mini|Blick von Südwesten auf die Alte Kirche nach der im Sommer 2023 erfolgten Außenrenovierung. Auf der Wiese links vor der Kirche steht die im Dezember 2023 enthüllte Figur LokalGlobal mini|Alte Kirche – Südansicht im Februar 2022 mit einer später nicht verwirklichten Musterfläche für die Außenrenovierung Die Alte Kirche ist die ehemalige römisch-katholische Pfarrkirche der in der Gemeinde Sankt Bartholomä in der Weststeiermark gelegenen Pfarre St. Bartholomä an der Lieboch. Patron der Kirche war der Apostel Bartholomäus. Sie wurde vermutlich um 1200 von den Herren zu Plankenwarth erbaut. Eine erste urkundliche Erwähnung ist jedoch erst für das Jahr 1319 belegt. Die Kirche unterstand seit ihrem Bau der steirischen Mutterpfarre Gratwein und war ab 1607 dem Stift Rein unterstellt.

Trotz zuvor erfolgter Sicherungsarbeiten gab 1834 eine der Kirchenmauern nach und es entstand ein großer Riss im Mauerwerk. Deshalb entschloss die Gemeinde sich zum Bau einer neuen Pfarrkirche, der „neuen Kirche“, die 1867 geweiht wurde. Die Alte Kirche erhielt den Status einer Filialkirche, bis sie 2023 profaniert wurde. Nachdem die Kirche im 20. Jahrhundert dem Verfall überlassen war, organisierte der Politiker Hanns Koren ab 1975 eine Instandsetzung des Gebäudes.

Die Alte Kirche ist eine im Kern romanische und in der Mitte des 15. Jahrhunderts spätgotisch erweiterte Saalkirche. Ihr Kirchturm mit Zwiebeldach ist im Südosten an das Langhaus angebaut. Im Erdgeschoß des Turms ist mit der „Hanns Koren Jahrhundertmuseum“ eine Gedenkstätte an Hanns Koren eingerichtet. Die Kirchenausstattung, die nach der Weihe der neuen Pfarrkirche im Gebäude verblieb, verschwand im Laufe der Jahre größtenteils spurlos, nur das barocke Altarretabel des Hochaltars mit dem Altarbild sowie die Kanzel blieben erhalten. Die Innenwände sind mit Freskenresten aus dem 15. Jahrhundert geschmückt.

Die Alte Kirche wird als Ausgangspunkt für Prozessionen, als Aufbahrungshalle der Pfarre und als Konzert- und Veranstaltungsraum genutzt.

Lage mini|Lage der alten und der neuen Pfarrkirche im Ortsgebiet von Sankt Bartholomä Die Kirche steht im westlichen Teil der Gemeinde Sankt Bartholomä auf einer von zwei kleinen Gräben begrenzten Anhöhe an einem Abhang im Norden des Dorfes Sankt Bartholomä. Diese Anhöhe ist ein nach Osten, in Richtung Liebochbach verlaufender Ausläufer des zwischen Kreuzegg und dem Fuchskogel liegenden Hügelrückens. Die Kirche befindet sich auf einer Seehöhe von rund 475 Metern und liegt damit tiefer als der Ortskern und die neue Pfarrkirche. Zur Kirche führt der Alte Kirche Weg, der in westliche Richtung von der vom Liebochbach nach Sankt Bartholomä führenden St.-Bartholomä-Straße (L 316) abzweigt. Eine Zufahrt ist auch von der etwa 100 Meter südwestlich verlaufenden Lichteneggstraße sowie von der rund 125 Meter westlich liegenden Siedlungsstraße über geschotterte Wege möglich. Ursprünglich verlief der Fahrweg vom Liebochtal zum alten Pfarrhof an der Kirche vorbei.

Auf dem Kirchenvorplatz steht ein großes Kruzifix sowie eine von Alfred Schlosser geschaffene Büste Hanns Korens. Im Dezember 2023 wurde vor der Kirche ein weiteres Denkmal für Koren enthüllt. Aus 33 Einreichungen war die Arbeit LokalGlobal von Werner Reiterer ausgewählt worden.

