mini|Darstellung Eleonores von Kastilien als junge Infantin von Jaume Serra, um 1375 Eleonore von Kastilien (spanisch Leonor; * um 1363; † 1415 oder 1416Nach einigen Quellen starb Eleonore von Kastilien am 27. Februar 1415 in Olite, nach anderen hingegen am 5. März 1416 in Pamplona.) war als Tochter König Heinrichs II. von Trastámara eine kastilische Infantin und als Gattin König Karls III. von 1387 bis 1415/16 Königin von Navarra.

Bereits ein Jahr nach der Proklamation ihres Gatten zum König kehrte sie 1388, entweder aus Angst um ihre Sicherheit oder wegen Ehestreitigkeiten, nach Kastilien zurück. Dort lebte sie sieben Jahre lang getrennt von ihrem Gemahl und mischte sich kräftig in die 1390 nach dem Tod König Johanns I. ausgebrochenen Machtkämpfe des kastilischen Adels ein. Erst 1395 begab sie sich unter dem Druck ihres Neffen, des kastilischen Königs Heinrich III., wieder nach Navarra, wo sie nun dauerhaft lebte. Bei mehreren Aufenthalten Karls III. in Frankreich führte sie an seiner Stelle die Regierung in Navarra.

Leben Abstammung; Jugend; Heirat mit Karl III. von Navarra Eleonore war eine Tochter des nachmaligen kastilischen Königs Heinrich II. von Trastámara und seiner Gattin Juana Manuel, der Tochter des Infanten Juan Manuel von Kastilien und dessen dritter Gemahlin Blanca Núñez de Lara. Über ihre Kindheit, die vom Bürgerkrieg zwischen ihrem Vater und dessen Halbbruder Peter dem Grausamen überschattet war, ist wenig bekannt. Mehrere Jahre lang mussten ihre Eltern in Aragonien leben, bis Heinrich II. 1366 im Kloster Las Huelgas nahe Burgos zum König gekrönt wurde. Im Juli 1366 trafen Juana Manuel und ihre Kinder Johann und Eleonore in Burgos ein. Nach der Niederlage Heinrichs II. in der Schlacht von Nájera (April 1367) kehrten sie nach Aragón zurück und verbrachten mit der Erlaubnis des französischen Königs Karl V. längere Zeit in der südfranzösischen Burg Peyrepertuse.María Narbona Cárceles, in: Julia Pavón Benito (Hrsg.): Reinas de Navarra, 2014, S. 650 ff. 1369 errang Heinrich II. den entscheidenden Sieg über Peter den Grausamen, den er ermordete.

Im Frieden von Alcoutim (1371), der den ersten erfolglosen Krieg König Ferdinands I. von Portugal gegen Heinrich II. von Trastámara beendete, war u. a. eine Vermählung Ferdinands mit Heinrichs Tochter Eleonore vorgesehen. Das Eheprojekt kam jedoch nicht zustande, da der portugiesische König sich in die damals an seinem Hof weilende Adlige Leonore Teles de Menezes verliebte, deren Ehe annullieren ließ und sie danach heiratete.

Zur Bekräftigung des im August 1373 unter Vermittlung des Kardinals Guy de Boulogne zwischen Navarra und Kastilien geschlossenen Friedens von San Vicente wurde die Verlobung Eleonores mit dem navarresischen Thronfolger Karl (III.) (genannt „der Edle“) vereinbart. Für sie wurde eine hohe Mitgift vereinbart, die Navarra für jene Gebiete, die es kraft des Schiedspruchs an Kastilien zurückgeben musste, entschädigen sollte. Bald danach trafen sich der navarresische König Karl II. (genannt „der Böse“) und König Heinrich II. in Briones. Von dort aus begleitete Karl (III.) den kastilischen Monarchen nach Burgos und verlobte sich hier im September 1373 mit Eleonore.Vicente Ángel Álvarez Palenzuela: Leonor de Trastámara, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version.

Im April 1375 schloss König Heinrich II. mit dem aragonischen Herrscher Peter IV. Frieden und besiegelte diesen ebenfalls durch ein Heiratsabkommen. Demzufolge vermählte sich Heinrichs Sohn, der kastilische Thronfolger Johann (I.), am 27. Mai 1375 zu Soria mit Peters Tochter Eleonore von Aragón; und gleichzeitig ehelichte Heinrichs Tochter Eleonore ebendort ihren Verlobten Karl (III.). Im Sommer 1376 erkannten die Cortes von Navarra die Thronfolgeansprüche des – damals noch nicht geborenen – ältesten Sohns von Eleonore und Karl (III.) an. Das Paar blieb einige Monate in Kastilien, wo Eleonore auch in den folgenden Jahren meist lebte.

