Der Hoftag zu Worms (auch Reichstag zu WormsMeyer von Knonau, S. 614. oder Synode von WormsMeyer von Knonau, S. 615.) war die ersteDie zweite Reichsversammlung in Worms fand am 15. Mai 1076 statt. ReichsversammlungDie begriffliche Unterscheidung zwischen Hof- und Reichstagen sowie Reichsversammlungen war im Mittelalter noch nicht ausgeprägt. Diese Versammlungen waren alle Treffen der Herrscher mit führenden Trägern politischer Macht im Reich. 1076 in Worms. Sie fand unter König Heinrich IV. im Januar 1076 statt und ist eines der zentralen Ereignisse des Investiturstreits zwischen dem König und Papst Gregor VII. Sie gilt als unmittelbarer Auslöser für die Verhängung des Kirchenbanns über den König wenige Wochen später.
Vorgeschichte Während der Sachsenkriege hatte Heinrich IV. gegenüber dem Papst eine konziliante Haltung gepflegt. Nachdem dieser Konflikt beigelegt war, wandte er sich Reichsitalien zu und verfolgte dort eine Politik, die alle päpstlichen Interessen ignorierte. Höhepunkte dieser Politik waren, dass er im Erzbistum Mailand nach Verhandlungen mit den führenden Mailändern den mailändischen Adeligen Tedald als Erzbischof investierte, der zuvor Mitglied in der Hofkapelle Heinrichs IV. gewesen war. Die Ernennung erfolgte gegen den Kandidaten des Papstes, Atto. Weiter investierte Heinrich IV. ohne Absprache mit dem Papst, dem die Ernannten nicht einmal bekannt waren, Bischöfe in FermoErst seit 1589 Erzbistum. und Spoleto.Erst seit 1821 Erzbistum. Anschließend trat er in Verhandlungen mit dem vom Papst exkommunizierten normannischen Herzog Robert Guiskard ein, der weite Teile Süditaliens beherrschte und den Papst von dort bedrängte.Althoff, S. 126.
Deshalb richtet Gregor im Dezember 1075 ein Schreiben an Heinrich, in dem er ihn dringlich ermahnte, die Bischofsernennungen, die er in der Folge des Mailänder Bischofsstreits ausgesprochen hatte, zurückzunehmen.Caspar (Quellen), Reg. III.10, S. 263–267; Hartmann, S. 24. Er erinnerte ihn an die Gehorsamspflicht eines christlichen Königs gegenüber dem Papst. Außerdem lud er ihn für 1076 vor die Fastensynode in Rom, um sich zu rechtfertigen. Sollte er nicht erscheinen, drohte er ihm mit dem Kirchenbann. Als Reaktion auf dieses Schreiben berief Heinrich noch in Goslar, wo das Weihnachtsfest des Jahres 1075 beging, für den 24. Januar 1076 eine Reichsversammlung nach Worms ein.Althoff, S. 128, 133.
Reichsversammlung Tagungsort Worms wurde als Tagungsort gewählt, weil es zentral zwischen Nord- und Süddeutschland lag und vor allem für alle Teilnehmer entlang der Rheinschiene gut erreichbar war. Das war wichtig, weil eine Ladungsfrist von vier Wochen angesichts der damaligen Verkehrsverhältnisse knapp bemessen war. Heinrich IV. wollte mit dieser knappen Frist auf jeden Fall der Fastensynode in Rom, die für den 14. Februar 1076 terminiert war, zuvorkommen.
Teilnehmer In Worms versammelten sich neben dem König 26 von 34 Reichsbischöfen, deren Namen überliefert sindAlthoff, S. 134; RIplus Regg. Bamberg n. 495. In: Regesta Imperii Online; abgerufen am 21. Januar 2025., darüber hinaus aber zahlreiche weitere GeistlicheMeyer von Knonau, S. 614., aber nur wenige weltliche Würdenträger. Bekannt ist die Anwesenheit des Herzogs Gottfried IV. von Niederlothringen, der wahrscheinlich in Begleitung von Bischof Wilhelm von Utrecht kamMeyer von Knonau, S. 615. und mit Mathilde von Tuszien verheiratet war. Die Ehe war aber zerrüttet. Belegt ist im Einzelnen die Anwesenheit von
Anwesend war weiter der dreifach exkommunizierte Kardinal Hugo Candidus, ein entschiedener Gegner des Papstes. Als scheinbar intimer Kenner der römischen Verhältnisse berichtete er den Teilnehmern an der Reichsversammlung über ein angeblich skandalöses Verhältnis zwischen dem Papst und Mathilde von Tuszien.Althoff, S. 134; Meyer von Knonau, S. 618. Die Bischöfe befürchteten darüber hinaus generell, obwohl sie keine erklärten Gegner der Kirchenreform waren, die Einschränkung ihrer Selbständigkeit durch die zunehmende Zentralisierung der Kirchengewalt durch Papst Gregor VII. Gut ein Jahr zuvor hatte dieser in einem BriefCaspar (Quellen), Reg. II.45, S. 182f. an die deutschen Herzöge diese aufgefordert, die Messen ungehorsamer Kleriker notfalls durch Gewaltanwendung zu verhindern.
