mini|Wiggensbach von Norden
Wiggensbach ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Oberallgäu. Seit 1971 trägt der gleichnamige Hauptort den Titel eines staatlich anerkannten Erholungsortes.
Die erste Besiedlung des Gemeindeteils Ermengerst ist für das Jahr 1037, des Ortes Wiggensbach für 1182 dokumentiert. Der 1888 gefundene Wiggensbacher Schatz, dessen Münzen sich auf das 1. bis 3. Jahrhundert datieren lassen, weist nach, dass bereits kurz nach der Zeitenwende Menschen im heutigen Gemeindegebiet siedelten.
Geografie mini|Das Wiggensbacher Gemeindegebiet mini|Der Gemeindeteil Westenried Geografische Lage Der Markt Wiggensbach liegt unmittelbar angrenzend etwa acht Kilometer westlich von Kempten (Allgäu).
Nachbargemeinden sind neben Kempten noch Buchenberg im Süden und Altusried im Norden. Südwestlich befindet sich der Kürnacher Wald und westnordwestlich der Hohentanner Wald, jeweils teilweise noch im Gemeindegebiet liegend.
Das Gemeindegebiet umfasst Erhebungen des Alpenvorlandes. Nahezu alle Höhenlagen sind mit einzelnen Weilern besiedelt.
Gemeindegliederung
Es gibt 75 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Gemeindefläche befindet sich in einer Lage zwischen 750 und (Dürrer Bühl, s. a. Blender (Berg)). Der höchstgelegene Gemeindeteil Raunberg liegt auf einer Höhe von . Die Gemeindefläche von insgesamt 31,83 Quadratkilometern teilt sich nach Nutzungsart wie folgt auf:
mini|Die Flächenverteilung des Gemeindegebietes Wiggensbach Fläche Größe in Hektar Anteil derGesamtfläche in % Betriebsfläche 1 0,0 Flächen anderer Nutzung 3 0,1 Wasserfläche 15 0,5 Erholungsfläche 18 0,6 Verkehrsfläche 92 2,9 Gebäude- und Freifläche 152 4,8 Waldfläche 935 29,4 Landwirtschaftsfläche 1966 61,8
Auf die gesamte Siedlungs- und Verkehrsfläche entfallen insgesamt etwa 8,3 Prozent bei einer Größe von 264 Hektar.Alle Daten aus: Flächenerhebung in Bayern 2005 des Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung vom 31. Dezember 2004; Wiggensbach S. 220–223; PDF-Datei
Klima Für Wiggensbach existierte von 1951 bis 2000 im Weiler Schachen eine Messstation für Niederschläge, diese lag auf einer Höhe von 755 Metern. Da die Station nur Niederschläge, aber keine Temperaturen aufzeichnete, lassen sich keine exakten Angaben über die klimatischen Bedingungen für die Gemeinde machen. Die nächste Vergleichsmöglichkeit bieten die in Kempten gemessenen Werte.
Wiggensbach liegt in diesem Vergleich mit durchschnittlichen Niederschlägen von 1487 Millimeter deutlich über den Werten von Kempten (1.272 Millimeter), aufgrund der höheren Lage ist auch davon auszugehen, dass die Durchschnittstemperatur niedriger als die in Kempten gemessenen 6,9 Grad Celsius liegt. Wiggensbach befindet sich klimatisch in der gemäßigten Zone, im Sommer als auch im Winter werden Wetterlagen oft durch den Föhn bestimmt. Aufgrund der hohen Lage des Gemeindegebietes schneit es im Winter mehr als in niedriger gelegenen Nachbargemeinden.
Mittelwerte der Wetterstationen im Weiler Schachen (Angaben über Niederschläge) und Kempten (Angaben der Temperatur) im langjährigen Mittel:
Geschichte mini|Wiggensbach Antike Es ist nicht bekannt, ob sich in der Antike Menschen im Gemeindegebiet niedergelassen hatten. Durch den Wiggensbacher Schatzfund ist jedoch nachgewiesen, dass sich im 3. Jahrhundert in Wiggensbach bereits Menschen aufhielten. Der Hortfund wurde 1888 vom Bauernbub Joseph Mayr beim Kühehüten auf einem Feldweg entdeckt. Ein Teil der Schmuckstücke und Münzen war im Römischen Museum in Kempten (Allgäu) ausgestellt.
In der Nachbargemeinde Altusried wurden Waffen, Gerät und Schmuck aus der Bronzezeit gefunden, in Kempten wurde eine erste Besiedlung vor Christi Geburt nachgewiesen. Durch das Gemeindegebiet verlief ein Römerweg von Isny nach Altusried; der genaue Verlauf kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Es wurden Reste des Weges in der Nähe eines Weilers zwischen Wiggensbach und Ermengerst gefunden.