Als John of Gaunt, 1. Duke of Lancaster 1377 seine Ansprüche auf den kastilischen Thron wieder aufgriff und England daher Kontakte mit Aragón und Navarra für ein gemeinsames Vorgehen gegen Kastilien anknüpfte, beschloss Karl II. von Navarra, seinen Sohn Karl (III.) an der Spitze einer Gesandtschaft nach Paris zu entsenden. Dort sollte Karl (III.) offiziell mit dem französischen König Karl V. über die endgültige Lösung der Frage der navarresischen Besitzungen in Frankreich verhandeln, insgeheim aber auch mit englischen Vertretern Gespräche führen, um gemeinsame Pläne gegen Frankreich und Kastilien zu erörtern. Vor dem Reiseantritt verabschiedete sich Karl (III.) im April 1377 von seiner Gemahlin Eleonore und begab sich nach Paris. Die heimlichen Umtriebe des navarresischen Kronprinzen mit den Engländern wurden aber im März 1378 von den Franzosen entdeckt. In der Folge wurde Karl (III.) in Paris inhaftiert und sein Kammerherr Jacques de la Rue enthauptet; ferner wurden alle Schlösser und Städte des navarresischen Königs in der Normandie mit Ausnahme von Cherbourg beschlagnahmt. Kastilische Truppen drangen erfolgreich in Navarra ein, dessen König Karl II. daraufhin im März 1379 den für ihn ungünstigen Vertrag von Briones mit Kastilien schließen musste. Eleonore bat ihren Bruder Johann I., der seit Mai 1379 neuer kastilischer König war, sich beim französischen Monarchen für die Freilassung ihres Gatten einzusetzen. Erst nach dem Tod Karls V. von Frankreich im September 1380 erreichte Johann l. durch seine Fürbitte bei den Brüdern Karls V, die als Vormünder des jungen Königs Karl VI. fungierten, dass Karl (III.) von Navarra im Oktober 1381 seine Freiheit zurückerhielt. Kurz danach sah Eleonore ihren heimgereisten Gatten in Valladolid wieder.Vicente Ángel Álvarez Palenzuela: Carlos III, in: Diccionario biográfico español, Madrid 2009–2013, Online-Version.Martin Philippson: Karl III., König von Navarra. In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, 33. Teil (1883), S. 259.

Nach dem Tod ihres Vaters (1379) war Eleonore Herrin eines großen, zwischen Roa und Sepúlveda gelegenen Lehnsgutes geworden. Ihr Gemahl hielt sich nach seiner Freilassung fünf Jahre meist in Kastilien auf. Eleonore gebar ihm in dieser Zeit mehrere Töchter. Als Karl II. von Navarra am 1. Januar 1387 starb, folgte ihm sein ältester Sohn als Karl III. auf den Thron, womit Eleonore zur Königin von Navarra aufstieg.

Königin von Navarra An der Seite ihres Gatten Karl III. übersiedelte Eleonore nun erstmals für längere Zeit nach Navarra. Im Sommer 1387 war sie wie andere Mitglieder der Königsfamilie eine Zeitlang krank. Das ihr zugewiesene Jahreseinkommen betrug 18.000 Gulden und wurde im Februar 1388 erhöht.

Rückkehr und langer Aufenthalt in Kastilien Im Februar 1388 begleitete Eleonore ihren Gemahl zu seinem Treffen mit ihrem Bruder, König Johann I. von Kastilien, nach Calahorra. Bei dieser Gelegenheit erbat sie die Erlaubnis, sich einige Zeit in ihre Heimat Kastilien zurückziehen zu dürfen. Zur Begründung behauptete sie, im kastilischen Klima eine Krankheit, die sie in Navarra befallen hatte, besser auskurieren zu können. Sie nahm ihre vier kleinen Töchter mit sich und residierte in Valladolid. Indessen sind die wahren Gründe für die jahrelange Trennung von ihrem Gatten unklar. Im April 1390 forderte ihr Gatte sie durch seine Gesandten Ramiro de Arellano und Martin de Aibar zur Rückkehr nach Navarra auf, da sie inzwischen genesen sei und sich gemeinsam mit ihm krönen lassen solle. Der kastilische König unterstützte diesen Wunsch Karls III. Eleonore brachte dagegen vor, dass sie in Navarra geringschätzig behandelt worden sei und dass sie die ihr zugewiesenen, ohnehin geringen Einkünfte nicht bekommen habe; ja sie glaubte sogar, dass der königliche Leibarzt sie habe vergiften wollen.

