sayn-Wittgenstein aufgerufen am 13. Februar 2021, 1628–1662 Johann Ernst (1625–1673), (Sohn von Wolfgang Ernst I. und Juliane zu Sayn-Wittgenstein (1583–1627)), 1628–1673 Marie Charlotte zu Erbach (1631–1693), (Witwe von Johann Ernst I. von Isenburg (1631–1693), Vormundin ihrer Söhne), 1673–1687
Der Schlosspark In der waldreichen Umgebung von Wächtersbach spielte der Park neben dem Schloss stets eine herausragende Rolle. Er erlebte im Verlauf der Jahrhunderte viele Veränderungen. Seine nachvollziehbare Geschichte beginnt mit einem Umritt zur Festlegung der Grenzen eines „Thiergartens“, durch den Grafen Johann Ernst I. von Ysenburg-Büdingen und seine Bediensteten, im Jahre 1666Jürgen Ackermann: Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 Lfg., Oktober 2011, Nr. 400, S. 1. Das geplante Tiergehege war eine damals modische Einrichtung. Sie diente der Repräsentation, aber auch der Befriedigung der gräflichen Jagdlust. Nicht zuletzt erfüllte sie die Aufgabe der Bereicherung der herrschaftlichen Tafel und der Bevorratung. Mit allen notwendigen Vorkehrungen und Gewerken (Grundstückstausche, Einhegung, Ausstattung, Tierbesatz etc.), wurde die Ausführung des Tiergeheges dem Haushofmeister Johann Georg Mohr übertragenJürgen Ackermann: Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 Lfg., Oktober 2011, Nr. 400, S. 2.
Neben dem Tierpark wurde auch ein Lustgarten errichtet. Er lag nahe dem Wirtschaftshof und dem Schloss, das nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut worden warDagmar Reimers: Schloss Wächtersbach und die Ysenburger, SGW Nr. 331, 2007, S. 13. In dieser Zeit entstand auch der heute noch vorhandene Keller, in dem Gemüse und Früchte als Vorräte eingelagert wurden. Später entstand über dem Keller eine Sommerterrasse.
Eine wesentliche Änderung erfuhr der Park erst wieder ab dem Jahre 1816Johannes Wolf: Der Wächtersbacher Schlossgarten, Ein Landschaftspark am Fuße des Büdinger Waldes. In: Mitteilungsblatt der Naturkundestelle Main-Kinzig, 5. Jahrgang (1993), Heft 3, S. 16–30. Zu diesem Zeitpunkt wurden die das Schloss bis dahin umgebenden Wassergräben durch Verfüllen beseitigt. Der nahe am Schloss gelegene Lustgarten verschwand wieder, bzw. wuchs mit dem ehemaligen Tiergarten zu einer neuen Einheit, dem Schlosspark, vom Typ eines Landschaftspark im englischen Stil zusammen.Jürgen Ackermann: Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 Lfg., Oktober 2011, Nr. 400, S. 4 f.
1840 wurde der Gartenarchitekt Johannes Bodenbender von Graf Adolf II. von Ysenburg mit der Planung eine Landschaftsparks beauftragtAltstadtförderverein (Hrsg.): Wächtersbach-Der ganze Schlosspark, Ein kulturelles Kleinod im mittleren Kinzigtal, Nov. 2019. Die Ausführungen erfolgten wohl in einem Zuge und stimmen noch heute, bis ins Detail am Wegenetz nachvollziehbar, mit dem überlieferten Bodenbender-Plan überein. Sie folgten, wenngleich der Park in Wächtersbach viel kleiner ist, ähnlichen Prinzipien wie der zur damaligen Zeit schon fertiggestellte Beispiel gebende Wörlitzer Park. Geschwungene Wege verbanden einzelne Wiesenflächen, die durch Baumgruppen unterbrochen wurden. Im Mittelpunkt lag ein Weiher mit einer großen Insel (heute noch als Halbinsel erkennbar), den eine gerade Schloss-Zufahrt zweiteilt. Blumenrabatten, Azaleen- und Rhododendronhecken sowie solitär gepflanzte exotische Bäume bilden Zielpunkte der Sichtachsen, die der Gartenarchitekt Bodenbender vor der Kulisse des von Buchen und Eichen bestandenen Bergwaldes einplante.Jürgen Ackermann: Samml. Gesch. Wächtersbach, 58 Lfg., Oktober 2011, Nr. 400, S. 5 Dieser nahe Bergwald, der nicht vom Park zu trennen ist, war einst ein reiner, gezielt gesetzter und gepflegter Eichenwald, der zur optischen Gliederung, von nur niedrig, etwa hüft- bis schulterhoch gehaltenen Hainbuchenhecken durchzogen war. Reste der ehemaligen Hecken prägen noch heute das Erscheinungsbild des Unterwaldes, während die Eichen vielfach durch natürlich nachgewachsene Rotbuchen ersetzt sind.