Friedlingen ist ein Stadtteil von Weil am Rhein im Landkreis Lörrach mit 5600 Einwohnern.Stadt Weil am Rhein: Daten, Zahlen, Fakten, aufgerufen am 11. Februar 2021 Der westlich des Stadtzentrums gelegene Ortsteil wird im Westen vom Rhein und im Osten von der Bahnstrecke Mannheim–Basel begrenzt. Er liegt unmittelbar am Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Schweiz und ist damit stark vom Grenzverkehr geprägt. Durch Friedlingen verlaufen wichtige Magistralen des Nord-Süd-Verkehrs mit bedeutenden Verkehrsknotenpunkten. In Friedlingen liegt auch ein Teil des Rheinhafens Weil am Rhein, der an die Rheinschifffahrt angebunden ist. Der Ortsteil verfügt über ein ausgedehntes Gewerbegebiet und war bis in die 1980er Jahre Standort von mehreren Textilfirmen.

Beschreibung und Verkehrswege mini|Karte des Stadtteils Friedlingen

Vom Stadtkern Weil am Rheins gelangt man über die Friedensbrücke, die den breiten Gleisstrang des Verschiebebahnhofs zwischen Weil und Basel überführt, ins knapp 30 Meter tiefer gelegene Friedlingen. Nach einer weiten Schleife endet die Hauptstraße, die auch durch Weil am Rhein führt, direkt am Rheinufer. Bis 1944 führte am Ende der Straße eine Schiffsbrücke ins benachbarte Huningue nach Frankreich. Fast parallel zur breiten Bahntrasse verläuft ebenfalls auf Friedlinger Gebiet die A 5, die von der Schweizer Grenze kommend mit der Anschlussstelle 60 (Weil am Rhein / Hüningen) einen Anschluss an die B 532 bietet. Die B 532 führt ostwärts zur B 3, westwärts verläuft sie über die Palmrainbrücke nach Frankreich und mündet dort in die Route départementale mit der Nummer D 105. Gleichzeitig liegt am Zoll in Friedlingen der östlichste Punkt der 68 Kilometer langen B 317, die über den Feldbergpass nach Titisee-Neustadt führt. Der Friedlinger Teil der aus der Weiler Innenstadt kommenden Hauptstraße ist identisch mit der B 317.

mini|Luftbild von Friedlingen (Vordergrund) im Jahr 1994 Zwischen der Autobahntrasse und dem breiten Gleisbett erstreckt sich ein etwa dreieckiges Grundstück, in dem sich neben einer Zollabfertigungslage eine Autobahnraststätte befindet. Neben einem Gewerbegebiet werden beide Verkehrstrassen von einem bewaldeten, etwa 200 Meter breiten Grünstreifen getrennt.

Friedlingen wird von zwei Hauptstraßen durchzogen. Die in Ost-West-Richtung verlaufende Hauptstraße, die aus der Kernstadt von Weil am Rhein durch den gesamten südlichen Teil verläuft und am Ostrand an einem Kreisverkehr auf die von Norden kommende Colmarer Straße trifft, die den Stadtteil mit dem Autobahnanschluss zur A 5 verbindet. Entlang dieser westlich verlaufenden Hauptachse der Colmarer Straße haben sich vor allem Gewerbe- und Industriebetriebe angesiedelt. Der Kern des Stadtteils verläuft an der Hauptstraße. Der östliche Teil Friedlingens ist Wohngebiet. Einzige Grünfläche ist der am Rheinufer gelegene, etwa 2,5 Hektar große Rheinpark. Vom Rheinpark gelangt man über die Dreiländerbrücke als Fußgänger oder Radfahrer ins französische Huningue. Gegenüber dem Rheinpark befinden sich Hotels und ein großes Einkaufszentrum. Südlich am Einkaufszentrum vorbei führt die Straße zum Grenzübergang in den Basler Stadtteil Kleinhüningen in die Schweiz.

