Die Bergbau- und Töddengemeinde Recke liegt im Norden der westfälischen Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt). Eines der am besten erhaltenen Moorgebiete in Nordrhein-Westfalen befindet sich im nordöstlichen Gemeindegebiet.
Geografie Geografische Lage Das Gemeindegebiet Recke liegt im nördlichen Gebiet des Tecklenburger Landes im heutigen Kreis Steinfurt. Es erstreckt sich von den Ausläufern des Teutoburger Waldes im Osten bis in die Dümmer-Geestniederung im Westen, sowie vom Buchholzer Forst im Süden bis zum Landschafts- und Naturschutzgebiet des Recker Moores im Norden. Durchzogen wird das Gebiet von der Recker Aa und dem Mittellandkanal. Im Westen der Gemeinde befindet sich das Naturschutzgebiet Heiliges Meer – Heupen.
Ortsgliederung mini|Ensemble alter Fachwerkhäuser am Markt, im Hintergrund der Turm der evangelischen Kirche
Die Gemeinde Recke besteht aus den Ortsteilen:Unter Ortsteilen werden hier die jeweils mit Ortstafeln versehenen geschlossenen Ortsteile verstanden.
Recke mit den BauerschaftenDie aufgeführten Bauerschaften sind keine geschlossenen Ortsteile und daher jeweils nur mit Ortshinweistafeln gekennzeichnet. Langenacker, Harhof und Twenhusen Steinbeck mit den Bauerschaften Bad Steinbeck, Püttenbeck, Mertensberg und Buchholz Obersteinbeck Espel
Anmerkungen
Flächennutzung Fläche der Gemeinde Recke nach Nutzungsartenhttp://www.recke.de/city_info/display/dokument/show.cfm?region_id=348&id=381775 Daten aus Klimaschutzkonzept der Gemeinde Recke: Nutzungsart Landwirtschaftsflächen Waldfläche Gebäude- und Freiflächen Verkehrsflächen Wasserflächen Sonstige Anteil in % 68,3 9,4 8,7 5,8 1,6 6,2
Nachbargemeinden Recke grenzt im Süden an die Stadt Ibbenbüren, im Westen an die Gemeinde Hopsten, im Osten an die Gemeinde Mettingen sowie im Norden an die niedersächsischen Gemeinden Voltlage und Neuenkirchen innerhalb der Samtgemeinde Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück.
Geschichte mini|hochkant|Die unter Denkmalschutz stehende katholische Pfarrkirche St. Philippus und Jacobus im Ortsteil Steinbeck
Die Entstehung des Ortes basiert auf der Gründung einer Kirche und der vorher erfolgten Missionierung dieser Region, die von St. Denis, Paris, ausging. Die älteste bekannte Urkunde in Bezug auf Recke stammt aus dem Jahr 1137. Offensichtlich unterstand die Recker Kirche zu dieser Zeit dem Bistum Münster, da verschiedene Güter durch Bischof Werner von Münster an das Kloster Varlar in Coesfeld übertragen wurden. Unter den Gütern befand sich ein domus de Reice cum curte – ein Haus in Recke mit einem Hof. In dieser Urkunde tritt unter anderem als Zeuge der erste Tecklenburger Graf Egbert (Egbertus) auf, der vermutlich bereits zu dieser Zeit Einfluss auf das Recker Gebiet besaß.
Ein weiterer Beleg ist eine im Bistum Osnabrück aufbewahrte Schenkungsurkunde vom 19. Januar 1189. Aus der Urkunde geht hervor, dass der Edelherr Wiebold von Horstmar als Grundherr von Recke (rike) den Haupthof und die Kirche, sowie weitere Höfe im Gemeindegebiet und eine Mühle dem Bischof von Osnabrück zur Errichtung eines Männerklosters schenkte. Die Besitzungen reichten jedoch für eine Klostergründung nicht aus, so verblieb bis zum Jahr 1200 der Besitz bei den Edelherren von Horstmar. Erst zu diesem Zeitpunkt fand endgültig ein urkundlicher Übertrag an den Bischof von Osnabrück, einem Bruder des regierenden Grafen Otto I. von Tecklenburg, statt. 1243 wird Recke erstmals als Pfarrei urkundlich erwähnt und gehörte zum Bistum Osnabrück. Man geht aber davon aus, dass bereits früher eine selbständige Kirche vorhanden war, denn erst 1281 wird erstmals ein Plebanus (Pfarrer) Johannes in Recke erwähnt.
