Warthe ist ein Ortsteil der Gemeinde Boitzenburger Land, der erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Die Gemeinde gehört zum Landkreis Uckermark im Land Brandenburg. Bis zum Jahr 2001 gehörte das Straßendorf Warthe als eigenständige Gemeinde zum damaligen Amt Boitzenburg. Es liegt inmitten des 1997 geschaffenen Naturparks Uckermärkische Seen.
Ortsbild Lage miniatur|hochkant|Der für die Region typische Kiefernwald in Warthe. Südlich von Warthe befinden sich die Wohnplätze Luisenfelde (ehemals Ortsteil Warthes) und Metzelthin, südöstlich befinden sich der Wohnplatz Egarsee und das Dorf Jakobshagen. Im Osten liegen der Wohnplatz Stabeshöhe und das Dorf Klaushagen. Die nächsten Orte in nördlicher Richtung sind der Wohnplatz Rosenow und das Dorf Hardenbeck. Nordwestlich liegen die Wohnplätze Brüsenwalde und das zur ehemaligen Warther Gemeinde gehörige Mahlendorf. Etwas weiter im Westen liegt der Lychener Gemeindeteil Küstrinchen. Die nächste Stadt ist das etwa 10 km im Süden gelegene Templin, einst Kreisstadt. Jedoch ist auch Lychen, das etwa 12 km im Westen liegt, nicht viel weiter entfernt.
Das Dorf liegt inmitten des Naturparks Uckermärkische Seen. Unmittelbar am Rand des Dorfes befinden sich mehrere kleine Seen: der Rathenowsee, der Kleine und der Große Warthesee sowie am Wohnplatz Bröddin der Poviestsee. Nicht weit ab in westlicher Richtung liegen der Stoitzsee und der Große Barberowsee sowie im Norden der Flache Clöwen und der Tiefe Clöwen. mini|Badestelle Warthe, Großer Warthesee mini|Hinweisschild Freizeitsportplatz des Dorfes Warthe
Historische Ortsteile Zur ehemaligen Gemeinde Warthe gehörten noch die folgenden Ortsteile und Wohnplätze, welche heute ebenfalls Teil der Gemeinde Boitzenburger Land sind: Bröddin Krumme Hecken Luisenfelde Mahlendorf
Verkehr Die Straßen und Wege im Ort sind überschaubar. Es sind folgende: Bahnhofstraße Blumenstraße Bröddin Jakobshagener Straße Krumme Hecken Luisenfelde Mahlendorfer Straße Mahlendorfer Weg Warther Dorfstraße mini|Mahlendorfer Weg, Warthe (Boitzenburger Land)
Die Bahnhofstraße erinnert noch daran, dass bis 1945 ein Bahnanschluss über die Bahnstrecke Templin-Fährkrug–Fürstenwerder im Ort existierte. Heute gibt es diesen nicht mehr.
Der Radweg "Spur der Steine" führt von Templin über Boitzenburg und Fürstenwerder nach Feldberg. Er durchquerte dabei Warthe über den alten Bahndamm.
Über die Jakobshagener Straße gelangt man zur Landesstraße L 217. Folgt man dieser Richtung Süden, mündet sie in die Bundesstraße 109, die durch Templin und Zehdenick führt.
Der kürzeste Weg nach Prenzlau führt über die Dörfer Jakobshagen, Herzfelde, Mittenwalde und von letzterem über die Bundesstraße 109 Richtung Norden direkt nach Prenzlau.
Die Stadt Lychen erreicht man über Mahlendorf, von dort in nördlicher Richtung der Mahlendorfer Straße folgend, bis es bei einer Kreuzung links zur Landesstraße L15 geht. Folgt man dieser, gelangt man direkt nach Lychen.
Der Ort Warthe ist an das Busverkehrsnetz der „Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft“ angeschlossen..
