Tyson Luke Fury (* 12. August 1988 in Manchester, England) ist ein britischer Boxer und ehemaliger Weltmeister im Schwergewicht nach Version der WBC, WBA, IBF, WBO und IBO.Klitschko nach Totalschaden gegen Fury: «Fortsetzung folgt» Westdeutsche Zeitung, 29. November 2015, abgerufen am 30. November 2015.
Leben Fury wurde im Stadtteil Wythenshawe im nordwestenglischen Manchester geboren und wuchs in einer Familie irischer Traveller auf. Sein Großvater väterlicherseits kam aus Tuam im County Galway, dies war auch der Geburtsort seines Vaters, John Fury. Der Clan der Furys von Galway ist gälischer Abstammung. Der Name leitet sich von Ó Fiodhabhra ab und bedeutet ursprünglich buschige Augenbrauen (bushy-eyebrows).
Seine Großmutter mütterlicherseits stammt aus dem County Tipperary, seine Mutter wurde im nordirischen Belfast geboren. Furys Familie hat eine lange Geschichte im Boxen. Sein Vater John kämpfte in den 1980er Jahren unter dem Kampfnamen „Gypsy“ John Fury, zunächst als Bare-Knuckle-Kämpfer, später als professioneller Boxer. Sein Bruder Tommy Fury ist Profi im Halbschwergewicht, sein Halbbruder Roman Fury boxt als Profi im Cruisergewicht, sein Bruder Young Fury war ebenfalls Boxer im Schwergewicht. Tyson Fury ist auch ein Cousin des früheren WBO-Weltmeisters im Mittelgewicht Andy Lee, des bis 2012 aktiven Mittelgewichtsboxers Phil Fury, des bis 2015 aktiven Halbschwergewichtsboxers Dempsey Fury, des britischen Meisters im Halbschwergewicht Hosea Burton, des britischen Meisters im Schwergewicht und Jugendweltmeisters von 2012 im Superschwergewicht Hughie Fury, des Schwergewichtsboxers Nathan Gorman, des Superweltergewichtsboxers Walter Fury sowie des englischen nationalen Juniorenchampions James Dean Fury. Sein Onkel Peter Fury trainierte diverse Profiboxer, so auch Tyson für seinen Weltmeisterschaftskampf gegen Wladimir Klitschko. Ein weiterer Onkel Tysons war Hughie Fury (nicht zu verwechseln mit seinem gleichnamigen Cousin), der bis zu seinem Tod Besitzer eines Boxstudios war, des ersten, in dem Tyson trainierte. Zudem war er auch der erste Trainer Tysons im Profibereich und betreute seinen Neffen bei den ersten 17 Kämpfen.
Fury ist darüber hinaus ein entfernter Verwandter des selbsternannten King of the Gypsies, Bartley Gorman, und bezeichnet sich selbst gerne als Gypsy King. Weitere Spitznamen, die er sich selbst gegeben hat, sind The Furious One und Tyson „2 fast“ Fury. Sein Vater benannte ihn nach dem damaligen Weltmeister im Schwergewicht Mike Tyson.
Fury wuchs in Wilmslow, Cheshire, auf. Er ist Katholik und seit 2008 mit Paris Fury verheiratet; sie haben drei Töchter (* 2010, 2018, 2021) und vier Söhne (* 2012, 2017, 2019, 2023).
Amateurkarriere Als Amateur trat Fury sowohl für Irland als auch für England an. Irland vertrat er auf internationaler Ebene insgesamt drei Mal. Er kämpfte zunächst für den Holy Family Boxing Club in der nordirischen Hauptstadt Belfast und wechselte später nach Smithborough im County Monaghan in der Republik Irland.
Im Jahre 2006 erkämpfte sich Fury im marokkanischen Agadir bei den Junioren-Weltmeisterschaften der AIBA die Bronzemedaille, als er Ilham Khatamov und Istvan Bernat bezwang und sich im Halbfinale Sardor Abdullayev nach Punkten geschlagen geben musste.
Beim Länderkampf im Jahre 2007 in Polen unterlag Irland dem erfahrenen polnischen Team mit 6:12. Fury ging jedoch in seinen beiden Kämpfen, in Rzeszów und in Białystok, jeweils als Sieger hervor. Im selben Jahr vertrat Fury England bei den Junioren-Europameisterschaften im serbischen Sombor und wurde Zweiter nach einer Finalniederlage gegen den Russen Maxim Babanin. Zuvor hatte er Andrija Keković (Serbien) und Jasmin Hasić (Bosnien und Herzegowina) besiegt.