Der Einfluss der Tecklenburger Grafen nahm stetig zu und bereits Mitte des 13. Jahrhunderts übten die Herren von Cappeln, als Lehensleute der Grafen von Tecklenburg, die Gerichtsbarkeit in Recke aus. Im Jahr 1326 erhielt Graf Otto IV. von Tecklenburg das Amt Recke, das somit territorial in die Grafschaft Tecklenburg komplett übergegangen war. Durch Erbauseinandersetzungen kam es zur Teilung der Grafschaft Tecklenburg. Recke gelangte ab 1515 mit der Vereinigung der von Ober- und Niedergrafschaft in die Grafschaft Lingen, die aber weiterhin im Besitz der Grafen von Tecklenburg stand. Letztmals konnte Graf Nikolaus IV. von Tecklenburg 1541 beide Gebiete für kurze Zeit vereinen.
Ab 1548 begann für Recke mit der endgültigen Abtrennung der Grafschaft Lingen von Tecklenburg eine Zeit politischer, kriegerischer und konfessioneller Unruhen und Nöte. Kaum ein anderes Gebiet in Europa wechselte so oft die Besitzer wie Oberlingen, obwohl es mit dem Westfälischen Frieden von 1648 dem holländischen Königshaus der Oranier zugesprochen wurde. Trotz vielfältiger Bemühungen auf Reichstagen durch die Tecklenburger Grafen gelang es ihnen nicht, die Grafschaft Lingen rückzugewinnen. 1702 fiel die Obergrafschaft und damit Recke an Preußen, unter dessen Verwaltung die Gemeinde mit kurzer Unterbrechung von 1807 bis 1813 (Großherzogtum Berg) verblieb. Mit Gründung des Kreises Tecklenburg im Jahr 1816 wurde Recke letztendlich wieder Teil des Tecklenburger Landes.
Recke wird auch als Töddengemeinde bezeichnet. Die Tödden waren Wanderkaufleute und Hausierer, die sich nach dem Dreißigjährigen Krieg, mit der Blütezeit im 18. Jahrhundert, aus Hollandgängern entwickelten und die ihre Waren zunächst in den Niederlanden, dann auch in den nordischen und baltischen Ländern anboten. Der Töddenhandel brachte den Heimatgemeinden einigen Wohlstand, was heute noch die Töddenhäuser mit ihren häufig aufwendig gestalteten Giebeln bezeugen. Von den Tödden sind die normalen Hollandgänger zu unterscheiden, die sich in großer Zahl in den Niederlanden als Grasmäher, Torfstecher und Landarbeiter verdingten. Der Höhepunkt des Hollandgangs war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. So zogen, wie der Heimatforscher Louis Stüve (1858–1935) berichtet, in den Jahren zwischen 1760 und 1770 in jedem Frühjahr etwa 50 bis 70 Mann von Recke aus zum Arbeiten nach Holland.
Vom 1. Februar 1930 bis zum 1. April 1951 bildeten die Gemeinden Recke und die Gemeinde Mettingen zusammen das Amt Mettingen.
Espel Espel wurde im Heberegister der Abtei Werden als Teil des Venkigaus, der sich hauptsächlich östlich der Ems bis an das Heilige Meer erstreckte, bereits 1188 erwähnt.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1975 wurde ein Gebietsteil der ehemaligen Gemeinde Ibbenbüren-Land mit einer Fläche von 28 ha und damals 79 Einwohnern nach Recke umgegliedert.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen der Gemeinde Recke:https://www.landesdatenbank.nrw.de/ Landesdatenbank NRW Bevölkerungsstand Basis Zensus 2011 - Gemeinden - Stichtag Datum Einwohner 31. Dezember 2000 11.618 31. Dezember 2011 11.275 31. Dezember 2012 11.259 31. Dezember 2013 11.224 Datum Einwohner 31. Dezember 2014 11.246 31. Dezember 2015 11.363 31. Dezember 2016 11.341 31. Dezember 2017 11.331
Politik
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Recke setzt sich nach der Kommunalwahl vom 13. September 2020 aus 26 Mitgliedern folgender Fraktionen zusammen: CDU: 11 Sitze Kommunalbündnis Recke (KBR): 9 Sitze SPD: 4 Sitze FDP: 1 Sitz Die Linke: 1 Sitz
Bürgermeister Amtierender Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl 2020 Peter Vos (KBR, SPD).