Geschichte Adelssitz Ötlikon mini|Schloss Friedlingen

Erste Erwähnung erfuhr der Ort des heutigen Friedlingens unter dem Namen „Ötlikon“ im Jahr 1280. 1311 erschien das Wasserschloss Ötlikon als Besitztum der Herren von Rötteln, welche die Herren Münch von Münchenstein belehnt hatten. Im Jahre 1356 wurde das Schloss durch das Basler Erdbeben zerstört. Am 13. Juli 1368 ist der Verkauf des Schlosses und einigen Ortschaften von Konrad Münch von Münchenstein für 1400 Gulden an den Röttler Markgraf Rudolf dokumentiert. Von den Herren von Rotberg tauschten die Markgrafen Schloss und Dorf Ötlikon 1640 zurück, nachdem es 1633 durch die kaiserlichen Truppen schwere Verluste erlitten hatte. Nach dem Westfälischen Friede 1648 wurden beide in „Friedlingen“ umbenannt. Infolge des Holländischen Krieges wurde das Schloss Friedlingen am 6. Februar 1678 von französischen Truppen unter dem Marschall François de Créquy besetzt und teilweise zerstört. Am 14. Oktober 1702 wurde das Schloss nach der Schlacht bei Friedlingen endgültig zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Wandel zum Industriestandort Im Zuge des Heckeraufstandes setzte sich am 25. April 1848 eine Gefechtsgruppe unter Führung von August Willich auf der sogenannten Schusterinsel in Friedlingen fest. Nach Bekanntwerden der Niederlage von Georg Herwegh zogen sich bereits am 27. April die Freischärler nach Frankreich zurück. Die Revolutionsführer Friedrich Hecker und Gustav Struve selbst waren nur kurze Zeit auf der Schusterinsel.Paul Siegfried: Die Deutsche Republik auf der Schusterinsel. in: Das Markgräflerland, Heft 2/1986, S. 71–74. (Digitalisat)

mini|Luftbild der Schetty AG Färberei (um 1920) Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu Industrieansiedlung auf dem früheren Bann. Die Gemeinde nannte den neuen Ortsteil wieder Friedlingen. Die siedlungsprägenden Textilindustriebetriebe blieben bis teilweise in die 1980er Jahre erhalten. Der Strukturwandel ist in Friedlingen besonders augenfällig. Der älteste und größte Betrieb war die Färberei & Appretur Schusterinsel GmbH (F.A.S.) nördlich der Hauptstraße. Das ehemalige Verwaltungsgebäude wird als Technologiezentrum genutzt. Ein weiterer Teil des Geländes wird seit einigen Jahren von Outlet-Läden belegt. Das F.A.S.-Gelände am Hafen wird heute von dem Unternehmen Endress+Hauser als Standort genutzt. Einziges Bauwerk aus dieser Zeit ist der noch erhaltene, 1908 errichtete Wasserturm Friedlingen.

Ein weiterer bedeutsamer Industriebetrieb war die in Friedlingen angesiedelte Färberei Schetty. Diese wurde 1853 von Josef Schetty in Basel gegründet und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zur größten der Stadt, was bis 1949 so blieb. Neben Friedlingen hatte die Färberei weitere Standorte in Krefeld und Wien. Der Betrieb in Weil am Rhein wurde 1970 geschlossen., abgerufen am 12. Februar 2021

Mit der Ansiedlung der Betriebe begann in den 1920er Jahren auch die Entwicklung Friedlingens als Wohnsiedlung. Zu dieser Zeit errichtete die Haltinger Baugenossenschaft meist zweigeschossige Wohnungen südlich der Hauptstraße. Nach Westen wird der Siedlungsteil durch lange vierstöckige Wohnblöcke ohne Balkone abgelöst, die aus der unmittelbaren Nachkriegszeit stammen.Der Landkreis Lörrach, Band II, S. 751.

Weiterentwicklung zur Wohnsiedlung Östlich der Fabrikkomplexe etablierte sich auf den Freiflächen eine wachsende Wohnbebauung. Das schubweise Wachstum lässt sich vor allem im Bereich der südlichen Hauptstraße im Bereich der Oberen Schanzstraße, Sundgaustraße und Grenzstraße nachvollziehen, wo in den 1920er Jahren die Baugenossenschaft Weil/Haltingen zumeist zweigeschossige Wohnhäuser erbauen ließ. Die Häuser ähneln denen in der Eisenbahnersiedlung in Haltingen. Erst in den 1960er Jahren kamen weitere und zum Teil höhere Wohnblöcke dazu. Die Besiedlung nördlich der Hauptstraße setzte in den 1950er Jahren ein. Dort zeigt sich ein teilweise sehr inhomogenes Besiedlungsbild. Nach Nordosten hin wurde die Besiedlung durch die massive Autobahnzollanlage begrenzt. Dort haben sich nach und nach vor allem Gewerbebetriebe angesiedelt.

Seit dem Weggang der Textilindustrie Mitte der 1980er Jahre hat sich Friedlingen stark gewandelt. Der Ausländeranteil stieg auf 35 % (Stand 2017) an. Die Kriminalitätsrate gehört landesweit zu den höchsten. Zu den im Stadtteil einschlägigen Delikten gehören Bandenkriminalität, illegales Glücksspiel, Geldwäsche, Waffen- und Drogenhandel. Friedlingen gilt daher spätestens seit den 2000er Jahren als sozialer Brennpunkt.Gesetzes- und Verordnungsblatt der Evangelischen Landeskirche in Baden (PDF; S. 16), aufgerufen am 10. März 2021.Badische Zeitung: Friedlinger Parallelwelten: Wo Multikulti auf rechte Gesinnung trifft, Artikel vom 8. Juli 2016, aufgerufen am 3. September 2021 Die Einwohner Friedlingens, die vielfach in den Textilfabriken arbeiteten und traditionell Mitte-Links wählten, haben sich von der traditionellen Politik abgewandt. Der erste politische Rechtsruck erfolgte bei den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2014, als ein Kandidat der NPD ein Mandat für das Stadtparlament holte und die AfD 24 % erreichte.TagesWoche: Weil-Friedlingen – ein Quartier am äussersten Rand, Artikel vom 21. September 2017, abgerufen am 10. März 2021Südkurier: Friedlingen ist ein heißes Pflaster, Artikel vom 13. Februar 2018, abgerufen am 10. März 2021