Sehenswürdigkeiten miniatur|hochkant|Bleiglasfenster der Warther Dorfkirche Der Ort ist vor allem aufgrund seiner wald- und seenreichen Natur sehenswert. Der Große Warthesee verfügt über einen Badebereich. Auch am Rathenowsee befinden sich kleine Badestellen. Wanderwege sind ausgeschildert und führen durch die uckermärkische Landschaft.Warthe Uckermark Region. In der waldreichen Umgebung sind zu den jeweiligen Saisons Blaubeeren und Pilze zu finden. mini|Alte Eiche in der Nähe von Warthe, Boitzenburger Land
Die Kirche stammt aus dem Jahre 1825 und ist ein Putzbau ohne Turm. Die letzte Kirchenrenovierung fand 1986 bis 1988 statt. Aus dieser Zeit stammen die Bleiglasfenster der Kirche. Kunsthandwerker Peter Hartlich aus Mittenwalde fertigte sie an. Die Orgel aus dem Jahr 1842 wurde 1992 saniert. Die Winterkirche unter der Empore wurde 1994/95 errichtet. 2001 wurden durch Mitarbeit von ABM-Kräften der Glockenstuhl, die Leichenhalle und die eingefallene Friedhofsmauer restauriert.uckermark-kirchen.de
Auf dem sogenannten Priesterberg befindet sich der separat von der Kirche stehende Glockenstuhl. Er verfügt über zwei Glocken, von der die kleinere über 700 Jahre alt ist und noch aus der Zeit der Kirchengründung stammt. In der Nähe des Glockenstuhls liegt der neue Friedhof. Die ebenfalls in der Nähe befindlichen Fundamente der älteren Feldsteinkirche, die 1831 abgerissen wurde, sind noch zu erkennen. Auch sind vereinzelt noch mit Gestrüpp zugewucherte und im Boden vergrabene Grabsteine des alten, verwahrlosten Friedhofes zu erkennen. So ist z. B. noch der Grabstein des Warthers Johann Springborn (1823–1904) zu finden.
Drei Eichen, die zum Andenken an die Warther Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges gepflanzt wurden, umgeben das 1920 errichtete Kriegerdenkmal, das die Namen der Warther Gefallenen des Ersten Weltkrieges auflistet. miniatur|Die 1995 eröffnete Heimatstube von Warthe Die „Heimatstube“ des Dorfes ist ein kleines Museum. Das Gebäude war einst eine Schmiede und wurde später als Teil der Schule genutzt.
Regelmäßige Festveranstaltungen wie Erntedankfeste oder Fackelumzüge laden ebenfalls zu einem Besuch ein.
Wirtschaft und Infrastruktur
Infrastruktur
miniatur|Der Gasthof „Drei Eichen“ von Warthe (2011) Das Dorf Warthe stand infrastrukturell (im Jahre 2011) vergleichsweise schlecht da. Es fehlt an Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen, ärztlicher Versorgung, einer Apotheke, einer Poststelle, einer Bank, umfangreicheren Einkaufsmöglichkeiten etc. Daher sind die Einwohner auf das größere Dorf Boitzenburg, v. a. jedoch auf die Städte der Region angewiesen. Damit steht Warthe aber nicht allein unter den Dörfern der Uckermark da. Der Bahnhof Warthe lag an der Bahnstrecke Templin-Fährkrug–Fürstenwerder, die stillgelegt ist.
In der Warther Dorfstraße gab es bis 2022 den Gasthof „Drei Eichen“ und einen Bäckermeister. Daneben gibt es mit dem „Haus der Betreuung“ ein kleines Pflegeheim und Hauskrankenpflegeservice.info-pflege.de
Unternehmen
Warthe ist ein traditionell agrarisch und forstwirtschaftlich geprägtes Dorf. Ansässige Industrieunternehmen gibt es nicht. Lediglich das Kleingewerbe ist in geringem Ausmaß noch im Ort zu finden. Neben Gasthof und Bäcker fanden sich im Jahre 2011 in Warthe eine Künstlerin, ein Immobiliendienstleister, ein Elektriker, ein Kinder- und Familiencamp und Ferienhäuser.uckermark.city-map.de Dies zeigt auch, dass für Warthe der Tourismus eine relevante Größe erreicht hat. Hier kann der Ort davon profitieren, dass er inmitten einer weiten und vielfältigen Naturlandschaft gelegen ist.
Bevölkerungsentwicklung
Politik Ortsbeirat
Bei den Wahlen zum Ortsbeirat von Warthe entfielen am 26. Mai 2019 von insgesamt 458 gültigen Stimmen 322 Stimmen auf die CDU (2 Sitze) und 136 auf die Wählergruppe Freie Wählervereinigung Boitzenburger Land (FWBL) (1 Sitz). Andere Parteien waren nicht angetreten. Die Wahlbeteiligung betrug 57 %.verwaltungsportal.de (PDF), abgerufen am 16. September 2020.
Wie in der vorangegangenen Legislaturperiode sind Jörg-Uwe Dobbert (CDU) als Ortsbeiratsvorsitzender und Christoph Kunert (FWBL) als stellvertretender Ortsbeiratsvorsitzender wiedergewählt.Zusammensetzung des Ortsbeirates auf der Gemeindeseite, abgerufen am 16. September 2020. Dobbert ist auch Mitglied der GemeindevertretungZusammensetzung der Gemeindevertretung auf der Gemeindeseite, abgerufen am 16. September 2020. und in dieser Vorsitzender des Hauptausschusses.Hauptausschuss der Gemeinde, abgerufen am 16. September 2020.