Geschichte Ursprünge und die Mutterpfarre Gratwein Der Ort Sankt Bartholomä gehörte zum Pfarrsprengel der vermutlich schon im 9. Jahrhundert vom Erzbistum Salzburg als Mutterpfarre gegründeten Pfarre Gratwein, die allerdings erst 1136 erstmals urkundlich genannt wird. Da der Gratweiner Pfarrsprengel eine große Fläche umfasste, wurden bereits früh für die Seelsorge der Bevölkerung Kirchen mit eigenem Pfarrbezirk errichtet, die aber als Pfarrvikarien weiterhin der Mutterpfarre und deren Pfarrer unterstellt waren. Wann genau die Kirche in Sankt Bartholomä erbaut wurde, ist unklar. Wie die meisten der Gratweiner Kirchen dürfte auch sie von den dortigen Grundherren errichtet worden sein. In Sankt Bartholomä waren das die ab 1179 urkundlich nachweisbaren Herren zu Plankenwarth, die vermutlich um 1200 oder später die erste Kirche errichten ließen und um die Einsetzung eines Seelsorgers baten. Der Standort lag nahe der Gratweiner Pfarrgrenze, aber günstig an der Kreuzung mehrerer Verkehrswege. Am 2. April 1260 wollte der Salzburger Erzbischof Ulrich von Seckau die Mutterpfarre Gratwein zusammen mit allen ihr unterstellten Kirchen und Kapellen dem Stift Seckau übertragen. Zu der Übergabe kam es aber nicht und aus dem dazugehörigen Vertrag geht nicht hervor, welche Orte im Pfarrgebiet bereits über eine eigene Kirche verfügten. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass zu dieser Zeit schon die meisten der späteren Pfarrkirchen bestanden.

Erstmals namentlich erwähnt sind ein Pfarrer und damit indirekt auch eine Kirche am 29. November 1319, als ein Friedrich plebanus in Lyboch in einer Urkunde des Stiftes Rein genannt wird. Die Pfarre selbst wird erstmals als parrochia Lyboch in einer Reiner Urkunde vom 23. April 1321 erwähnt. In den ältesten Quellen ist die Kirche nach dem Liebochbach benannt, während der Patroziniumheilige Bartholomäus erstmals 1373 erwähnt wird.

15. bis 18. Jahrhundert Vermutlich in der Mitte des 15. Jahrhunderts, unter dem Pfarrer Andreas von Fürstenberg, wurde die Kirche durch den Anbau eines Chors und einer Sakristei erweitert. Dieser Zubau ist durch eine bis 1834 an der Kirchenwand angebrachte und in der Pfarrchronik dokumentierte Inschriftentafel belegt. Wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die flache Holzdecke im Kirchenschiff durch ein Netzgewölbe ersetzt. Im Jahr 1528 erfolgte eine Visitation der Kirche und der zugehörigen Pfarre.

Durch einen am 28. April 1607 vollzogenen Tausch, bei dem die Zisterzienser ihr Kloster in Friesach an den Salzburger Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau abgaben, gelangte die Hauptpfarre Gratwein zusammen mit ihren sieben Pfarrvikariaten an das Stift Rein. Dadurch kam auch die Kirche von Sankt Bartholomä in den Stiftsbesitz, und der im Mai 1603 eingesetzte Hans Khaindorffer war der letzte von der Diözese bestellte Pfarrer. Ab 1629 stellte das Stift die Pfarrer. Der Reiner Abt Matthias Gülger führte 1618 eine Visitation des neu erworbenen Pfarrgebietes durch, bei der er am 27. Oktober nach Sankt Bartholomä kam. Der Visitationsbericht nennt vier Altäre in der Pfarrkirche sowie einen kleinen Pranger am Friedhof zum Vollzug von Strafen bei geringfügigen Vergehen. Gülger befahl, den Pranger zu entfernen und durch ein Kreuz zu ersetzen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden sowohl die Kirche als auch der Pfarrhof als in einem schlechten Bauzustand befindlich beschrieben. So wurde 1784/85 beim Pfarrhof eine Stützmauer aufgezogen, um ein Nachgeben der Mauern zum Friedhof hin zu verhindern. Zwischen 1789 und 1791 kam es zur Restauration und Neugestaltung des Innenraums der Kirche unter dem Pfarrer Robert Schwarz. Er ließ eine bisher vorhandene Trennmauer zwischen Langhaus und Chor entfernen und neue Fensteröffnungen ausbrechen. Auch die Sakristei wurde aufgestockt, um dort ein Oratorium unterzubringen. Die Errichtung von drei neuen Altären, der Kanzel sowie der Orgelempore stellten den Abschluss der Bauarbeiten dar. Durch Brandstiftung wurde am 1. September 1797 das Wirtschaftsgebäude schwer beschädigt, die Kirche blieb aber von dem Feuer verschont.

Ab dem 19. Jahrhundert Die Mauerbänke (auf dem Mauerwerk aufliegende Dachbalken) des Turmdaches sowie das Holz der Dachkonstruktion befanden sich 1819 in einem so schlechten Zustand, dass sie als einsturzgefährdet galten. Aus diesem Grund ließ der Reiner Abt Ludwig Crophius 1824 den Turm um ein Geschoß erhöhen und das bisherige Dach durch einen Zwiebelhelm mit Laterne ersetzen. Es wurde auch eine neue Turmuhr eingebaut. Durch Aushubarbeiten und die nahe an der Kirchenmauer gelegenen Gräber des Friedhofs gab 1834 eine der Kirchenmauern nach und es entstand ein großer Riss im Mauerwerk. Um einen Einsturz zu verhindern, wurden Anker eingezogen. Während der Sicherungsarbeiten äußerte Ludwig Crophius erstmals den Wunsch nach einem Kirchenneubau. Ein Grund für diesen Wunsch dürfte neben dem baulichen Zustand der Pfarrkirche auch gewesen sein, dass der Platz in der Kirche für die gewachsene Zahl von Gläubigen in der Pfarre nicht mehr ausreichte. Der Friedhof der Pfarre wurde 1838 von seinem bisherigen Standort rund um die Kirche auf die westlich davon gelegene Anhöhe verlegt. Mit einiger Verzögerung wurde schließlich von 1864 bis 1867 die neue Pfarrkirche auf einer Anhöhe südlich der alten errichtet.

