Jacques Pucheran (* 2. Juni 1817 in Clairac; † 13. Januar 1895 in Port-Sainte-Marie) war ein französischer Zoologe und Ornithologe.Jules Andrieu (1895), S. 96.

Leben Pucheran war ein Großneffe des berühmten Arztes Antoine-Étienne-Renaud-Augustin Serres (1786–1868), der in Paris den Lehrstuhl für Anthropologie innehatte. Seine schulische Laufbahn begann er in Bordeaux an der Lehranstalt Royer-Missé, an der er schließlich mit 16 Jahren mit dem Abitur abschloss. Danach zog er nach Paris, um am L’Hôpital de la Pitié Medizin zu studieren und anschließend zu promovieren.Unbekannter Autor, S. 121. Seine These zu seiner Doktorarbeit, die 1841 erschien, lautete Considération anatomiques sur les formes de la tête osseuse dans la races humaines.Jules Andrieu (1887), S. 220. Noch im gleichen Jahr 1841 erschien von seinem Urgroßvater Serres eine Rezension der Dissertation.Antoine-Étienne-Renaud-Augustin Serres

Mit gerade 24 Jahren galt sein Interesse zunächst nicht den Patienten. Vielmehr zog ihn die prächtige Sammlung des Muséum national d’histoire naturelle (MNHN) in Paris in seinen Bann.Unbekannter Autor, S. 122. So begann er eine Stelle als naturwissenschaftlicher Assistent (aide-naturaliste) und Mitarbeiter von Isidore Geoffroy Saint-Hilaire (1805–1861) am MNHN,Ernest Préaubert, S. 21. der gerade den Platz für Mammalogie und Ornithologie von seinem Vater Étienne Geoffroy Saint-Hilaire (1772–1844) übernommen hatte. Geoffroy Saint-Hilaire erkannte sein Potential und übertrug ihm 1855 die Aufgabe in Voyage Autour du monde sur la fregatte la Vénus die Beschreibung der Säugetiere und Vögel, die von Abel Aubert Dupetit-Thouars (1793–1864) von seiner Weltumsegelung mit der Fregatte Venus mitgebracht hatte. Im Museum zeichnete er sich durch eine Reihe von Publikationen aus, die sehr viel dazu beigetragen haben, die damalige Zoologie weiterzuentwickeln. Die genaue Bestimmung der vorhandenen Vogelarten im Museum, die sich von vorhergehenden Beschreibungen oft deutlich unterschieden, zählte nicht zuletzt zu seinen bedeutendsten Verdiensten. Es waren insbesondere das nicht Vorhandensein von Übereinstimmungen, Doppelnennungen und unzureichender Diagnose von Georges Cuvier (1769–1832), Louis Pierre Vieillot (1748–1830) sowie deren Nachahmer René Primevère Lesson (1794–1849), die Pucheran überarbeitete, um Verwirrungen bei ausländischen Zoologen zu mindern.

Zwischen 1841 und 1867 erschienen von Pucheran Skripten, Abhandlungen, Handbücher und Monographien. Viele von ihnen wurden in wissenschaftlichen Zeitschriften, wie Archives du Muséum d’Histoire Naturelle, Revue zoologique, Revue et magasin de zoologie pure et appliquée, Bulletin de la Société philomathique, Comptes rendus hebdomadaires des séances de l’Académie des sciences etc., publiziert. Die Themen reichten von der Mammalogie über Ornithologie, Anatomie, Anthropologie bis zur Physiologie.Jules Andrieu (1887), S. 218. Seine naturwissenschaftlichen Arbeiten können in zwei Bereiche eingeteilt werden. Da ist zum einen der Bereich der beschreibenden Arbeiten und zum anderen seine Synthesen, die sich aus den Lehren seines Mentors Geoffroy Saint-Hilaire entlehnten. In seinen Studien über die anatomischen Charaktereigenschaften orientierte er sich an den Lehren Jean-Baptiste Lamarcks (1744–1829) und Etienne Geoffroy Saint-Hilaires und hinterfragte die Methoden Cuviers.Unbekannter Autor, S. 126. Doch erweiterte er seine Forschungen um den Bereich Geozoologie, einen Bereich, der seit Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707–1788) nur noch stiefmütterlich behandelt wurde.Unbekannter Autor, S. 127. So arbeitete er beispielsweise die faunistischen Eigenschaften Afrikas in seinen Artikeln Esquisse sur la Mammalogie du continent africain hervor. Andere Faunen, die Pucheran beschrieb, waren u. a. Neuholland, Madagaskar oder der Äquator.Unbekannter Autor, S. 128.