Mittelalter Die Gründung des Ortsteils Ermengerst datiert noch vor der ersten offiziellen Nennung von Wiggensbach. Aufgrund des Patrons der Kirche, Johannes der Täufer, wird davon ausgegangen, dass Ermengerst als früher Taufkirchort im frühen Mittelalter entstanden ist.Die Geschichte des Ortes Ermengerst, auf ermengerst.de 1037 wurde die Ermengerster Burg als Sitz von Dienstmannen genannt. Der Name Ermengerst stammt vermutlich von einem Erminger, der eine Urkunde mit zeichnete. 1288 eroberte unter anderem ein Ritter von Ermengerst die Feste Iberg.
Der Ort Wiggensbach wurde 1182 erstmals als Witingisbach in der Isnyer Klosterchronik erwähnt. Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht geklärt. Eine Theorie besagt, dass der Name von einem Einsiedler namens Witigo oder Witgouvo stammt, der sich im Jahr 864 im Nibelgau niedergelassen haben soll. Die andere Theorie entstammt der Isnyer Klosterchronik, in der es heißt: „Bei der Erbauung des neuen Klosters zu Isny haben mit Ihren Beiträgen geholfen: der Volkspriester Martin von Wittingisbach mit seiner Gemeinde…“
Der Markt Wiggensbach wurde 1508 zusammen mit anderen Weilern dem Fürststift Kempten zugeschrieben. Die Burg Suseck, abgebildet auf dem Gemeindewappen, wurde 1525 zerstört. Von der Burg ist heute nur noch der Burgstall erhalten.
Neuzeit mini|Der Pest-Gottesacker (ehem. Friedhof) mit der Inschrift: „zur Erinnerung an den Pest-Gottesacker der Pfarrei Wiggensbach 1628–1635, Entfernung 40 Meter“ 1555 erfolgte in Eckartsberg bei Wiggensbach die erste Vereinödung; Häuser wurden anstatt in Orten in die Einöde gebaut und der zugehörige Grundbesitz neu verteilt. Grund dafür war die erhöhte Brandgefahr durch die enge Bauweise.
Um das Jahr 1620 herum hatte die Pfarrei Wiggensbach 1500 Einwohner. Die Pest raffte im Jahr 1628 820 Menschen dahin, das waren mehr als die Hälfte der Einwohner. 1634 wurde der Markt des Stiftes Kempten nach Wiggensbach verlegt, 1670 der Wochenmarkt auch wieder dort abgehalten, bevor er drei Jahre später wieder endgültig nach Kempten abgegeben wurde. 50 Jahre später, 1684, wurde der Buchenberger Markt nach Wiggensbach verlegt. Wahrscheinlich wurde auch ein Jahrmarkt am Kirchweihfest abgehalten.
Auf Beschluss des Fürstabtes Honorius Roth von Schreckenstein wurde 1780 die Marienkapelle im Kürnachtal errichtet.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss und der Säkularisation im Jahr 1803 wurde der zum Stift Kempten gehörende Ort Bayern zugeschlagen.
Die Jahre 1850 bis 1950 mini|Ermengerst vom Parkplatz Blender aus gesehen In Wiggensbach bestanden 1851 28 Hauskäsereien, aus welchen sich später zehn Genossenschaftskäsereien bildeten. Die Milchwirtschaft bietet ein wichtiges wirtschaftliches Standbein der Gemeinde.
1868 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet und 1892 in die beiden auch heute noch bestehenden Abteilungen Wiggensbach und Ermengerst aufgeteilt. 1883 wurde erstmals eine Postablagestelle bei einem Ortskrämer eingerichtet. links|hochkant|mini|Fundstelle des Wiggensbacher Schatzes, der im oberen Bereich des Felds nahe dem Wald lag
Im Jahr 1888 wurde der sogenannte Wiggensbacher Schatz entdeckt. Dabei handelt es sich um einen Münzfund, der ungefähr 230 n. Chr. von den Römern bei einem Angriff der Alemannen vergraben wurde. Zu Tage gefördert wurde er durch grasende Kühe, die den Boden auf einer Weide abtrugen und so die Münzen freilegten.
Eine Postomnibusverbindung wurde 1898 zwischen Kempten, Rothkreuz (einem heutigen Ortsteil von Kempten), Ermengerst und Wiggensbach eingerichtet. Im Ort gab es nun zwei Postboten. 1909 wurde der Omnibusbetrieb wegen der neuen Bahnstrecke Kempten–Isny eingestellt, die einen Haltepunkt im Ortsteil Ermengerst erhielt. Die Strecke, einstmals die höchststeigende Normalspurbahn in Deutschland, wurde im September 1984 wieder eingestellt. Ebenfalls 1909 wurde eine Telefonleitung von Kempten nach Wiggensbach eingerichtet. Sie galt als erste Telefonverbindung im Bezirk Schwaben.
