mini|hochkant=1.1|Sportfest der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg in Köpenick (1932). Auf dem Podest SA-Oberführer Karl Ernst. Die SA-Gruppe Berlin-Brandenburg war eine der wichtigsten Gliederungen der Sturmabteilung (SA), der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP.
Die Gruppe, die unter teils wechselnden Bezeichnungen von 1926 bis 1945 bestand, spielte eine maßgebliche Rolle bei der Entfesselung des wilden SA-Terrors in den letzten Jahren der Weimarer Republik und bei der Befestigung der NS-Herrschaft in den Jahren 1933 und 1934. Nach den Ereignissen der Röhm-Affäre vom Sommer 1934 war ihre Bedeutung bis zum Zusammenbruch des NS-Systems im Frühjahr 1945 merklich reduziert. Hauptsächlich diente sie dann noch als Wehrsport- und Propagandaorganisation.
Geschichte Vorläufer mini|hochkant|Frontbann-Abzeichen auf dem Hakenkreuz hinter dem Stahlhelm der Wahlspruch „Wir wollen frei werden“. Die SA-Gruppe Berlin-Brandenburg hatte ihre Wurzeln in einer Reihe sogenannter Wehrverbände, die von Angehörigen der extremen völkischen Rechten in den frühen 1920er Jahren in Berlin gegründet wurden.
Da die frühe, vor allem auf den süddeutschen Raum ausgerichtete und dort in ihrer Organisation konzentrierte NSDAP der Jahre 1920 bis 1923 in Berlin nicht hatte Fuß fassen können, verfügte die Partei in den Jahren bis zum Hitlerputsch von 1923 über keine nennenswerten militanten Kräfte in der Reichshauptstadt. Seit 1922 begann der Freikorpsführer Gerhard Roßbach, der sich zu dieser Zeit mit seinem Verband der NSDAP annäherte, einen Ableger seiner Wehrorganisation in Berlin zu etablieren. 1924 folgte der Freikorpsführer Peter von Heydebreck diesem Beispiel und schuf eine Sektion seines Wehrverbandes für Berlin. Beide Organisationen konnten allerdings nur eine Handvoll Kompanien auf die Beine stellen.
Als der 1924 von Ernst Röhm als Ersatz für die von den bayerischen Behörden zerschlagene SA den Wehrverband Frontbann ins Leben rief, wurde für den Großraum Berlin der sogenannte Frontbann Nord als regionaler Ableger geschaffen. Mit der Führung des Frontbanns Nord wurde der ehemalige Hauptmann Paul Röhrbein betraut. In den Reihen des Frontbanns Nord fanden sich bereits zahlreiche wichtige Akteure der späteren Berliner SA bzw. SS zusammen, so z. B. Karl Ernst, Kurt Daluege, Herbert Packebusch oder Willi Schmidt.
Anfänge mini|hochkant|Walther Stennes mit den Rangabzeichen eines SA-Oberführers Bald nach der Neugründung der NSDAP und der SA im Jahr 1925 wurde im Frühjahr 1926 auch erstmals eine Berliner SA-Truppe aufgestellt. Diese ging direkt aus dem Frontbann Nord hervor, der zu dieser Zeit eine Angriffsstärke von 200 Mann erreicht hatte, die direkt in die SA überführt wurden, deren Führung zunächst bei Kurt Daluege lag. In der Folgezeit wurden diese auf einige Hundertschaften erweitert.
Unterbrochen von einem Organisationsverbot im sogenannten Verbotsjahr 1927 wuchs die Berliner SA in der Zeit von 1928 bis zum Frühjahr 1931 unter der Führung des ehemaligen Hauptmannes Walther Stennes – dem die SA-Führung in München, die sogenannte Oberste SA-Führung (OSAF), für seine Aufgabe den Rang eines OSAF-Stellvertreters Ost verlieh – zu einem Umfang von 3000 Mann an, die in vier Standarten und einem Sturmbann z. b. V. gegliedert waren. Hauptaufgaben der Berliner SA war es in diesen Jahren den Aufbau der Parteiorganisation der NSDAP in Berlin unter dem 1926 ernannten Berliner Gauleiter Joseph Goebbels gegen politische Gegner abzuschirmen. Dabei trat die Berliner SA immer stärker durch gewaltsame Auseinandersetzungen mit den politischen Gegnern der NS-Bewegung im Rahmen von Saalschlachten und Straßenkämpfen hervor, insbesondere mit Angehörigen des Rotfrontkämpferbundes und Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Besondere Aufmerksamkeit wurde hierbei der sogenannten Schlacht in den Pharussälen zuteil.
