mini|hochkant=1.2|Ein Männchen des Afrikanischen Straußes präsentiert seine weißen Prachtfedern an den Flügelenden Straußenfedern (auch Straußfedern) sind die Federn des Afrikanischen Straußes (Struthio camelus). Insbesondere werden darunter die weißen Schwanzfedern der Hähne und die ebenfalls weißen Handschwingen an den Flügelspitzen von Straußen beiderlei Geschlechts verstanden. Diese waren lange Zeit als schmückendes Accessoire begehrt und galten als die „vorzüglichsten Schmuckfedern“.Meyers Großes Konversations-Lexikon: „Federn“, Band 6. Leipzig 1906, S. 374–376.
Funktion Strauße sind flugunfähig. Ihre Federn konnten daher im Laufe der Evolution andere Funktionen übernehmen. Die Hähne haben ein schwarzes Gefieder und sowohl an den Flügelenden als auch am Schwanz weiße Pracht- oder Schmuckfedern. Die grau-braun gefiederten Hennen haben an den Flügelspitzen ebenfalls weiße, am Schwanz grau-braune Schmuckfedern.
Die Schmuckfedern bildeten sich im Laufe der Evolution aus den nach dem Verlust der Flugfähigkeit funktionslos gewordenen Schwung- und Steuerfedern.Anja-Christin Schulz: Untersuchungen zum Verhalten und der Haltung von Afrikanischen Straußen (Struthio camelus) unter deutschen Klimabedingungen (PDF-Datei; 2,36 MB). Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität, München 2004, S. 3. Durch Spreizen der Flügel erhalten die Federn an den Flügelenden zusätzlich eine Funktion als Schattenspender bei großer Hitze.Anja-Christin Schulz: Untersuchungen zum Verhalten und der Haltung von Afrikanischen Straußen (Struthio camelus) unter deutschen Klimabedingungen (PDF-Datei; 2,36 MB). Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität, München 2004, S. 23.
Verwendung Altertum Straußenfedern waren seit dem Altertum ein beliebter Schmuck. Schon im 2. Jahrhundert v. Chr. lässt sich die Jagd auf Strauße belegen.
Handelsartikel der Neuzeit mini|hochkant|Rembrandt: Porträt einer Dame mit Straußenfeder (um 1660) mini|hochkant|Pleureusen und Straussfedern (1912) In Europa kamen Straußenfedern im 18. Jahrhundert als Hutschmuck insbesondere der reichen Damenwelt derart in Mode, dass die Jagd auf die Vögel solche Ausmaße annahm, dass bald der Bestand der Art bedroht war. Als schmückendes Accessoire waren von Natur aus weiße Straußenfedern besonders begehrt.
Nachdem frei lebende Strauße zu Beginn des 19. Jahrhunderts extrem selten geworden waren, begann man mit der Zucht dieser Tiere. Die erste Straußenfarm entstand 1838 in Südafrika. Bei der Zucht stand die Selektion auf gute Qualität der Federn im Vordergrund.Anja-Christin Schulz: Untersuchungen zum Verhalten und der Haltung von Afrikanischen Straußen (Struthio camelus) unter deutschen Klimabedingungen (PDF-Datei; 2,36 MB). Inaugural-Dissertation, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität, München 2004, S. 2. Mit dem Ersten Weltkrieg brach der Federhandel ein; heute spielt die Gewinnung von Straußenfedern bei der Straußenzucht nur noch eine untergeordnete Rolle.
Straußenfedern werden aufgrund ihrer elektrostatischen Eigenschaften auch heute noch zur Herstellung von Staubwedeln oder technischen Bürsten verwendet.
Marktbericht aus dem Jahr 1912 Ein mit „Der Verbrauch von Straußenfedern“ übertitelter Marktbericht aus dem Jahr 1912 gibt eine Beschreibung des Handels mit Federn, insbesondere von Straußenfedern, in einer Hochzeit der Ausschmückungen mit Federn.
Ein Großteil der Federn ging in das in der Mode tonangebende Frankreich. Von den modisch vorherrschenden Straußenfedern war es 1911 ein Import im Wert von 60 ½ Millionen Franc. sie wurde als die einzige Vogelart genannt, bei der die Federn (durch Rupfen) von lebenden Tieren gewonnen wurden. Von Teuerungen bei Materialknappheit waren vor allem die allerfeinsten Qualitäten betroffen, nicht aber die großen Massen vom gezüchteten Kapstrauß.
Heraldik Auch in der Heraldik kam im 18. und 19. Jahrhundert die Straußenfeder vermehrt auf und fand vor allem als Helmkleinod, seltener auch als Gemeine Figur Verwendung.Otto Titan von Hefner: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. Heraldisches Institut, München 1861, S. 81. Als Helmzier sind Straußenfedern vor allem in der polnischen Heraldik und bei den Wappen deutscher Studentenverbindungen verbreitet.Gerhard Richwien: „Das Erbe der Orden. Symbolwelt der Aufklärungszeit und ritterliches Identifikationsmuster im akademischen Korporationswesen,“. In: Erich Donnert (Hrsg.): Europa in der Frühen Neuzeit: Festschrift für Günter Mühlpfordt. Band 6: Mittel-, Nord- und Osteuropa. Böhlau, Köln 2002, ISBN 3-412-14799-0, S. 627 ff., hier: S. 637.
In der Napoleonischen Heraldik wurden die bisherigen Rangkronen durch ein System von Mützen ersetzt, bei denen unter anderem die Zahl der Straußenfedern den Stand des jeweiligen Trägers darstellte. So trugen die Chevaliers eine Feder, Barone drei, Grafen fünf und Herzöge sieben.
Siehe auch Plumassier Federbusch Strauß (Wappentier)
Literatur Straußfedern. In: Pierer’s Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 914. (Online) Peter Behrens: Straußenfeder. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto, Wolfhart Westendorf (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band VI: Stele – Zypresse. Otto Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1986, ISBN 3-447-02663-4, S. 77–81.
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