mini|300px|Hettingen (1985)
Hettingen (schwäbisch Hättenga) ist eine Landstadt im Norden des Landkreises Sigmaringen in Baden-Württemberg. Mit einer Gesamteinwohnerzahl von 1861 Personen (Stand: 31. Dezember 2024) ist Hettingen eine der kleinsten Städte Baden-Württembergs, die „Kernstadt“ selbst hat nur gut 800 Einwohner. Bis 2023 war Hettingen die kleinste Stadt des Landes, Stand Ende 2024 ist Hettingen die drittkleinste Stadt.
Geographie Geographische Lage Hettingen liegt im Südwesten der Schwäbischen Alb. Der Stadtteil Hettingen liegt im Tal der Lauchert in 630 bis 795 Meter Höhe. Der größere Stadtteil Inneringen liegt auf der Albhochfläche, der Signalstein „auf der Eck“ liegt bei . Die Gemarkungsfläche umfasst rund 4606 HektarGemarkungsfläche 46.056.880 m² (Stand: 31. Dezember 2010)Angaben nach Marga Arnold, Sekretariat der Stadt Hettingen, vom 2. Februar 2011..
Geologie Inneringen liegt auf einer Formation des weißen Jura, und zwar der obersten Schicht der Zetakalke.
Nachbargemeinden Die Stadt Hettingen grenzt im Norden an Gammertingen, im Osten an Langenenslingen (Landkreis Biberach), im Süden an Veringenstadt sowie im Westen an Neufra.
Stadtgliederung Im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg schloss sich die Stadt Hettingen zum 1. Januar 1975 mit der bis dato selbständigen Gemeinde Inneringen zusammen.
Wappen Stadtteil Einwohner(Stand: 10. Nov. 2012) Fläche(Stand: 31. Dez. 2010) 50px|Hettingen Hettingen (Kernstadt) 833 1988 ha 19.882.729 m² 50px|Inneringen Inneringen 992 2617 ha 26.174.151 m²
Zur Stadt Hettingen gehören neben Hettingen und Inneringen noch der an der Gemeindeverbindungsstraße nach Harthausen a. d. Scher gelegene Weiler Stollbeck (früher zu Hettingen) sowie ein Teil des Weilers Pistre und das Gehöft Hohwieshof (beide früher zu Inneringen). Der nördlich der Landesstraße L 275 gelegene Teil des Weilers Pistre gehört zu Langenenslingen. Die ehemalige Feriensiedlung Dullenberg ist heute einer der zwei Stadtteile von Hettingen.
Schutzgebiete
Das westlich von Hettingen liegende Fehlatal wurde als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Laucherttal gehört zum Landschaftsschutzgebiet Laucherttal mit Nebentälern. Zudem hat die Stadt Anteile am FFH-Gebiet Gebiete um das Laucherttal und am Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.
Hettingen gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Hettingen mini|hochkant|Burg und Stadt Hettingen von Südwesten mit Ummauerung (Ansicht von 1717) mini|Hettingen von Südwesten, Anfang 20. Jahrhundert mini|Blick auf Hettingen vom Schloss aus gesehen Die alamannisch gegründete Siedlung wurde als „Hatingin“ 1135 in der Zwiefalter Chronik des Ortlieb erstmals genannt. Als erster Herrscher wurde Adalbert Graf von Heatingen genannt, der durch seinen Eintritt in das Kloster Zwiefalten erstmals erwähnt wurde. Auf ihn ist auch der Ortsname zurückzuführen. Sie gehörte im 11. Jahrhundert den Grafen von Achalm, später den Grafen von Veringen, die vermutlich die 1267 erwähnte Burg auf dem Bergrücken über dem Dorf erbauten. Im 13. Jahrhundert wurde von den Veringern unterhalb der Burg eine städtische Siedlung gegründet. Flügelmauern führten zur Lauchert, um dem Ort Schutz zu bieten.Burgruine, Schloss und Teufelstor. S. 2–4. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. Die Stadt Hettingen wurde in regelmäßiger Bauweise entlang der Durchgangsstraße unmittelbar neben dem Dorf angelegt.
Mit der Herrschaft Gammertingen erwarben die Herren von Speth 1524 den Ort und bildeten bei der Teilung der Herrschaft 1599 aus den Orten Hettingen, Hermentingen und Kettenacker eine eigene Herrschaft. Die kleine Stadt fiel nach dem Ende der Speth’schen Herrschaft in dörfliche Verhältnisse zurück. 1720 wurde das Schloss erbaut, das bis ins 20. Jahrhundert im Besitz der Familie Speth blieb. Sie wurde 1827 mit allen Speth’schen Besitzungen von Hohenzollern-Sigmaringen aufgekauft.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 335.