Ehemalige Bürgermeister 2009–2020 Eckhard Kellermeier (CDU) 1999–2009 Josef Plumpe (CDU) 1992–1999 Walter Schwegmann (CDU)https://archiv.ivz-aktuell.de/index4.php?id=29390&pageno=31 IVZ am 6. Mai 2008:"Nachruf der Gemeinde Recke"; abgerufen am 6. April 2018 1989–1992 Jürgen Kalähne (RWG, später CDU)In Ibbenbürener Volkszeitung am 20. April 1999:"RWG tritt zur nächsten Kommunalwahl nicht an"In Ibbenbürener Volkszeitung am 30. September 1991:"Anfang vom Ende der RWG Recke?" 1984–1989 Herbert Peuten (CDU, später UWG)In Ibbenbürener Volkszeitung am 13. Mai 1989:"Bürgermeister Herbert Peuten 50 Jahre alt" 1961–1984 Martin Stroot (CDU) 1951–1961 Eduard RiekeIn Ibbenbürener Volkszeitung am 18. August 1967:"Reckes Altbürgermeister gestern ausgezeichnet"
Wappen mini|hochkant|Die im romanischen Stil erbaute evangelische Kirche
Blasonierung: Das Wappen zeigt im silbernen Schild sieben blaue Balken, darauf einen schwarzen, silbern verfugten Turm mit Satteldach. Der Turm zeigt drei rundbogige, silberne Fenster, darunter eine silberne, rechteckige Schießscharte und unten ein silbernes, spitzbogiges Tor. Die blauen Balken entsprechen dem Schild der Edelherren von Horstmar, die seit dem frühen Mittelalter in Recke Besitzungen hatten. Der alte Wehrturm der romanischen Kirche wurde als Wahrzeichen der Gemeinde dem Horstmarer Wappen beigefügt.
Städtepartnerschaften Partnergemeinde von Recke ist Ommen in den Niederlanden. Die Partnerschaft wird mit einem Partnerschaftstag gepflegt, der alle zwei Jahre im Wechsel einmal in Recke, dann wieder in Ommen gefeiert wird. Gegenseitige Besuche von Gruppen beider Kommunen finden aber das ganze Jahr über statt. Geschlossen wurde die Partnerschaft am 12. September 1989 durch die damaligen Bürgermeister Herbert Peuten (Recke) und Hendrik Carel Knoppers (Ommen), welche die Urkunde in Recke unterzeichneten."An der Schwelle des neuen Jahrtausends eng verbandelt." Ibbenbürener Volkszeitung vom 18. September 1999
Eine weitere Partnergemeinde ist Neukalen in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Partnerschaft wurde am 14. Oktober 1995 geschlossen. Den ersten Kontakt zwischen den Gemeinden gab es nach einem Kirchentag 1958. Der Runde Tisch in Neukalen beschloss nach der Wende am 7. Februar 1990 Kontakt nach Recke aufzunehmen, um eine Partnerschaft zu initiieren.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Alte Ruthemühle
Bauwerke und Museen
Besonders sehenswert sind in Recke die „drei Dionysius-Kirchen“. Die historisch bedeutendste davon ist die evangelische Kirche. Die kleine spätromanische Saalkirche aus dem 9. Jahrhundert mitten im Ortskern ist das älteste Gebäude der Gemeinde und steht unter Denkmalschutz. Die „zweite Dionysiuskirche“ ist die frühere katholische Pfarrkirche an der Hopstener Straße. Sie wird heute von der Kirchengemeinde als Jugendheim genutzt. Das dritte Gotteshaus in diesem Bunde ist die in den Jahren 1953 bis 1955 errichtete Pfarrkirche St. Dionysius. Kunsthistorisch bedeutsam an diesem modernen Bau ist vor allem der von Johann Heinrich König geschaffene barocke Hochaltar von 1755, der aus der alten Kirche übernommen wurde. Die 1889 bis 1892 im neugotischen Stil errichtete Steinbecker Pfarrkirche St. Philippus und Jacobus steht ebenfalls unter Denkmalschutz. In ihr finden sich zahlreiche Arbeiten von Joseph Krautwald.
In der Alten Ruthemühle ist ein heimatkundliches Museum untergebracht, das verschiedene alte Handwerke zeigt. Weiterhin werden an bestimmtem Tagen im Jahr in einem Backhaus Brote und Kuchen verkauft, gebacken in einem mit Holz beheizten Steinofen. Darüber hinaus verfügt die Ruthemühle auch über ein Standesamts-Zimmer, sodass sie sich zu einem beliebten Ort für Trauungen entwickelt hat.
Parks Recke hat einen Bürgerpark, der an der Hauptstraße liegt und etwa 1977 gebaut wurde. Im Jahr 2023 wurde der Motorik Fun Park eröffnet, der sowohl im Bürgerpark liegt als auch am Schul- und Sportzentrum. Der Motorik Fun Park besteht aus einem Teil für kleinere Kinder im Bürgerpark und einem Teil für größere Kinder sowie Fitnessgeräten für Jugendliche und Erwachsene.
Jugendarbeit Der VCP (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder e. V.) Recke, Stamm Asgard ist seit 1973 im Adolf-Schlatter-Heim ansässig. Der Stamm vertritt die Ziele der weltweiten Pfadfinderbewegung, sowie die Ideale der deutschen Jugendbewegung. Bei uns wird durch Fahrt und Lager der soziale Umgang untereinander, sowie das mit und von der Natur leben vermittelt. Zurzeit hat der Stamm nur eine Ranger- und Rover-Runde. Ziel des Stammes ist es, so bald wie möglich neue Sippen aufzubauen.