mini|Straßenschild mini|Statue des hl. Nikolaus auf Nr. 11, in Erinnerung an den überlieferten Namen "Nikolaivorstadt" mini|Die Durchfahrt zur Neulinggasse an der Stelle des ehemaligen Palais Arenberg
Die Landstraßer Hauptstraße ist eine bedeutende Geschäftsstraße in Wien, die den 3. Gemeindebezirk Landstraße durchläuft. Benannt wurde sie zur Namenswahrung des Bezirksteiles Landstraße. Der Name „Landstraßer Hauptstraße“ ist in der Umgangssprache nicht geläufig, normalerweise wird nur „Landstraße“ verwendet. Vor der amtlichen Festlegung des Namens 1862 lautete ihr Name Obere und Untere Landstraße (der unterste Teil zeitweilig Paulusgrund-Hauptstraße).
Lage und Charakteristik mini|links|Carl Graf Vasquez: Plan des Polizey Bezirk Landstrasse mit Verlauf der Landstraßer Hauptstraße, 1830
Die Landstraße ist historisch gesehen eine Ausfallstraße (eine Straße, die aus einem Ortsbereich hinausführt), bei dieser Straße aus dem Stubentor. Schon im Altertum verlief an dieser Stelle eine Straße zum Römerlager Vindobona.
Die Straße beginnt bei der Stubenbrücke über die Wien, die Verlängerung zum Stubenring ist die Weiskirchnerstraße. Seit 1975 ist das Hotel Hilton am Stadtpark ein deutlicher Akzent am Eingang zur Straße. Danach passiert sie den Bahnhof Wien-Mitte. Diese Stelle ist seit dem frühen 19. Jahrhundert ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, hier war von 1803 bis 1847 das Endbassin des Wiener Neustädter Kanals. 1859 wurde der Bahnhof Hauptzollamt erbaut (nach dem nahegelegenen Zollamtsgebäude von Paul Sprenger), dieser Bahnhof wurde 1962 sowie 2007 bis 2013 neu gebaut. 1899 kam für die Stadtbahn eine Station in Tieflage hinzu, diese dient (nach einigen Umbauten in den späten 1970er-Jahren) als Station der U4. Gegenüber befindet sich heutzutage ein Büro- und Kinozentrum, wo bis in die 1960er-Jahre ausgedehnte Markthallen standen.
Etwas unterhalb davon wird der weitere Verlauf von der langgezogenen Barockfassade des Klosterkrankenhauses St. Elisabeth mit dem charakteristischen Kirchturm geprägt. Unterhalb davon befinden sich auf der geraden Seite einige historistische Gebäude aus dem späteren 19. Jahrhundert, während die ungerade Seite überwiegend späthistoristisch-secessionistisch geprägt ist. Nach der Seidlgasse und über die Weyrgasse hinaus gehören die Häuser zum Ensemble des Esteplatzes, der kurz nach 1910 verbaut wurde. Für die dabei angelegte Weyrgasse (bis 1919 Estegasse) wurde das Haus Nr. 25 abgerissen, diese Hausnummer ist daher nicht mehr vorhanden.
Die einzige größere Ausbuchtung der Straße liegt gegenüber der Rochuskirche und dem 2015 demolierten Postamt. Die Fläche wird seit 2016 Rochusplatz genannt, es befindet sich dort ein kleiner Lebensmittelmarkt, der Rochusmarkt. Dort, im Bereich Salmgasse/Rasumofskygasse, lagen das 1529 von den Osmanen zerstörte St. Nikolai-Kloster und die Pfarrkirche St. Nikolai, die der Vorstadt ursprünglich ihren Namen gaben: im 13. Jahrhundert ist die spätere Landstraße als Nikolai-Vorstadt erwähnt. Rund um die Rochuskirche hat sich der vorstädtische Charakter der Straße (mit Gebäuden aus dem späten 18. Jahrhundert) noch am ehesten erhalten, was sich bis in die einmündende Kundmanngasse zieht. Insbesondere gibt es in diesem Bereich Beispiele des Josephinischen Plattenstils. Typisch für Parzellen aus dieser Zeit ist ihre schmale Front und große Tiefe, meist sind sie in mehrere Höfe aufgegliedert, was ihren Ursprung als Wirtschaftshöfe verrät.
Unterhalb des oberen Teils der Straße verläuft die U-Bahn, die Stationen Landstraße (zum Bahnhof gehörend) und Rochusgasse liegen auf der Landstraßer Hauptstraße. Nach dieser Station hat die Straße einen leicht gebogenen Verlauf, während der U-Bahn-Tunnel gerade weiterführt, wodurch er unter die Hainburger Straße kommt.
