Das Cementbaugeschäft Rudolf Wolle, zuletzt Tief- und Betonbau Rudolf Wolle,Bestand 20726 Leipziger Baugewerke im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig zuvor Bauunternehmung Rudolf Wolle, war ein Bauunternehmen in Leipzig, das zu den Pionieren des Stahlbetonbaus gehörte und wesentlich zu dessen Verbreitung in Deutschland beitrug.

Geschichte Rudolf Wolle (1864–1933) und sein 1896 gegründetes Bauunternehmen trugen wesentlich zur Durchsetzung des neuen Baustoffs Stahlbeton (damals noch Eisenbeton) bei. So wurde auch der erste Vortrag vor dem Deutschen Beton-Verein, in dem Eisenbeton erwähnt wurde, im Februar 1900 von einem Ingenieur dieses Unternehmens gehalten.Michael Fischer: Steineisendecken im Deutschen Reich 1892–1925. Dissertation, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, 2008, Band 1 (Entwicklungsgeschichte, Typologie und Bewertung), S. 29; (kobv.de, PDF; 12 MB). Rudolf Wolle war um 1909 Mitglied im Schiedsgericht des Deutschen Beton-Vereins.

Rudolf Wolle wurde vor dem Ende der Monarchie in Deutschland mit dem Ehrentitel eines (königlich sächsischen) Kommerzienrats ausgezeichnet. Am 19. November 1920 verlieh ihm die Technische Hochschule Braunschweig die Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E. h.) „in Anerkennung seiner außerordentlich erfolgreichen Tätigkeit für die Entwicklung der Beton- und Eisenbetonbauweise, seiner regen Mitwirkung bei der Schaffung praktischer Unterlagen für den Aufbau der Theorie und seines Wirkens auf wirtschaftlich-technischen Gebieten“.

Um 1926 bestand eine Niederlassung der Bauunternehmung in München.laut wiederholten Anzeigen in der Zeitschrift Beton und Eisen, Jahrgang 1926

Rudolf Wolle wurde 1933 auf dem Leipziger Südfriedhof begraben, in einem bis heute erhaltenen Familiengrab mit monumentalem Grabmal.Grabmal der Familie Rudolf Wolle. geniessen.org

Das Unternehmen scheint mindestens bis in die 1950er Jahre aktiv gewesen zu sein: Im Jahr 1952 erhielt es die Zulassung 20/52 des Ministerrats der DDR zum Stahlbeton-Deckensystem Rapid.

Bauten Das Unternehmen war beim Bau von feuer-, schall- und schwammsicheren Zwischendecken engagiert. Dabei kam sowohl die sogenannte Viktoria-Decke der Hansa Gesellschaft für Wand und Deckenbau als auch die selbstentwickelte Wolle’sche Konsolendecke zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Eisenbetondecke, die zwischen I-Trägern oder kontinuierlich über Mauern hinweg mit voutenförmigen Anschluss an die Träger oder Mauern hergestellt wird. Die maximale Spannweite betrug zehn Meter.

mini|Hängegurtträger mini|Betonhalle in Leipzig Bis auf eine Ausnahme wurden alle nach dem Konstruktionsprinzip des Hängegurtträgers (Möllerträger, Möllerbrücke) ausgeführten Brücken in Sachsen und Thüringen durch Wolle erbaut.Einzige Ausnahme ist die Brücke über den Pleißemühlgraben vor dem Reichsgerichtsgebäude in Leipzig, die von der Bauunternehmung Drenckhahn & Sudhop ausgeführt wurde. Rudolf Wolle hatte zur Gründung von Bauwerken ein Patent auf fünfeckig ausgeführte Eisenbetonpfähle, die bis auf die tragfähige Schicht reichten. Diese wurden auf der Baustelle ausgeführt und nach vier Wochen gerammt. Auf die Pfähle wurde in Verbindung damit 1 m hoch eisenbewehrter Beton aufgebracht.o. V.: Das neue Amtsgericht und Gefängnis in Weißenfels an der Saale. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 34. Jahrgang 1914, Nr. 2 (vom 7. Januar 1914), S. 9 f. (Digitalisat bei der Zentral- und Landesbibliothek Berlin)

Bekannte Bauwerke 1898–1913: Völkerschlachtdenkmal 1899: Überbrückung des Pleißemühlgrabens in Leipzig (mit 300 Metern die breiteste bekannte Möllerbrücke)Sie verfügt dementsprechend über die größte Anzahl von Hängegurtträgern in einem Bauwerk. 1900: Straßenbrücke über den Knauthainer Elstermühlgraben in Großzschocher bei Leipzig (Möllerbrücke) 1905–1906: Eisenbetonkuppel der Bismarcksäule auf der Rothenburg am Kyffhäuser 1910: Neubau der Roßbrücke in Pforzheim (Möllerbrücke mit 28,40 m Spannweite; nicht erhalten)Wilhelm Petry (Bearb.): Betonwerkstein und künstlerische Behandlung des Betons. München 1913, S. 92. 1912–1913: Betonhalle (später Messehalle 12 bzw. 16) für die Internationale Baufach-Ausstellung 1913 in Leipzig (gemeinsam mit der Bauunternehmung Kell & Löser)Internationale Baufachausstellung mit Nebenausstellungen Leipzig 1913 auf kmkbuecholdt.de; abgerufen am 13. Juni 2019 1913–1918: Zeppelinbrücke über das Elsterbecken in LeipzigAdolf Kleinlogel: Bewegungsfugen im Beton- und Eisenbetonbau. Ernst & Sohn, Berlin 1927. (eingeschränkte Vorschau bei Google Bücher) 1915–1916: Brücken der Bahnstrecke Könnern–Rothenburg 1918–1924: Walchenseekraftwerk 1921–1923: Lange Brücke in Forst (Lausitz)Neue Baukunst, 2. Jahrgang 1926, Heft 15. 1927–1928: Paradiesbrücke in Jena (größtenteils später erneuert)

Anmerkungen

Schriften

Literatur Lutz Reinboth: Eine Bauweise gefördert und weiter entwickelt. In: Bauen im Bestand, Ausgabe 05/2015; Auszug. bauenimbestand24.de; abgerufen am 13. Juni 2019.

Weblinks

Möllerträger. LKG – Ingenieurbüro für Bautechnik. Möller-Brücken in Sachsen-Anhalt. axbach.de

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Leipzig) Kategorie:Brückenbauunternehmen Kategorie:Ehemaliges Bauunternehmen (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1896 Kategorie:Aufgelöst in den 1950er Jahren