Manche Historiker vermuten, dass Eleonores Motiv für ihre lange Trennung von ihrem Gatten Ehestreitigkeiten gewesen seien.So etwa Sie nahm wohl Anstoß an der Anwesenheit der Mätresse ihres Gatten, María Miguel de Esparza, am navarresischen Hof. Karl III. hatte mit dieser Geliebten einen unehelichen Sohn, Lancelot, gezeugt. Eleonore fürchtete vielleicht, dass Lancelot die Nachfolgerechte ihrer Töchter gefährden könnte, obwohl illegitime Kinder gemäß den navarresischen Fueros von der Thronfolge ausgeschlossen waren.Elena Woodacre: The Queens Regnant of Navarre, 2013, S. 79. Wahrscheinlich waren auch bestimmte Kreise Navarras Eleonore gegenüber feindlich gesinnt, lagen doch die Auseinandersetzungen mit Kastilien und die harten Bedingungen des Vertrags von Briones noch nicht lange zurück. Für ihre Rückkehr nach Navarra verlangte Eleonore, dass ihr persönliche Garantien gegeben und einige Festungen als Pfand übertragen werden sollten, um ihre gerechte Behandlung zu sichern. Die Forderung nach der Übergabe navarresischer Festungen wiesen die Gesandten Karls III. zurück. So blieb Eleonore in Kastilien, während sich ihr Gatte 1390 in Pamplona allein krönen ließ. Nur ihrer ältesten Tochter Johanna wurde die Rückkehr nach Navarra gestattet, wo diese in Ermangelung legitimen männlichen Nachwuchses des Königs von den Cortes als Thronerbin anerkannt wurde.Martin Philippson: Karl III., König von Navarra. In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 2. Sektion, 33. Teil (1883), S. 260.

Am 9. Oktober 1390 starb Johann I. von Kastilien an einem Reitunfall und ihm folgte sein unmündiger Sohn Heinrich III. Eleonore schlug ihrem Gemahl ein weiteres Mal die Bitte ab, sich wieder zu ihm zu begeben, obwohl er offiziell die Zusage gegeben hatte, sie äußerst zuvorkommend zu behandeln. Stattdessen griff sie in den nächsten Jahren in die nach dem Tod Johanns I. ausgebrochenen Kämpfe zweier Adelsparteien in Kastilien ein. Dabei befehdeten sich der niedere Adel, der am Hof des verstorbenen Königs Ämter bekleidet hatte, und die dem Hochadel angehörigen Söhne und Neffen König Heinrichs II. Letzterer Gruppe gehörte auch Eleonore an, ferner u. a. ihre Halbbrüder Fadrique, Herzog von Benavente, und Alfonso Enríquez, Graf von Gijón and Noreña. An den Machtkämpfen nahmen auch zwei hohe Prälaten führenden Anteil, nämlich Juan García Manrique, Erzbischof von Santiago de Compostela, und Pedro Tenorio, Erzbischof von Toledo, die erbitterte Gegner waren. Während der Minderjährigkeit Heinrichs III. wurde ein sehr großer Regentschaftsrat gebildet, an dem alle die Herrschaft begehrenden Gruppen beteiligt waren. Eleonore bemühte sich, die Gruppe der Hochadligen zusammenzuhalten und erreichte im August 1391, als ein bewaffneter Konflikt zwischen den beiden verfeindeten Lagern drohte, durch Verhandlungen die Vermeidung eines Zusammenstoßes. Damals war sie maßgeblich am Zustandekommen der sog. Übereinkunft von Perales (spanisch Concordia de Perales, 29. August 1391) beteiligt, welche die Gültigkeit des Testaments Johanns I. mit einigen Änderungen wiederherstellte und die wesentliche Macht dem Hochadel übertrug. Der niedere Adel wusste aber die Unterstützung der städtischen Prokuratoren auf den Cortes von Madrid und Burgos zu gewinnen und den Einfluss des Hochadels im Zug der Machtkämpfe stark zurückzudrängen.