Im Herbst 1867 wurde das aus fünf Glocken bestehende Geläut in den Kirchenneubau überstellt. Am 17. November 1867 weihte der Seckauer Fürstbischof Johann Baptist Zwerger die neue Pfarrkirche. Die Feier begann mit einem Frühgottesdienst in der jetzt alten Pfarrkirche, bevor es zum Einzug in die neue Pfarrkirche und zur Weihe kam. Die Gottesdienste in den nachfolgenden Tagen wurden zunächst weiter in der alten Pfarrkirche gehalten. Erst am ersten Adventssonntag 1867 wurde das Allerheiligste in die neue Pfarrkirche übertragen.

Die alte Pfarrkirche wurde zu einer Filialkirche und nur mehr zu Ostern als Heiliges Grab genutzt. Ein Großteil der Ausstattung verblieb zunächst in der Kirche, verschwand aber im Laufe der Jahre spurlos. Im Spätsommer 1933 stürzte die Orgelempore ein und zerstörte einen Teil der Kirchenbänke. Sie wurde bis Ende November desselben Jahres vollständig abgetragen. Durch das löchrige Dach drang immer wieder Regenwasser in das Kircheninnere und legte alte Fresken frei. In den folgenden Jahren kamen wiederholt Wünsche zu einer Umgestaltung des alten und mittlerweile funktionslosen Kirchengebäudes auf. So gab es Pläne für den Umbau zu einem Kinosaal oder zu einer Freilichtbühne, die aber nie ausgeführt wurden.

Im Jahr 1966 wurden der Zwiebelhelm und das Gesims am Kirchturm erneuert, wobei das alte Ziffernblatt der Turmuhr teilweise zerstört wurde. Im selben Jahr stürzte die westliche Mauer des Langhauses ein und zerstörte einen Teil des Gewölbes. Ab 1975 organisierte der Volkskundler und Landtagspräsident Hanns Koren, der in der Pfarre Sankt Bartholomä seine Wahlheimat fand, die Sicherung und Renovierung der Kirche. Für die Planungsarbeiten der Sanierung zeichnete der Architekt Gerhard Lojen verantwortlich. Im Rahmen der Renovierungsarbeiten wurde die eingestürzte Westwand neu aufgebaut und der fehlende Teil des Gewölbes durch eine flache Holzdecke ersetzt. Ein Ziegelpflaster wurde gelegt und eiserne Anker zur Sicherung der Wände wurden eingezogen. Ferner wurden neue Türen und Fenster eingebaut. Die so renovierte Kirche wurde am 20. November 1976 als Kulturstätte feierlich eröffnet. Profaniert wurde sie erst im August 2023.

Ein Blitzschlag im Sommer 1988 verursachte einen Brand im Turm und zerstörte den Helm, der 1989 wiederhergestellt wurde. Im Erdgeschoß des Turmes wurde 1999 mit der „Korenstub’n“ eine Dauerausstellung zu Ehren Hanns Korens eingerichtet. Seit der Renovierung dient die Kirche als Aufbahrungshalle und Konzert- und Veranstaltungsraum. Sie ist des Weiteren Ausgangspunkt für Prozessionen zu Mariä Lichtmess, am Palmsonntag und zu Erntedank.

mini|Montage das sanierten Zwiebelhelms Ab Pfingsten 2023 wurde die Kirche durch die Gemeinde außen großflächig renoviert. Dabei wurde auch ein neuer Kalkputz aufgezogen. Am 20. September 2024 erhielt die Alte Kirche die Auszeichnung Steirisches Wahrzeichen, die für vorbildliche und vom Land Steiermark geförderte Revitalisierung eines historisch bedeutsamen Bauwerks verliehen wird. Um den Zwiebelhelm zu sanieren und die Schindeln auszutauschen, wurde er Ende April 2025 mit einem Kran vom Turm gehoben und am 11. Juli wieder aufgesetzt. Anfang September 2025 wurde auch das neu gestaltete Korenmuseum im Turm neu eröffnet. Mittels eines Schenkungsvertrag ging die Kirche im September 2025 auch in den Besitz der Gemeinde Sankt Bartholomä über.

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