Die Entwicklung der SA in Brandenburg verlief weitgehend analog: 1925 wurden in Städten wie Fürstenwalde, Zossen, Rathenow, Brandenburg an der Havel und Eberswalde Verbände aus nationalsozialistisch gesinnten ehemaligen Wehrverbändlern organisiert, die sich schließlich in SA-Einheiten zusammenfassten.
Die SA-Gruppe Berlin-Brandenburg und der Zusammenbruch der Weimarer Republik (1931 bis 1933) mini|hochkant|Wolf-Heinrich Graf von Helldorff Im April 1931 erhoben sich Teile der Berliner SA-Gruppe unter Rädelsführung ihres Führers Stennes im Zuge des sogenannten Stennes-Putsches gegen die Münchener Parteileitung der NSDAP und die Oberste SA-Führung um Hitler und seinen im Januar 1931 ernannten SA-Stabschef Ernst Röhm. Hintergrund dieser Auseinandersetzung waren Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der zweckmäßigsten Vorgehensweise im Kampf gegen den Staat von Weimar bzw. der effektivsten Methode zur Errichtung eines Staates der den NS-Vorstellungen entsprechen würde: Während Stennes und seine Anhänger für einen gewaltsamen Umsturzversuch auf revolutionären Wege plädierten, beharrten Adolf Hitler und sein Umfeld auf einer formal legalen Gewinnung der staatlichen Macht auf parlamentarischen Wege, um das System von Weimar „mit seinen eigenen Mitteln“ zu schlagen. Nach kurzen Anfangserfolgen wie der Besetzung der Büros der Berliner Gauleitung und der Druckerei ihrer Zeitung Der Angriff wurde die revoltierende Berliner SA von dem aus München entsandten Sonderkommissar Paul Schulz und seinem Adjutanten Edmund Heines mit Hilfe der Berliner SS-Gruppe um Kurt Daluege sowie von München-treuen Teilen der Berliner SA zerschlagen und von Grund auf neuaufgebaut.
In den Wochen nach der Stennes-Revolte führte Schulz als kommissarischer Führer die Berliner SA-Gruppe während Heines den Gausturm kommandierte. Anschließend wurde die neu aufgestellte Berliner SA-Gruppe kurzzeitig von Horst von Petersdorff geführt, bevor sie dann ab Sommer 1931 von Wolff Heinrich Graf von Helldorff als neuen Kommandeur übernommen wurde. Zu dieser Zeit wurde die Berliner SA in eine selbständige Untergruppe umgewandelt, wobei die Führung weiterhin bei Helldorf, der die Bezeichnung eines Oberführers erhielt, lag. Während dieser Jahre erlebte die Berliner SA im Gefolge der großen Wahlerfolge, die die NSDAP seit 1930 einfuhr, ein rasantes Wachstum: Bis zum April 1932 wuchs sie beinahe jeden Monat um 30 bis 50 %, so dass sie im Frühjahr 1932 eine Stärke von 16.000 Mann erreicht hatte.
Im November 1931 wurde die selbständige SA-Untergruppe Berlin schließlich mit der brandenburgischen SA zur selbständige SA-Gruppe Berlin-Brandenburg zusammengelegt: Diese untergliederte sich in drei Untergruppe (Untergruppe Berlin-West, Untergruppe Berlin-Ost und Untergruppe Brandenburg). Als Abzeichenfarbe für seine Uniform erhielt der Verband schwarz.
Nach einem kurzzeitigen Verbot der SA in ganz Deutschland vom April bis Juli 1932 begann die neukonstituierte SA in Berlin im Vorfeld der Reichstagswahl vom Juli 1932 einen bis dahin beispiellosen Straßenterror in der Reichshauptstadt zu entfesseln, der maßgeblich zur Intensivierung der politischen Krise im Deutschen Reich im Sommer 1932 beitrug und der erst im Winter 1932/1933 abzuklingen begann. Die Straßen- und Saalschlachten, welche die Berliner SA zu dieser Zeit vor dem Hintergrund der dicht aufeinanderfolgenden großen Wahlkämpfe dieser Zeit mit ihren Kontrahenten aus dem kommunistischen Rotfrontkämpferbund und den analogen pro-republikanischen Organisationen ausfochten, kosteten in der Reichshauptstadt einige Dutzend Menschen das Leben.
Die Gruppe Berlin-Brandenburg im NS-Staat mini|hochkant|Karl Ernst Im Anschluss an die Übernahme der Staatsgewalt durch die NSDAP im Frühjahr 1933 erlebte die Berliner SA erneut ein sprunghaftes Wachstum: Im Sommer des Jahres 1933 hatte die Gruppe Berlin-Brandenburg bereits eine Stärke von 63.000 Mann erreicht, die sich in vier Berliner und zwei Brandenburger Untergruppen mit neunundzwanzig Standarten bzw. G-Sturmbannen gliederten. Die Führung der Gruppe lag seit dem März 1933 bei Karl Ernst, der diese Stellung als besonderer Protegé von Ernst Röhm übernahm, während sein Vorgänger Helldorff als Polizeipräsident nach Potsdam wechselte. Ernst gelang es – insbesondere nach der Eingliederung der regionalen Stahlhelm-Verbände –, die Berlin-Brandenburgische SA bis 1934 auf eine Stärke von rund 200.000 Mann auszubauen, womit die größte Ausdehnung in der Geschichte der Gruppe erreicht wurde.