Landtagswahl
Bei der letzten Landtagswahl in Brandenburg 2019 stimmten die Wähler des Wahlbezirkes Warthe folgendermaßen ab:verwaltungsportal.de (PDF), abgerufen am 16. September 2020
Partei / WahlbewerberZweitstimmenanteil (%) SPD 23,6 AfD 22,2 CDU 21,5 B’90/Grüne 11,8 Die Linke 9,7 Freie Wähler 8,3 FDP 2,8
Wappen Warthe besaß nie ein eigenes Wappen. Als Ortsteil vom Boitzenburger Land führt es dessen in vier Felder geteiltes Wappen: Zwei Felder zeigen in rot zwei silberne Balken in Anlehnung an die in der Region einst jahrhundertelang herrschende Adelsfamilie von Arnim, der Renaissanceschlossgiebel erinnert an das Schloss Boitzenburg und das Spitzbogenfenster an das Kloster Boitzenburg.service.brandenburg.de
Vereinsleben Neben der ortsgeschichtlich forschenden „Heimatstube“ gibt es in Warthe eine Ortsgruppe des Deutschen Anglerverbands.Warthe auf rbb-online.de vom 21. November 2010 Daneben gibt es die Freiwillige Feuerwehr,gemeinde-boitzenburger-land.de sowie den Verein „Öko-Insel am Warthesee e. V.“gemeinde-boitzenburger-land.de
Mundart Die Bevölkerung von Warthe spricht heute Hochdeutsch. Jedoch sprechen vor allem Ältere auch noch traditionell die nordmärkische Varianz des Plattdeutschen, die bis in das 19. Jahrhundert in der Region vorherrschend war. Zur Mundart des Dorfes existiert ein Aufsatz aus dem Jahr 1907 des Germanisten Hermann Teuchert.
Religion
Seit der Reformation handelte es sich bei Warthe um ein evangelisch-lutherisches Dorf. Nicht zuletzt aufgrund der Doktrin der DDR und zuvor des Dritten Reiches ist der Anteil an Konfessionsgebundenen jedoch stark zurückgegangen. 2008 betrug der Anteil der Konfessionslosen in Brandenburg 79,3 % (inklusive religiöser Minderheiten), gefolgt von Anhängern des Protestantismus mit 17,3 %.Religionskarte Deutschland 2008 Dieses Größenverhältnis dürfte sich in Warthe vergleichbar wiederfinden.
Geschichte miniatur|Kriegerdenkmal von 1920 für die Warther Gefallenen des Ersten Weltkriegs miniatur|Die ehemalige Schule von Warthe (1998 geschlossen) Vor 6. Jahrhundert (Warther Region) Bis zur Zeit der Völkerwanderung lebten germanische Stämme in der Großregion um Warthe. Unbekannt ist, ob auch in oder bei Warthe eine germanische Siedlung bestand. Die hiesigen Germanen wurden archäologisch zu den Elbgermanen gerechnet. Die zwischen Ostsee und Mittelgebirge lebenden Stämme wurden als Stammesverbund Sueben genannt. Ein Teilstamm dieses Bundes waren die Lemovier, welche an der Oder, also östlich von Warthe siedelten, vielleicht aber auch in der gewässerreichen Warther Umgebung.Vgl. Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Manfred Hergt: dtv Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Aufl., München 2008, S. 198. Im Zuge der Völkerwanderung verließen die Stämme der Sueben die Region, wie auch andere germanische Stämme, v. a. wegen des Drucks vordringender Nordgermanen, fehlenden landwirtschaftlich rentablen Siedlungsraumes, wie auch wegen Zurückweichens vor Übergriffen der Hunnen und ihrer Verbündeten. Sie kamen zumeist unter kriegerischen Mitteln in das Gebiet des geschwächten und nach und nach zusammenbrechenden Römischen Reiches.Vgl. Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Manfred Hergt: dtv Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Aufl., München 2008, S. 114. Die dadurch frei gewordenen Landflächen mit verlassenen Siedlungen wurden in der Folgezeit von aus dem Osten kommenden Slawen („Wenden“) besiedelt. So auch die Region von Warthe.Vgl. Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Manfred Hergt: dtv Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Aufl., München 2008, S. 110.
6. bis 12. Jahrhundert (Warther Region)