Abwesend waren Erzbischof Gebhard von Salzburg und Bischof Altmann von Passau die beide im Streit die Seite des Papstes einnahmen. Weiter fehlte Erzbischof Werner von Magdeburg. Der Stuhl des Erzbistums Köln war zum Zeitpunkt der Reichsversammlung noch nicht wiederbesetzt.Meyer von Knonau, S. 614f. Ebenfalls nicht teilnehmen konnte Bischof Adalbert II. von Worms, den die Bürger der Stadt 1074 nach heftigen Auseinandersetzungen aus der Stadt geworfen hatten.Vgl. dazu hier.
Beratungen Über den Verlauf der Beratungen ist wenig bekannt. Vor allem die Bischöfe Adalbero von Würzburg und Hermann von Metz sollen anfänglich Widerstand geleistet haben, vor allem unter dem formalen Argument, dass ein Bischof nur nach persönlicher Anhörung und den vorgeschriebenen Formalien abgesetzt werden dürfe und dass zudem im Falle des Papstes niemand berechtigt sei, eine Anklage zu erheben.Althoff, S. 134f. Auch soll Heinrich IV. die Anwesenden erheblich unter Druck gesetzt haben. Da aber die Quellen alle in hohem Maß parteiisch sind, ist heute schwer zu beurteilen, wie die Beratungsergebnisse zustande kamen.Althoff, S. 134f.
Ergebnis Als Ergebnis der Reichsversammlung verfassten die Bischöfe einen Brief an den Papst, in dem sie ihm den Gehorsam aufkündigten.
Ein zweites Schreiben ließ König Heinrich IV. durch Gottschalk von Aachen verfassen, das unter seinen dramatischen Schlussworten Descende, descende Berühmtheit erlangte und in dem er den Papst zum Rücktritt aufforderte:
Folgen Gregor VII. konterte, indem er auf der Fastensynode in Rom am 14. Februar 1076 den deutschen König für abgesetzt erklärte, den Kirchenbann über ihn aussprach und ihn damit aus der Kirche ausschloss. Das entband die Untertanen von ihrem Treueeid gegenüber dem König, was es jedem Untertanen ermöglichte, sich rechtmäßig gegen den König zu wenden. Damit war die Herrschaftsbasis des Königs fundamental bedroht. Gregor VII. hatte die theoretische Grundlage für diesen einmaligen Schritt schon zwei Jahre zuvor in seiner Schrift Dictatus Papae gelegt.
Um diese für den deutschen König existenzbedrohende Situation zu beenden, erklärte sich Heinrich IV. nach dem Fürstentag zu Trebur im Oktober 1076 bereit, den Papst in Canossa um Vergebung und Wiederaufnahme in die Kirche zu bitten.
Siehe auch Liste der Reichsversammlungen in Worms
Quellen Carl Erdmann (Hg.): Die Briefe Heinrichs IV., MGH Deutsches Mittelalter, 1937. Erich Caspar (Hg.): Das Register Gregors VII. = Monumenta Germaniae Historica: Epistolae selectae 1 (Buch 1–4), Weidemann, Berlin 1920. Digitalisat. Lampert von Hersfeld: Annalen. Neu übersetzt von Adolf Schmidt. Erläutert von Wolfgang Dietrich Fritz. 4., bibliographisch aktualisierte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011. ISBN 978-3-534-24665-6
Literatur Gerd Althoff: Heinrich IV. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-11273-3 Wilfried Hartmann: Der Investiturstreit = Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 21. Oldenbourg, München 1993. ISBN 3-486-55766-1 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. ebenda 2007, ISBN 978-3-486-57841-6 Gerold Meyer von Knonau: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. Bd. 2: 1070 bis 1077. Duncker und Humblot, Leipzig 1894.
Weblinks Absagebrief Heinrichs IV. an Papst Gregor VII. von 1076 bei der Universität Tübingen
Anmerkungen
Einzelnachweise
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