Bei ungefähr der Hälfte der Straße geht die Neulinggasse weg, oberhalb dieser Abzweigung ist der Durchhaustrakt eines Gemeindebaus. Dies entspricht ungefähr der Position des Palais Arenberg, das bis etwa 1900 hier stand, und dessen dahinter befindliche Gärten erst im frühen 20. Jahrhundert parzelliert wurden. Das daraus entstandene Viertel um den Dannebergplatz ist daher ein geschlossenes späthistoristisches Ensemble. Der Durchbruch der Neulinggasse erfolgte erst in den 1950er-Jahren.vgl. Dehio II-IX & XX, Wien 1993, Anton Schroll & Co., S. 105.
Auf der geraden Seite gibt es unterhalb der Barichgasse noch ein Ensemble biedermeierlicher Häuser. Der gegenüberliegende Emmerich-Teuber-Platz, der den Zwickel zur Baumgasse bildet und wo die Apostelgasse abzweigt, ist noch einmal ein städtebaulich markanter Punkt, was nicht zuletzt durch ein altes Scheidewegkreuz und eine auffallende Straßenuhr bestätigt wird.
Danach verläuft die Straße bis zur Schlachthausgasse, wo sie einen immer stärkeren vorstädtischen Charakter bekommt, etwa ab der Baumgasse hört auch ihre Funktion als Einkaufsstraße auf. Dominiert wird dieses letzte Drittel durch den 68 Meter hohen Turm der neoromanischen Herz-Jesu-Kirche.
Auf beiden Seiten der Schimmelgasse erstreckt sich das Paulusplatz-Viertel, das um 1820 plangemäß angelegt wurde. Auf einem Plan von Carl Graf Vasquez um 1830 wird der hiesige Abschnitt der Straße als Paulusgrund Hauptstraße bezeichnet.Wiedergabe von Vasquez' Plan auf den Wikimedia Commons Die kleinen biedermeierlichen Häuser, aus denen das Viertel ursprünglich bestand, wurden über die Jahrzehnte fast flächendeckend durch Neubauten ersetzt, die letzten an der Landstraßer Hauptstraße gelegenen allerdings erst nach der Jahrtausendwende.
Bei der Schlachthausgasse macht die Straße einen scharfen Rechtsknick, geht als deren Fortsetzung weiter und mündet vor dem Arsenal in den Landstraßer Gürtel.
Verkehr Unterhalb der Landstraßer Hauptstraße fährt bis zum Rochusplatz die U-Bahn-Linie U3 und bedient dort die Stationen Landstraße und Rochusgasse. Straßenbahnbetrieb auf der gesamten Straßenlänge gab es bis ins Jahr 1984, bevor dieser zwischen dem Stubentor und der Schlachthausgasse im Zuge des U-Bahn-Baus eingestellt wurde; zwischen der Schlachthausgasse und dem Ende der Straße am Landstraßer Gürtel verkehrt heute noch die Straßenbahnlinie 18 (oder historisch 118). Heute wird der öffentliche Oberflächenverkehr vor allem von der Buslinie 74A abgewickelt, die ausgehend vom Stubentor die Landstraßer Hauptstraße fast auf der gesamten Strecke befährt und nahe der Kreuzung zum Rennweg bei der S-Bahn-Haltestelle St. Marx ihre Endstation hat. Die Linie 4A befährt einen Teilabschnitt der Landstraßer Hauptstraße beim Rochusmarkt, die Linie 77A quert diese.
Orte und Gebäude Stilistisch ist die Straße äußerst uneinheitlich, ohne größere Ensembles zu bilden. Am ehesten ist die Gegend um die Rochuskirche zu nennen, in deren Nähe sich einiges vom Baubestand des späteren 18. Jahrhunderts erhalten hat. Die Gebäude in späteren Stilen (romantischer, strenger und später Historismus, Secessionismus, Sachlichkeit) liegen jeweils verstreut und bilden nur ganz kleine Ensembles. Denkmalschutz besteht für die Sakralgebäude und einige Wohnhäuser, insbesondere für viele derjenigen, die aus dem späten 18. Jahrhundert stammen. Insgesamt gibt es in der Landstraßer Hauptstraße siebzehn denkmalgeschützte Objekte, siehe hiezu auch Liste der denkmalgeschützten Objekte in Wien/Landstraße. Die Mehrzahl der Gebäude gehört außerdem zu der von der Stadt Wien definierten baulichen Schutzzone Landstraße.Karte der Schutzzone
Nr. 1: Wiener Bürgerhof Dieses secessionistische Haus mit flachem Zopf- und Büstendekor steht an der Stelle eines älteren Gasthauses und wurde 1905/1906 von Franz Krauss und Josef Tölk erbaut.Diese und alle folgenden Angaben, sofern nicht anders ausgewiesen, stammen aus: Dehio II-IX & XX, Wien 1993, Anton Schroll & Co., S. 115–117.
Nr. 2: Hotel Hilton Das Hotel wurde 1972–1975 erbaut und ersetzte eine 1865 entstandene Großmarkthalle. An das Hotel schließt ein Büro-, Einkaufs- und Kinozentrum an. In dem Gebäude ist auch ein Teil der Büros der Raiffeisen Bank International untergebracht.