Fury versuchte, sich für Irland bei den Trials für die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking zu qualifizieren, allerdings erfolglos. Zuvor hatte er bereits versucht, sich für das englische Team zu qualifizieren, musste sich aber David Price geschlagen geben. Fury gab später an, dass seine erfolglosen Versuche, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, ein Grund für seinen Entschluss waren, ins Profilager zu wechseln. Auf die Spiele 2012 in London wolle er nicht warten.
Im selben Jahr gewann er in Sheffield die ABA-Meisterschaft (englische Meisterschaft), bei der er Mark Smith, Shane McPhilbin und Damien Campbell jeweils nach Punkten besiegte.
Profikarriere mini|Tyson Fury bei seinem Profidebüt am 6. Dezember 2008 Erste Jahre Sein Debüt als Profiboxer gab Fury am 6. Dezember 2008. Nachdem er gegen eher unbekannte Boxer gekämpft hatte, war der Kampf um die Commonwealth- und Britische Meisterschaft am 23. Juli 2011 gegen Dereck Chisora sein erster großer Auftritt. Er gewann den Kampf über zwölf Runden einstimmig nach Punkten.
Am 12. November 2011 trat er gegen den ebenfalls ungeschlagenen Neven Pajkić an. Fury ging in der zweiten Runde zum ersten Mal in seiner Karriere zu Boden, konnte den Kampf aber drehen und zwang Pajkić in der 3. Runde zweimal zu Boden. Nachdem Fury Pajkić erneut hart getroffen hatte, brach der Kampfrichter den Kampf ab und erklärte Fury zum Sieger.
Nachdem er Vinny Maddalone besiegt hatte und dadurch Intercontinental Champion der WBO geworden war, trat er gegen die beiden namhaften Boxer Steve Cunningham und Kevin Johnson in WM-Titel-Ausscheidungskämpfen an und besiegte sie.
Der für den 8. Februar 2014 angesetzte Kampf gegen David Haye wurde abgesagt, da sich Haye einer Operation seiner Schulter unterziehen musste.Haye nach OP vor Karriereende spox.com, 17. November 2013, abgerufen am 3. Mai 2014. Im Februar 2014 schlug er Joey Abell k. o. und boxte im selben Jahr das zweite Mal gegen Chisora um die Europameisterschaft (EBU), die WBO-International-Meisterschaft und die vakante Britische Meisterschaft. Chisora war chancenlos und verlor diesmal sogar vorzeitig. Ende Februar 2015 boxte er gegen Christian Hammer. Hammer musste zu Boden, hatte zu keinem Zeitpunkt eine Chance und gab in der 8. Runde auf.
Klitschko-Kampf und Rücktritt Am 28. November 2015 gewann er gegen den seit über elf Jahren unbesiegten Wladimir Klitschko nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten und wurde neuer Schwergewichts-Weltmeister der vier Verbände (WBA, WBO, IBF und IBO), deren Gürtel Klitschko innehatte. Im Dezember 2015 wurde ihm der IBF-Titel aberkannt, da er nicht gegen den Pflichtherausforderer Wjatscheslaw Hlaskow antrat. Vom renommierten Ring Magazine wurde Fury zum „Weltboxer des Jahres 2015“ gekürt.
Anfang Mai 2016 kündigte er an, nach dem Rückkampf gegen Klitschko seine Karriere zu beenden.Fury: Rücktritt nach Klitschko-Kampf spox.com, 1. Mai 2016, abgerufen am 10. Mai 2016. Wegen einer Knöchelverletzung Furys wurde der ursprünglich für den 9. Juli 2016 angesetzte Kampf verschoben. In britischen Medien wurde daraufhin verbreitet, dass Fury bereits im Frühjahr 2015 positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet worden sei.Klitschko bald wieder Champion? Sport1, 26. Juni 2016, abgerufen am 27. Juni 2016. Am 3. August 2016 teilte die britische Antidoping-Agentur UKAD mit, dass Fury am 24. Juni 2016, am Tag der Absage, provisorisch gesperrt worden sei.Benedikt Warmbrunn: Vorläufig gesperrt, in: Süddeutsche Zeitung, 5. August 2016, S. 36 Später wurde er von der UKAD für zwei Jahre gesperrt.Der Faustkämpfer Gottes Am 22. September 2016 sagte Fury den nun für den 29. Oktober geplant gewesenen Kampf erneut wegen gesundheitlicher Probleme ab. Wie später bekannt wurde, war er an diesem Tag von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur positiv auf Kokain getestet worden. Am 3. Oktober 2016 erklärte Fury per Twitter seinen Rücktritt, den er aber einige Stunden später widerrief.Fury ist für Klitschko „kein Thema mehr“ FAZ.net, 4. Oktober 2016. Zwei Tage später äußerte er in einem Interview, dass bei ihm eine manische Depression diagnostiziert worden sei.„Hoffe jeden Tag, endlich zu sterben“ Spox.com, 5. Oktober 2016. Mitte Oktober 2016 gab Fury die Weltmeistertitel der Verbände WBO, WBA und IBO zurück.Tyson Fury gibt WM-Titel zurück. Spiegel Online, 13. Oktober 2016. Im Juli 2017 erklärte er erneut seinen Rücktritt.Fury kündigt sofortigen Rücktritt an Sport1.de, 26. Juli 2017.
