Klara Lidén (* 1979 in Stockholm) ist eine schwedische Installations-, Performance- und Videokünstlerin.

Leben

Klara Lidén studierte von 2000 bis 2004 Architektur an der Königlich Technischen Hochschule Stockholm. 2003 besuchte sie die Universität der Künste Berlin. Ab 2004 wechselte sie an die Konstfack, wo sie drei Jahre lang studierte. Seit rund 20 Jahren lebt Lidén in Berlin und ist eng mit der Stadt und ihrer Kunstszene verbunden. Bereits zu diesem Zeitpunkt waren ihre Werke regelmäßig in internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Ihre bisher bedeutendste Einzelausstellung fand 2010 in der Serpentine Gallery in London statt. 2026 widmeten ihr die KW Institute for Contemporary Art in Berlin mit Kunstwerke eine umfassende Überblicksausstellung.

2010 gewann sie den Kunstpreis blauorange der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, ein Jahr später einen Sonderpreis auf der Kunstbiennale in Venedig sowie den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst.

Heute lebt und arbeitet Klara Lidén in Berlin.

Werk

Klara Lidéns Werk besteht hauptsächlich aus Videos, Performances und Installationen sowie Skulpturen. Zu ihren bevorzugten Themen gehören ziviler Ungehorsam, verborgene Aggression und Rebellion in der heutigen Gesellschaft. Charakteristisch für ihr Werk ist die Aneignung städtischer Räume und Infrastrukturen, die sie zweckentfremdet, minimal verändert oder als Readymades in den Ausstellungsraum überführt. Für diese Überführung urbanen Inventars in Kunst verwendet sie selbst den Begriff „Un-building“. Zu den von ihr bearbeiteten oder isolierten Objekten gehören etwa Mülleimer, Baustellendurchgänge für Fußgänger, Straßenleuchten, Apothekenzeichen, Bushaltestellenschilder und mit weißem Papier überklebte Werbeflächen.

Zwei ihrer frühen Performance-Projekte waren unter anderem der Bau eines Hauses aus Müll an einem Flussufer und das Überkleben von Straßenwerbung mit weißen Plakaten.

In der Regel nimmt sie ihre improvisierten Performances auf und stellt diese Kurzfilme später aus. Häufig ist sie selbst dabei die Akteurin. Dies war z. B. bei Paralyzed (2003) der Fall, einem ihrer bekanntesten Werke, das fünf Jahre später vom Museum of Modern Art erworben wurde. Das Video zeigt, wie sie auf provokative Weise in einer S-Bahn tanzt und ihren Gefühlen und ihrem Körper trotz der zahlreichen Zuschauer freien Lauf lässt.

Ein weiteres erfolgreiches Video von Lidén ist Moonwalk (2008), in dem sie im Stil von Michael Jackson nachts durch die Straßen von New York geht. Auch spätere Arbeiten betrachten den Stadtraum als körperlich erfahrbaren und zugleich reglementierten Raum; in You’re all places that leave me breathless (2020) klettert sie entlang der Hochbahngleise der Berliner U1.

Lidéns Videos sind oft Teil ihrer multimedialen Installationen. Dabei stellt sie beispielsweise aus Gebrauchsmaterialien wie Pappkarton, Wellblech und Folien fragile Raumkonstruktionen her, durch die sich der Besucher bewegt und dabei auf verborgene Videopräsentationen stößt. Ein Thema ihrer Arbeiten ist zudem das Abtauchen in verborgene oder übersehene Zonen des Alltags; mit der Kamera filmt sie etwa in der Seine, in Gullys, unter Teppichen, in Papierkörben oder in einem Kühlschrank.

In der Ausstellung Unheimlich Manoeuvre (2007) brachte sie das gesamte Inventar ihrer Wohnung in das Stockholmer Museum und gestaltete daraus eine Installation. Die Installation bestand aus sämtlichen Gegenständen ihrer damaligen Stockholmer Einzimmerwohnung mit rund 30 Quadratmetern, darunter Herd, Bücherregale, Zeitschriften, CDs, Umzugskisten, Bett, Fahrrad, Yogamatte und Lampen.

Ausstellungen (Auswahl) 2005: Dr. 3000, Reena Spaulings Fine Art, New York 2006: Economy Class, Reena Spaulings Fine Art, New York 2007: Unheimlich Maneuver, Moderna Museet, Stockholm 2007: Klara Liden, Hayward Gallery, London 2008: Elda för kråkorna, Reena Spaulings Fine Art, New York 2009: The Teenage Room, Nordic Pavillion, Biennale di Venezia, Venedig 2009: Projects 89, Museum of Modern Art, New York 2009: Never Come Back, Kunsthalle Fridericianum, Kassel 2010: Reena Spaulings Fine Art, New York 2010: Jeu de Paume, Paris. 2010: Klara Lidén, Serpentine Gallery, London 2011: Klara Lidén, Galerie Neu, Berlin 2011: Klara Lidén, Moderna Museet, Stockholm 2011: ILLUMInations, 54. Biennale di Venezia, Venedig 2012: Bodies of Society, New Museum, New York 2012: Pretty Vacant, Reena Spaulings Fine Art, New York 2013: Klara Lidén: The Myth of Progress, Irish Museum of Modern Art, Dublin 2013: Klara Lidén: Invalidenstraße, Museion, Bozen 2014: In the Near Future, Muzeum Sztuki Nowoczesnej w Warszawie, Warschau 2014: High Performance. Die Julia Stoschek Collection zu Gast am ZKM, Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe 2015: Klara Lidén: Battement battu, Wiels – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Forest 2026: Kunstwerke, KW Institute for Contemporary Art, Berlin

Stipendien und Auszeichnungen 2008: Stipendium des International Artist Studio Program in Stockholm (IASPIS) 2009: Stipendium der Foundation for Contemporary Arts, New York, Kategorie Visual ArtsFoundation for Contemporary Arts 2010: Kunstpreis blauorange 2011: Sonderpreis auf der Kunstbiennale in Venedig 2011: Preis der Nationalgalerie für junge KunstPreis 2011

Literatur

Sophie O’Brien (Hrsg.), Klara Lidén (Ill.) u. a.: Klara Lidén. Serpentine Gallery: Moderna Museet. Verlag Buchhandlung Walther Konig, Köln 2010, ISBN 978-3-86560-915-1. Christiane Rekade (Hrsg.), Klara Lidén (Ill.) u. a.: Klara Liden – Rumpfflächen und Plündererbanden. Kerber Christof Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-86678-510-6.

Quellen

Weblinks Ausstellungsübersicht Klara Lidén, kunstaspekte.de Reena Spauldings Fine Art NY, Bilder vom Klara Lidéns Werk, Review-Übersicht Erfolg – wie geht das?, zeit.de Anschmiegsame Architektin, sueddeutsche.de

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