Nr. 4 Das fünfgeschoßige Gebäude mit neun Fensterachsen wurde 1912 von Architekt Alexander Osterberger errichtet. Es weist eine neoklassizistische Fassade mit Stilelementen der Wiener Werkstätte auf. An der Fassade ist auch ein Relief eines Gnadenstuhls aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angebracht.
Nr. 4a: Krankenhaus St. Elisabeth
Das Krankenhaus St. Elisabeth ist eines der ältesten Spitäler Wiens und wurde 1715 in Betrieb genommen. Der von der Straße sichtbare Trakt des Klosters mit der Kirche stammt aus Mitte des 18. Jahrhunderts, das heutige Spitalsgebäude aus den Jahren 1834–1836. Angeschlossen daran ist die älteste noch bestehende Apotheke Wiens, deren barocke Ausstattung noch erhalten ist.
Die langgezogene Fassade stammt aus den Jahren nach 1743 und ist durch ein gebändertes Sockelgeschoß und ein Abschlussgebälk zusammengefasst. Der Konventstrakt ist durch seitliche Riesenpilaster gegliedert und weist ein Portal auf, das von einer Nischen mit der Figur der Hl. Elisabeth bekrönt ist und von zwei anderen Nischen mit Heiligenstatuen (Antonius von Padua, Franz von Assisi) flankiert wird. Als Gelenk zwischen Kirche und Kloster fungiert ein dreiachsiger Risalit mit Ädikulenportal und Stichbogenfenster mit Puttenreliefs in den Fensterstürzen. Bekrönt ist er von einem Dachgiebel und einem Turm mit Pilastergliederung und reich dekoriertem Zwiebelhelm aus dem Jahr 1746. Der anschließende Kirchentrakt weist große Rundbogenfenster in geohrten Rahmungen auf. Die prächtigen schmiedeeisernen Fensterkörbe stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.Dehio II-IX & XX, Wien 1993, Anton Schroll & Co., S. 47 ff.
Nr. 6 Der zweihofige Zinshauskomplex ist viergeschoßig mit fünf Fensterachsen. Die Fassade ist frühhistoristisch. Während die mittleren Fenster eine Doppelfensterachse bilden, ist die restliche Fassade rasterförmig gestaltet und durch leicht geometrisierenden Pflanzendekor verziert.
Nr. 7 Das Eckhaus wurde 1910 von Architekt Ludwig Baumann errichtet. Bauherr war Antonie von Laminet. Das fünfgeschoßige Gebäude weist auf der Seite der Landstraßer Hauptstraße sechs Fensterachsen auf, und an der Front zur Unteren Viaduktgasse acht Fensterachsen. Die drei Hauptgeschoße, die zu einer Einheit zusammengezogen sind, sind durch vertikale Wandfelder und ornamentale Umrahmungen im Stil der Wiener Werkstätte. In den Seitenachsen des dritten und vierten Geschoßes sind flache Erker, im Geschoß darüber, Konsolen mit Löwenköpfen. An der Hausecke ist ein turmartiger Dachaufbau. Das Gebäude liegt auch an der Adresse Untere Viaduktgasse 59.
Nr. 8 Das fünfgeschoßige Gebäude mit zehn Fensterachsen an der Beatrixgasse und fünf an der Landstraßer Hauptstraße wurde 1844 von Baumeister Josef Prantner errichtet. Der große Zinsbau hat eine einfache, kubisch wirkende Fassade, die streng gegliedert ist. Der zarte Stuckdekor wurde teilweise entfernt. Im Inneren ist eine um zwei Pfeiler herum hochgezogene Treppe mit einem Eisengeländer aus der Bauzeit. Das Gebäude liegt auch an der Adresse Beatrixgasse 2.
Nr. 9 Das 1907 von Friedrich Nietschmann erbaute fünfgeschoßige Zinshaus weist secessionistischen Dekor auf, zu dem insbesondere Kolossallisenen, Kartuschen und üppiger Rankendekor gehören.
Nr. 11: Figur des hl. Nikolaus Am 1991, im Zuge des U-Bahnbaues errichteten Gemeindebaus (Franz-Pfeiffer-Hof) wurde auch eine Figur des hl. Nikolaus vom Vorgängerbau in die Fassade des Neubaues integriert. Die Figur soll verdeutlichen, dass die „Landstraße“ früher „Nikolaivorstadt“ geheißen hat.
Nr. 13 Dieses 1853 errichtete Miethaus ist ein frühhistoristischer Zinshof mit flachen Dekorelementen. Die Türflügel des Stichbogenportals in der Gärtnergasse sind original erhalten. In der Einfahrt befinden sich zwei Figurengruppen aus dem 18. Jahrhundert, die die Krönung Mariens sowie die Dreifaltigkeit zeigen.
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