Im Jahre 1840 kehrten die beiden Naturforscher Jacques Bernard Hombron (1798–1852) und Honoré Jacquinot (1815–1887) von ihrer Forschungsreise mit den Schiffen Astrolabe und Zèlée und ihrem Kapitän Jules Dumont d’Urville zurück. Zunächst publizierten die beiden 33 Vogeltafeln mit 82 abgebildeten Arten, die ab dem Jahre 1843 und später in Voyage au Pôle Sud et dans l’Océanie, sur les corvettes “l’Astrolabe” et “la Zélée” – Atlas zoologique erschienen. Von den illustrierten Arten beschrieben sie nur 15 in ihrem Artikel Description de plusieurs Oiseaux nouveaux ou peu connus, provenant de l’expédition autour du monde faite sur les corvettes l’Astrolabe et la Zélée (Annales des sciences naturelles, zoologie, Band 16, 1841, S. 312–320). Es dauerte bis ins Jahr 1853, als Pucheran zusammen mit Jacquinot endlich die Ausbeute an Säugetieren und Vögel dieser Reise beschrieb.Carl Johann Gustav Hartlaub (1854), S. 161. Zwischen 1865 und 1867 stand Pucheran in regem Briefwechsel mit dem berühmten Geologen und Paläontologen Adolphe d’Archiac (1802–1868).

1850 lernte er Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857) kennen, der für sein Conspectus generum avium von der Administration des Museums unterstützt wurde. Pucheran assistierte ihn bei diesem Vorhaben und edierte sogar Teile des Werkes.Unbekannter Autor, S. 130. Auch Bonaparte nutze das Fachwissen Pucherans und er wurde praktisch seine rechte Hand.Unbekannter Autor, S. 131.

Unglücklicherweise verlor Pucheran 1857 mit Bonaparte und 1861 mit Geoffroy Saint-Hilaire beide Förderer. Es war ein Rückschlag für seine Karriere, und im Jahr 1867 dankte er als naturwissenschaftlicher Assistent des Museums ab. Als Gegenleistung hierfür erhielt er den Orden der Ehrenlegion.

Im Alter von 50 Jahren zog er von Paris zurück nach Bouillousse im Département Lot-et-Garonne, wo er zwar als Arzt praktizierte, aber nicht mehr publizierte.

Orden und Mitgliedschaften Neben dem Titel Chevalier de la Légion d’Honneur erhielt Pucheran auch den Titel Chevalier de l’Ordre de la Conception de Portugal verliehen. Er war Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften wie der Société académique d'Agen, der Academia Real das Ciências de Lisboa, Zoological Society of London und vielen anderen französischen und ausländischen wissenschaftlichen Gesellschaften. 1847 wurde Pucheran Mitglied Nummer 307 der Société Cuvierienne.Société cuviérienne, S. 450. Bereits 1853 wurde er von Gustav Hartlaub als Ehrenmitglied der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft vorgeschlagen und schließlich auch gewählt.August Carl Eduard Baldamus, S. 115. Die Société d’études scientifiques d’Angers verlieh ihm im Jahre 1882 die Ehrenmitgliedschaft.

Dedikationsnamen Jules Bourcier (1797–1873) und Étienne Mulsant (1797–1880) beschrieben 1848 eine Unterart des Goldbauch-Smaragdkolibris. Sie nannten ihn zu Ehren Pucherans Trochilus Pucherani (heute Chlorostilbon lucidus pucherani). Im Englischen und im Französischen fand der Trivialname Pucheran’s Emerald und Émeraude de Pucheran Verwendung.Bo Beolens et al., S. 277. In ihrer Begründung für die Namenswahl schrieben sie:

Frédéric de Lafresnaye (1783–1861) nannte den Wangenstreif-Sensenschnabel Dendrocolaptes Pucheranii (heute: Campylorhamphus pucherani). Gelegentlich wird in der Literatur Marc Athanase Parfait Œillet Des Murs (1804–1894) als Erstautor genannt, der aber die Beschreibung von Lafresnaye geliefert bekam.Zoonomen Drymotoxeres (Campylorhamphus) pucheranii Nomenclature Im Französischen existiert bedingt durch Erstbeschreibung der Trivialname Falcirostre de Pucheran.Iconographie ornithologique Lafresnaye schrieb zur Namensbegründung:

Alfred Malherbe (1804–1865) verwendete 1949 für den Schläfenfleckspecht Zebrapieus Pucherani (heute Melanerpes pucherani). Im Englischen findet man auch den Trivialnamen Pucheran‘s Woodpecker. In der Erstbeschreibung heißt es:

Im Jahr 1851 beschrieb Émile Deville (1824–1853) erstmals den Rotschnabel-Grundkuckuck (Neomorphus pucheranii).