In der Silvesternacht 2015/16, in der es in Köln und mehreren weiteren Orten zu sexuellen Übergriffen kam, wurden in Friedlingen zwei Minderjährige durch vier syrische junge Männer vergewaltigt.Hannes Lauber, Karl Heidegger: Vierergruppe vergewaltigt zwei Mädchen in der Silvesternacht. Badische Zeitung, 7. Januar 2016, abgerufen am 10. März 2021.Thomas Loisl Mink: Prozess um Vergewaltigung in Silvesternacht: Bewährungsstrafen für die Angeklagten Badische Zeitung, 15. Juni 2016, abgerufen am 30. Mai 2021.

2019 wurden mit Hilfe der Bevölkerung konkrete Ideen und Vorschläge zu einer Umgestaltung des Rheinparks und weiterer öffentlicher Räume eingebracht.Pressemitteilung Weil am Rhein: Beteiligungs-Workshop Umgestaltung Rheinpark am 2. April 2019, aufgerufen am 10. März 2021 Ziel der Maßnahmen ist eine grundlegende Sanierung des Hafen- und Gewerbestandorts der Ortsmitte. Dazu wurde im Juli 2019 ein Quartiersmanagement eingerichtet, das eine Vermittlerrolle zwischen Verwaltung und Bürgerschaft übernehmen und jährlich über die Fortschritte berichten soll. Die wesentlichen Punkte der umfangreich angelegten Sanierungsaktion sollen bis 2025 umgesetzt sein.Pressemitteilung Weil am Rhein: Sanierungsgebiet Ortsmitte Friedlingen, aufgerufen am 10. März 2021 Anfang 2021 wurden bereits Teile des Rheinparks saniert.Oberbadisches Volksblatt: In Friedlingen geht es voran, Artikel vom 2. Februar 2021, aufgerufen am 10. März 2021

Ortsbild, Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Nächtlich beleuchtete Dreiländerbrücke mit Blick nach Huningue mini|Fassade am Haupteingang des Rheincenters

Outlet-Gewerbegebiet, Dreiländerbrücke und Rheincenter Ein sichtbares Zeichen der in der Vergangenheit in Friedlingen stark vertretenen Textilindustrie ist der Wasserturm Friedlingen. Er gehörte zur Färberei & Appretur Schusterinsel GmbH und steht im Gewerbegebiet der Textil-Fabrikverkaufsläden im Südteil des Stadtteils. Im Jahr 2020 waren insgesamt 16 Läden in dem Gebiet als OutletCity Weil zusammengefasst.Offizielle Webpräsenz von OutletCity Weil, aufgerufen am 10. März 2021 Diese Läden nördlich der Hauptstraße werden durch die westlich verlaufende Colmarer Straße begrenzt. Beide Hauptverkehrsstraßen treffen sich an einem Verkehrskreisel, dort schließt sich nordwestlich der Rheinpark an. Der am Rheinufer gelegene Park ermöglicht den Blick auf die französische Nachbargemeinde Huningue.

Zu Fuß oder mit dem Rad erreicht man Huningue über die 2007 neu errichtete Dreiländerbrücke, die weltweit längste Bogenbrücke ihrer Art. Die markante Linienführung der mit vielen Architektur- und Ingenieurpreisen ausgezeichneten Brücke ist mittlerweile zum Symbol für die gesamte Stadt Weil am Rhein geworden. Das Stadtmarketing von Weil am Rhein verwendet die Silhouette der zu Abendstunden auch angestrahlten Brücke für ihr Erkennungslogo.

Unweit der Dreiländerbrücke auf einer Parzelle zwischen dem Rheinufer, der Landesgrenze und der Hauptstraße sowie der Colmarer Straße befindet sich der Gebäudekomplex des am 23. April 1991 eröffneten Rheincenters,Weiler Zeitung: „Von Jahr zu Jahr ging es aufwärts“, Artikel vom 26. März 2016, aufgerufen am 23. Februar 2021 eines Einkaufszentrums mit überregionalem Einzugsgebiet aller drei Länder. Das Einkaufszentrum beherbergt auf mehreren Ebenen neben einem mehrstöckigen Parkhaus für über 1000 Fahrzeuge über 50 Geschäfte, zwei Hotels und ein Kino.

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