1912–1914 erfolgte der Bau eines neuen Schulhauses in Wiggensbach. Die erste Ausgabe des Marktblattes der Marktgemeinde Wiggensbach erschien 1927. Es ist bis heute das Organ der Gemeinde für öffentliche Ankündigungen und Bekanntmachungen. 1928 wurde eine zweite Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr nach Kempten eingerichtet, anfangs mit einem Mietwagen, später mit Omnibussen.
Die Umfassungsmauer des südlich von Wiggensbach gelegenen ehemaligen Pestfriedhofes wurde 1935 freigelegt. 1936 wurde im Weiler Kochs eine Badeanstalt eröffnet, 1938 die Kapelle in Bachtels erbaut.
In den Jahren 1946 und 1947 erhielt Wiggensbach eine Kanalisation. 1947 wurde die Kapelle in Schmidsreute errichtet.
Die Jahre 1950 bis zur Gegenwart mini|Der Dorfbrunnen mit Osterschmuck und der Pfarrkirche im Hintergrund Im Jahr 1951 wurde die Gemeinde zur Marktgemeinde erhoben. Die Wasserver- und -entsorgung Wiggensbachs wurde 1958 und 1967 mit der Kolben- und der Schorenquelle sowie der Sammelkläranlage gesicherte.
Die letzten Sennereien der Gemeinde wurden zwischen 1965 und 1970 aufgelöst und 1966 die Hand- und Spanndienste abgeschafft.
Im Jahr 1967 wurde das gemeindliche Schulwesen umgestaltet. Die bis dahin selbstständigen Schulen in Bachtels, Schmidsreute und Ermengerst wurden aufgelöst, die Schüler mit einem Schulbus zur Grund- und Teilhauptschule Wiggensbach gebracht. Man gründete einen Schulverband mit Buchenberg, wo ab 1979 die Hauptschule mit der sechsten Klasse weitergeführt wurde.
Wiggensbach erhielt 1971 den Status eines staatlich anerkannten Erholungsortes. Mit der Gemeindegebietsreform in Bayern behielt Wiggensbach seine Selbstständigkeit ohne Gebietsänderung. Ermengerst wurde 1975 an die öffentliche Buslinie angeschlossen. 1979 wurde die Pfarrkirche St. Pankratius außen und in den Jahren 1982 und 1983 innen renoviert.
Das neue Rathaus am Marktplatz wurde 1984 gebaut. Baumaßnahmen in den Jahren 1992 bis 2003 umfassten das Wiggensbacher Informationszentrum im alten Schulhaus, das Feuerwehrhaus, das Freibad, einen Sportplatz und den Friedhof.
mini|Logo Pfarreiengemeinschaft am Blender
Seit September 2013 ist die Katholische Pfarrgemeinde St. Pankratius mit der Pfarrei St. Magnus, Buchenberg und der Pfarrei St. Martin, Kreuzthal in der Pfarreiengemeinschaft am Blender zusammengelegt.Pfarreiengemeinschaft am Blender, auf pg-amblender.de, abgerufen am 18. Januar 2020
Entwicklung der Einwohnerzahlen Das einschneidendste Datum in der Wiggensbacher Geschichte war das Jahr 1628, als mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Pest zum Opfer fiel. Die weitere Entwicklung der Einwohnerzahlen richtete sich stark nach den vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten; im Mittelalter, beschränkt auf die Landwirtschaft, stieg die Zahl der Bewohner nicht so stark wie nach dem Beginn der Industrialisierung und dem damit verbundenen Aufstieg Kemptens – auch im Umland ließen sich mehr Menschen nieder.
Die Tabelle stellt eine Übersicht über die Einwohnerzahlen dar:Gemeindeblatt Wiggensbach, Ausgaben vom 7. Januar 2005, 5. Januar 2007 und 8. Januar 2010, jeweils Seite 1; einsehbar ; PDF-Datei Meyers Großes Konversations-Lexikon (6. Auflage 1905–1909)
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3525 auf 5044 um 1519 Einwohner bzw. um 43,1 % – der zweithöchste prozentuale Zuwachs im Landkreis Oberallgäu im genannten Zeitraum.
Jahr Einwohner 1620 1500 1905 2031 1925 2235 1933 2224 1939 2138 Jahr Einwohner 1950 2898 1961 2650 1970 2586 1980 3177 1987 3468 Jahr Einwohner 1990 3751 1995 4254 2000 4458 2005 4645 2010 4795 Jahr Einwohner 2015 4955 2020 5049
Konfessionsstatistik