1850 ging die Stadt wie ganz Hohenzollern-Sigmaringen als Teil der Hohenzollerischen Lande an Preußen. 1883 wurden die Stadtrechte aufgehoben und 1952 erneut verliehen.
Am 8. April 1909 war im Lokalteil der Hohenzollerischen Volks-Zeitung zu lesen, dass auf seinem Grundstück beim Schloss ein Hettinger Bürger Erde zu einem Neubau aushob und dabei ein gut patiniertes Bronzestück fand, das einen Fratzenkopf mit diabolischem Gesichtsausdruck darstellt. Die Annahme, dass das Stück römischer Abstammung sei, dürfte kaum zutreffen. Wahrscheinlich handelt es sich um ein aus dem alten Schloss stammendes Zierstück aus der Renaissancezeit.Gerd Bantle: Fremdenverkehr und Bronzefund. In: Schwäbische Zeitung vom 8. April 2009
Inneringen Auch Inneringen wurde erstmals 1135 in der Zwiefalter Chronik des Ortlieb genannt. Vom 13. Jahrhundert an werden die Herren von Schiltau als Ortsherren angesehen. Die Edlen von Schiltau waren ein Ministerialgeschlecht und standen teilweise auch im Dienst der Grafen von Veringen. 1355 ging Inneringen in den Besitz der Herren von Hohenfels-Jungingen über, 1367 an die Herren von Reischach, die den Ort bis 1418 behielten. Anschließend bis 1534 übten die Herren von Werdenberg die Herrschaft aus. Nach dem Aussterben dieses Geschlechts im Mannesstamm fiel Inneringen zusammen mit der Herrschaft Jungnau an den Grafen Friederich den Älteren von Fürstenberg, den Schwiegersohn des Grafen Christoph von Werdenberg.
Inneringen blieb bis 1806 unter fürstenbergischer Hoheit. In diesem Jahr erhielt das Haus Hohenzollern-Sigmaringen auf der Grundlage der Rheinbundakte die Landesherrschaft über die Herrschaft Jungnau mit Inneringen, verwaltungsmäßig blieb Inneringen jedoch bis zur Auflösung des Obervogteiamts in Jungnau 1840 bei der Herrschaft Fürstenberg. Am 24. August 1853, am Gedenktag des Heiligen Bartholomäus, um 15:30 Uhr, erlebte Inneringen eine verheerende Hagelkatastrophe. Bei den zu beobachtenden faust- bis kinderkopfgroßen Hagelkörnern gab es 19 verletzte Bewohner, darunter einen Schwerverletzten, hunderte toter Tiere. Ein Großteil der Ernte wurde vernichtet. Bei mehr als 210 Wohn- und Ökonomiegebäuden wurden die Dächer nahezu vollständig zerstört. Der am alten Kirchengebäude entstandene Schaden war so erheblich, dass das Gebäude im März 1861 abgerissen wurde. Noch heute werden am Jahrestag zum Eintreten des Unglücks alle Kirchenglocken geläutet, um der Katastrophe zu gedenken.Historisches Unwetter: Eisbrocken verletzen Mensch und Vieh. In: Schwäbische Zeitung vom 11. August 2008
Am südlichen Ortsrand von Inneringen befand sich ab 1959 eine rund 15 Hektar umfassende militärische Einrichtung (Fort Black Jack). Sie war vermutlich während des Kalten Kriegs französische und später amerikanische Stellung von nuklearen Sprengköpfen. Die Friedensbewegung demonstrierte 1983 auch in Inneringen gegen den NATO-Doppelbeschluss und die mögliche Stationierung von Pershing-II-Raketen. 1983 wurde der Stützpunkt von den US-Streitkräften aufgegeben.
Zusammenschluss Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Inneringen und Hettingen im Rahmen der Gemeindereform von Baden-Württemberg zusammengeschlossen. Dieser Zusammenschluss wurde zuvor durch einen Bürgerentscheid herbeigeführt.