Comeback und Weltmeisterschaftskämpfe gegen Wilder Bereits im Oktober 2017 widerrief er diese Aussage jedoch und kündigte sein Comeback für 2018 an.
Am 9. Juni 2018 stand Fury dann wieder im Ring und besiegte in Manchester Sefer Seferi durch Aufgabe in der vierten Runde. Später im August besiegte er Francesco Pianeta in Belfast nach Punkten. Im Kampf über 10 Runden dominierte Fury, allerdings gelang ihm nicht der entscheidende Schlag. Dieser Kampf wurde ausschließlich vom Ringrichter gewertet, nicht wie üblich von drei Punktrichtern, dieser wertete jede Runde mit 10:9 für Fury (100:90).
Im Jahr 2018 sollte eine Titelvereinigung zwischen dem WBC-Weltmeister Deontay Wilder und dem WBA-, IBF- und WBO-Weltmeister Anthony Joshua stattfinden, um den unumstrittenen Weltmeister im Schwergewicht auszuboxen. Da sich jedoch die Promoter der Boxer nicht einigen konnten, bekam Fury die Chance, gegen Wilder um die Weltmeisterschaft des Verbandes WBC zu boxen. Der Kampf fand am 1. Dezember jenes Jahres im Staples Center in Los Angeles statt und endete unentschieden. Fury ging in den Runden 9 und 12 zu Boden. Fury wurde 2018 vom Ring Magazine zum Comeback des Jahres ausgezeichnet, und die zwölfte Runde des Kampfes gegen Deontay Wilder wurde als beste Runde des Jahres 2018 im Boxsport ausgezeichnet.
2019 schloss Tyson dann einen Co-Promoter-Deal mit Bob Arum von Top Rank ab, der seine Kämpfe von nun an auf ESPN in den USA zeigen würde. Der Deal über die US-Rechte für fünf Kämpfe betrug 100 Millionen US-Dollar. Die ersten beiden Kämpfe infolge des Deals fanden 2019 in Las Vegas statt. Hierbei besiegte Tyson in der MGM Grand Garden Arena den bis dahin in 24 Kämpfen ungeschlagenen Deutschen Tom Schwarz per technischem K. o. in der zweiten Runde. Drei Monate später kam es in der T-Mobile Arena zum Kampf gegen den in 20 Kämpfen ungeschlagenen Schweden Otto Wallin. Fury erlitt bereits in der dritten Runde einen tiefen Cut durch Schlagwirkung, der ihn fortan stark beeinträchtigte. Trotzdem konnte Fury sich über 12 Runden durchsetzen und den Kampf einstimmig nach Punkten für sich entscheiden. Der Cut musste direkt nach dem Kampf mit 47 Stichen genäht werden.
Ende des Jahres 2019 trat Tyson Fury in einem Wrestling-Match der weltweit größten Organisation WWE gegen den Wrestler Strowman an; den Schaukampf konnte Fury nach acht Minuten gewinnen. Als Gage für den Kampf bekam Fury ca. 14 Millionen Euro.
Am 22. Februar 2020 gewann er den Rückkampf gegen Wilder durch technischen K. o. in der siebten Runde und wurde damit WBC-Weltmeister. Tyson Fury war daraufhin Teil in der 2020 veröffentlichen Forbes-Liste der 100 bestbezahlten Sportler der Welt und der Höchstverdiener unter den Kampfsportlern. Tyson Fury wurde damit nach Riddick Bowe der zweite Boxer der Geschichte des Schwergewichts, der jeweils alle Weltmeistertitel der vier großen Verbände (WBA, WBC, IBF und WBO) einmal gewinnen konnte. Am Ende des Jahres 2020 wurde Fury vom Ring Magazine zum zweiten Mal nach 2015 als Boxer des Jahres ausgezeichnet. Damit zog er mit Boxgrößen wie Floyd Mayweather Jr., Mike Tyson und George Foreman gleich, die ebenfalls zweimal in ihrer Karriere diese Auszeichnung bekamen.