Auf Veranlassung des preußischen Innenministers Hermann Göring wurden zahlreiche Angehörige der Berliner SA Ende Februar 1933 zu sogenannten Hilfspolizisten (Hipos) ernannt. Die SA-Hilfspolizei – und die ihr analoge SS-Hilfspolizei – wurde von der NS-Regierung in den folgenden Monaten als Werkzeug zur Befestigung ihrer Macht zur Unterstützung der regulären Polizei eingesetzt. Der Schwerpunkt der polizeilichen Wirksamkeit dieser SA-Kräfte lag dementsprechend im politisch-polizeilichen Bereich, d. h. in der Bekämpfung von tatsächlich und wahrgenommen politischen Gegnern der Nationalsozialisten. Kriminalistische Polizeiaufgaben im eigentlichen Sinne erledigte die Hipo nur in Ausnahmefällen.
Die Verschränkung der Berliner SA mit der Staatsgewalt führte dazu, dass die SA spätestens nach dem Reichstagsbrand vom 28. Februar ihre Position als juristisch nunmehr nahezu unangreifbarer Hoheitsträger nutzte, um Andersdenkende in der Hauptstadt gnadenlos zu verfolgen: Zu diesem Zweck richtete die SA-Gruppe bzw. ihre angegliederten Einheiten in Eigenregie zahlreiche improvisierte Gefängnisse ein, die in der Regel in den Kellern von SA-Sturmlokalen oder Stabsquartieren oder in leerstehenden Lagerhäusern untergebracht waren, so z. B. in der Hedemannstraße und in der Papestraße, in die sie ihre Opfer in der Regel ohne Haftbefehl verschleppte. Seit dem März 1933 unterhielt die Gruppe mit dem KZ Oranienburg außerdem ihr eigenes Konzentrationslager. Sowohl in den improvisierten Gefängnissen als auch in Oranienburg wurden zahlreiche Gefangene der Berliner SA-Gruppe schwer misshandelt und unter in hohem Maße unzureichenden Bedingungen (Vorenthaltung von hinreichend Wasser und Nahrung, keine ärztliche Versorgung nach schweren Verprügelungsaktionen, keine adäquaten Schlafgelegenheiten, bis hin zur tagelangen Fixierung im Stehen) verwahrt. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche der Opfer dieser wilden Gefängnisse und Lager bleibende gesundheitliche Schäden davontrugen oder starben. Zum Teil wurden Gefangene auch gezielt ermordet. Die SA-Hilfspolizei wurde im Sommer 1933 weitgehend wieder abgewickelt, so dass die Exzesse von dieser Seite im Herbst 1933 weitgehend verschwanden.
Den Wegfall der Hilfspolizei konnte die Berliner SA zum Teil kompensieren, indem sie einige ihrer Mitglieder in die reguläre Polizei und speziell in die neugegründete Geheime Staatspolizei schleuste, in der diese zumeist als Kriminalkommissaranwärter aufgenommen wurden. Für die SA hatte dies den Vorteil, dass die betreffenden SA-Leute vom Staat bezahlt wurden und ihre Möglichkeiten und Autorität als nunmehrige vollstaatliche Machtträger zur Wahrnehmung der Interessen der Gruppe nutzen konnten.
Analog zu dem halboffiziellen Terror im Rahmen der massenweise Verhaftung und Arrestierung von politischen Gegnern durch die SA-Hilfspolizei setzte die Masse der regulären Berliner SA-Einheiten den wilden Straßenterror der vorangegangenen Jahre auch nach dem Januar 1933 fort. In mancher Hinsicht verstärkte der – nunmehr staatlich weitgehend gedeckte – Terror sich in mancher Hinsicht sogar noch. So wurde der vor allem von Arbeitern bewohnte Bezirk Köpenick im Sommer 1933 im Zuge der sogenannten Köpenicker Blutwoche mehrere Tage lang von SA-Trupps heimgesucht, die wahllos mehrere Hundert Bewohner des Viertels auf offener Straße oder in ihren Heimen überfielen und dort zusammenschlugen oder sie zur weiteren Misshandlung in SA-Sturmlokale verschleppten. Im Zuge dieser Aktion kamen mindestens vierzehn Menschen ums Leben.