Einwohnerentwicklung Zum Zeitpunkt der Gemeindereform hatten die beiden Stadtteile zusammen 1941 Einwohner, in den 1990er Jahren stieg die Einwohnerzahl bis auf 2110 Einwohner an. Vor allem aufgrund eines erheblichen Bevölkerungsrückgangs im Stadtteil Hettingen (von 1030 auf rund 850) ist die Stadt heute nach Langenburg im Landkreis Schwäbisch Hall die zweitkleinste Stadt des Bundeslandes Baden-Württemberg.Ignaz Stösser (ist): Zahlen und Fakten. In: Wir in Hettingen. In: Schwäbische Zeitung vom 15. Januar 2011:
Jahr Einwohner 1961 1594 1970 1900 1975 1941 1991 2015 1996 2110 2005 1998 2010 1865 2015 1796 2020 1777
Von den 1594 Einwohnern im Jahr 1961 lebten 812 in Hettingen und 782 in Inneringen. Von den 1900 Einwohnern im Jahr 1970 lebten 1013 in Hettingen und 887 in Inneringen.
Religionen Sowohl Hettingen als auch Inneringen sind katholisch geprägt. In beiden Orten besteht eine katholische Kirchengemeinde mit dem Patrozinium des Hl. Martin, die zum früheren Bistum Konstanz gehörten. Der Hettinger Pfarrei war über Jahrhunderte das benachbarte Dorf Hermentingen als Filial zugeordnet, bis dies Anfang der 1990er Jahre aufgrund der politischen Zugehörigkeit von Hermentingen geändert wurde. Seither ist Hermentingen Filial von Veringenstadt.
Die Gemeinden gehören heute zum Dekanat Sigmaringen-Meßkirch der Erzdiözese Freiburg; sie bilden mit den benachbarten Kirchengemeinden St. Nikolaus in Veringenstadt, St. Michael in Veringendorf und der Filialkirchengemeinde St. Gallus in Hermentingen die Seelsorgeeinheit Veringen.
Die Einwohner evangelischer Konfession gehören der evangelischen Kirchengemeinde Gammertingen und damit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg an.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Hettingen umfasst derzeit 12 ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Er wird nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, das den Ortsteilen jeweils eine bestimmte Anzahl an Vertretern im Gemeinderat garantiert: so sind sowohl für den Ortsteil Hettingen als auch für den Ortsteil Inneringen jeweils sechs Vertreter vorgesehen. Durch Ausgleichsmandate kann sich die Gesamtzahl an Sitzen jedoch verändern. Die letzte Wahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 72,5 % zu folgendem Ergebnis:
+ Gemeinderatswahl 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Wahlgemeinschaft der Stadt Hettingen 27,0 % 3 Freie Wählerliste 30,2 % 4 Bürgerliste 20,1 % 3 Unabhängige Bürgerliste 22,7 % 3
Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2024 Daniel Eiffler. Er wurde am 24. März 2024 mit 97,2 Prozent der Stimmen gewählt.
Bürgermeister von Hettingen bis 1974: Johann Knaus (CDU)
Bürgermeister von Inneringen 1905–1933: Josef Kempf 1933–1945: Wilhelm Fritz 1945–1948: Johann Georg Ott 1949–1974: Johann Georg Brandstetter
Bürgermeister der Stadt Hettingen nach dem Zusammenschluss mit Inneringen 1975–1999: Johannes Müller (CDU) 1999–2008: Stefan Bubeck (CDU) 2008–2011: Uwe Bühler (CDU) 2012–2024: Dagmar Kuster seit 2024: Daniel Eiffler
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Fasnachtsmuseum Narrenburg Direkt neben dem Schloss gelegen befindet sich das Fastnachtsmuseum „Narrenburg“. Das Gebäude des Museums wurde auf den Resten der zum Schloss gehörenden Zehntscheuer erbaut, von welcher noch die Außenmauern vorhanden waren. Dort werden europäische Fastnachts-, Faschings- und Karnevalsbräuche vorgestellt. In der unteren Etage ist eine Ausstellung über die Fastnacht in der Region Alb-Lauchert zu sehen, darüber hinaus werden Sonderausstellungen zu verwandten Themen präsentiert. Im Hettinger Puppenmuseum gibt es Künstlerpuppen aus dem Jahr 1840 bis heute, Trachtenpuppen, Puppenwagen und -herde, Puppenhäuser und -stuben, Kaufmannsläden, Marionetten und alte Spiele zu entdecken. Zusätzlich sind Kinderbücher aus zwei Jahrhunderten, Spielsachen aus drei Jahrhunderten und Puppenstubenmöbel mit Einrichtungen zu sehen.Auf dem Jakobsweg von Gammertingen nach Pfullendorf. S. 52–59. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. Gewandhaus Museum Inneringen
Hettingen Hettingen liegt an der Hohenzollernstraße und ist Teil der Ferienregion „Im Tal der Lauchert“.
Schloss Hettingen Das Schloss Hettingen ist auf eine Burganlage aus dem 11. Jahrhundert zurückzuführen.