In seiner Abhandlung über Papageien aus der Sammlung von François Victor Masséna, zweiter Herzog von Rivoli und dritter Fürst von Essling (1799–1863), beschrieb 1856 Charles de Souancé (1823–1896) die für die Wissenschaft neue Art Geoffroyus Pucherani (heute Geoffroyus geoffroyi pucherani). Für ihn existiert auch der englische Trivialname Pucheran's Red-cheeked Parrot. In seiner Begründung für den Namen schrieb er:

Auch das Kräuselhauben-Perlhuhn beinhaltet in seinen wissenschaftlichen Namen den Namen Pucherans, nämlich Guttera pucherani. Carl Johann Gustav Hartlaub (1814–1900) bekam dieses Typusexemplar aus Paris, welches ein naturwissenschaftlicher Gehilfe des Museums namens Pierre Louis Rousseau (1811–) gesammelt hatte. Hartlaub beschrieb den Vogel 1856 zunächst unter dem Namen Numida Pucherani.Carl Johann Gustav Hartlaub (1856), S. 341.

Der österreichische Zoologe Leopold Fitzinger (1802–1884) widmete Pucheran schließlich 1867 das wissenschaftliche Artepitheton des Kolumbianischen Eichhörnchens Sciurus pucheranii.Leopold Joseph Franz Johann Fitzinger, S. 487. (Heute: Callosciurus prevostiiDon E. Wilson, DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World: A Taxonomic and Geographic Reference. Band 1. JHU Press, 2005, S. 779.) Eigentlich hatte Pucheran 1845 das Tier bereits unter dem Namen Sciurus rufoniger selbst beschrieben. Dieser Name war aber bereits durch John Edward Gray (1800–1875) im Jahr 1842 für eine Unterart des Prevost-Hörnchens (heute Callosciurus prevostii rufonigra, (Gray, 1842)) verwendet worden.Joel Asaph Allen, S. 116. Fitzinger entschloss sich deshalb für den Namen Funambulus Pucheranii.

Erstbeschreibungen von Jacques Pucheran Jacques Pucheran hat viele Gattungen, Arten und Unterarten als Erstautor beschrieben. Bei seinen Beschreibungen arbeitete er auch mit Jacquinot und Des Murs zusammen.

Gattungen Zu den Gattungen, die Pucheran beschrieben hat, gehören chronologisch: Aramides Pucheran, 1845 Atelornis Pucheran, 1846

mini|Geoffroy-Perückenaffe mini|Salomonenkakadu mini|Goldbrusttaube mini|Brandtaube

Arten Zu den Arten, die Pucheran beschrieben hat, gehören chronologisch:

Graukehlralle (Canirallus kioloides) [Pucheran, 1845] Rotstirn-Seidenkuckuck (Coua reynaudii) Pucheran, 1845 Rotbrust-Seidenkuckuck (Coua serriana) Pucheran, 1845 Cuvierralle (Dryolimnas cuvieri) [Pucheran, 1845] Zwergelsterchen (Lonchura nana) [Pucheran, 1845] Geoffroy-Perückenaffe (Saguinus geoffroyi) [Pucheran, 1845] Karminspint (Merops nubicoides) Des Murs & Pucheran, 1846 Roter Zwergmazama Mazama rufina [Pucheran, 1852], oft findet man in der Literatur auch Jules Bourcier als Erstautor. Dies ist falsch, denn Bourcier hatte das Tier nur im Lloa-Tal in den Cordillera der Provinz Pichincha (Cordillera Occidental) erlegt. Pembaeule (Otus rutilus) [Pucheran, 1849] Salomonenkakadu (Cacatua ducorpsii) Pucheran, 1853 Stephantaube (Chalcophaps stephani) Pucheran, 1853 Bronzemistelfresser (Dicaeum aeneum) Pucheran, 1853 Brandtaube (Gallicolumba crinigera) [Pucheran, 1853] Goldbrusttaube (Gallicolumba rufigula) [Pucheran, 1853] Karolinen-Monarch (Myiagra oceanica) Pucheran, 1853 Scharlachnacken-Honigfresser (Myzomela lafargei) Pucheran, 1853 Savannenpieper (Anthus lutescens) Pucheran, 1855 Schwarzfußmanguste (Bdeogale nigripes) Pucheran, 1855 Serval-Ginsterkatze (Genetta servalina) Pucheran, 1855 Afrikanische Rotnasenratte (Oenomys hypoxanthus) [Pucheran, 1855]

Unterarten Zu den Unterarten, die Pucheran beschrieben hat, gehören chronologisch:

Einfarbralle (Amaurolimnas concolor castaneus) [Pucheran, 1851] Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus setosus) Jacquinot & Pucheran, 1853 Perousefruchttaube (Ptilinopus perousii mariae) Pucheran, 1853 Nördlicher Brustbandtyrann (Corythopis torquatus anthoides) [Pucheran, 1855] Ozelot (Leopardus pardalis albescens) [Pucheran, 1855] Lippenbär (Melursus ursinus inornatus) Pucheran, 1855 Mauswiesel (Mustela nivalis numidica) Pucheran, 1855 Peruanischer Wollaffe (Lagothrix lagotricha tschudii) Pucheran, 1857 Buchfink (Fringilla coelebs moreletti) Pucheran, 1859

Werke

Literatur

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